Israel per Bus: Rundreise durchs Heilige Land

15.2.2018

Akko, Haifa, Tel Aviv, Jerusalem, Masada & das Tote Meer: Auf einer Tour mit Linienbussen durch Israel erlebt man Wüste und Strände, Städte und Religionen, Geschichte und die ansteckende Lebensfreude der Menschen. Dazu: praktische Tipps und Infos

Israle, Jerusalem: Tempelberg mit Al-Aqsa-Moschee
Ein heiliger Ort für drei Religionen: Der Tempelberg Jerusalems mit der Al-Aqsa-Moschee

Unten, 400 Meter unter dem Meeresspiegel, scheint die Sonne. Der Asphalt ist staubtrocken, vor schroffen Felswänden flirrt die Wüstenluft. Stoisch lenkt der Fahrer seinen Bus durch die Landschaft, am Ufer dieses sagenhaft smaragdgrünen Sees entlang, der das "Tote Meer" heißt. Der Chauffeur schaut geradeaus, trotzdem bemerkt er das Staunen des Passagiers hinter sich – über das Licht, über die Farben, über die Landschaft: "Nice?", fragt er nach hinten. "Schön hier?" Und wie!

 

Land und Leute im Linienbus erleben 

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Von Tel Aviv über Haifa und Jerusalem bis ans Tote Meer.

Die Szenerie am Toten Meer ist nur einer der touristischen Höhepunkte, die man in Israel entdecken muss. In dem kleinen Land am Ostufer des Mittelmeers haben nicht nur drei Weltreligionen ihre Ursprünge, hier verdichten sich nicht nur Konflikte der Gegenwart. Hier kann man auch hervorragend Urlaub machen.

Auf einer Fläche von der Größe Hessens finden sich Zeugnisse der Jahrtausende direkt neben innovativster Moderne. Von Palästen des Herodes zum gepflegten Strand sind es ein paar Minuten; von den orientalischen Märkten in Tel Aviv zu den quirligsten Nightlife-Tempeln nur ein paar Meter. Und das Beste: Alles ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Ob Kibbuz oder Großstadt, ob Strand oder Sehenswürdigkeit: Die modernen, klimatisierten Busse von Egged oder ihren Konkurrenten fahren pünktlich hin. Es ist eine Sache, das Heilige Land auf geführter Rundreise oder im Leihwagen zu erkunden. Etwas ganz anderes ist es, Land und Leute an Bahnhöfen und in Linienbussen zu erleben. Man kommt den Menschen näher: Studenten auf dem Weg zum Campen, Golflehrer auf dem Weg zur Arbeit. Ein arabisches Mädchen reicht dem Touristen wortlos ein Karamellbonbon in die Sitzreihe hinter sich.

Von Tel Aviv geht es in den Norden Israels

Nirgends erfährt man eindringlicher, wie sich die konfliktbeladene Gesellschaft mit dem alltäglichen Risiko arrangiert. Jede Tasche wird in jedem Bahnhof kontrolliert. Schnell, effektiv und unaufgeregt. Niemand stört sich an ein paar Minuten Wartezeit am Scanner.

Niemand wundert sich über die Allgegenwart von Soldatinnen und Soldaten. Oft sind es noch Teenager in Uniform, die im Bus mit schwerem Gepäck und umgehängtem Sturmgewehr auf dem Weg nach Hause sind oder zu ihrer Einheit.

Shira Ben-Zion zum Beispiel: "Nach Akko willst du? Da ist es schön", sagt sie im Bus Nr. 910 von Tel Aviv in den Norden. Sie erzählt von ihrem zweijährigen Wehrdienst und dass sie Mitglied in der Handballnationalmannschaft ist. Ihren Satz zum Abschied, den hört man öfter: "Enjoy Israel!"

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Von Akko via Haifa nach Jerusalem

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 Im Bus trifft Autor Matthias Maus immer wieder interessante Mitreisende

Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt mit dreimal Umsteigen von Tel Aviv nach Akko. Der Kontrast vom Busbahnhof Tachanat Merkazit, einer Betonburg in Tel Aviv, zu den Gemäuern Akkos könnte nicht größer sein.

Die Tour durch die unterirdischen Anlagen der Kreuzfahrerstadt und der Gang durch die historischen Gassen sind eine Reise wert. Die Eindrücke verarbeitet man am besten in einem Fischlokal am Hafen oder abends auf der Dachterrasse des Efendi Hotels: mit Blick über Minarette, Kirchtürme und das Meer.

In Sichtweite liegt das nächste Ziel. Aus den nächtlichen Lichtern von Haifa leuchtet das Muster der Bahai-Gärten heraus, die sich an das Karmel-Gebirge schmiegen. Bustickets gibt’s wie immer beim Fahrer, in einer knappen Stunde umrundet er die Bucht.

Zeit für die Erkundungstour zu den Häusern der deutschen Templer, die im 19. Jahrhundert in Haifa siedelten, in das arabische Viertel Nisnas und zu den penibel gepflegten Gärten des Bahai-Schreins, wo ein persischer Mystiker seine letzte Ruhe fand. Auch hier, in der Industrie- und Hafenstadt, findet man die geistige und religiöse Vielfalt des Landes.

