Opel Corsa im Test: Mit französischem Akzent

25.11.2019

Zeitenwende bei Opel: Der neue Corsa ist erstmalig unter dem Dach des PSA-Konzerns entstanden. Hat der Kleinwagen dadurch gewonnen? ADAC Test mit Daten, Messwerten, Video

 

Der neue Opel Corsa 2019 ifahrend auf dem Testgelände in einer Kurve
Der neue Opel Corsa auf dem ADAC Testgelände
  • Corsa 1.2 DI Turbo mit 130 PS im ADAC Test: Gesamtnote 2,7
  • Kein Raumwunder: kleinwagentypische Platzverhältnisse
  • Einstiegspreis: 13.990 Euro für Basisversion mit 75 PS
  • An Fahrdynamik hat der Corsa deutlich gewonnen

Mit dem Opel Corsa ist es so ähnlich wie mit dem VW Golf: Jeder hat schon mal einen gefahren oder kennt jemanden, der einen hat. Kein Wunder: Begleitet der kleine Rüsselsheimer doch bereits seit 1982 ganze Generationen von Autofahrern. In 37 Jahren wurden mehr als 13,6 Millionen Exemplare verkauft.

Nun steht Corsa Nummer sechs bei den Händlern – und ist kaum wiederzuerkennen: So sportlich hat noch kein Corsa ausgesehen! Doch ist er das auch? Oder täuscht die Optik? Welche Talente im neuen Modell schlummern, das komplett bei PSA (Peugeot/Citroën/DS/Opel) konstruiert wurde, klärt der erste Test.

Ein Raumwunder ist der Corsa nicht

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Der neue Opel Corsa 2019 ifahrend auf dem Testgelände
Der neue Opel Corsa hat eine flachere Linie als sein Vorgänger

Weil der Corsa vier Zentimeter länger, aber fünf niedriger geworden ist, ergibt sich eine neue Statur. Das Auto wirkt zierlicher, und der Fahrer sitzt knapp drei Zentimeter tiefer als bisher. Das verlagert den Schwerpunkt nach unten und verbessert damit die Fahrdynamik, steht aber dem Trend entgegen, dass Autofahrer heute eigentlich höher sitzen wollen.

Die flachere Karosserie hat beim Ein- und Aussteigen zudem den Nachteil, dass man sich leichter den Kopf stößt als etwa im vergleichbaren VW Polo. Auch beim Raumangebot vollbringt der Corsa keine Wunder: Er bietet nicht mehr als die durchschnittlichen Platzverhältnisse eines Kleinwagens.

Zwar lässt sich der Fahrersitz so weit zurückschieben, dass auch 1,95-Meter-Riesen gut hinters Lenkrad passen. Doch dann können im Fond nur noch Kinder sitzen. Sind die Vordersitze für 1,85 Meter große Personen eingestellt, kommen hinten zumindest Mitfahrer bis 1,72 Meter klar.

Auch im vorderen Fußraum geht es eng zu: Die Fußablage für den Fahrer ist zu klein, und die Füße des Beifahrers stehen angewinkelt auf der schrägen Spritzwand. Und das kann auf langen Strecken etwas unangenehm sein. Gut dagegen: In den Kofferraum passen nach ADAC Messungen bis zur Abdeckung 250 Liter Gepäck. Damit ist er exakt so groß wie der des VW Polo und etwas größer als der des Ford Fiesta mit 225 Litern Stauraum.

Opel Corsa Elektro an der Ladesäule

Opel Corsa ab 2020 auch elektrisch

Überraschend hat Opel schon vor der offiziellen Präsentation erste Bilder und Infos zur Elektroversion herausgegeben. Wie der neue e-Corsa aussehen wird, und was in ihm steckt, lesen Sie in unserer Vorstellung. Reichweite: 330 km, Ladezeit: 30 Minuten.

Opel Corsa als Elektroauto

Konventionelle Bedienung, gute Vernetzung

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Cockpit des neuen Opel Corsa 2019 im Test
Typisches Opel-Cockpit mit gewohntem Layout

Besser punkten als bei der Raumausnutzung kann der Corsa auf anderen Gebieten. Zum Beispiel bei der einfachen Bedienung, die sich im Vergleich zum Vorgänger nicht grundlegend geändert hat. Mit der gelungenen Mischung aus analogen Tasten und Touchscreen-Steuerung sollte man nach kurzer Eingewöhnungszeit gut zurechtkommen.

