Richtig lüften: So vermeiden Sie Schimmel und sparen Heizenergie

• Lesezeit: 6 Min.

Von André Gieße

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Eine Frau öffnet das Fenster
Mehrmals am Tag zu Hause die Fenster komplett öffnen, vermeidet dicke Luft. Beim Lüften sollte man ein paar einfache Regeln beachten© Shutterstock/Leszek Glasner

Zu Hause richtig lüften schafft nicht nur ein gesundes Raumklima und beugt der Schimmelbildung vor, sondern verhindert auch, dass Heizenergie verpufft. So geht es.

  • Warum Stoß- und Querlüften besser ist als gekippte Fenster

  • Wie sich Schimmel durch regelmäßiges Lüften vermeiden lässt

  • Wann und wie lange man je nach Jahreszeit lüften sollte

Warum ist richtig Lüften wichtig?

In geschlossenen Räumen sammeln sich Kohlendioxid, Feuchtigkeit, Gerüche und Schadstoffe an. Die Luft wirkt abgestanden, Konzentration und Wohlbefinden können darunter leiden. Durch regelmäßiges Lüften wird die belastete Raumluft gegen Außenluft ausgetauscht.

Besonders viel Feuchtigkeit entsteht beim:

  • Duschen und Baden

  • Kochen

  • Wäschetrocknen

  • Schlafen

  • Aufenthalt vieler Personen in einem Raum

Wird diese Feuchtigkeit nicht abgeführt, kann sie sich an kalten Fenstern, Außenwänden oder Wärmebrücken niederschlagen. Dort steigt das Schimmelrisiko. Lüften kann jedoch keine baulichen Ursachen wie undichte Leitungen, eindringendes Wasser oder feuchte Wände beseitigen.

Wie oft und wie lange sollte man lüften?

Ein offenes Fenster
Lüften mit weit geöffneten Fenstern sorgt für den effektivsten Luftaustausch© Shutterstock/Bonsales

Lüften Sie morgens und abends sowie bei längerer Anwesenheit zusätzlich zwischendurch. Nach dem Duschen, Kochen, Schlafen oder Wäschetrocknen sollte die feuchte Luft sofort nach draußen gelangen. Wie häufig gelüftet werden muss, hängt von Raumgröße, Personenzahl und Nutzung ab. Ein Hygrometer ist deshalb aussagekräftiger als die pauschale Empfehlung, eine bestimmte Zahl von Lüftungsvorgängen einzuhalten.

Richtwerte für die Lüftungsdauer

Jahreszeit oder SituationUngefähre Lüftungsdauer

Winter

5 bis 10 Minuten

Frühling und Herbst

10 bis 20 Minuten

Sommer

20 bis 30 Minuten

Nach Duschen oder Kochen

sofort, bis die Feuchtigkeit deutlich gesunken ist

Die Zeiten sind Richtwerte. Bei kräftigem Durchzug genügt häufig eine kürzere Lüftungsdauer. Bei Windstille und nur einem kleinen Fenster kann der Luftaustausch länger dauern.

Tipp: Mithilfe dieses CO₂-Rechners kann man abschätzen, wie häufig gelüftet werden sollte.

Stoßlüften, Querlüften oder Fenster kippen?

Am wirksamsten ist Querlüften: Öffnen Sie gegenüberliegende Fenster oder Türen, sodass Durchzug entsteht. Ist das nicht möglich, öffnen Sie ein Fenster zum Stoßlüften vollständig.

Dauerhaft gekippte Fenster sind vor allem in der Heizperiode ungünstig. Der Luftaustausch erfolgt vergleichsweise langsam, während Fensterlaibungen und angrenzende Wände auskühlen. Dort kann sich Feuchtigkeit niederschlagen. Ein kurzzeitig gekipptes Fenster ist nicht grundsätzlich problematisch. Es ersetzt aber kein regelmäßiges Stoß- oder Querlüften.

Welche Luftfeuchtigkeit ist gut?

Ein Hygrometer steht in einem Büroraum
Mit einem Hygrometer kann man leicht den Feuchtigkeitsgehalt zu Hause messen© Shutterstock/likuzia

Als Orientierung gelten in Wohnräumen etwa 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit. Im Winter kann in älteren oder schlecht gedämmten Gebäuden eine dauerhaft höhere Luftfeuchtigkeit als 50 Prozent bereits problematisch sein.

