Mercedes A-Klasse im Test: So gut ist der Baby-Benz

21.8.2018

Seit Mai 2018 ist die neue Mercedes A-Klasse auf den Markt. Technisch überragend, macht sie künstliche Intelligenz schlauer als die Konkurrenz. ADAC Test mit Einzelnoten, Daten, Preisen

  • Die vierte Generation der Mercedes A-Klasse überzeugt durch innovative Technik
  • Die Hauptkonkurrenten sind  BMW 1er, Audi A3 und VW Golf
  • Im ADAC Test erreicht der Baby-Benz die Note 2,3 – im Crashtest 5 Sterne

 

Wie die Zeit vergeht. 21 Jahre ist es her, dass die Mercedes A-Klasse eingeführt wurde. Damals war der Micro-Van eine Sensation – ein solch revolutionäres Raumkonzept hätte man einem konservativen Limousinen-Hersteller nicht zugetraut. In die Schlagzeilen kam der Stuttgarter auch, weil er beim Elchtest umgefallen war. Was für den Hersteller äußerst peinlich war, führte aber immerhin dazu, dass der Lebensretter ESP schneller eingeführt wurde.

Eines hat weder die erste noch die zweite A-Klasse geschafft: Eine jüngere Zielgruppe für Mercedes zu begeistern. Das gelang erst mit der dritten Generation, die das Van-artige Konzept über Bord warf und sich zum viel gewöhnlicheren Kompaktwagen à la Golf verwandelte: A-Klasse-Käufer wurden im Schnitt zehn Jahre jünger.

Dieser Trend könnte sich fortsetzen. A-Klasse Nummer vier ist extrem auf eine junge, technikaffine Zielgruppe zugeschnitten. Ob die sich den mindestens 30.000 Euro teuren Kompaktwagen leisten kann, ist allerdings eine andere Frage. Doch von den technischen Möglichkeiten dürfte sie recht angetan sein.

Cockpit des Mercedes A 180d
Modernes Cockpit mit dominantem Bildschirm

Moderne Technik für junge Kunden

Nur ein paar Beispiele: Wer ein NFC-fähiges Smartphone besitzt, kann es als Ersatz für den Autoschlüssel verwenden. Das Auto öffnet und startet dann via Kurzstreckenfunk.  Über die Mercedes "Me-Connect-Systeme" werden freie Parkplätze vorgeschlagen. Eine App am Smartphone schlägt Alarm, wenn das geparkte Fahrzeug angefahren oder abgeschleppt wird.

Und wer sein Auto mit anderen teilen möchte, kann sich ein privates Carsharing einrichten. Auch das funktioniert über eine App: Der Eigentümer legt bestimmte Personen fest, die das Auto nutzen dürfen. Familienmitglieder etwa, Nachbarn oder Kollegen. Die sehen, wann das Auto verfügbar ist, "buchen" es über die App, öffnen, starten und schließen es ganz einfach mit dem Smartphone. Ein separater Schlüssel ist nicht nötig – wie beim professionellen Carsharing Car2go auch.

Hochwertiger Innenraum, digitale Anzeigen

Mercedes-me-Projektmanager Christian Gugel erklärt: "Man kann es als Alternative zur persönlichen Schlüsselübergabe für einen kleinen Nutzerkreis sehen." In Zukunft sei auch denkbar, dass man sein Fahrzeug auf diese Weise in der Car2go-Flotte für jedermann zur Verfügung stellt. Während man also im Urlaub am Hotelpool Cocktails schlürft, würde das Auto zu Hause nicht nutzlos herumstehen und sogar noch Geld verdienen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Die schöne neue Autowelt wird auch im Innenraum der A-Klasse deutlich. Analoge Instrumente gibt es hier nicht mehr. Stattdessen ein elegantes, freistehendes Digital-Display, das sich in zwei Teile splittet. Links vor dem Fahrer Tacho, Drehzahlmesser und Fahrinfos. Nach persönlichem Gusto lässt sich wählen, welche Infos dargestellt werden sollen – reduziert oder ausführlich, bunt oder weiß.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

