Mobilitätsindex: Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz hat neben wirtschaftlich starken Regionen zahlreiche ländlich geprägte Gebiete
Rheinland-Pfalz hat neben wirtschaftlich starken Regionen zahlreiche ländlich geprägte Gebiete© iStock.com/Harald007

Sinkende Lärmbelästigung, verbesserter ÖPNV: Was ist in Rheinland-Pfalz besser, was schlechter geworden? Die Antworten im ADAC Mobilitätsindex.

  • Zahl der Verkehrstoten sank um 21 Prozent

  • Höherer Treibhausgasausstoß als im Bundesdurchschnitt

  • Hohe Kilometerleistung der Pkw

Das im Herzen Europas gelegene Rheinland-Pfalz profitiert von seiner Nähe zu Belgien, Luxemburg und Frankreich sowie zu den wirtschaftlich starken Regionen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Zu diesen Wirtschaftsräumen bestehen intensive Pendlerverflechtungen.

Wirtschaftlich starke Verkehrsachse im Zentrum Europas

Die Regionen sind durch zahlreiche Verkehrsachsen in Nord-Süd- und West-Ost-Richtung gut miteinander vernetzt. Für den Bahnverkehr sind zwei Verbindungen besonders wichtig: Die Rheinschiene erschließt die Gebiete entlang der Achse Mainz – Koblenz, während die Moselstrecke den Schienenanschluss in Richtung Köln und Saarland herstellt. Abseits dieser Strecken existieren vor allem Richtung Westen keine Bahnverbindungen mehr. Insgesamt ist das ÖPNV-Angebot in Rheinland-Pfalz im Ländervergleich unterdurchschnittlich.

Die wichtigsten Zahlen und Fakten

Wirtschaftlich starke Regionen finden sich einerseits um die Hauptstadt Mainz, andererseits vor allem in der Pfalz rund um Ludwigshafen. Weitere Großstädte sind Kaiserslautern, Koblenz und Trier, die dank ihrer Hochschulen und Universitäten von überregionalem Zuzug profitieren. Ländlich geprägte Räume sind vor allem die Mittelgebirge Eifel, Hunsrück und Westerwald.

Im Pkw-Land

Rheinland-Pfalz hat nach dem Saarland die zweithöchste Motorisierungsquote aller Bundesländer. Gründe dafür sind der hohe ländliche Anteil und die eher schwache Erschließung durch die Bahn.

Die dünne Besiedlung weiter Landesteile führt dazu, dass Reisende große Entfernungen zu Groß- und Mittelstädten sowie zum nächsten Fernbahnhof zurücklegen müssen. Entsprechend hoch ist die Kilometerleistung der Pkw. Positiver Aspekt der ländlichen Struktur: im Ländervergleich eher wenige Staus.

Der intensive Pkw-Verkehr sorgt in Rheinland-Pfalz für einen sehr hohen Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen. Das Land rangiert hier in der Spitzengruppe der Bundesländer. Die Belastungen mit Luftschadstoffen sind trotz einiger Ausreißer nach oben wie z.B. in Mainz moderat.

So entwickelt sich der Mobilitätsindex für Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz hat sich bei der Nachhaltigkeit besser entwickelt als Deutschland insgesamt. Mit einer Ausnahme erzielt das Land in allen Bewertungsdimensionen bessere Werte als der Bundesdurchschnitt. Der Gesamtindex liegt bei 105 Punkten.

In Rheinland-Pfalz ist es gelungen, die hohe Zahl der Verkehrstoten um 21 Prozent zu senken. Dies hat positive Folgen für den Indexwert der Verkehrssicherheit.

Auch die Verfügbarkeit von Mobilität in Rheinland-Pfalz verbesserte sich überdurchschnittlich. Trotz gestrichener Verbindungen im Fernverkehr bei Bahn und Flugzeug erhöhte sich die Anzahl der ÖPNV-Platzkilometer auf der Schiene um sieben Prozent. Auch das Busangebot in schwach besiedelten Räumen wurde ausgebaut.

Nachhaltige Mobilität braucht nicht nur alternative Antriebsformen, sondern auch einen wirklich attraktiven öffentlichen Nahverkehr, sowohl hinsichtlich der Fahrpreise wie auch der Verbindungen.

Nachhaltige Mobilität braucht nicht nur alternative Antriebsformen, sondern auch einen wirklich attraktiven öffentlichen Nahverkehr, sowohl hinsichtlich der Fahrpreise wie auch der Verbindungen.

