Organspende: So ist sie in Deutschland geregelt

Ein mann liegt im Krankenhaus in einem Krankenbett und wartet auf ein Spenderherz
Mit Organspenden können Leben gerettet werden© iStock.com/isayildiz

Mehr als 8000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf eine Organspende. Die Anzahl der jährlichen Transplantationen ist im Schnitt zehnmal niedriger. Täglich versterben drei Patienten auf der Warteliste. Wer kommt als Spender in Frage?

  • Irreversibler Hirnfunktionsausfall ("Hirntod") ist Voraussetzung für Entnahme

  • Persönliche Spendebereitschaft klären und dokumentieren

  • Online-Register und Tattoo ergänzen Organspendeausweis

Verschiedene Erkrankungen oder auch Unfälle können die Organe eines Menschen so schädigen, dass nur noch eine Transplantation mit einem Spenderorgan das Leben rettet. Durch Organspenden wurden seit 1963 mehr als 146.000 Organe in Deutschland transplantiert. Im Jahr 2023 spendeten 965 Menschen hierzulande postmortal, also nach dem Tod, Organe. Im europäischen Vergleich ist diese Zahl eher niedrig.

Welche Organe kommen infrage?

Die meisten Transplantationspatientinnen und -patienten warten auf eine Niere, viele auch auf mehrere Organe. Neben der Niere können Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse sowie der Dünndarm gespendet werden. Im Schnitt werden einer Spenderin oder einem Spender drei Organe entnommen.

Neben Organen können auch Gewebe transplantiert werden, sowie unter anderem (Horn-)Haut, Blutgefäße und Herzklappen. Gewebe können in sogenannten Gewebebanken eingelagert werden.

Welche Organe können lebend gespendet werden?

Nieren und Teile der Leber können lebend gespendet werden. Die Lebendorganspende folgt strengen Kriterien. Sie kommt nur infrage, wenn kein passendes Organ durch eine postmortale Spende verfügbar ist. Die Spenderin oder der Spender muss volljährig sein und darf neben dem Risiko der Entnahmeoperation gesundheitlich nicht gefährdet werden. Außerdem müssen sich Spender und Empfänger nahestehen, also verwandt, verheiratet, verlobt oder in besonderer Weise persönlich verbunden sein.

Organspende nach "Hirntod"

In Deutschland ist der Handel mit Organen verboten und strafbar. Eine Organspende kann ausschließlich nach dem irreversiblen Hirnfunktionsausfall ("Hirntod") erfolgen. Der Hirntod muss durch zwei Fachärzte bestätigt werden. Die Diagnose unterliegt den strengen Richtlinien der Bundesärztekammer.

Der Hirntod als Folge einer Blutung oder eines Tumors kann in manchen Fällen absehbar sein, sodass das jeweilige Krankenhaus die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) im Vorfeld informieren kann. Die DSO koordiniert bundesweit Wartelisten und bringt Patientinnen, Spender, Angehörige und medizinisches Fachpersonal entsprechend zusammen.

Das Thema Organspende betrifft uns alle. Jede und jeder sollte sich damit auseinandersetzen und die persönliche Entscheidung mit dem engsten Umfeld besprechen. Das verschafft Klarheit für Angehörige und die behandelnden Ärzte in der konkreten Situation.

Jens Schwietring, Leiter Medizin, ADAC Luftrettung

Den passenden Spender finden

Deutschland kooperiert in Hinblick auf die Organspende mit sieben europäischen Ländern (Belgien, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Slowenien, Ungarn). Die DSO steht deshalb im engen Austausch mit der europäischen Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET). Diese wiederum legt Spenderorgane mit den Patientendaten (Krankengeschichte, Blutgruppe, HLA-Antigene) auf den Wartelisten übereinander, um Übereinstimmungen zu ermitteln.

Entschieden wird nach Dringlichkeit und verbundenen Erfolgsaussichten. Passen Organ und Patientin oder Patient zusammen, stößt Eurotransplant die nächsten Schritte für die Transplantation an. Die Organe werden unter Umständen über Landesgrenzen und mehrere Stunden per Auto oder durch die Luft transportiert.

Ablauf einer Organtransplantation

Damit die Organe bis zur Entnahme entsprechend versorgt werden, müssen die Atmung sowie das Herz-Kreislauf-System der oder des Toten auf einer Intensivstation künstlich aufrechterhalten werden. Um passende Empfänger zu ermitteln, werden die Spenderorgane genau untersucht. Die jeweilige Blutgruppe sowie Merkmale am vorliegenden Gewebe (HLA-Merkmale) werden ermittelt. Auch Organgröße und -alter spielen bei der Transplantation eine Rolle, da Körpergröße, Gewicht und Lebensalter von Spenderin oder Spender und Empfängerin oder Empfänger zusammenpassen müssen.