 

Rechts befindet sich ein großes 10-Zoll-Touch-Display, das in bester Auflösung nicht nur die übliche Navikarte zeigt, sondern dem Fahrer auch Vorschläge unterbreitet – ebenfalls ein Novum. Weil das System (genannt "MBUX", Mercedes-Benz User Experience) den Fahrer mit Hilfe künstlicher Intelligenz mit der Zeit immer besser kennenlernt, schlägt es zum Beispiel nicht nur aktiv Radiosender vor, die gefallen könnten. Es merkt sich auch, wenn etwa unter der Woche immer die gleiche Strecke zur Arbeit gefahren wird und empfiehlt unter Berücksichtigung des aktuellen Verkehrs von sich aus eine entsprechende Route.

Gefahr durch Ablenkung

Auch die Sprachbedienung wurde weiterentwickelt. Statt normierter Befehle versteht der Computer jetzt ganz normale Sätze. "Bring mich nach Hamburg" klappt genauso wie "Ich möchte in die Arbeit fahren". Voraussetzung ist, dass man die Spracherkennung mit den Worten "Hi" oder "Hey Mercedes" aktiviert. Auch auf den Satz "Hey Mercedes, mir ist warm" reagiert das System und regelt die Temperatur herunter. Alle Funktionen im Fahrzeug können damit aber nicht gesteuert werden – schließlich wäre der Satz "deaktiviere ESP" in einer glatten Kurve fatal.

Trotz aller Bemühungen funktioniert aber auch diese Sprachsteuerung noch nicht perfekt – mit manchen Stimmen hat es Probleme, selbst wenn es sich sogar auf Dialekte einstellen und mit anderen Spracherkennungsdiensten wie Google Home und Amazon Alexa verknüpft werden kann. Und vor Missverständnissen ist auch diese Spracherkennung noch nicht gefeit.

Und auch wenn die Bedienung der A-Klasse an sich logisch aufgebaut ist, ist die Ablenkungsgefahr durch den immensen Funktionsumfang beträchtlich. Schließlich muss man auch mit einem Touchscreen, einem Touchpad auf der Mittelkonsole und Touchflächen auf dem Lenkrad klarkommen.

ADAC Test: Gute Fahrleistungen

Und wie sieht es mit den klassischen Testkriterien aus? Nicht ganz perfekt. So betont Mercedes zwar, die Rundumsicht im Vergleich zum arg zugebauten Vorgänger verbessert zu haben, doch gerade die im Testwagen eingebauten Integralsitze schränken zusammen mit der breiten C-Säule die Sicht nach hinten stark ein.

Unter der Haube des getesteten A200 steckt ein 1,3 Liter großer Turbobenziner vom Kooperationspartner Renault. Der Vierzylinder überzeugt mit guten Fahrleistungen bei akzeptablem Verbrauch (6,6 Liter Super im ADAC Ecotest) und niedrigen Emissionswerten. Laufkultur und Leistungsentfaltung sind allerdings verbesserungswürdig. Auch das Zusammenspiel mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe klappt nicht so harmonisch, wie man es von einem immerhin mehr als 35.000 Euro teuren Premium-Auto erwartet

Auf den vorderen Sitzen punktet die A-Klasse mit einem großzügigen Platzangebot. Allein bei der nur durchschnittlichen Innenbreite merkt man dem Stuttgarter an, dass er der Kompaktklasse entspringt. Die Beinfreiheit reicht auch für 1,95 Meter große Personen aus.

Im Fond fällt das Platzangebot im Klassenvergleich nicht sonderlich großzügig aus, hier finden bis zu 1,75 Meter große Mitfahrer genügend Beinfreiheit vor – wenn die Vordersitze wie bei dieser ADAC Messung üblich für 1,85 Meter große Menschen eingestellt sind. Die Kopffreiheit würde sogar für 1,85 Meter große Insassen reichen. Das Raumgefühl leidet etwas unter dem Mitteltunnel, den schmalen Seitenfenstern und der hohen Seitenlinie.

