Dynamischer Stromtarif: E-Auto kostengünstig mit Ökostrom laden

Ein älterer Mann der in der Nacht sein E-Auto Zuhause lädt
Mit einem dynamischen Stromtarif ist es nachts oft billiger, das E-Auto zu laden© picture alliance/dpa

Mit dynamischen Stromtarifen können Haushalte von den täglichen Preisschwankungen am Energiemarkt profitieren. Wann sich das lohnt und wie viel E-Auto-Besitzer sparen können.

  • Bisher gibt es in Deutschland noch wenige Angebote, doch 2025 ändert sich das

  • Energieanbieter werben mit Ökostrom, der günstiger ist als bei Festpreisverträgen

  • Ohne einen Smart Meter lassen sich dynamische Stromtarife nicht optimal nutzen

Das Elektroauto zu Hause nicht direkt nach dem Feierabend laden, sondern zu einem günstigeren Tageszeitpunkt – zum Beispiel über Nacht. Mit einem dynamischen Stromtarif, der sich an den regelmäßigen Preisschwankungen an der Strombörse orientiert, ist das vielerorts möglich.

In Verbindung mit einem intelligenten Zähler (Smart Meter) lassen sich intensive Verbräuche automatisch in Stunden verschieben, wenn die Energiemarktpreise niedriger sind. Ein E-Auto an der heimischen Wallbox zieht zum Beispiel je nach Batteriegröße bis zu 125 Kilowattstunden pro Vollladung. Der ADAC hat die Angebote für dynamische Stromtarife unter die Lupe genommen.

So funktionieren dynamische Stromtarife

Bei dynamischen Stromtarifen gibt es keine festen Arbeitspreise je Kilowattstunde. Deren Anbieter kaufen zu tagesaktuellen Preisen an der Strombörse EPEX Spot ein. Das ist oft billiger als der Terminhandel mit langen Laufzeiten und starren Vereinbarungen. Die Preise aus dem Day-Ahead-Handel der EPEX Spot erfahren Kundinnen und Kunden am Vortag – per Onlineportal oder App. Risikoaufschläge, wie sie Energieunternehmen bei Festpreistarifen einkalkulieren, gibt es nicht.

Dynamische Stromtarifmodelle setzen sich in der Regel aus einem festen monatlichen Grundpreis und einem variablen Arbeitspreis zusammen, der an die Strombörsenpreise gekoppelt ist. Dazu kommen noch die gesetzlich festgelegten Steuern, Abgaben und Umlagen sowie Entgelte für die Netznutzung und den Stromzähler, die auch bei Verträgen mit Preisgarantien üblich sind. Somit kostet eine Kilowattstunde sogar dann einige Cent, wenn der Börsenstrompreis gegen Null geht.

Die Preise an der Strombörse EPEX Spot ändern sich je nach Angebot und Nachfrage mehrfach täglich, teilweise stündlich. Einfluss hat auch die Menge der erneuerbaren Energien, die je nach Verfügbarkeit von Wind und Sonne schwankt. An sehr wind- und sonnenreichen Tagen wird der Strom mitunter günstiger verkauft, als er produziert wurde. Denn abgenommen werden muss er trotzdem. Die Anbieter dynamischer Tarife setzen auf diese kurzfristigen Ökostrom-Überschüsse im Großhandel.

Wer den Börsenstrom gezielt in den Stunden nutzt, wenn der Preis niedrig ist, kann Geld sparen. Dank monatlicher Abrechnung hat man die Kosten regelmäßig im Blick. Doch in Deutschland gibt es bisher noch wenige dynamische Stromtarife. Auch die nötige Technik, um optimal davon zu profitieren – intelligente Stromzähler (Smart Meter) – fehlt in den meisten Haushalten noch. Ab dem Jahr 2025 müssen allerdings alle Energieversorger einen dynamischen Stromtarif anbieten.

EPEX Spot: Die Strombörse für den kurzfristigen Handel

Im Stromhandel unterscheidet man zwischen dem Terminmarkt und dem Spotmarkt. Während die Strombeschaffung für längerfristige Verträge am Terminmarkt über die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig gehandelt wird, wickeln Erzeuger und Versorger den kurzfristigen Day-Ahead-Handel mit Strom über die European Power Exchange (EPEX Spot) in Paris ab. An der EPEX Spot finden Auktionen statt, bei denen die Vorlaufzeiten vom Kauf bis zur Lieferung ein bis zwei Tage betragen.