Schmerzen bei der Entnahme nach "Hirntod"?

Die Entnahme von Organen erfolgt mit der gleichen Sorgfalt wie Operationen am lebenden Menschen. Anästhesiemittel und Medikamente können zum Einsatz kommen. Der "Hirntod" schließt ein Schmerzempfinden aus. Nach der Operation wird die verstorbene Person in einem würdigen körperlichen Zustand freigegeben.

Sobald ein Organ entnommen und von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten ist, muss es schnell gehen. Durch die ausbleibende Durchblutung in der sogenannten Ischämiezeit bis zur Transplantation kann es Schaden nehmen. Je nach Organ muss die Verpflanzung innerhalb von sechs (Herz und Lunge) bis 24 Stunden (Niere) nach dem Tod erfolgen. Für die Transplantation von Gewebe steht ein längerer Zeitraum zur Verfügung.

Beim Transport wird das Organ gekühlt und entsprechend konserviert. In der Zwischenzeit wird die Empfängerin beziehungsweise der Empfänger auf die anstehende Operation in einem Transplantationszentrum vorbereitet.

Wer kann Organe spenden?

Eine Organspende in Alubox wird in den OP Saal geliefert
Eine postmortale Organspende ist ausschließlich nach einem "Hirntod" möglich© iStock.com/sturi

In Deutschland gibt es nach oben hin keine Altersgrenze für Organspenden. Alle Organe werden vor der Transplantation medizinisch geprüft, von Relevanz ist allein ihr Zustand. Über das Eurotransplant-Senior-Programm (ESP), auch als "Old-for-Old"-Programm bezeichnet, werden älteren Menschen die Organe älterer Spenderinnen und Spender vermittelt. Die medizinischen Kriterien für die Eignung der Organe sind in diesem Fall etwas anders geregelt.

Vor dem 14. Geburtstag entscheiden die Erziehungsberechtigten über eine mögliche Spende nach einem Hirntod. Danach können Jugendliche einer Organspende aktiv widersprechen, im Alter von 16 Jahren können sie selbstständig einen Organspendeausweis ausfüllen.

Organspende nach Krebserkrankung?

Eine akute Krebserkrankung schließt die Spende von Organen und Gewebe aus. Auch bei einer vorliegenden Infektion, beispielsweise mit HIV, Tollwut oder multiresistenten Erregern, ist eine Organspende nicht möglich.

Vor der Transplantation findet stets eine medizinische Untersuchung statt. Potenzielle Spenderinnen und Spender müssen sich zu Lebzeiten keiner Voruntersuchung unterziehen. Wer möchte, kann Vorerkrankungen bei der persönlichen Einwilligung zur Organspende angeben, beispielsweise als Hinweis in der Patientenverfügung.

Bereitschaft festlegen

Anders als in vielen anderen europäischen Ländern gilt in Deutschland die Entscheidungslösung: Nur wer zu Lebzeiten einer postmortalen Gewebe- oder Organspende zugestimmt hat, kann Spenderin oder Spender werden. Immer wieder wird auch über die Einführung der Widerspruchslösung diskutiert, die unter anderem in Österreich oder Spanien praktiziert wird. Dort gelten alle Bürgerinnen und Bürger als Organspender, sofern sie nicht aktiv widersprechen.

Es ist ratsam, die persönliche Haltung den engsten Angehörigen mitzuteilen. Im Zweifelsfall sind sie diejenigen, die sich bei einem Hirntod für oder gegen eine Organspende entscheiden müssen, sofern keine ausdrückliche Einwilligung der oder des Verstorbenen vorliegt. Eine Zustimmung oder ein Widerspruch sollte deshalb zu Lebzeiten schriftlich festgehalten werden. Das kann beispielsweise über ein formloses Schreiben geregelt werden, den Organspendeausweis oder auch als Vermerk in der Patientenverfügung.

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Der Organspendeausweis

Mit dem Organspendeausweis gibt es seit über 50 Jahren ein Dokument, das in jeden Geldbeutel passt und stets mitgeführt werden kann und sollte. Er ist in Arztpraxen, Apotheken, über die Krankenkassen oder auch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung* kostenlos und in verschiedenen Sprachen erhältlich – in Papierform oder als stabile Plastikkarte.

