Neuwagenkauf: Auf was Sie bei der Bestellung achten müssen

Ein Mann und eine Frau unterzeichnen einen Vertrag für ein Auto
Bestellung eines Neuwagens: Kein allgemeines Rücktrittsrecht für den Kunden ∙ © iStock.com/martin-dm

Vertrag ist Vertrag – das gilt auch beim Autokauf. Wer eine verbindliche Bestellung unterschreibt, ist an die Bestellung gebunden. Es gibt kein allgemeines Rücktrittsrecht. ADAC Juristen erklären, auf was Sie bei der Neuwagenbestellung achten müssen.

  • Kunde ist drei Wochen an Bestellung gebunden

  • Rücktrittsrecht meistens nur gegen Stornogebühren

  • Das gilt bei der nachträglichen Erhöhung des Kaufpreises

Verlockende Angebote für einen Neuen gibt es viele. Bevor Sie einen Kaufvertrag unterschreiben, sollten Sie sich die Sache aber durch den Kopf gehen lassen. ADAC Clubjuristen geben Tipps für die Bestellung eines neuen Autos.

Neue Verbraucherrechte beim Kauf

Ab 1.1.2022 gilt: Verkauft ein Unternehmer an eine Privatperson beispielsweise ein Navi mit Navigationssoftware, also Ware mit digitalen Elementen, muss der Verkäufer dafür Updates zur Verfügung stellen. Er muss z.B. dafür sorgen, dass das Navi für einen gewissen Zeitraum mit Verkehrsdaten versorgt wird. Wie lang dieser Zeitraum ist, hängt davon ab, was im Kaufvertrag vereinbart wurde oder was der Käufer nach Art der gekauften Sache und der digitalen Elemente erwarten kann. Fehlen diese Updates, ist das ein Sachmangel.

Auch neu: Wer als Verbraucher von einem Unternehmer ein Produkt kauft, das keine digitalen Elemente enthält, also z.B. einen Kindersitz fürs Auto, profitiert von einer auf ein Jahr verlängerten Frist der Beweislastumkehr. Die bisherige Frist von sechs Monaten wird damit zu Gunsten der Verbraucher verdoppelt. Der Verkäufer muss im ersten Jahr nach dem Kauf beweisen, dass die Ware zum Zeitpunkt der Übergabe mangelfrei war.

Käufer an verbindliche Bestellung gebunden

Autohändler verwenden bei der Neuwagenbestellung fast immer eine sog. verbindliche Bestellung. Nach den Neuwagenverkaufsbedingungen handelt es sich dabei um ein Vertragsangebot des Käufers. Nach der Unterschrift ist der Kunde für drei Wochen an die Bestellung gebunden. Unterschreiben Sie daher die Bestellung nicht sofort, wenn Sie sich für Ihr Wunschauto entschieden haben.

Broschüre: Alles Wichtige zum Neuwagenkauf
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So kommt der Kaufvertrag zustande

Der Kaufvertrag kommt erst zustande, wenn der Verkäufer die Annahme der Bestellung in den drei Wochen schriftlich bestätigt oder das Auto liefert.

Weicht die Bestätigung von Ihrer Bestellung ab (z.B. andere Ausstattung, höherer Preis), kommt kein Vertrag zustande.

Eine geänderte Bestätigung ist ein neues Angebot des Verkäufers. Sie können es annehmen oder ablehnen.

Rücktritt oft nur gegen Geld

Wollen Sie das Auto doch nicht kaufen, weil Sie ein besseres Angebot erhalten haben oder es Ihnen nicht mehr gefällt, können Sie Ihre Bestellung nicht einfach stornieren. Es gibt kein allgemeines Rücktrittsrecht. In der Regel werden für die Stornierung 15 Prozent des Kaufpreises fällig.

Sie kommen ohne Kosten aus der Bestellung heraus, wenn

  • der Händler die Bestellung nicht innerhalb von drei Wochen schriftlich bestätigt oder das Auto liefert (bei Lagerfahrzeugen: zehn Tage, bei Nutzfahrzeugen: zwei Wochen).

  • die Bestätigung von der Bestellung abweicht.

  • Sie bei der Bestellung arglistig getäuscht wurden.

  • Sie minderjährig sind und Ihre Eltern dem Kauf widersprechen.

  • es sich um einen Internet-Vertrag handelt: Verbraucher haben ein zweiwöchiges Widerrufsrecht, wenn der Vertrag mit dem Händler über das Internet geschlossen wird.

  • Sie ein Widerrufsrecht bei Leasing- und Kreditverträgen haben.

  • der Preis nachträglich um mehr als fünf Prozent angehoben wird.

  • der Händler den unverbindlichen Liefertermin um sechs Wochen überzieht. Nach Ablauf der sechs Wochen müssen Sie eine weitere Frist von 14 Tagen setzen. Wenn der Händler das Auto innerhalb der Nachfrist nicht liefert, können Sie vom Vertrag zurücktreten.

Liefertermin festlegen

Achten Sie darauf, dass für die Lieferung ein möglichst konkretes Datum im Vertrag steht. Ungenaue Formulierungen wie „baldmöglichst“ oder „schnellstens“ sollten Sie vermeiden.

Lassen Sie – wenn möglich – im Vertrag auch festhalten, dass Sie einen kostenlosen Ersatzwagen bekommen, wenn der Händler nicht rechtzeitig liefert.

Wichtige Fragen an den Händler

  • Fragen Sie nach dem aktuellen Modell. Der Händler muss Sie nicht ungefragt informieren, ob in Kürze ein neues Modell herausgebracht wird.

  • Erkundigen Sie sich, ob das Auto ein Importfahrzeug ist.

  • Fragen Sie nach allem, was für Sie für den Kauf entscheidend ist.

  • Achten Sie darauf, dass für Sie wichtige Punkte schriftlich in der Bestellung aufgenommen sind.

  • Verhandeln Sie einen Endpreis, der die Überführungskosten enthält. Der Händler darf nur dann Überführungskosten verlangen, wenn sie ausdrücklich im Vertrag stehen. Akzeptieren Sie pauschale Überführungskosten, müssen Sie sie zahlen.

Nachträgliche Preiserhöhung

Vereinbaren Sie einen Festpreis für das neue Auto. Der Händler kann nach Abschluss des Vertrags den Preis nicht erhöhen, wenn diese Möglichkeit nicht ausdrücklich im Vertrag steht.

Eine formularmäßige Preisanpassungsklausel im Vertrag ist nur zulässig, wenn eine Lieferfrist von mehr als vier Monaten vereinbart wurde. Diese Frist wird ab dem Zustandekommen des Vertrags gerechnet. Außerdem muss die Klausel die Kriterien für die Preiserhöhung möglichst genau bezeichnen und dem Käufer ab einem bestimmten Erhöhungssatz (z.B. 5 Prozent des Kaufpreises) ein Rücktrittsrecht einräumen.

Es gibt Urteile, nach denen dem Kunden ein Rücktrittsrecht zusteht, wenn der Kaufpreis um mehr als fünf Prozent erhöht wird.

10 Spartipps für den Neuwagenkauf

Alle Infos zur Probefahrt vor dem Kauf und was Sie bei der Zulassung Ihres neuen Autos beachten müssen.

Petra Gerhäuser
Fach-Autorin
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Angela Baumgarten
Fach-Autorin
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