Naturkatastrophe oder Terrorgefahr - Tipps für Reisende

12.11.2019

Hurrikans, Vulkanasche oder Erdbeben bringen immer wieder den Flugverkehr durcheinander. Bei Terroranschlägen oder politischen Unruhen fragen sich verunsicherte Urlauber, ob sie eine Reise stornieren können. ADAC Juristen informieren über Ihre Rechte.

Rauchender Vulkan
Reise stornieren wegen Vulkanausbruch, Erdbeben, Hurrikan oder Terrorgefahr (Foto: iStock.com/Lucy Brown Loca4Motion)
  • Flug wegen Naturgewalten oder Terror annulliert – Umbuchung oder Ticketpreis zurück
  • Pauschalreisende haben Ansprüche gegen den Reiseveranstalter
  • Kostenlose Stornierung der Reise nur, wenn das Urlaubsgebiet konkret betroffen ist

Das sind außergewöhnliche Umstände

Durch sog. außergewöhnliche Umstände kann die Urlaubsfreude schon vor Reisebeginn erheblich leiden. Darunter versteht man Umstände, die von Airline oder Reiseveranstalter nicht beherrschbar sind. Das sind z.B.:

  • Naturkatastrophen, wie z.B. Vulkanausbruch, Tsunami, Erdbeben, Überschwemmung oder ein Hurrikan
  • plötzlich auftretende Krankheit oder Epidemie am Urlaubsort 
  • Terroranschläge und politische Unruhen, die eine sichere Reise zum vereinbarten Reiseziel unmöglich machen

Flug annulliert wegen Erdbeben, Überschwemmung, Vulkanasche oder Hurrikan

Sie haben Ansprüche gegen die Airline, wenn Ihr Flug wegen einer Naturkatastrohe, Terrorgefahr oder politischen Unruhen annulliert wurde.

Geld zurück oder Umbuchung

Sie können die Rückerstattung des kompletten Ticketpreis (inkl. Steuern und Gebühren) verlangen. Alternativ haben Sie einen Anspruch auf kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flugtermin.

Essen, Getränke und Hotelunterkunft

Am Flughafen muss Sie die Airline mit Mahlzeiten und Getränken verpflegen und Ihnen die Möglichkeit zur Telekommunikation geben. Außerdem muss Ihnen bei der Annullierung Ihres Fluges eine Hotelunterkunft ggf. mit Transfer dorthin angeboten werden, wenn Sie am Flughafen „gestrandet" sind und ein Ersatzflug erst am nächsten Tag startet.

Keine Ausgleichszahlung

Die Airline muss keine Ausgleichszahlung leisten, wenn die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht. Die Beweislast liegt bei der Airline. Die Airline muss auch vortragen, dass sie alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat, um die Beeinträchtigung für den Fluggast so gering wie möglich zu halten.
ADAC Juristen haben eine Übersicht zu außergewöhnlichen Umständen, 282,05 KB erstellt, der Sie konkrete Beispiele für solche Umstände entnehmen können.

Kostenersatz

Wenn der Flug nicht wie geplant stattfindet, entstehen Fluggästen manchmal weitere Kosten z.B. für eine bereits gebuchte Unterkunft oder ein Mietfahrzeug, wenn diese nicht kostenfrei storniert oder umgebucht werden können. Fällt der Flug wegen außergewöhnlichen Umständen aus oder findet der Flug verspätet statt, können Sie in der Regel keinen Anspruch auf den Ersatz dieses Schadens bei der Airline geltend machen. 

Weitere Informationen zur Annullierung oder Verspätung von Flügen finden Sie hier.

Ansprüche bei Pauschalreisen

Rücktritt vor Reisebeginn

Wenn Ihre Reise noch bevorsteht, stellt sich die Frage, ob Sie Ihren gebuchten Urlaub überhaupt antreten müssen, wenn an Ihrem Urlaubsort außergewöhnliche Umstände auftreten.

Reisende können jederzeit vom Reisevertrag zurücktreten, allerdings fallen dann in der Regel Stornogebühren an. Wenn außergewöhnliche Umstände am Reiseziel auftreten, entfällt die Stornogebühr – folgende Voraussetzungen müssen dafür zutreffen:

  • Urlaubsort direkt betroffen

Die Umstände müssen unmittelbar am Urlaubsort oder zumindest in unmittelbarer Nähe auftreten. Die Anreise oder die Durchführung der Reise muss erheblich beeinträchtigt sein. 

Beispiel: Sie können nicht kostenfrei zurücktreten, wenn ein Vulkan im Süden des Landes ausbricht, der Flughafen im Norden aber ohne Schwierigkeiten angeflogen werden kann und der Hotelaufenthalt durch den Ausbruch nicht beeinträchtigt wird. Ist der Ausbruch so schwer, dass wegen der Aschewolke keine Flüge zum Flughafen im Norden des Landes stattfinden können, könnten Sie wegen außergewöhnlichen Umständen kostenlos stornieren.

  • Zeitliche Nähe zur Reise

Die Umstände müssen im zeitlichen Zusammenhang mit der Reise stehen.

