Ihre Rechte bei Rückruf und Produkthaftung

Rückrufaktion – was steht mir zu? ∙ © Shutterstock/Bell Ka Pang

Immer wieder werden auch neue Autos wegen Mängeln zurückgerufen. Welche Rechte Sie bei solchen Rückrufaktionen gegen den Hersteller haben. ADAC Juristen erklären Rückruf und Produkthaftung.

  • Bringen Sie Ihr Auto bei einem verpflichtenden Rückruf in die Werkstatt

  • Ablauf des Rückrufverfahrens

  • Ihre Rechte bei einem Rückruf

Autobesitzer sind oft verunsichert, wenn der Hersteller oder das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sie auffordert, das Auto wegen eines Rückrufs in die Werkstatt zu bringen. ADAC Juristen erklären, was Sie tun sollten und ob der Rückruf Kosten verursacht.

Verpflichtender Rückruf oder Serviceaktion

Das KBA kann einen verpflichtenden Rückruf anordnen, wenn die Sicherheit des Fahrers, der Insassen oder anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet ist.

Typische Beispiele:

  • Defekte Airbags

  • Defekte Bremsen

  • Teile, die sich bei der Fahrt vom Auto lösen können und dadurch andere Verkehrsteilnehmer gefährden

  • Ein Schild mit falschen Angaben zum Reifendruck im Tankdeckel

  • Umweltrelevante Mängel wie z.B. Ölverlust

Kommen Sie einem verpflichtenden Rückruf nicht nach, kann dies zur Zwangsstilllegung Ihres Autos führen.

Freiwillige Serviceaktion

Daneben gibt es die sogenannten freiwilligen Serviceaktionen. Hier wird unterschieden zwischen :

  • Stillen Aktionen, von denen der Kunde oft gar nichts mitbekommt (weil sie z.B. bei einer Wartung oder dem Reifenwechsel mit erledigt werden). Diese betreffen eher Komfortthemen und sind meist nicht zeitkritisch. Daher verzichten die Hersteller darauf, den Kunden dafür einen zusätzlichen Werkstatttermin zuzumuten. Auch mit einem älteren Auto kann sich der Weg in eine Markenwerkstatt lohnen, um zu prüfen, ob alle stillen Aktionen abgearbeitet wurden.

  • Öffentlichen Aktionen, bei denen der Kunde per Post oder über die Presse in die Markenwerkstatt gebeten wird. Dies wird dann gemacht, wenn ein hohes Risiko weiterer Schäden besteht.

Die Grenzen zwischen einem Rückruf und einer Serviceaktion sind oft nicht eindeutig. In solchen Fällen wird zwischen KBA und Hersteller entschieden, ob es sich um einen sicherheits- bzw. umweltrelevanten Mangel handelt oder nicht.

Das KBA entscheidet als zuständige Marktüberwachungsbehörde, die Hersteller starten dann einen freiwilligen Rückruf. Passiert das nicht, kann das KBA den Rückruf auch anordnen.

So läuft ein Rückruf ab

Der Ablauf eines Rückrufs kann unterschiedlich aussehen:

  • Der Hersteller lässt über das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Adressen der Fahrzeughalter ermitteln und benachrichtigt diese schriftlich.

  • Der Hersteller oder Händler verwendet sein eigenes Adressmaterial und ermittelt die Erstkäufer aus den Kundendateien. Diese werden dann vom Hersteller oder Händler benachrichtigt.

  • War die Erfassungsquote im ersten Durchgang nicht ausreichend, finden Wiederholungsaktionen statt. Die Medien melden meist ebenfalls den Start von Aktionen.

Wenn Sie aufgefordert werden, mit dem Auto in die Werkstatt zu fahren, sollten Sie baldmöglichst einen Termin vereinbaren, auch wenn das Anschreiben eventuell verharmlosend wirkt. Immerhin steht im Hintergrund oft ein Unfallrisiko.

Wenden Sie sich an Ihren Vertragshändler, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Auto (z.B. gebraucht gekauft) von einem Rückruf betroffen ist und vom Vorbesitzer nicht zur Werkstatt gebracht wurde. Der Händler kann das über eine zentrale Datenbank prüfen.

Ist Ihr Fahrzeugmodell dabei? Die ADAC Datenbank gibt einen Überblick über mehr als 1500 Rückrufaktionen.

Diese Rechte haben Sie bei einem Rückruf

Rückruf- oder auch sogenannte Serviceaktionen der Automobilhersteller haben mit Gewährleistungs- und Garantieansprüchen nichts zu tun. Der Hersteller erfüllt damit seine Produktbeobachtungspflicht und schützt sich vor Schadenersatzansprüchen und Imageverlust.

Rückrufaktionen schützen die betroffenen Kunden vor Gefahren durch fehlerhafte Produkte. Es gibt keine rechtliche Verpflichtung auf Übernahme der erforderlichen Reparaturkosten oder für einen Leihwagen für die Ausfallzeit. Diese Kosten können Sie nur innerhalb der Sachmängelhaftungsfrist oder einer Garantie geltend machen.

Um das Image des Herstellers und den Erfolg der Rückrufaktion nicht zu gefährden, übernehmen die Hersteller üblicherweise freiwillig die Reparaturkosten.

Sie haben keinen Anspruch auf Kostenerstattung für die investierte Zeit oder auf ein Mietauto für die Dauer des Werkstattaufenthalts. Manche Hersteller bieten für diese Zeit aber kostenlos ein Ersatzauto an.

Mangelhaftes Produkt verursacht Schaden – diese Ansprüche haben Sie

Ein Beispiel für Produkthaftung: Ein Auto mit einem defekten Gaszug, der unkontrolliert von selbst beschleunigt, erleidet einen Totalschaden.

In einem solchen Fall haben Sie Anspruch auf Schadenersatz aus der Produkthaftung gegen den Hersteller oder Importeur, da er ein fehlerhaftes Produkt auf den Markt gebracht hat.

Sie haben keinen Anspruch auf Mängelbeseitigung, sondern nur auf Ersatz der Folgeschäden, die durch einen Produktmangel entstehen. Für die Reparatur des Mangels am Fahrzeug selbst können Sie sich nur auf die Sachmängelhaftung oder eine Garantie berufen.

Bei Rückrufen sind diese Ansprüche oft schon verjährt. Für die Verjährung der Ansprüche kommt es nicht darauf an, ob der Hersteller bzw. die Werkstatt den Fehler kannten.

Weiterfresser-Schaden

Schadenersatzansprüche sind auch bei einem sogenannten Weiterfresser-Schaden denkbar. Das sind Schäden, bei denen sich ein fehlerhaftes Teil quasi "weiterfrisst" und dadurch mangelfreie Bauteile des Autos beschädigt (z.B. fehlerhafter Zahnriemen oder mangelhafte Steuerkette verursacht einen Motorschaden). Hier spricht man von der sogenannten Produzentenhaftung.

Sie müssen als Geschädigter beweisen, dass das betreffende Produkt fehlerhaft in den Verkehr gebracht oder vom Hersteller nicht ausreichend beobachtet wurde. Der Produzent muss schuldhaft oder zumindest fahrlässig gehandelt haben. Das zu beweisen ist in der Regel sehr schwierig und aufwendig.

Daher sollten Sie sich in so einem Fall von einem ADAC Vertragsanwalt beraten lassen.

Mangel am neuen Auto: Alle Informationen zur Sachmängelhaftung

Garantieansprüche bestehen neben dem gesetzlichen Recht auf Mangelbeseitigung.

Petra Gerhäuser
Fach-Autorin
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Angela Baumgarten
Fach-Autorin
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