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Mehrwertsteuer sinkt: Was gilt bei Autokauf und Leasing?

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Shutterstock

Seit 1. Juli bis 31. Dezember 2020 wird die Umsatzsteuer bzw. Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Autokauf und Leasing.

  • Günstigerer Steuersatz: Entscheidend ist die Fahrzeugübergabe

  • Lieferung zu spät: Was im Vertrag geregelt sein sollte

  • Auch Autoleasing wird vorübergehend günstiger

Beim Autokauf können sich die drei Prozent Mehrwertsteuersenkung durchaus mit drei- bis vierstelligen Summen auswirken. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie den Vorteil beim Neuwagenkauf oder bei den Leasingraten für Ihr Fahrzeug ausnutzen möchten.

1. Autokauf: Welcher Termin ist für den Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent entscheidend?

Beim Autokauf hängt der jeweils richtige Steuersatz, also 19 oder 16 Prozent, vom Zeitpunkt
ab, zu dem die Leistung erbracht wird, sprich das Auto an den Käufer übergeben
wird – entweder vor oder nach dem 1. Juli (bis 31.12.2020). Keine Bedeutung haben
das Datum der verbindlichen Bestellung, der Vertragsschluss, das Datum der
Rechnungsstellung und wann die Rechnung bezahlt wird.

2. Werden am 1. Juli alle Autos billiger?

Wenn das Auto nach dem 1. Juli bestellt und vor dem 1. Januar 2021 geliefert wird, werden die Händler die Mehrwertsteuersenkung mit ziemlicher Sicherheit an die Kunden
weitergeben. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie als Vertreter zahlreicher Hersteller hat das so angekündigt.

3. Was passiert, wenn der Neuwagen vor dem 1. Juli 2020 bestellt wurde?

In der Praxis ist es üblich, dass im Kaufvertrag bzw. der verbindlichen Bestellung des Neuwagens der Nettopreis plus die gesetzlich gültige Umsatzsteuer ausgewiesen sind, und damit für den Verbraucher der zusätzlich angegebene Gesamt(brutto)preis vereinbart wird.

Wurde der Vertrag vor Bekanntwerden des zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes noch mit 19 Prozent Umsatzsteuer geschlossen, empfehlen ADAC Juristen, sich an den Händler zu
wenden und eine Vertragsanpassung im Wege der „ergänzenden Vertragsauslegung“ zu
verlangen. Argument: Hätten Verkäufer und Käufer von der temporären Steuersenkung zwischen Juli und Dezember 2020 gewusst, hätten sie den Vertrag sicherlich zu der dann gültigen 16-prozentigen Umsatzsteuer geschlossen. Wenn der Händler sich nicht darauf einlässt, muss das im Streitfall unter Umständen ein Gericht klären.

Eine steuerrechtliche Besonderheit: Wurde das Fahrzeug vor dem 1. März 2020 bestellt und wird zwischen 1. Juli und 31.12.2020 geliefert, besteht ein Anspruch auf Zahlung eines angemessenen Ausgleichs, in diesem Fall der Differenz zwischen 19 und 16 Prozent, gemäß § 29 Umsatzsteuergesetz (UStG). Die Vorschrift sieht einen Ausgleich bei langfristigen Verträgen bzw. längeren Lieferfristen (über vier Monaten) explizit vor.

4. Was passiert, wenn erst nach dem 31. Dezember geliefert wird?

Wenn das Fahrzeug innerhalb des nächsten halben Jahres bestellt und regulär erst nach dem 31. Dezember geliefert wird, werden wieder die 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnet. Wenn sich allerdings die Lieferung verzögert oder verspätet (was coronabedingt aktuell durchaus sein kann) empfiehlt es sich, mit dem Händler im Vertrag zu regeln, dass der Preis auch bei Lieferung nach dem 31.12.2020 reduziert bleibt.

5. Wie wirkt sich die Mehrwertsteuersenkung auf Leasingraten aus?

Leasinggeschäfte sind zeitlich begrenzte Dauerleistungen, die in der Regel in monatlichen
Teilleistungen erbracht werden. Maßgebend ist der Steuersatz, der bei Beendigung des jeweiligen Leasingmonats gilt. Für die sechs Monate bis Ende 2020 sollte mit dem Leasinggeber Kontakt aufgenommen werden, damit die Leasingraten angepasst werden.

Bei Leasing-Sonderzahlungen ist das anders: Die Sonderzahlung ist eine Einmalzahlung an den Leasinggeber zu Beginn des Leasingvertrags. Als Vorschuss zur Senkung der Leasingraten wurde sie bei einem Vertragsschluss vor dem 1.7.2020 mit 19 Prozent versteuert.

Da die Sonderzahlung jedoch als für den Gesamtzeitraum vereinnahmtes Entgelt angesehen wird, wird sie anteilig auf die Teilleistungszeiträume (in der Regel die monatlichen Leasingraten) umgelegt. Fallen Leasingraten in den Zeitraum von 1. Juli bis 31. Dezember 2020, sind diese nur mit 16 Prozent zu versteuern.

Der Leasingnehmer hat also Anspruch auf eine anteilige Senkung, in den meisten Fällen in Form einer Gutschrift. Der Mehrwertsteuervorteil ergibt sich also nicht für die gesamte Dauer des Leasingvertrags, sondern nur im Zeitraum der sechsmonatigen Absenkung. Bestehende Verträge sind gegebenenfalls entsprechend anzupassen.

Wer im Zeitraum von 1. Juli bis 31. Dezember 2020 einen Leasingvertrag schließt, muss
damit rechnen, dass die Berechnung von Leasingraten und Sonderzahlung dennoch
auf Basis einer 19-prozentigen Besteuerung erfolgt und für die Monate, in denen die 16 Prozent Mehrwertsteuer anfällt, eine Gutschrift erfolgt. Selbstverständlich ist es die Pflicht des Leasinggebers, auf diese Vorgehensweise vor Vertragsschluss hinzuweisen.