Beispiel: Ist das Reiseziel im Januar von einer Überschwemmung betroffen, lässt sich nicht sagen, ob die erst für den August gebuchte Reise noch beeinträchtigt sein wird. Es gibt keine gesetzlichen Vorschriften, bei welcher Zeitspanne ein kostenfreier Rücktritt möglich ist. Es ist eine Abwägung des Einzelfalls erforderlich. Informieren Sie sich daher zunächst bei Ihrem Reiseveranstalter. Viele Veranstalter bieten aus Kulanz eine kostenfreie Stornierung oder zumindest eine Umbuchung an.

Der Reiseveranstalter kann sich vor Reisebeginn von dem Reisevertrag lösen, wenn er die gebuchte Reise wegen außergewöhnlichen Umständen nicht durchführen kann. Reisende können den (an-)gezahlten Reisepreis zurückverlangen.

Reiseabbruch wegen außergewöhnlicher Umstände

Sind Sie schon im Urlaub, stellt sich die Frage, ob Sie beim Auftreten außergewöhnlicher Umstände bis zum Ende bleiben müssen oder vorzeitig zurückreisen können.

  • Kündigung 

Sie können die Reise kündigen, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten, die die Reise erheblich beeinträchtigen. Sie müssen dann nur die tatsächlich durchgeführten Reisetage bezahlen. Für die übrige Zeit können Sie vom Reiseveranstalter die Erstattung des Reisepreises verlangen. 

  • Rückreise

Auch nach der Kündigung muss der Veranstalter für Ihre Rückreise sorgen. Entstehen dafür anfallende Mehrkosten, muss der Reiseveranstalter diese übernehmen.
Ist die Rückreise wegen außergewöhnlichen Umstände nicht möglich (z.B. weil aufgrund einer Flutwelle keine Ausreisemöglichkeit besteht), muss der Reiseveranstalter die Kosten einer notwendigen Unterbringung für höchstens drei Tage übernehmen.

  • Hilfeleistungen 

Der Reiseveranstalter muss Ihnen mit Hilfe beistehen, indem er Sie über Gesundheitsdienste, Behörden vor Ort und mögliche konsularische Unterstützung informiert. Außerdem muss er Sie bei der Herstellung von Kommunikationsverbindungen und der Suche nach anderen Reisemöglichkeiten unterstützen.

Der Reiseveranstalter hat nach dem Beginn der Reise keine Möglichkeit, den Reisevertrag wegen außergewöhnlicher Umstände zu kündigen.

Reisende verunsichert - kostenlose Stornierung möglich?

Nicht immer lässt sich zweifelsfrei beurteilen, ob außergewöhnliche Umstände die Reise beeinträchtigen werden. Problematisch sind Ereignisse, bei denen unklar ist, ob sie stattfinden werden oder nicht. Viele Reisende sind in solchen Fällen verunsichert und wollen die Reise gar nicht erst antreten, sondern den Vertrag kostenfrei stornieren.

Beispiele:

  • Ein Vulkan brodelt schon, wann und in welchem Umfang er ausbricht, ist aber unklar. 
  • Ein Hurrikan wird für das Reisegebiet erwartet, ändert möglicherweise aber noch seinen Kurs oder der Sturm flaut ab.
  • Im Reisegebiet kommt es hin und wieder zu Terrorakten.

 

Vulkanausbruch, Überschwemmung, Erdbeben oder Hurrikan

Nach der Rechtsprechung besteht ein Kündigungsrecht des Reisenden, wenn mit erheblicher Wahrscheinlichkeit eine Gefährdung für Leib und Leben des Reisenden eintreten wird. Eine solche erhebliche Wahrscheinlichkeit wird z.B. bei einer Eintreffwahrscheinlichkeit eines Tornados von 25 % angenommen.

Terrordrohungen oder Anschläge

Sie können wegen Terroranschlägen kostenfrei von der Reise zurücktreten, wenn die Anschläge bürgerkriegsähnlichen Zuständen gleichkommen und sich die allgemeine Terrorgefahr für Ihre konkrete Reise deutlich erhöht hat.

Vereinzelte Terroranschläge oder allgemeine Terror-Drohungen stellen hingegen Einzelattacken dar. Sie gelten als allgemeines Lebensrisiko des Reisenden. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Reiseveranstalter. Häufig bieten Reiseveranstalter bei außergewöhnlichen Umständen eine gütliche Einigung an.

Auswärtiges Amt erteilt Reisewarnung

Wenn unmittelbar vor Reiseantritt eine konkrete Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Ihr Reiseziel vorliegt, können Sie die Reise kostenlos stornieren. Bei nicht unmittelbar bevorstehenden Reisen sollten Sie die weitere Entwicklung vor Ort genau verfolgen. Informieren Sie sich in regelmäßigen Abständen beim Auswärtigen Amt über Sicherheitsrisiko und Reisewarnungen (www.auswärtigesamt.de*).

*Durch Anklicken der Links werden Sie auf externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.

Text: Juristische Zentrale