 

Technische Daten (Herstellerangaben)
Mercedes A200 AMG-Line 7G-DCT
Motor 4-Zylinder-­Turbobenziner, 1332 cm3, 120 kW/163 PS, 250 Nm bei 1620 U/min
Fahrleistungen 8,0 s auf 100 km/h, 225 km/h Spitze
Verbrauch 5,3 l Super/100 km, 123 g CO2/km
Maße L 4,42 / B 1,80 / H 1,44 m
Kofferraum 370 – 1210 l
Preis 35.837 Euro, Modellreihe ab 30.232 Euro

Unzeitgemäß: Alternative Antriebe gibt es nicht

Beim ADAC Ausweichtest liefert die A-Klasse eine sehr überzeugende Vorstellung ab. Der Fronttriebler lässt sich präzise und mit hoher Tempo durch die Pylonengasse dirigieren, dabei verhält sich der Schwabe jederzeit sicher und bestens kontrollierbar. Das ESP regelt sensibel und nur im nötigen Rahmen.

Bei all der eingebauten Technik erscheint es umso unzeitgemäßer, dass kein einziger alternativer Antrieb angeboten wird. Vom Thema Erdgas hat sich Mercedes ohnehin mehr oder weniger verabschiedet, und Elektroantriebe wird es nur für die künftigen neu ins Leben gerufenen Modellreihen mit dem Zusatz "EQ" geben. Einzig eine A-Klasse mit Hybridantrieb sei denkbar, ließen die Mercedes-Ingenieure bei der Präsentation durchblicken. Wann steht allerdings noch nicht fest.

Das Fazit der Motorwelt-Redaktion

Zwar sollte schon die alte A-Klasse laut Daimler-Chef Zetsche ein iPhone auf Rädern sein. Doch erst der Nachfolger löst das Versprechen ein und setzt in Sachen Konnektivität tatsächlich Maßstäbe. Ob die Kunden mit der geballten Technik klarkommen, wird sich zeigen.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test zum Mercedes A200 AMG-Line 7G-DCT

21 Jahre A-Klasse: Vom Elchtest-Opfer zum Golf-Gegner

Klicken Sie auf eines der Bilder und erfahren Sie mehr über die Geschichte der Modellreihe
Mercedes A-Klasse erste Generation

1997 – 2004

Die erste A-Klasse wurde durch einen missglückten Ausweichversuch berühmt. Das Konzept mit hohem Dach und guter Variabilität war für Mercedes Neuland. Nach dem Facelift gab es auch eine Version mit langem Radstand (+17 cm).

Mercedes A-Klasse Prototyp Elektroantrieb 1998

1997

Auch mit alternativen Antrieben sollte die A-Klasse bestückt werden. Doch aus einer Elektroversion (30 kWh-Batterie, 200 km Reichweite) wurde nichts und die A-Klasse mit Brennstoffzelle (F-Cell) diente nur der Erprobung.

Mercedes A-Klasse zweite Generation

2004 – 2012

Die zweite Generation wurde nicht mehr als Langversion, dafür auch als Dreitürer (Bild) angeboten. Sie wirkte gereifter und vor allem innen weniger verspielt als ihr Vorgänger, war aber auch nicht mehr ganz so variabel.

Grüner Mercedes A 200 in der Heckansicht

2012 – 2018

Weg vom Rentner-Image – so lautete das Motto der dritten Generation. Das hohe Dach wurde abgeschafft, die Gegner hießen nun Golf, Astra und Focus. Bunte Farben und eine sportliche Auslegung brachten neue Kunden.

Mercedes A 180d in der Heckansicht

2018 – 

A-Klasse Nummer vier erfindet sich wieder neu und versteht sich als fortschrittlichster Vertreter der Kompaktlasse – mit guter Smartphone-Anbindung,neuen Bedienmöglichkeiten und künstlicher Intelligenz.

Text: Jochen Wieler. Fotos: ADAC/Jochen Wieler (1), PR (13).

Viele weitere Fahrberichte und Autotests finden Sie bei der ADAC Motorwelt.

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns: redaktion.motorwelt@adac.de.