Hinter dem Lenkrad befinden sich noch ganz klassische, gut ablesbare Analoginstrumente, die fast anachronistisch wirken, weil der Corsa tatsächlich längst im digitalen Zeitalter angekommen ist. So kann das Smartphone kabellos geladen (135 € extra) und via Android Auto und Apple CarPlay perfekt in das Bordsystem inte­griert werden (Serie im getesteten GS-Line). Das Navi zeigt Live-Verkehrsdaten (drei Jahre kostenlos, danach als Abo).

Technisches Highlight ist das adaptive, blendfreie LED-Matrix-Licht, das – gegen Aufpreis – damit erstmals im Kleinwagensegment Einzug hält. Die insgesamt acht LED-Elemente werden von einer hochauflösenden Frontkamera der neuesten Generation gesteuert und passen den Lichtstrahl automatisch und kontinuierlich der jeweiligen Verkehrssituation und Umgebung an.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf ein Foto für eine größere Darstellung.

 

Elektronische Helfer wie Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung sowie ein automatisches Fußgänger-Notbremssystem befinden sich in jedem Corsa an Bord, selbst in der 75 PS starken Basis­variante für 13.990 €. Lobenswert.

Die getestete Version kommt da preislich nicht hin. Die derzeitige Spitzenmotorisierung mit 130-PS-Dreizylinder gibt es nur in der GS-Line-Ausstattung mit sportivem Anstrich und nur mit Automatikgetriebe. Das treibt den Preis auf 23.340 € – der sich mit weiteren Extras locker auf 30.000 € steigern lässt.

Gute Fahrleistungen, hohe Dynamik

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Der neue Opel Corsa 2019 fahrend im Test
Den ADAC Ausweichtest meistert der Corsa souverän

Fahrspaß ist aber auch ohne Zusatzausstattung garantiert. Der Dreizylinder, der aus dem PSA-Regal stammt (im Corsa auch mit 75 und 100 PS zu haben) und unter anderem in Peugeot 208, 3008 und Citroën C5 Aircross arbeitet, hat mit dem kleinen Opel keine Mühe. In 8,7 Sekunden sprintet der Corsa auf Tempo 100, die Spitze liegt bei 208 km/h.

Beeindruckend ist dabei, wie gut ihm die Entwickler das typische Dreizylinder-Rasseln abgewöhnt haben, wie spontan der kleine Turbomotor auf Gasbefehle reagiert und gleichmäßig hochdreht, aber auch wie durchzugsstark er selbst bei mittleren Drehzahlen zupackt – das schafft Sicherheitsreserven beim Überholen und geht schon fast in Richtung sportlicher GSi. Hier zahlt sich aus, dass der Corsa je nach Version bis zu 100 Kilogramm leichter geworden ist.

Das spürt man beim Fahrverhalten: Der Corsa fühlt sich so handlich und agil an, als wolle er dem Mini nacheifern. Auf kurvigen Landstraßen macht der Opel richtig Freude und gibt sich sehr fahrsicher: Beim ADAC Ausweichtest, der ein abruptes Ausscheren vor einem Hindernis simuliert, wuselt der Corsa unbeeindruckt durch die Pylonengasse und bricht wegen des gut abgestimmten ESP auch nicht aus.

Die Lenkung ist so leichtgängig, dass der Kleinwagen ohne Kraftaufwand in eine Parklücke flutscht, vermittelt aber wenig Gefühl für die Straße.

Renault Clio fahrend

Neuer Renault Clio: Der Konkurrent

Am 21. September 2019 kommt Clio Nummer fünf zu den Händlern. Hochwertiger, komfortabler und sicherer denn je, mit Benzinern und als Hybrid. Hübsch anzusehen ist er ohnehin.

Renault Clio: Fahrbericht
 

Beim Verbrauch enttäuscht der 130-PS-Corsa

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Heckansicht des neue nOpel Corsa 2019 im Test
GS-Line-Ausstattung mit sportlichem Look

Enttäuschend: der Verbrauch. Im ADAC Ecotest kam der Corsa 1.2 DI Turbo auf 6,5 Liter Super im Schnitt – das ist viel für einen Kleinwagen. Daraus resultiert ein CO2-Ausstoß von 149 g/km. Bei der "Well-to-Wheel"-Betrachtung, also mit den Emissionen, die bei der Kraftstoffherstellung entstehen, sind es 176 g/km.

