Verkehrstote 2022: Mehr tödliche Verkehrsunfälle in Deutschland

Verkehrstote in Deutschland: Bei Verkehrsunfällen kommen 2022 wieder mehr Menschen ums Leben
Verkehrstote in Deutschland: Bei Verkehrsunfällen kommen 2022 wieder mehr Menschen ums Leben© Shutterstock/Ronald Rampsch

Die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Menschen in Deutschland ist im Jahr 2022 wieder deutlich höher als im Vorjahr. Das sind die Gründe.

  • 8,1 Prozent mehr Verkehrstote als 2021

  • Prognose: Bis zum Jahresende etwa 2770 Tote

  • Rund 4 Prozent mehr Verkehrsunfälle, rund 358.000 Verletzte

  • Pandemie-Effekt fällt weg: Wieder deutlich mehr Verkehr

Die Zahl der bei einem Verkehrsunfall getöteten Menschen wird in diesem Jahr voraussichtlich um 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Das zeigt eine aktuelle Prognose des ADAC. Der Club rechnet damit, dass 2022 etwa 2770 Verkehrstote zu beklagen sein werden.

Mehr Verkehrstote 2022: Pandemie-Effekt fällt weg

Allerdings waren in den Corona-Jahren 2020 und 2021 mit 2719 beziehungsweise 2562 im Straßenverkehr Getöteten jeweils neue Tiefststände seit Beginn der Statistik (1950) erreicht worden. Der ADAC geht davon aus, dass der Anstieg insbesondere auf das im Vergleich zum Vorjahr höhere Verkehrsaufkommen zurückzuführen ist. 2021 und auch 2020 war die Fahrleistung aufgrund von Corona bedingten Einschränkungen deutlich reduziert, was zu Rückgängen bei den Verkehrstotenzahlen geführt hatte.

Die Jahresfahrleistung aller Kraftfahrzeuge wird 2022 immer noch etwa 4,5 Prozent unter der Fahrleistung von 2019 liegen. Erst 2024 dürfte sie wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht haben.

Verkehrstote seit 1953: Zahlen sinken

Im Vergleich zu 2019 (3046 Verkehrstote) liegt die diesjährige Zahl der Verkehrstoten rund neun Prozent niedriger. Dieser Rückgang betrifft alle Verkehrsteilnahmearten – abgesehen vom Radverkehr. Hier ist sogar von einem leichten Anstieg der Verkehrstoten gegenüber 2019 auszugehen.

In den vergangenen 50 Jahren hat es in Deutschland viele technische und rechtliche Neuerungen gegeben, um die Zahl der Verkehrstoten zu reduzieren (siehe Grafik). Ziel der Bundesregierung ist es, die Zahl der Verkehrstoten im Zeitraum von 2021 bis 2030 um 40 Prozent zu senken.

Verkehrsunfälle: Zahl der Verunglückten steigt

Eine deutliche Zunahme erwartet der ADAC 2022 bei den im Straßenverkehr verunglückten Personen. So ist davon auszugehen, dass 358.000 Menschen bei einem Unfall im Straßenverkehr zu Schaden kommen – ein Plus von fast zehn Prozent.

Auf die Zahl der polizeilich erfassten Unfälle hatte das gestiegene Verkehrsaufkommen offenbar einen weitaus geringeren Einfluss, denn hier ist nur mit einem Anstieg von 3,7 Prozent auf 2,4 Millionen gegenüber 2021 zu rechnen.

Unfälle mit Personenschaden nehmen allerdings spürbar zu: Hier registriert der ADAC ein Plus von 10,4 Prozent auf 286.000. Zum Vergleich: 2019, also vor Corona, registrierte die Polizei knapp 2,7 Millionen Unfälle, darunter 300.000 mit Personenschaden, bei denen 3046 Menschen getötet wurden.

ADAC: Fahrerassistenz- und Notbremssysteme wichtig

Im "Pakt für Verkehrssicherheit“ hat der Bund mit Ländern und Kommunen das Ziel von 40 Prozent weniger Getöteten im Straßenverkehr zwischen 2021 und 2030 ausgegeben. Der Rückschritt in diesem Jahr macht mehr als deutlich, so der ADAC, dass größere Anstrengungen als bisher unternommen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

Angesichts des immer größeren Anteils älterer Verkehrsteilnehmer an der Gesamtbevölkerung muss auch deren Schutz im Straßenverkehr stärker in den Fokus rücken. Zwei Drittel der getöteten Fußgänger sind 55 Jahre oder älter, bei den Radfahrern sind es sogar mehr als drei Viertel der Getöteten.

Hoffnungen setzt der ADAC vor allem in den weiteren Ausbau von Fahrerassistenz- und Notbremssystemen – sie haben großes Potenzial für mehr Verkehrssicherheit. Weitere Maßnahmen sind unter anderem eine übersichtliche und selbsterklärende Straßenraumgestaltung, eine Ausweitung des Lernzeitraums bei der Fahrausbildung sowie das freiwillige Tragen eines Fahrradhelmes auch von Erwachsenen. Generell bleibt jedoch gegenseitige Rücksichtnahme und Umsicht die entscheidende Grundlage für einen sicheren Straßenverkehr.