Der neue Opel Corsa: Die erste Testfahrt

22.5.2019

Mit dem neuen Opel Corsa kommen Top-Technologien ins Kleinwagen-Segment – dazu zählen deutlich bessere Fahrdynamik und spritzigere Motoren. Erste Infos, erste Fotos, erste Fahreindrücke

 

Der neue Opel Corsa 2019 noch abgedeckt
Zwei Erlkönige: Noch fährt der Corsa getarnt
  • Die leichteste Variante wiegt nur 980 Kilo
  • Größerer Radstand sorgt für mehr Platz
  • 2020 kommt eine rein elektrische Version

Seit 1982: 13,6 Millionen Corsa verkauft

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Ein Opel Corsa aus dem Jahr 1982
Opel Corsa A Stufenheck (1982): Schick geht irgendwie anders

Das Auto mit den "ungewöhnlichsten" Proportionen? Für mich kann es da nur eine Antwort geben: Der zweitürige Corsa A als Stufenheck, den Opel von 1982 bis 1993 gebaut hat.

In Deutschland wurde diese Variante zum Glück kaum nachgefragt, und so konnte die dreitürige Schrägheckvariante als erster kleiner Opel mit Frontantrieb bei uns den Beginn einer Bestsellerstory markieren.

Vom Corsa A bis zum aktuellen Corsa E wurden weltweit immerhin 13,6 Fahrzeuge verkauft – und da sind die vor allem in Süd- und Osteuropa durchaus populären Stufenheck-Modelle schon mitgezählt.

Auch 2018 blieb der Kleinwagen für die Rüsselsheimer enorm wichtig: Jedes vierte weltweit verkaufte Opel-Modell war ein Corsa. Er läuft bis heute in den Werken Saragossa (Spanien) und im thüringischen Eisenach vom Band.

Sechste Corsa-Generation auf neuer Plattform

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Der neue Opel Corsa 2019 noch abgedeckt
Man sieht – noch nichts. Die Tarnung ist perfekt.

Jetzt kommt die sechste Generation des Corsa, die ab Sommer bestellt werden kann und ab November ausgeliefert wird. Wir konnten im Rahmen der sogenannten Abnahmefahrt (für letzte Korrekturen) erste Vorserienmodelle vorab fahren. In puncto Antrieb, Fahrwerk oder Lenkung haben diese Erlkönige bereits 80 Prozent Entwicklungsreife erreicht, Karosserie und Innenraum sind allerdings noch abgeklebt. 

Das Problem früherer Corsa-Generationen, zu wenige Veränderungen gegenüber den Vorgängermodellen zu bieten, hat der neue Corsa F nicht: Durch den neuen Eigentümer PSA, der parallel und baugleich den neuen Peugeot 208 entwickelt, blieb keine Mutter auf der gleichen Schraube.

Neu ist vor allem die CMP-Plattform (Common Modular Platform, die von PSA kommt und erstmals von Opel im B-Segment genutzt wird. Der Vorteil: Mit ihr sind alle Antriebsarten realisierbar – Benzin, Diesel, Plug-in und vor allem: rein elektrisch. Denn das ist der Clou: Anfang 2020 kommt der vollelektrische Corsa – und der soll mit moderaten Preisen und akzeptabler Reichweite zum Volks-Elektroauto werden.

Opel Corsa Elektro an der Ladesäule

Opel Corsa ab 2020 auch elektrisch

Überraschend hat Opel schon vor der offiziellen Präsentation erste Bilder und Infos zur Elektroversion herausgegeben. Wie der neue e-Corsa aussehen wird, und was in ihm steckt, lesen Sie in unserer Vorstellung. Reichweite: 330 km, Ladezeit: 30 Minuten.

Opel Corsa als Elektroauto

Leichtgewicht: 108 Kilo weniger

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Der neue Opel Corsa 2019 noch abgedeckt
Auch der Innenraum ist noch komplett getarnt

Die neue Plattform macht es möglich, dass der Corsa leichter wurde. Dank hochfester Stahlsorten speckte die Karosserie 40 Kilo ab, die Motorhaube ist jetzt aus Alu, wiegt 2,4 Kilo weniger, und bei der Sitzkonstruktion waren auch noch zehn Kilo zu holen. Die Summe der Maßnahmen: Der Fünftürer wiegt lediglich 980 Kilo, also stolze zehn Prozent weniger als der Vorgänger – und das bei einem vergleichbaren Längenmaß von 4,06 Metern.

Das Design lässt sich bisher nur erahnen. Doch mit seiner flacheren Motorhaube, der steileren Scheibe und fünf Zentimeter weniger Fahrzeughöhe wird der neue Corsa deutlich dynamischer auftreten. Der vordere Überhang schrumpfte ebenfalls um fünf Zentimeter, während der Radstand um knapp drei Zentimeter wuchs – das schafft z.B. mehr Platz im Kofferraum (+24 Liter). Praktisch, dass sich auch der Wendekreis um 1,5 Meter verkleinerte.

Über die Innenausstattung und das Cockpit lässt sich ebenfalls noch  wenig sagen – obwohl ein erster Blick unter die Abdeckungen schon mal großzügige Displays verriet. Technisches Highlight wird das adaptive, blendfreie LED-Matrix-Licht sein, das – gegen Aufpreis – damit erstmals im Kleinwagensegment Einzug hält.

Hoher Spaßfaktor: Die neuen PSA-Motoren

Der neue Opel Corsa 2019 noch abgedeckt
Schon erkennbar: Der flachere Corsa wirkt dynamischer

Wie fährt sich der neue Corsa? Um es kurz zu machen: So dynamisch und agil wie kein Vorgänger! Das hat viel mit den drehfreudigen Motoren zu tun, die alle aus dem PSA-Regal genommen wurden.

Vier Motoren stehen zur Auswahl: Drei Benziner mit 1.2 l Hubraum von 75 bis 130 PS und ein 1,5-l-Diesel mit 100 PS. Wir konnten den drehfreudigen Dreizylinder-Benziner mit 100 PS fahren – und der macht auch auf den anspruchsvollen Straßen des saarländisch-französischen Grenzgebiets enorm Spaß.

Der 100-PS-Turbo-Dreizylinder bewegt den erleichterten Corsa mit angenehmer Geräuschkulisse enorm durchzugsstark – egal, ob mit dem guten gestuften 6-Gang-Getriebe oder der neu konstruierten, fein schaltenden 8-Gang-Automatik. Die Automatik bietet zusätzlich serienmäßig drei Fahrmodi, die Einfluss auf Lenkung, Getriebe und Ansprechverhalten nehmen – BMW nennt so etwas "Fahrerlebnisschalter".

Einen großen Beitrag zum Fahrspaß leisten auch die direkte Lenkung, die mit guter Dämpfung trotzdem viel Fahrbahnkontakt vermittelt, und das angenehm straff abgestimmte Fahrwerk, das in Kurven für beste Straßenlagen sorgt, aber auch Schlaglöcher überraschend komfortabel quittiert.

Die Fitnesskur hat dem Corsa sehr gut getan: Der Kleinwagen hängt jetzt fein am Gas, lenkt dynamisch ein und vermittelt ein direktes Fahrerlebnis – eine gute Nachricht für die junge Zielgruppe, die einen Ersatz für den hippen Adam sucht.

 

Text: Thomas Kroher. Fotos: Opel/Charlie Magee (3), Torsten Weigl, Opel

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