Für alle mit hohem Verbrauch geeignet

Ein Person die gerade dabei ist ihr Auto zu laden
Dynamische Stromtarife rechnen sich eher für Haushalte mit hohem Verbrauch, weil der Arbeitspreis den Unterschied macht© stock.adobe.com/mpix-foto

Dynamische Stromtarife sind vor allem für Haushalte mit großen Verbrauchern wie Elektroautos interessant, die flexibel genug sind, ihren Stromverbrauch an unterschiedliche Tageszeiten anzupassen. Nicht nur das Laden eines E-Fahrzeugs zu Hause ist während der jüngsten Energiekrise teurer geworden. Auch an öffentlichen Ladesäulen kostet die Kilowattstunde heute weit über 40 Cent (inkl. Steuern usw.). Wer die Tiefpreiszeiten eines dynamischen Stromtarifs nutzt, zahlt dagegen in manchen Stunden des Tages unter 20 Cent brutto je Kilowattstunde.

Der Haushaltsstrom zum Festpreistarif ist für Neukundinnen und Neukunden zwar wieder so günstig wie vor Beginn der Energiekrise im Jahr 2022: Rund 26 bis 28 Cent brutto kostete eine Kilowattstunde für diese Haushalte Anfang 2024 laut den Vergleichsportalen Verivox und Check24 im bundesweiten Durchschnitt. Die Preisunterschiede sind allerdings so groß wie nie und etwas ältere Bestandsverträge mit örtlichen Grundversorgern sind mit bisweilen mehr als 40 Cent pro Kilowattstunde nach wie vor teuer.

Mit dynamischen Stromtarifen kann man bei cleverem Verbrauch beziehungsweise beim E-Auto-Laden zu den richtigen Zeiten im Vergleich zum Grundversorger 10 bis 35 Prozent sparen. Wer keine Großverbraucher wie ein E-Auto hat und nicht gezielt die günstigen Tageszeiten nutzt, zahlt damit jedoch im Monat ähnlich viel wie mit einem Neuvertrag zum aktuell billigsten Festpreistarif. Auf den Internetseiten der Anbieter kann man kalkulieren, ob sich ein Wechsel lohnt. Ein Vergleich dynamischer Stromtarife ist sinnvoll – nicht nur wegen der unterschiedlichen Grundgebühren.

Zu den Beschaffungskosten und üblichen fixen Preiskomponenten erheben manche Anbieter von dynamischen Stromtarifen eine Erfolgsbeteiligung: beispielweise einen Aufschlag von 2 Cent pro Kilowattstunde oder 20 Prozent der Ersparnis gegenüber dem Grundversorgertarif. Auch auf solche Provisionen sollten Verbraucherinnen und Verbraucher neben dem reinen Arbeitspreis achten.

Anbieter dynamischer Stromtarife

Diese überregionalen Unternehmen bieten dynamische Stromtarife an

Anbieter

Tarif



1KOMMA5°

Dynamic Pulse



Awattar

Hourly, Hourly-Cap und Yearly



E.ON

Ökostrom Dynamisch



Entega

Dynamischer Stromtarif



Eprimo

eprimoStrom PrimaKlima Pur Dynamic



EWE

Zuhause+ Grünstrom 12 dynamisch



Gasag

Strom flex



GP Joule

GP Joule Flex



Green Planet Energy

Ökostrom Flex



Lichtblick

ÖkoStrom Vario



Naturstrom

Naturstrom flex



Octopus

Octopus Heat, Octopus Go



Ostrom

Dynamischer Smart Meter Tarif



Polarstern

Ökostrom flex



Rabot Charge

rabot.charge und rabot.charge smart



Stromee

Stromee Flex



Tibber

Dynamischer Stromtarif



Vattenfall

ÖkoStrom Dynamik



Voltego

Dynamischer Stromtarif



Yippie

Unlimited Yippie Strom



© ADAC e.V. 5/2024

E-Auto am besten in Nebenzeiten laden

Es rechnet sich vor allem, das E-Auto in den Nebenzeiten des Tages zu laden. Zum Feierabend, wenn viele Menschen Abendessen kochen oder Wäsche waschen, sind die Preise an der Strombörse höher. Nachts, wenn die Mehrheit schläft, fallen sie wieder. Auch nach der Mittagszeit, wenn viele Berufstätige außer Haus sind, und an Wochenenden sind dynamische Stromtarife oft günstiger.