An kalten Außenwänden und Wärmebrücken kann die Feuchtigkeit deutlich höher sein als in der Raummitte. Schimmel kann dort entstehen, bevor Kondenswasser sichtbar wird. Beschlagene Fenster sind deshalb ein Warnsignal, aber nicht die früheste Stufe eines Feuchteproblems.

Wie hoch sollte die Luftfeuchtigkeit in Räumen sein?

  • Wohn- und Arbeitszimmer: 40 bis 60% bei ca. 20 bis 22 °C

  • Schlafzimmer: 40 bis 60% bei kühleren 16 bis 18 °C

  • Küche: 50 bis 60% (kurzzeitig bis zu 65 %)

  • Badezimmer: 50 bis 70% (nach dem Duschen auch höher, sollte aber zeitnah gelüftet werden)

  • Keller: 50 bis 65%

Wo sollte man das Hygrometer aufstellen?

Damit ein Hygrometer aussagekräftige Werte liefert, sollte es:

  • nicht direkt am Fenster stehen

  • ausreichenden Abstand zum Heizkörper haben

  • nicht unmittelbar an einer kalten Außenwand hängen

  • keiner direkten Sonne ausgesetzt sein

  • möglichst im gewöhnlichen Aufenthaltsbereich stehen

Beobachten Sie die Entwicklung über den Tag. Steigt die Feuchtigkeit beim Duschen oder Kochen stark an, sollte sie nach dem Lüften wieder deutlich sinken.

Richtig lüften im Winter

Im Winter reichen häufig fünf bis zehn Minuten Stoßlüften. Beim Querlüften kann der notwendige Luftaustausch noch schneller erreicht werden.

So gehen Sie vor:

  1. Thermostat herunterdrehen.

  2. Fenster vollständig öffnen.

  3. Wenn möglich für Durchzug sorgen.

  4. Fenster nach wenigen Minuten wieder schließen.

  5. Thermostat auf die gewünschte Temperatur stellen.

Kalte Außenluft enthält in der Heizperiode meist weniger Wasserdampf als die warme Raumluft. Wird sie im Zimmer erwärmt, sinkt ihre relative Luftfeuchtigkeit und sie kann Feuchtigkeit aufnehmen.

Wenig genutzte Räume sollten nicht vollständig auskühlen. Als Orientierung gelten dort etwa 16 Grad. Halten Sie Türen zwischen warmen und deutlich kühleren Räumen geschlossen. Andernfalls gelangt warme, feuchte Luft in den kalten Raum und kann dort an Wänden oder Fenstern kondensieren.

Richtig lüften im Sommer und bei Hitze

Im Sommer sollte vor allem dann gelüftet werden, wenn es draußen kühler ist als drinnen. Das ist meistens nachts, früh morgens oder am späten Abend der Fall. Bei Hitze helfen folgende Maßnahmen:

  • nachts und früh morgens ausgiebig querlüften

  • Fenster schließen, sobald es draußen wärmer wird

  • Rollläden, Außenjalousien oder Markisen rechtzeitig schließen

  • unnötige Wärmequellen wie Elektrogeräte abschalten

  • bei hoher Luftfeuchtigkeit trotzdem kurz stoßlüften

Auch tagsüber kann Lüften notwendig sein, wenn viele Menschen im Raum sind oder beim Kochen und Duschen Feuchtigkeit entsteht. Ventilatoren bewegen lediglich die Luft und senken die gefühlte Temperatur. Einen Luftaustausch ersetzen sie nicht.

Richtig Lüften bei Pollenallergie

Die höchste Pollenkonzentration liegt in der Stadt abends, zwischen 18 und 24 Uhr vor. Stadtmenschen mit Heuschnupfen sollten zu dieser Uhrzeit besser nicht lüften und idealerweise drinnen bleiben. Auf dem Land ist es umgekehrt. Dort fliegen besonders in den frühen Morgenstunden, zwischen 4 und 6 Uhr, die meisten Pollen.

Menschen, die an Heuschnupfen leiden, sollten in Zeiten lüften, wenn weniger Pollen fliegen: in der Stadt in den frühen Morgenstunden (6 bis 8 Uhr), auf dem Land eher abends (18 bis 24 Uhr). Oder nach einem Regenschauer, denn er spült den Großteil der Pollen aus der Luft. Helfen können auch Pollenschutzgitter an Fenstern.

Wie Schlafzimmer, Bad und Küche richtig lüften?

In diesen Wohnräumen ist es besonders wichtig, regelmäßig und richtig durchzulüften.

