Zukunft E-Mobilität in Deutschland: Trends, Preise und Prognosen

Ein Elektroauto wird geladen
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Wie geht es nach dem E-Auto Förderstopp weiter? Wie verändert sich die Welt der Elektromobilität − von neuen E-Autos über Finanzierungs- und Leasingoptionen bis hin zu den Preisentwicklungen? Wir haben Trends, Preise und Prognosen zusammengefasst.

E-Mobilität und die Zukunft

Um die Klimaziele im Verkehrssektor bis 2030 zu erreichen, ist die Elektromobilität einer der wichtigsten Bausteine. Denn ab 2035 soll in der EU kein neuer Verbrenner mehr zugelassen werden. Zudem sind batteriebetriebene Fahrzeuge lokal emissionsfrei, geben also keine Luftschadstoffe in ihre unmittelbare Umgebung ab.

Automarktexperten sehen voraus, dass sich der Wettbewerb unter den Autobauern weiter verschärfen wird. Schließlich drohen gemäß CO2-Verordnung der Europäischen Union harte Strafzahlungen, sollten zu wenige E-Fahrzeuge zugelassen werden. Die Kalkulation ist komplex. Für manch einen Konzern mag es günstiger sein, Rabatte und Nachlässe auf Strom zu gewähren und mit dieser Preissenkungsstrategie den Verkaufsanteil an CO2-armen Autos zu erhöhen. Jedoch können solche Angebote keine Dauerlösung sein.

Daher werden 2024 günstige Elektroautos von neuen Herstellern auf den Markt kommen, die allein aufgrund ihres niedrigeren Preises bereits als Alternativen zu den bisherigen Top-Modellen betrachtet gelten können. "Außerdem werden neue Finanzierungskonzepte wie Auto-Abo und Vario-Finanzierung eine interessante Option sein, mit denen die neuen Marktteilnehmer Vertrauen bei den Käufern aufbauen können,“ sagt Markus Groiß, Geschäftsführer der ADAC Finanzdienste GmbH. „Aus unserer Sicht als Vermittler bleibt Privatleasing eine attraktive Möglichkeit, E-Autos einem breiteren Verbraucherkreis zugänglicher zu machen und das Restwertrisiko zu minimieren,“ so Groiß weiter.

Diese Entwicklung bestätigt auch die kürzlich durchgeführte Umfrage der ADAC SE, bei der zwischen Februar und März 2024 über 3.000 Personen zu ihren Plänen bezüglich des Erwerbs und der Finanzierung von Elektroautos für den privaten Gebrauch befragt wurden. So ist nach Wegfall der staatlichen Förderung, das Interesse an der Anschaffung eines Elektroautos mittelfristig unverändert geblieben. Gleichzeitig erfreut sich das Privatleasing weiterhin großer Beliebtheit als Finanzierungsoption.

  • Günstige Stromer und neue Elektroautos von noch unbekannten Herstellern kommen auf den Markt.

  • Leasing für Privatleute bleibt eine attraktive Möglichkeit, Elektroautos für einen breiteren Verbraucherkreis zugänglicher zu machen und das Restwertrisiko zu minimieren.

  • Finanzierungskonzepte wie Car-as-a-Service, dem sogenannten E-Auto-Abo, werden Fahrt aufnehmen.

  • Vehicle-to-Everything (V2X) wird es Fahrzeugen ermöglichen, miteinander zu kommunizieren und beispielsweise Bewegungen von Smartphone-nutzenden Fußgängern zu melden. Schon heute können Autos dank innovativer V2X-Systeme teilautomatisiert fahren.

  • Die Auswahl der elektrischen Gebrauchtwagen mit geeigneten Reichweiten wird größer werden. Bereits heute versuchen Hersteller mit Vehicle-Lifetime-Konzepten, gebrauchte Elektroautos in ihren eigenen Ökosystemen zu halten.

  • In puncto Ladestrom: Immer mehr Verbraucher werden mittels intelligenter Stromzähler (Smart Meter) dynamische Stromtarife nutzen und damit bares Geld sparen.

  • Umweltbewusstsein und steuerliche Anreize bleiben Motivationsfaktoren für den Umstieg auf die E-Mobilität.

  • Investitionen in E-Mobilität werden sich für Unternehmen und insbesondere für Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung auszahlen. Denn diese sind ab 2024 verpflichtet, ihre nachhaltigen Maßnahmen offenzulegen, was zudem in den kommenden Jahren schrittweise erweitert wird.