Meistens Voraussetzung: Smart Meter

Ein Smart Meter in einem Wohnhaus
Die Kosten für den Betrieb eines Smart Meters sollen ab 2025 gedeckelt sein© dpa/James Arthur Gekiere

Für die stundengenaue Abrechnung des dynamischen Stromtarifs benötigen die Kundinnen und Kunden in der Regel einen intelligenten Stromzähler. Ein solcher Smart Meter ist eine Kombination aus einer modernen Messeinrichtung mit einer Digitalanzeige und einer Kommunikationseinheit, die alle 15 Minuten den Stromverbrauch eines Haushalts erfasst und via Internet automatisch an den Energielieferanten und Netzbetreiber überträgt. Verbraucherinnen und Verbraucher können ihren Energiekonsum dadurch genau nachvollziehen und ihr Verhalten effizient anpassen.

Seit 2024 sind die jährlichen Kosten für Einbau, Betrieb und Wartung für Privathaushalte mit einem Verbrauch bis 10.000 Kilowattstunden gesetzlich auf 20 Euro gedeckelt. Damit sind diese Dienstleistungen nicht mehr viel teurer als bei den althergebrachten Ferraris-Zählern. Wer seine Wärmepumpe oder Wallbox für das E-Auto als steuerbare Verbrauchseinrichtung betreibt und zu Hause einen Smart Meter nutzt, zahlt höchstens 50 Euro pro Jahr als Messstellenentgelt.

In den nächsten Jahren sollen digitale Stromzähler weitgehend Standard werden. Pflicht sind Smart Meter bisher nur, wenn man über 6000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, eine Solaranlage mit über sieben Kilowatt betreibt oder steuerbare Wallboxen und Wärmepumpen. Ab 2025 ist jeder berechtigt, sie zu bekommen. Wer nicht warten will, bis der zuständige Messtellenbetreiber aktiv wird, zahlt für die vorzeitige Installation einmalig 30 Euro. Bestenfalls lässt sich der Smart Meter mit den Smart-Home-Geräten, Wallbox und Wärmepumpe vernetzen und alles mittels Apps steuern.

Einige Energieanbieter haben variable Stromtarife für Kundinnen und Kunden ohne Smart Meter in Petto. Kalkulationsbasis dafür sind die monatlichen Verbrauchswerte und der durchschnittliche Börsenstrompreis. Die belieferten Haushalte müssen nur jeden Monat den Stand ihres analogen Zählers übermitteln. Die Abrechnung ist ungenauer und das Einsparpotenzial deutlich geringer.

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Flexible Preise bringen Risiken mit sich

Dynamische Stromtarife haben nicht nur Vorteile, sondern zuweilen auch Nachteile: Sind die Börsenpreise hoch, tragen Verbraucherinnen und Verbraucher das alleinige finanzielle Risiko. Die Allzeitrekorde während der Energiekrise im Jahr 2022 haben gezeigt, wie teuer das werden kann. In solchen Situationen ist es umso wichtiger, die Entwicklungen an der Strombörse zu beobachten.

Der nur bedingt steuerbare Basisstromverbrauch im Haushalt zum Beispiel durch Computer, Kühlschrank und Lampen wird tagsüber auch gegebenenfalls zu hohen Börsenpreisen abgerechnet.

Nur wenige Anbieter dynamischer Stromtarife bieten ihren Kundinnen und Kunden zum Schutz vor Preisspitzen eine Deckelung der Arbeitspreise an. Nach Ablauf der gesetzlichen Strompreisbremse liegt diese zum Beispiel erst bei 80 Cent pro Kilowattstunde. Falls die Börsenpreise dauerhaft die langlaufenden Festpreistarife übersteigen, kann man zur Not in der Regel monatlich kündigen.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

Pro:

  • Smart Meter und Apps der Stromanbieter sorgen für transparente und effiziente Verbräuche.

  • Die Stromkosten lassen sich durch eine Verbrauchsverlagerung in Niedrigpreiszeiten steuern – entweder durch App-Terminierung der Haushaltsgeräte oder manuelle Vorprogrammierung.

  • Aufgrund des oft günstigen Arbeitspreises von der Strombörse können Haushalte sparen, die viele Kilowattstunden – etwa durch Elektrofahrzeuge und Warmwasserspeicher – verbrauchen.

Contra:

  • Dynamische Stromtarife erfordern einiges an Vorausplanung und man muss die Börsenpreise regelmäßig im Blick behalten, was einen gewissen zeitlichen Aufwand bedeutet.

  • Die Betriebskosten für Smart Meter und Provisionen der Stromanbieter können das mögliche Einsparpotential eines dynamischen Stromtarifs schmälern, weshalb ein Vergleich wichtig ist.

  • Finanzielle Risiken hoher Börsenstrompreise, wie sie während der Energiekrise im Jahr 2022 zu verzeichnen gewesen sind, tragen Verbraucherinnen und Verbraucher in vollem Umfang.

Fachliche Beratung: Manuel Griesmann, Technik Zentrum Landsberg