Dr. Volker Kettenring, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik, ADAC Pfalz e.V.©ADAC Pfalz e.V./M. Schwender

Die erfreulichsten Entwicklungen zeigen die Bewertungsdimensionen Klima und Umwelt sowie Zuverlässigkeit. So ging die Lärmbelastung der Bevölkerung deutlicher nach unten als im Bundesdurchschnitt. Gleiches gilt für Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen. Beim Thema Stau startete Rheinland-Pfalz 2015 auf geringem Niveau, auch 2019 gehörte es zu den Bundesländern mit den wenigsten Staus.

Wir als ADAC setzten uns insbesondere für den Erhalt der Mobilität im ländlichen Raum ein. Dazu müssen zukunftsfähige und nachhaltige Konzepte erarbeitet werden, die innovative Mobilitätsformen einschließen und unabhängig von einzelnen Verkehrsträgern gedacht werden.

Wir als ADAC setzten uns insbesondere für den Erhalt der Mobilität im ländlichen Raum ein. Dazu müssen zukunftsfähige und nachhaltige Konzepte erarbeitet werden, die innovative Mobilitätsformen einschließen und unabhängig von einzelnen Verkehrsträgern gedacht werden.

Rudi Speich, Vorstand Verkehr und Technik, ADAC Mittelrhein e.V.©ADAC Mittelrein e.V./S. Zimpfer

Ausblick

Rheinland-Pfalz entwickelt sich auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität positiv. In Zukunft sollte den engen überregionalen Verflechtungen besondere Aufmerksamkeit gelten. Die Pendlerströme aus Rheinland-Pfalz, vor allem Richtung Köln und dem Rhein-Main-Gebiet, könnten dort Staus verursachen. Deshalb sollten leistungsfähige und länderübergreifende ÖPNV-Angebote in den Fokus rücken. Nur so kann es gelingen, die Nachhaltigkeit nicht nur im eigenen Land, sondern auch in den angrenzenden Bundesländern zu verbessern.

Alle Bundesländer in der Übersicht

Wie wird der ADAC Mobilitätsindex berechnet?

Der ADAC Mobilitätsindex ist eine Kennzahl, zu der mehrere Kenngrößen verdichtet wurden. Insgesamt wurden dafür 1535 individuelle statistische Merkmale erfasst, das entspricht über 143.000 individuellen Datenreihen. Alle Daten sind zu fünf Bewertungsdimensionen zusammengefasst: Verfügbarkeit, Verkehrssicherheit, Zuverlässigkeit, Bezahlbarkeit sowie Klima und Umwelt. Diese Bewertungsdimensionen bestehen wiederum aus mehreren Leitindikatoren. Sowohl Bewertungsdimensionen als auch die Indikatoren wurden im Juni 2021 vom ADAC Verkehrsausschuss und vom ADAC Arbeitskreis Verkehr und Umwelt in ihrer Bedeutung gewichtet und fließen damit in unterschiedlicher Stärke in den ADAC Mobilitätsindex ein.

Was sagt der Mobilitätsindex aus?

Das Ergebnis des Index wird in einer einzigen Zahl ausgedrückt. Dieser Wert ermöglicht Rückschlüsse darauf, wie sich die Nachhaltigkeit der Mobilität seit einem bestimmten Jahr verbessert oder verschlechtert hat. Dieser Zeitpunkt wird als Index-Basisjahr bezeichnet und liegt beim ADAC Mobilitätsindex im Jahr 2015. Da das Bezugsjahr der Veröffentlichung 2019 ist, sind Aussagen darüber möglich, wie sich die Nachhaltigkeit der Mobilität im gesamten sowie in den untergeordneten Dimensionen von 2015 bis 2019 verändert hat.

Aus welchen Daten wird der Mobilitätsindex ermittelt?

Der Großteil der Daten für den Mobilitätsindex stammt aus öffentlich zugänglichen Statistiken etwa des Bundesamts für Statistik (DESTATIS), des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), des Bundes-Verkehrsministeriums und des Kraftfahrt-Bundesamts. Insgesamt wurden mehr als 1500 Datensätze recherchiert und für die Bildung der Indikatoren sowie die Analyse und die Erläuterung der aufgezeigten Entwicklungen herangezogen.

Wie wurde der Index entwickelt?

