RS-Virus: Für wen eine Infektion riskant ist und wie man sich schützt

Ein kleiner kranker Junge liegt im Bett
Bei den meisten Kindern löst das RS-Virus einen einfachen Atemwegsinfekt aus© Shutterstock/Tomsickova Tatyana

Infektionen mit dem RS-Virus sind vor allem im Kindesalter häufig. Das Krankheitsbild reicht vom einfachen Atemwegsinfekt bis hin zu einer ernsten Erkrankung, bei der sogar eine Beatmung notwendig werden kann.

  • Nach dem dritten Lebensjahr sind Komplikationen bei einer RSV-Infektion selten

  • Frühgeborene und Säuglinge haben ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf

  • Weitere wichtige Risikofaktoren: Lungen- und Herzerkrankungen, Immunschwäche

Das RS-Virus (Respiratorisches Synzytial-Virus, RSV) ist weltweit verbreitet und zählt zu den häufigsten Auslösern von Atemwegsinfekten. Hierzulande sind die Fallzahlen zwischen November und April am höchsten; der Gipfel wird meist im Januar und Februar erreicht.

Fachleute gehen davon aus, dass sich bereits bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs fast alle Kinder mindestens einmal mit dem RS-Virus infiziert haben. Das Virus hinterlässt jedoch keine längerfristige Immunität, sodass es immer wieder zu einer Ansteckung kommen kann.

In den meisten Fällen löst das Virus lediglich einen unkomplizierten Atemwegsinfekt aus, wobei die Symptome bei der Ersterkrankung meist stärker ausgeprägt sind als bei erneuten Infektionen. Bei bestimmten Risikogruppen kann das RSV jedoch eine sehr schwere Erkrankung verursachen:

  • Früh- und Neugeborene

  • Säuglinge und Kleinkinder

  • Kinder und Erwachsene mit Vorerkrankungen oder Fehlbildungen an Lunge und Herz

  • Kinder mit anderen schweren Grunderkrankungen oder angeborenen Fehlbildungen

  • Kinder und Erwachsene mit schweren Beeinträchtigungen des Immunsystems

  • Kinder mit neurologischen oder muskulären Erkrankungen, die die Belüftung der Lunge beeinträchtigen

  • Ältere Menschen über 60 Jahre (auch ohne Grunderkrankung)

Gut zu wissen: Warum es im Winter 2022 vermehrt zu schweren Verläufen kam

RSV-Infektionen waren auch schon vor der Infektionswelle Ende 2022 sehr häufig. Im vergangenen Winter mussten allerdings überdurchschnittlich viele Säuglinge und Kleinkinder im Krankenhaus behandelt werden. Fachleute vermuten, dass das gehäufte Auftreten schwerer Verläufe mit den massiven Schutzmaßnahmen während der Corona-Pandemie im Zusammenhang stand. Normalerweise kommt das menschliche Immunsystem ständig mit verschiedenen Krankheitserregern in Kontakt und bleibt dadurch immer "im Training". Fachleute führen die Infektionswelle darauf zurück, dass vielen Kleinkindern dieses "Training" während der Pandemie fehlte: Aufgrund des Lockdowns mit Kita-Schließungen und strikten Hygienemaßnahmen traf ihr Immunsystem im Winter 2022 weitgehend unvorbereitet auf das RS-Virus.

Vielen Säuglingen fehlte vermutlich ein optimaler Nestschutz. Er wird durch mütterliche Antikörper vermittelt, die über die Plazenta und die Muttermilch auf das Kind übergehen und es in den ersten Lebenswochen vor verschiedenen Infektionen schützen. Kommt die Mutter nur mit wenigen Krankheitserregern in Kontakt, bildet ihr Immunsystem weniger schützende Antikörper, was den Nestschutz schwächen kann.

Wie steckt man sich mit dem RS-Virus an?