Trotz guter Bilanz bei Partikeln, Stickoxid (NOX) und (eingeschränkt) bei Kohlenmonoxid (CO) kommt der Corsa so nur auf drei von fünf Sternen im Ecotest. Ganz emissionsfrei – zumindest lokal – wäre man nur mit der Elektro-Variante. Die soll mit 330 km Reichweite glänzen und ist ab 29.990 € zu haben – abzüglich E-Auto-Prämie.

Fazit

Mutig, dass Opel dem Trend zu immer größeren Fahrzeugen trotzt und einen ganz klassischen Kleinwagen mit überschaubarem Platzangebot auf die Räder gestellt hat. Der Fokus liegt stattdessen eindeutig auf Fahrspaß, einem angenehm leichten Handling und zeitgemäßer Konnektivität.

Dass der Corsa für seine Größe zu viel verbraucht, ist enttäuschend – und zeigt, dass Kleinwagen nicht per se das Allheilmittel sind, wenn es um CO2-Einsparung geht. Hier könnte (Mild-)Hybrid-Technik helfen, doch damit wird der Corsa nicht angeboten.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Opel Corsa 1.2 DI Turbo GS Line Automatik nachlesen.

Zeitleiste: Vom Corsa A bis Corsa F

Die Verbrennungsmotoren des Opel Corsa

Technische Daten (Herstellerangaben) 1.2                 1.2 Turbo (74 kW) 1.2 DI Turbo (96 kW) Automatik (getestete Version) 1.5 Diesel 
Motor  Dreizylinder-Benziner, 1199 cm3, 55 kW/75 PS, 118 Nm bei 2750 U/min
Dreizylinder-Turbobenziner, 1199 cm3, 74 kW/100 PS, 205 Nm bei 1750 U/min
Dreizylinder-Turbobenziner, 1199 cm3, 96 kW/130 PS, 230 Nm bei 1750 U/min
Vierzylinder-Turbodiesel, 1499 cm3, 75 kW/102 PS, 250 Nm bei 1750 U/min 
Fahrleistungen
13,2 s auf 100 km/h, 174 km/h Spitze 9,9 s auf 100 km/h, 188 km/h Spitze
8,7 s auf 100 km/h, 208 km/h Spitze
10,2 s auf 100 km/h, 188 km/h Spitze 
Verbrauch (nach WLTP) 5,3 – 6,1 l Super/100 km, 119 – 136 g CO2/km
5,3 – 6,1 l Super/100 km, 121 – 137 g CO2/km
5,6 – 6,4 l Super/100 km, 127 – 144 CO2/km
4,0 – 4,6 l Diesel/100 km, 104 – 122 CO2/km 
Maße  L 4,06 / B 1,77 / H 1,44 m
L 4,06 / B 1,77 / H 1,44 m L 4,06 / B 1,77 / H 1,44 m L 4,06 / B 1,77 / H 1,44 m 
Kofferraum  309 l  309 l  309 l   309 l  
Leergewicht 1055 kg 1165 kg 1233 kg 1165 kg 
Preis ab 13.990 € ab 17.530 € ab 23.340 € ab 19.350 € 

ADAC Messwerte (Auszug) 1.2 DI Turbo (96 kW)
Überholvorgang 60-100 km/h 5,5 s
Bremsweg aus 100 km/h 33,6 m
Wendekreis 11,0 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 6,5 l Super/100 km , 176 g CO2/km (well-to-wheel)
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) ***
Reichweite 675 km
Innengeräusch bei 130 km/h 69,2 dB (A)
Leergewicht / Zuladung 1175 / 475 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 250 / 545 / 890 l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,7
Karosserie/Kofferraum 3,2
Innenraum 2,9
Komfort 3,2
Motor/Antrieb 2,2
Fahreigenschaften 2,3
Sicherheit 2,7
Umwelt/Ecotest 2,6

 

  • Das hat uns gefallen: Durchzugsstarker Turbomotor. Harmonische 8-Gang-Automatik. Hohe Fahrsicherheit. ­Einfache Bedienung. Kurzer Bremsweg.
  • Das hat uns nicht gefallen: Hoher Preis für die getestete Version. Eingeschränktes Platzangebot. Hoher Verbrauch.

 

Text: Jochen Wieler. Fotos: Uwe Rattay (7), Opel (10)

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