Auf dem Organspendeausweis kann der Gewebe- und Organspende zugestimmt oder auch widersprochen werden. Laut einer aktuellen Forsa-Befragung der Techniker Krankenkasse besitzt in Deutschland knapp jeder Zweite (49 Prozent) einen Organspendeausweis. Der Spenderausweis wird um das Online-Spendenregister ergänzt, mit dem Ziel, entsprechenden Gesundheitseinrichtungen einen besseren Überblick zu verschaffen.

Die schriftliche Einwilligung sollte regelmäßig überprüft und gegebenenfalls erneuert werden. Sie kann zudem jederzeit widerrufen werden. In diesem Fall sollte das jeweilige Dokument oder der Organspendeausweis vernichtet werden. Auch im neuen Organspende-Register können Einträge zu jedem Zeitpunkt angepasst werden.

Deutsches Organspende-Register

Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren können sich im Deutschen Organspende-Register* eintragen. Wie der Organspendeausweis in Papierform dokumentiert der digitale Eintrag die persönliche Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende. Er kann jederzeit gelöscht oder geändert werden.

Für die freiwillige kostenlose Anmeldung ist ein Ausweis mit Online-Funktion (eID) nötig. Bis Ende September soll es einen erweiterten Zugang mit persönlicher Gesundheits-ID über die Apps der Krankenkassen geben.

Ab dem 1. Juli sollen Krankenhäuser, in denen Organe entnommen werden, Zugriff auf das Organspende-Register erhalten und die Einträge nach vorgehender Authentifizierung einsehen können.

Für maximale Klarheit wird empfohlen, die Bereitschaft zur Spende zusätzlich zum digitalen Eintrag schriftlich festzulegen (mit einem Organspendeausweis*, einer Patientenverfügung oder formlos) und das Dokument den nächsten Angehörigen anzuvertrauen. Wichtig: Die Angaben sollten sich nicht widersprechen. Es gilt immer die zuletzt abgegebene Erklärung.

Gibt es einen Organspendeausweis fürs Handy?

Den Organspendeausweis gibt es ausschließlich im Kartenformat. Wer seine Bereitschaft zur Organspende auf dem Handy speichern möchte, kann beispielsweise in einem digitalen Notfallpass (u.a. im ADAC Notfallpass) vermerken, dass ein Spenderausweis vorliegt. Eine weitere Lösung bieten die "Life Saving Wallpapers", die der Verein Junge Helden in Zusammenarbeit mit Fotografinnen und Illustratoren erstellt hat. Sie zeigen die persönliche Spendebereitschaft als Motiv auf dem Start- und Sperrbildschirm.

Im Fall eines (drohenden) irreversiblen Hirnfunktionsausfalls muss die Ärztin oder der Arzt stets bei den Angehörigen erfragen, wie es um die aktuelle Bereitschaft zur Organspende steht – egal, ob eine schriftliche Erklärung vorliegt oder nicht. Jede und jeder sollte deshalb mit den Angehörigen über diese persönliche Entscheidung sprechen und diese schriftlich festlegen.

Das Organspende-Tattoo

Das ofizielle Organspendetatoo mit einem Kreis und darunter 2 Halbkreise am Unterarm eines Mannes
Mit dem Organspende-Tattoo wird ein Zeichen auf der Haut gesetzt© imago images/Funke Foto Services

Seit Mitte 2023 kann man sich die Einwilligung zur Organspende auch auf die Haut tätowieren lassen. "Opt.ink" nennt sich das Organspende-Tattoo, das zwei sich vereinende Halbkreise zeigt, die als Buchstaben O und D für "Organ Donor" (Organspende) gelesen werden können. Entwickelt wurde es vom Verein Junge Helden, der sich seit über 20 Jahren für die Aufklärung vornehmlich junger Menschen zum Thema Organspende engagiert.

"In der Einverständniserklärung, die man vor dem Stechen eines Tattoos im Studio ohnehin unterschreiben muss, ist ein Passus integriert, dass das Tattoo bedeutet, dass man Organe spenden möchte", erklärte Anna Barbara Sum von Junge Helden e.V. zum Start der Aktion gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Ein unterschriebenes Exemplar bleibt im Tattoo-Studio, ein weiteres kommt zu den persönlichen Dokumenten. Daneben muss ein Organspendeausweis oder ein Eintrag im Online-Register vorliegen.

Laut Junge Helden e.V.* sind bereits über 550 Studios deutschlandweit eingebunden. Die Kosten für das Organspende-Tattoo variieren von Studio zu Studio, oft wird es sogar kostenlos in die Haut gestochen.

Mit Material von dpa

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