In Jerusalem sind diese Zeugnisse so dicht beieinander wie an keinem anderen Ort der Welt. Eine moderne Straßenbahn fährt vom Busbahnhof zum Damaskustor. Man geht hindurch, vorbei an der Via Dolorosa, dem Kreuzweg Christi, an Dutzenden Touristengruppen und Souvenirläden und steht vor der Klagemauer. Direkt oberhalb liegt der Tempelberg. Historie und Gegenwart – wäre es doch immer so friedlich wie heute!

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Masada thront über dem Toten Meer

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Über dem Toten Meer geht die Sonne auf und bestrahlt die Festung Masada

Die Strecken sind nie weit in Israel, die Fahrpreise niedrig. Das Ticket von Tel Aviv über Jerusalem nach En Boqeq am Toten Meer kostet umgerechnet 12,50 €. Der Bus verlässt Jerusalem, am Ölberg vorbei, auf dem Weg zum Toten Meer. "Sea Level", Meereshöhe steht auf einem blauen Strich am Felsen im Westjordanland – danach geht es zum tiefsten Punkt, den der Mensch trockenen Fußes betreten kann.

Einmal muss man sich treiben lassen im bitter-salzigen Wasser des Toten Meers. Und natürlich sollte man Masada gesehen haben, die Festung des Herodes, wo die jüdischen Verteidiger lieber den Freitod wählten, als sich römischen Eroberern zu ergeben.

Pathos, Geschichte und Bedeutung gehören einfach zusammen in Israel. Gut, wenn einen der Bus wieder raufbringt nach Tel Aviv, rein ins brodelnde Leben. Runterkommen kann man dort ganz leicht. Bei einem kühlen Absacker in einer der vielen Strandbars zum Beispiel.

Text: Matthias Maus. Fotos: Yadid Levy. (acfo).

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns: redaktion.motorwelt@adac.de

Diese Reisereportage basiert auf einem Artikel, der im ADAC Reisemagazin Israel erschienen ist (siehe unten). Nutzung mit freundlicher Genehmigung des ADAC Verlags.

 

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Das müssen Sie über Reisen nach Israel wissen

Anreise: Tägliche Nonstop-Flüge von Berlin, Frankfurt und München nach Tel Aviv-Ben Gurion, rund 20 km östlich der Stadt. Achtung bei Flügen mit der ­ isra­e­lischen Airline El Al: Wegen besonders intensiver Sicherheitskontrollen mindestens ­zweieinviertel Stunden vor Abflug einchecken.

Vom Flughafen zum Bahnhof  Tel Aviv Ha Hagana von 5.47 bis 23.47 Uhr (außer am Sabbat von Freitag Nachmittag bis Samastag Abend!) ist der Zug die schnellste und güns­tigste ­Variante. Tickets (13,50 NIS einfach) an Automaten, bar oder mit Kreditkarte. Kei­ne Tickets im Zug! Taxi nach Tel Aviv: Fixpreis 148 NIS.

Günstige Flüge, Hotels und Pauschalarrangements können Sie zum Beispiel bei ADAC Reisen* oder in den ADAC Geschäftsstellen buchen.

Einreise: Bundesbürger, die nach dem 1.1.1928 geboren sind, benötigen kein Visum. Ein Reisepass, der mindestens noch sechs Monate gültig ist, ­genügt für einen Aufenthalt von bis zu drei Monaten. Bei der Ankunft bekommt man eine Einreisekarte ("Border ­Control Clearance“), die bis zur Ausreise im Pass bleiben sollte. Wer öffentlich und wissentlich zum Boykott Israels und der Siedlungen aufgerufen hat, kann von der Ein­reise ausgeschlossen werden.

Die Fahrt in die paläs­tinen­sischen Gebiete im West­jordanland ist grundsätzlich möglich. Die Kontrollpunkte, auch auf dem Tempelberg in Ost-Jerusalem, können aufgrund aktueller Entwicklungen jederzeit geschlossen werden. Mehr Infos und aktuelle Warnungen gibt es beim Auswärtigen Amt*.

Aktuelle Tipps und Infos zu Israel wie Einreise- und Zollbestimmungen, Klima und Verkehr finden Sie im Internet in den ADAC Länderinformationen.

Viele touristische Hinweise und Angebote bietet die Webseite des Israelischen Fremdenverkehrsamtes*.

Die 4000 Busse von Egged sowie Nateev Express und Metropoline* befahren das ­extrem dichte Liniennetz im ganzen Land. Die Fahrpreise sind reguliert und günstig (z. B. Tel Aviv–Jerusalem 21,50 NIS, also rund 5 €). ­Tickets gibt es grundsätzlich beim Fahrer. Ausnahme: Touren nach Eilat können auch im Busbahnhof von Tel Aviv reserviert werden. Die Fahrpläne hängen an den Haltestellen aus, oft aber nur auf Hebräisch. Zuverlässiger, bequemer und einfach zu bedienen ist die App für Android*.

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