Die meisten Menschen stecken sich durch eine Tröpfcheninfektion mit dem RS-Virus an. Das sind kleinste, virushaltige Flüssigkeitströpfchen, die beispielsweise beim Sprechen und Husten entstehen. Das Alter ist dabei egal. Erwachsene können Kinder ebenso anstecken wie Kinder Erwachsene. Die Inkubationszeit des RSV, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome, beträgt im Durchschnitt fünf Tage. Ansteckend sind Betroffene mit RSV-Infektion in der Regel für bis zu acht Tage. Früh- und Neugeborene sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem tragen das Virus unter Umständen Wochen bis Monate in sich und können die ganze Zeit über ansteckend sein.

Welche Symptome verursacht das RS-Virus?

Die typischen RSV-Symptome entsprechen bei Kindern meist einem einfachen Infekt der oberen Atemwege: Es kommt zu Schnupfen und nicht produktivem Husten sowie Halsschmerzen, häufig begleitet von Fieber. Die akute Erkrankung dauert in der Regel drei bis zwölf Tage, der Husten kann allerdings mehrere Wochen andauern. Wie lange das Fieber bei einer RS-Virusinfektion anhält, ist individuell unterschiedlich.

RSV-Symptome bei Babys und Kleinkindern

Das Immunsystem von Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen, ist noch nicht ausgereift. Deshalb kann sich die durch das RS-Virus ausgelöste Krankheit bei ihnen auf die unteren Atemwege ausbreiten. Während bei einer Infektion der oberen Atemwege die Nase, Nasennebenhöhlen und der Rachen betroffen sind, können bei einer Erkrankung der unteren Atemwege Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und Lunge betroffen sein. Das RS-Virus führt häufig zu einer Infektion der kleinen Äste der Atemwege der Lunge (Bronchiolen). Aus dieser sogenannten Bronchiolitis kann sich im weiteren Verlauf eine Lungenentzündung entwickeln.

Eine Beteiligung der unteren Atemwege macht sich in der Regel nach etwa ein bis drei Tagen bemerkbar: Der Allgemeinzustand verschlechtert sich deutlich, der Husten wird produktiv (das heißt, es wird Schleim abgehustet), und es kommt aufgrund einer Verengung der Bronchien zu Atemschwierigkeiten mit Atemnot. Die Atmung ist beschleunigt, und oft ist ein pfeifendes Atemgeräusch (Giemen) hörbar. Bei vielen Frühgeborenen führt die RSV-Infektion zu Atemaussetzern. Durch die Atemprobleme haben betroffene Säuglinge häufig Schwierigkeiten beim Essen, verweigern es zum Teil oder erbrechen sich. Durchfall ist hingegen kein typisches RS-Virussymptom.

Manchmal führen die Verengung der Atemwege und die schlechte Belüftung der Lunge zu einem zu niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut. Der Sauerstoffmangel macht sich an einer bläulichen Verfärbung der Haut und der Schleimhäute bemerkbar. So kann bei einem schweren Verlauf eine Beatmung erforderlich werden.

Insgesamt ist der Krankheitsverlauf individuell, und der Gesundheitszustand kann sich schnell ändern. Wie lange ein Baby oder Kleinkind mit RS-Virusinfektion bei einem schweren Verlauf im Krankenhaus bleiben muss, lässt sich nicht pauschal beantworten.

Können sich Erwachsene mit RSV anstecken?

RSV-Infektionen können in jedem Alter vorkommen. In vielen Fällen verursacht das RS-Virus bei Erwachsenen allerdings keine Symptome.

RS-Virus: Symptome bei Erwachsenen

Treten bei Erwachsenen im Rahmen einer RSV-Infektion Beschwerden auf, entsprechen diese wie bei Kindern meist einem einfachen Atemwegsinfekt. Bei Personen mit engem Kontakt zu RS-infizierten Kleinkindern kommt es mitunter zu einem ausgeprägten grippeähnlichen Krankheitsbild mit Müdigkeit, Schnupfen, Husten oder Bronchitis und Fieber. Ein schwerer Verlauf ist bei RSV-infizierten Erwachsenen ebenfalls möglich. Betroffen sind vor allem Menschen mit chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen, wie zum Beispiel Asthma oder einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Auch ein stark geschwächtes Immunsystem erhöht die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs. Besonders gefährdet sind Personen nach einer Organtransplantation oder mit einer Krebserkrankung.