Autofinanzierung der nächsten Generation

Für den schnellen Weg zur E-Mobilität bleiben für viele Verbraucher erstmal Finanzierung und Leasing das Mittel der Wahl. Hier bietet der ADAC einen speziellen E-Autokredit zu Sonderkonditionen und auch eine Vario-Finanzierung für Elektroautos, die über die ADAC Fahrzeugwelt verfügbar ist.

Nicht zu vergessen: Neben dem Elektroauto gehört auch die Ladeinfrastruktur mit zur Finanzierung. Mobilitätsermöglichungsfaktoren wie die Ladesäuleninfrastruktur, heimische Stromerzeugung und -speicher oder auch verbraucherfreundliche Abrechnungsmodelle werden mehr und mehr in die Geschäftsideen der Fahrstromdienstleister und Ladeserviceanbieter einbezogen.

Klar ist, die E-Mobilität hat – auch zukünftig – einen starken Einfluss auf Banken, Autobanken und Finanzierer. Werden neue Dienstleistungsangebote im Privatleasing integriert? Oder sind Auto-Abos die Zukunft für die Finanzierung eines Stromers? Was passiert in Sachen Ausbau privater Ladeinfrastruktur und dynamischer Stromtarife? Welche Rolle wird das bidirektionale Laden (Vehicle-to-Grid) spielen? Diesen Fragen widmen sich die Experten Sascha Coccorullo, Leiter Strategie der ADAC SE, und Andreas Staudinger, Managing Director im Bereich Automotive Banking der Accenture GmbH, im Podcast-Gespräch:

Perspektive der E-Mobilität, Interview mit Sascha Coccorullo, Leiter Strategie, New Business und Research der ADAC SE

Perspektive der E-Mobilität, Interview mit Sascha Coccorullo, Leiter Strategie, New Business und Research der ADAC SE

Podcast „Get electrified – Der Einfluss von Elektrofahrzeugen auf Automobilfinanzierer“

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E-Auto laden und Integration ins Stromnetz

Aus Sicht des ADAC ist es wichtig, dass Elektromobilität nicht einseitig nur als „Fahrzeug“ oder „Auto“ gedacht wird, sondern als System. So folgen immer mehr Produzenten dem Vorreiter Tesla und bauen eigene Ladenetzwerke auf – so Mercedes, Porsche, Audi und auch der Multi-Marken-Konzern Stellantis. Der ADAC hingegen bietet einen dynamischen Stromtarif, THG-Bonus, Ladekarte und neuartige Pannenhilfekonzepte, etwa für Fahrräder, E-Bikes, Lastenräder oder E-Scooter.

Alles kann im Energiemanagement des Hauses miteinander verbunden sein. Und mit dem Auto die eigene Stromautarkie sichern? Eine großartige Vorstellung! All das ist – bidirektionales Laden ist nur ein Vorbote – technologisch zwar noch nicht ausgereift, aber kommt. „Wir reden hier, von etwas, das zwischen drei und fünf Jahren dauern wird, um solche Szenarien zu realisieren“, sagt Coccorullo im Podcast mit Accenture. Wichtig sei dabei auch, dass bei allen E-Mobilitätslösungen mit und ohne Künstlicher Intelligenz (KI) die Verbraucherfreundlichkeit im Vordergrund steht sowie Gesetze und Regularien bei der Umsetzung im Detail durchdacht sind.

Lese-Tipp: ADAC Monitor zeigt Sparpotenzial einer Solaranlage für E-Mobilisten

Bezahlbare, innovative Finanzierungsmodelle

Der ADAC fordert bezahlbare E-Autos. Aber: Cash zahlen? Für viele ist − besonders in Zeiten von geopolitischen Krisen und Inflation – der Barkauf eines Elektroautos nicht machbar. Elektromobilität wird, gerade um Kosten einzusparen, flexible Mobilitätslösungen befördern sowie diverse Finanzierungsmodelle und Kooperationen verschiedener Hersteller erfordern.

Ende 2023 gab es Berichte, dass sogar Konkurrenten wie VW und Renault zusammenarbeiten wollen, um in Zukunft ein 20.000-Euro-Elektroauto auf den Markt zu bringen. Und Kia, ein Unternehmen, das einst Fahrräder herstellte, ist gar nicht mehr nur Hersteller, sondern entwickelt „vielfältige Mobilitätsdienste, um Millionen von Menschen rund um den Globus zu ermutigen, die für sie besten Fortbewegungsarten zu erkunden“, wie es bei Kia heißt.