  • Schlafzimmer
    Guter Schlaf braucht frische Luft. Deshalb: Vor dem Schlafengehen einmal stoßlüften. In der wärmeren Jahreszeit kann das Fenster in der Nacht offenbleiben. Weil wir im Schlaf atmen und schwitzen, steigt die Luftfeuchtigkeit bis zu 10 Prozent – das hängt auch von der Personenzahl ab. Lüften Sie deshalb morgens nach dem Aufstehen und möglichst auch vor dem Schlafengehen intensiv.

  • Bad
    Nach dem Duschen oder Baden sollten Sie das Wasser von Wänden und Boden entfernen und gründlich lüften, um die 10 bis 25 Prozent höhere Luftfeuchtigkeit abzuführen. Am besten ist Stoßlüften mit geschlossener Tür, damit der Wasserdampf nicht in andere Räume strömen kann. Wer ein Bad ohne Fenster hat, sollte die Lüftung nutzen, die Tür öffnen und querlüften.

  • Küche
    Beim Kochen oder Backen kann die Luftfeuchtigkeit um 10 bis 20 Prozent ansteigen. Lassen Sie die Küchentür geschlossen, da sich ansonsten die feuchte Luft überall verteilt. Währenddessen oder unmittelbar danach sollte man einige Minuten die Fenster weit öffnen, um Kondenswasser und Schimmelbildung zu verhindern. Ein Dunstabzug hilft, sofern er Abluft nach draußen leitet.

Achtung beim Wäschetrocknen

Durch das Trocknen nasser Wäsche in der Wohnung steigt die Luftfeuchtigkeit stark an, was die Schimmelbildung begünstigt. In der wärmeren Jahreszeit sollten Sie während des Trocknens die Fenster weit geöffnet lassen. Im Winter muss man den Raum, in dem die Wäsche trocknet, mehrmals am Tag besonders ausgiebig lüften.

Wie richtig heizen und lüften?

Beim Quer- und Stoßlüften sollte die Heizung ausgeschaltet sein, damit Sie keine Wärmeenergie verschwenden. Am besten schon das Thermostatventil ein paar Minuten vorher abdrehen, um Heizkosten zu sparen. Nachdem man kurz durchgelüftet hat, sollte die Heizung in der kühleren Jahreszeit wieder eingeschaltet werden, um den Raum schnell wieder aufzuwärmen.

Bei einer Abwesenheit von mehreren Stunden sollten Sie die Raumtemperatur im Winter auf 16 Grad Celsius verringern, statt die Heizung komplett abzudrehen. Starke Temperaturschwankungen können Kondenswasser an Fensterscheiben und Wänden begünstigen. Sie verbrauchen auch mehr Energie, wenn abgekühlte Räume wieder neu aufgeheizt werden müssen.

Lüften im Neubau und sanierten Altbau

Schimmel hat sich in einer ecke neben dem Fenster gebildet
Ist die Luftfeuchtigkeit im Raum dauerhaft zu hoch, kann sich Schimmel bilden© Shutterstock/FotoDuets

Neue und energetisch sanierte Gebäude haben meist eine dichtere Gebäudehülle als unsanierte Altbauten. Dadurch geht weniger Heizenergie verloren, gleichzeitig findet über Fugen kaum ein unkontrollierter Luftaustausch statt. Nach einem Neubau kann außerdem noch Baufeuchte in Estrich, Putz und anderen Bauteilen stecken. Wie lange die Trocknung dauert, hängt von Bauweise, Materialien, Witterung und Bauablauf ab. Eine allgemeingültige Dauer gibt es nicht.

Bei Neubauten und umfangreichen Sanierungen sollte ein Lüftungskonzept klären, ob die Fensterlüftung ausreicht oder eine technische Lüftung sinnvoll beziehungsweise notwendig ist. Das kann unter anderem relevant sein, wenn ein großer Teil der Fenster erneuert wird.

Eine Lüftungsanlage sorgt für einen geregelten Luftaustausch. Anlagen mit Wärmerückgewinnung nutzen einen Teil der Wärme aus der Abluft, um die einströmende Außenluft vorzuwärmen. Wichtig sind:

  • Luftdurchlässe nicht verdecken

  • Filter regelmäßig kontrollieren und wechseln

  • Anlage nicht dauerhaft abschalten

  • Wartungshinweise beachten

  • Einstellungen an Nutzung und Personenzahl anpassen

Fenster dürfen in der Regel weiterhin geöffnet werden. Im normalen Betrieb ist zusätzliches Fensterlüften häufig nicht erforderlich.