Die Entwicklung erfolgte in mehreren und aufeinander aufbauenden Schritten. Zunächst wurde definiert, welche Inhalte durch den Index abgebildet und zusammengefasst werden sollen, bevor daraus die notwendigen Bewertungsdimensionen abgeleitet wurden. In den nächsten Schritten wurden Daten recherchiert und ihre Qualität geprüft, bevor über ihre Zusammenstellung und Gewichtung entschieden wurde. Abschließend wurden mehrere Qualitätsprüfungen durchgeführt.

Weshalb werden die Bewertungsdimensionen unterschiedlich gewichtet?

Zwischen den einzelnen Bewertungsdimensionen können Zielkonflikte herrschen. So führen möglicherweise eine hohe Zuverlässigkeit und eine hohe Verfügbarkeit zu erhöhten Schadstoffausstößen, die dann die Entwicklung der Bewertungsdimension Klima und Umwelt negativ beeinflussen. Durch die Gewichtung können nun die Erwartungen an die Entwicklung der Dimensionen berücksichtigt werden. Das heißt, dass die Relevanz der einzelnen Dimensionen gegeneinander abgewogen wird, um unerwünschte Effekte von einzelnen Entwicklungen zu verringern.

Zur Ermittlung der unterschiedlichen Gewichte wurde ein Kreis von Expertinnen und Experten definiert, der sich aus den Mitgliedern des ADAC Verkehrsausschusses und dem ADAC Arbeitskreis für Verkehr und Umwelt zusammensetzte. Als Ergebnis dieses Prozesses wird die Verkehrssicherheit mit 30 Prozent am stärksten berücksichtigt, darauf folgen mit 25 Prozent Klima und Umwelt sowie mit jeweils 15 Prozent Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Bezahlbarkeit. Alle Infos zu den Methoden bei der Erarbeitung finden Sie auch auf den Seiten des Prognos Instituts.

Warum endet der Index mit dem Jahr 2019?

Das Jahr 2019 ist das Bezugsjahr für die Erstveröffentlichung des Mobilitätsindex. Für 2019 gibt es einen vollständigen Datenbestand für alle Index-Indikatoren, während für 2021 beispielsweise noch nicht alle Statistiken der Ämter und anderer Datenquellen vorliegen. Außerdem zeichnet es sich als ein normales Jahr auf der Zeitachse aus, das letzte ohne coronabedingte Einflüsse. Somit ist es für das Startjahr des Mobilitätsindex eine sichere Grundlage.

Warum hat der ADAC den Mobilitätsindex erstellt?

Mit dem ADAC Mobilitätsindex wurde erstmalig eine wissenschaftlich basierte Grundlage erstellt, mit der die nachhaltige Entwicklung der Mobilität in Deutschland umfassend beobachtet und analysiert werden kann. Damit soll zur Versachlichung der in Politik und Gesellschaft kontrovers geführten Diskussionen zu diesem Thema beigetragen werden. Zugleich stellt sich der ADAC damit seiner gesellschaftlichen Verantwortung für Verkehrssicherheit, Klima und Umwelt sowie für die Zukunft der Mobilität.

Wie kann der Mobilitätsindex optimiert werden?

Der ADAC ist überzeugt, mit dem Mobilitätsindex ein fundiertes und methodisch innovatives Instrument zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Mobilität entwickelt zu haben. Wie bei jeder wissenschaftlichen Arbeit gibt es jedoch auch Punkte, die weiter optimiert werden können. Dazu gehören etwa die teilweise ausbaufähige Datenverfügbarkeit insbesondere auf der Kreisebene oder auch im Zeitverlauf. Bei verbesserter Verfügbarkeit der Daten – etwa vom Bundesamt für Statistik – kann der Index künftig potenziell weiter ausgebaut werden.

Wer hat den Mobilitätsindex erarbeitet?

Mit der Entwicklung des ADAC Mobilitätsindex wurde die Prognos AG beauftragt. Prognos ist ein unabhängiges Wirtschaftsforschungsunternehmen mit Hauptsitz in Basel. Ziel war es, zusammen mit den Experten des ADAC die Veränderung der Mobilität wissenschaftlich gesichert zu ermitteln und verständlich darzustellen.

Alle Ergebnisse des ADAC Mobilitätsindex

Die vollständigen Ergebnisse des ADAC Mobilitätsindex und Details zu seiner Methodik finden Sie in diesem PDF zum Download:

Der ADAC Mobilitätsindex
PDF, 10,5 MB
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