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Drängler: Gefahr von hinten

09.12.2016

Daengler

Gefahr im Rückspiegel: Bei diesem Anblick werden die meisten Autofahrer nervös.

Autofahrer, die zu dicht auffahren und drängeln, verbreiten auf Autobahnen und Landstraßen Angst und Schrecken. Wir sagen Ihnen, wie Sie richtig reagieren.


Drängeln ist gemeingefährlich. Und nichts nervt Autofahrer mehr. In einer Umfrage des ADAC nennen 85 Prozent der Mitglieder zu dichtes Auffahren als Hauptärgernis. Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr können zwei Faustregeln sorgen: Außerhalb geschlossener Ortschaften sollte der Abstand die halbe Tachoanzeige in Metern betragen. Diese Entfernung lässt sich mithilfe der Leitpfosten abschätzen, meist sind sie jeweils 50 Meter voneinander entfernt. Einfacher ist die 2-Sekunden-Regel: Orientieren Sie sich an einem auffälligen Bauwerk oder Landschaftsmerkmal, etwa einer Schilderbrücke oder einem einzelnen Baum. Wenn das vorausfahrende Auto es passiert, beginnen Sie die Sekunden zu zählen. Frühestens nach zwei Sekunden sollten Sie an der gleichen Stelle vorbeikommen.


Nur ist es für Autofahrer gar nicht so einfach, gleichzeitig den Verkehr und weiße Stangen oder Schilderbrücken im Auge zu behalten. Die Technik kann helfen. Abstandswarner oder der Abstandsregeltempomat (ACC, Adaptive Cruise Control) nutzen Radarsignale, um die Distanz zum vorausfahrenden Fahrzeug zu messen. Während Abstandswarner nur piepsen, hält das ACC das vorgegebene Tempo und den Abstand, bremst bei Bedarf und beschleunigt anschließend wieder. In Deutschland sind etwa 2,5 Millionen Menschen in Autos mit diesem System unterwegs. Thomas Unger von der ADAC Unfallforschung schätzt die Zahl der Unfälle mit Toten und Verletzten, die durch ACC in Deutschland verhindert oder abgemildert werden könnten, auf etwa 35.000 im Jahr.


Autobahn-Egoisten: Bloß keinen einscheren lassen 


Allerdings lassen sich Abstandswarner und ACC meist weit unter die Faustformel "halber Tacho" oder "zwei Sekunden" herunterregeln. Bei Mercedes etwa auf eine Sekunde. Und diese Möglichkeit nutzen erfahrungsgemäß viele Autofahrer – die Lücke zum Vordermann könnte ja von anderen zum Einscheren genutzt werden. Dafür hat Ralf Müller-Wiesenfarth, Cheftrainer der ADAC Fahrsicherheitszentren Südbayern, nicht das geringste Verständnis: "Die Leute tun so, als würden sie Monate ihrer Lebenszeit verlieren, weil sich dauernd jemand vor sie setzt. In Wirklichkeit passiert das aber auch bei ausreichendem Abstand nur zwei, drei Mal auf 100 Kilometern."


Wie sollten Autofahrer auf Drängler reagieren? ADAC Verkehrspsychologin Nina Wahn rät: Beim Überholen auf der Autobahn den Verkehr von hinten im Augen behalten. Und auf das Überholen verzichten, wenn ein viel schnelleres Fahrzeug angeschossen kommt. "Das kann viel Ärger und Stress ersparen." Wenn einem der Hintermann dann an der Stoßstange klebt, heißt es Ruhe bewahren und den Druck auf keinen Fall auf den Vorausfahrenden verlagern. 


Noch gefährlicher ist es, sich auf Machtspielchen einzulassen. Etwa, indem man die linke Spur nicht freigibt oder abbremst. Die Verkehrspsychologin warnt: "Der drängelnde Hintermann verhält sich ohnehin schon irrational, das könnte ihn noch mehr provozieren." Besser: Die Ruhe bewahren und bei nächster Gelegenheit den Weg freigeben. Besonders beängstigend sind Drängler auf der Landstraße – gerade auf unbekannter Strecke. Nina Wahn empfiehlt: "Fahren Sie in einer solchen Situation ganz besonders vorausschauend." Ihr Appell: "Gehen Sie kein Risiko ein!"


Quelle: ADAC Motorwelt 12/2016, Text: Thomas Paulsen, Mitarbeit: Christof Henn


Lesen Sie hier das Motorwelt-Interview mit Moritz Freiherr Knigge,Redner und Autor, über Selbstbeherrschung und Höflichkeit.


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