Komplikationen einer RSV-Infektion

Das RS-Virus kann bei Kindern und Erwachsenen Komplikationen und Spätfolgen hervorrufen. Davon sind insbesondere Personen mit chronischen Erkrankungen der Lunge und des Herzens betroffen. Für Kinder und Erwachsene mit geschwächtem Immunsystem besteht außerdem ein hohes Risiko für eine Lungenentzündung. Bei Kleinkindern löst das RS-Virus oftmals eine Mittelohrentzündung (Otitis media) aus. Als Spätfolge einer RSV-Infektion bleibt häufig eine Überempfindlichkeit der Bronchien mit einer wiederkehrenden Verengung der Atemwege zurück.

RS-Virus – wann zum Arzt?

Für Erwachsene oder ältere Kinder ist ein Arztbesuch meistens nicht erforderlich. Bei ihnen verläuft die durch das RS-Virus ausgelöste Krankheit normalerweise symptomlos oder mild. Kommt es zu Beschwerden wie Schnupfen, Husten, Halsschmerzen oder Fieber, klingen diese in der Regel nach gut einer Woche wieder ab. Bei Säuglingen und Kleinkindern mit Atemwegsinfekten empfiehlt es sich grundsätzlich, den Kinderarzt oder die Kinderärztin frühzeitig telefonisch zu kontaktieren, um zu besprechen, ob ein Besuch in der Praxis notwendig ist.

Klagt das Kind über Ohrenschmerzen oder hört schlechter, hat es möglicherweise eine Mittelohrentzündung, die ärztlich behandelt werden sollte. Viele Babys greifen sich in diesem Fall vermehrt ans Ohr, sind weinerlich und schlafen schlecht.

Treten bei Säuglingen und Kleinkindern im Rahmen eines Atemwegsinfekts Atembeschwerden auf, sollten Eltern die Notaufnahme aufsuchen oder den Rettungsdienst (112) rufen. Atembeschwerden äußern sich durch:

  • eine erhöhte Atemfrequenz

  • Angestrengte Atmung (die Haut zwischen den Rippen zieht sich beim Einatmen leicht nach innen)

  • Pfeifgeräusche

  • Atemaussetzer

  • Blaufärbung der Haut und der Lippen

  • Erbrechen

  • Verweigerung der Nahrungsaufnahme

Wie wird eine RS-Virusinfektion behandelt?

Es gibt bisher keine ursächliche, also direkt gegen das RS-Virus gerichtete Therapie. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome. Dabei steht im Vordergrund, den Schleim zu lösen und die Atemwege freizuhalten. Außerdem ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Kommt es zu einem schweren Verlauf, ist unter Umständen eine Unterstützung mit Sauerstoff erforderlich. Manche Babys mit RSV-Infektion müssen beatmet werden.

Antibiotika kommen bei einer reinen Virusinfektion nicht zum Einsatz, da sie gegen Viren nicht wirksam sind. Allerdings kann es im Krankheitsverlauf zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion kommen, die sich mit Antibiotika behandeln lässt.

Wie kann man eine RSV-Infektion feststellen?

Eine RSV-Infektion von anderen Atemwegsinfekten abzugrenzen ist oft nicht einfach. Zuverlässig gelingt dies nur über verschiedene Tests im Labor, die das RS-Virus selbst oder die dagegen gebildeten Antikörper im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten nachweisen. Solche Tests werden allerdings nicht routinemäßig durchgeführt. Meist ist ein solcher RSV-Test aber nicht notwendig, da die Erkrankung in der Mehrzahl der Fälle wie eine einfache Erkältung verläuft. Da zudem keine gezielte Therapie zur Verfügung steht, bringt das Wissen, dass es sich tatsächlich um eine RSV-Infektion handelt, oftmals keinen Vorteil.

