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Zu hoher Kraftstoffverbrauch: Das sind Ihre Rechte

Die Anzeige in einem Auto zeigt den Benzinverbrauch pro 100 Kilometer an
Fast die Hälfte der Autofahrer glaubt, dass ihr Auto mehr Sprit verbraucht als vom Hersteller angegeben ∙ © Shutterstock/Georgy Dzyura

Laut einer Umfrage im Auftrag der Versicherung Cosmos-Direkt glauben 43 Prozent der Autofahrer in Deutschland, dass ihr Fahrzeug mehr Kraftstoff verbraucht, als der Hersteller angibt. Welche Rechte hat der Fahrzeughalter, wenn tatsächlich Abweichungen von den Herstellerangaben ermittelt werden?

  • Mehrverbrauch muss durch Sachverständigen ermittelt werden

  • Rücktrittsrecht vom Kaufvertrag bei einem Mehrverbrauch von über zehn Prozent

  • Kaufpreisminderung schon bei Abweichungen unter zehn Prozent möglich

Grundsätzlich gilt: Verbraucht ein Neufahrzeug mehr Kraftstoff als der Hersteller angibt, liegt ein Mangel vor, der zu Sachmängelhaftungsansprüchen gegen den Verkäufer führen kann. Infrage kommen dabei Nachbesserung, Herabsetzung des Kaufpreises, Rückgängigmachung des Kaufvertrages oder Schadenersatz.

Kraftstoff-Mehrverbrauch: Auf die Umstände kommt es an

Zunächst müssen allerdings die Umstände und gegebenenfalls die Ursachen des Mehrverbrauchs festgestellt werden. Denn die Abweichung von den Herstellerangaben beweist für sich genommen diesen Mangel noch nicht. Der konkrete Verbrauch hängt nämlich auch vom Fahrverhalten des Nutzers und weiteren Umständen ab: Zum Beispiel häufige Kaltstarts, regelmäßige Staus, die Art der Ladung, die Sonderausstattung oder eine permanent laufende Klimaanlage.

Keine Ansprüche ohne Sachverständigen-Gutachten

Um Ansprüche gegen den Hersteller geltend machen zu können, reicht es nach Auskunft der ADAC Juristen daher nicht, wenn der Fahrzeughalter den abweichenden Verbrauch feststellt. Dieser muss objektiv von einem Sachverständigen ermittelt werden. Dabei werden die unter Laborbedingungen zustande gekommenen Angaben des Herstellers mit den ebenfalls unter Laborbedingungen gemessenen Werten des Sachverständigen verglichen.

Bei der Feststellung des Kraftstoffverbrauchs kommt seit 2018 ein neues Messverfahren zum Einsatz, das realistischere Ergebnisse liefert.

Stellt der Sachverständige einen Mehrverbrauch fest, liegt grundsätzlich ein Mangel vor. Bei der Frage, welche Ansprüche und Rechte der Halter hat, kommt es aber auf die Höhe der Abweichung von den Herstellerangaben an.

Die aktuelle Rechtsprechung

Laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) hat der Käufer bei einem Neufahrzeug ein Rücktrittsrecht vom Kaufvertrag, wenn die Abweichung bei über zehn Prozent liegt.

Bei einer Abweichung unter zehn Prozent gibt es bei einem Neufahrzeug prinzipiell ein Recht zur Kaufpreisminderung. Laut ADAC Verbraucherschützer Klaus Heimgärtner gibt es aber eine Einschränkung: Je nach Umständen könnten Gerichte zum Ergebnis kommen, dass ein gewisser geringer Mehrverbrauch aufgrund von Fertigungstoleranzen und unvermeidbaren Ungenauigkeiten hinzunehmen ist. Mit einer derartigen Begründung könnten sie eine Herabsetzung des Kaufpreises versagen. Eine höchstrichterliche Rechtsprechung zu dieser Frage liegt bislang nicht vor.

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