Tipps für Eltern: Was tun, wenn Babys oder Kinder das RS-Virus haben?

Zwar gibt es gegen virale Atemwegsinfekte kein Medikament, dennoch können Eltern ihr Kind und seine Genesung auf vielfältige Weise unterstützen:

  • Behalten Sie Ihr Kind zu Hause und sorgen Sie für viel Ruhe und ausreichend Schlaf.

  • Achten Sie darauf, dass das Kind genug trinkt. Besonders wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, wenn das Kind fiebert.

  • Verzichten Sie in der Nähe des Kindes, idealerweise aber in der gesamten Wohnung, aufs Rauchen.

  • Erkundigen Sie sich in Ihrer kinderärztlichen Praxis nach altersgerechten Nasentropfen oder Nasenspülungen, um die Nase freizuhalten und dem Kind das Atmen zu erleichtern.

  • Achten Sie verstärkt auf Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und die richtige Technik beim Niesen und Husten (in Armbeuge, von Personen abgewandt, wenn kein Taschentuch zur Hand ist).

So schützen Sie sich und Ihr Kind vor dem RSV

Dem RS-Virus im Alltag vollständig aus dem Weg zu gehen und dadurch eine Infektion zu vermeiden ist kaum möglich. Allerdings lässt sich das Risiko einer Ansteckung mit geeigneten Hygienemaßnahmen verringern. Besonders Eltern von Säuglingen und Kleinkindern sowie ältere Menschen und ihre Betreuungspersonen sollten darauf achten, eine RSV-Infektion nach Möglichkeit zu verhindern, da für sie das größte Risiko eines schweren Verlaufs besteht. Für einen bestmöglichen Schutz ist es ratsam,

  • sich regelmäßig die Hände zu waschen

  • verunreinigte Gegenstände regelmäßig zu reinigen, beispielsweise Spielzeug und Türklinken

  • nur in die Armbeuge zu husten oder zu niesen, nicht in die vorgehaltene Hand

  • ausreichend zu lüften

  • den Kontakt zu erkälteten Personen zu vermeiden

  • in der RSV-Saison größere Menschenansammlungen zu meiden

Um nicht unnötig andere Menschen anzustecken, sollten Erkrankte keine Gemeinschaftseinrichtungen aufsuchen.

Kann man gegen RSV impfen?

Eine aktive RSV-Impfung gibt es bisher nicht. Allerdings besteht für Kinder, die zu bestimmten Risikogruppen zählen, die Möglichkeit einer passiven Immunisierung. Dabei erhalten die Kleinen während der RSV-Saison jeden Monat eine Spritze mit Antikörpern, die gegen das Virus gerichtet sind. Bereits nach der ersten Dosis besteht eine Schutzwirkung, maximaler Schutz gegen eine RSV-Erkrankung besteht allerdings erst nach der zweiten Spritze.

Für Erwachsene über 60 Jahre sind seit Mitte 2023 zwei RSV-Impfstoffe in Europa zugelassen. Einer der beiden Impfstoffe soll außerdem bei Schwangeren eingesetzt werden können. Die vom mütterlichen Immunsystem als Reaktion auf die Impfung gebildeten Antikörper gehen über die Plazenta auf das Kind über. Auf diese Weise baut sich ein Nestschutz auf, der das Baby in den ersten sechs Lebensmonaten vor einer RSV-Infektion schützen kann.

Ist das RS-Virus meldepflichtig?

Seit dem 21. Juli 2023 besteht in Deutschland eine Meldepflicht für RSV-Infektionen. Es gibt kein offizielles Verbot, bei einer RSV-Infektion Gemeinschaftseinrichtungen zu besuchen. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr sollten Betroffene dies aber vermeiden.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.