ADAC Mobilitätsindex: Berlin

Kreisverkehr aus der Luft
Großer Stern im Berliner Tiergarten: Verkehrsknoten inmitten der grünen Lunge der Stadt© Shutterstock/Novikov Aleksey

Niedrigerer Energieverbrauch, längere Fahrzeit zum Flughafen: Was ist in Berlin besser, was schlechter geworden? Die Antworten im ADAC Mobilitätsindex.

  • Weniger Personenschäden im Straßenverkehr

  • Bundesweit niedrigster Energieverbrauch im Verkehr

  • Angebot bei Bus und Bahn leicht verschlechtert

Berlin ist Regierungssitz und mit fast 3,7 Millionen Einwohnern Deutschlands größte Stadt. Der Metropolraum der Hauptstadt reicht über Brandenburg hinaus bis in die angrenzenden Bundesländer hinein. Pendlerinnen und Pendler kommen dank guter ICE-Verbindungen sogar aus Hannover und Hamburg in die Stadt.

Die wichtigsten Zahlen und Fakten

Öffentlicher Nahverkehr gut ausgebaut

Berlin ist ein wichtiger Knotenpunkt für Straße und Schiene. Weite Teile Ostdeutschlands und die östlichen Nachbarstaaten sind von hier aus über Autobahnen gut zu erreichen. Schnellzüge verbinden die Stadt mit Hamburg im Norden, Hannover und Frankfurt im Westen und via Erfurt auch mit Nürnberg und München im Süden. Vor den Toren der Stadt, auf Brandenburger Gebiet, sorgt der 2020 eröffnete BER für internationale Flugverbindungen.

Das durchschnittlich verfügbare Einkommen pro Kopf ist das drittniedrigste aller Bundesländer. Dies trägt dazu bei, dass Berlin die deutschlandweit mit Abstand niedrigste Motorisierungsquote und die niedrigste Fahrleistung pro Pkw hat. Entscheidend zur niedrigen Autoabhängigkeit tragen der ausgesprochen gut ausgebaute öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) und die überdurchschnittliche Bedeutung des Radverkehrs bei.

Viele Staus, geringster Energieverbrauch

Bei der Unfallzahl pro Kopf liegt Berlin wegen der hohen Verkehrsdichte deutlich über dem Durchschnitt der Bundesländer. Angesichts des niedrigen Tempos im Stadtverkehr sind die Folgen dieser Unfälle aber weniger schwerwiegend: Nur in Bremen und Hamburg sterben relativ zur Bevölkerungszahl weniger Menschen auf den Straßen.

Die geringe Bedeutung des Autos führt auch zum niedrigsten Treibhausgasausstoß und Energieverbrauch im Verkehr pro Kopf. Spürbare Belastungen in der dicht besiedelten Stadt gibt es dennoch: Die Stickstoffdioxid-Belastung liegt über dem deutschen Durchschnitt, und in Relation zur (in Berlin sehr niedrigen) Autobahnlänge sind die Staus in keinem anderen Bundesland länger.

ADAC Mobilitätsindex für Berlin

Berlin konnte Fortschritte in Richtung einer nachhaltigen Mobilität machen: Im Vergleich zu 2015 zeigt der Länderindexwert von 108 Punkten im Jahr 2021 eine Verbesserung.

Die Fortschritte wurden aber erst durch den Rückgang der Verkehrsleistung im Zuge der Covid-19-Pandemie in den Jahren 2020/21 erzielt. Und in drei der fünf Bewertungsdimensionen schnitt Berlin schlechter ab als der Bund.

Besonders auffällig ist, dass der Indexwert der Verkehrssicherheit entgegen dem Bundestrend bis 2019 sank und sich erst danach deutlich positiv auf 111 im Jahr 2021 entwickelte. Die Zahl der Schwerverletzten war 2021 nur geringfügig niedriger als 2015, und die Zahl der Getöteten befand sich bereits 2021 wieder auf dem Niveau von 2019.

Rechnerisch hat die Verfügbarkeit von Mobilität in Berlin durch die Schließung des Flughafens Tegel und die abnehmende Länge von Radverkehrsanlagen entlang überörtlicher Straßen leicht abgenommen. 2021 lag der Indexwert bei 98. Tatsächlich aber nahm das quantitative Angebot an Radverkehrswegen zu. Und das Angebot am neuen Flughafen BER wird ständig, auch mit Interkontinentalflügen, ausgebaut.

Da seit 2020 der Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen vom BER dem Land Brandenburg zugerechnet werden, profitiert Berlin statistisch bei Klima und Umwelt vom Umzug des Flughafens.

In der Bewertungsdimension Zuverlässigkeit schnitt Berlin schlechter als der Bund ab und erreichte 2021 nur noch den Wert von 88. Entscheidend dafür ist, dass das Staugeschehen hier 2020 nicht abnahm und sich 2021 sogar nochmals weiter intensivierte. In Berlin haben 2020/21 erhebliche Baumaßnahmen am Straßennetz aller Baulastebenen stattgefunden. Es ist zu vermuten, dass dies regional Einfluss auf das Staugeschehen hatte.

Portrait von Martin Koller

Der Berliner Verkehr muss flüssiger werden. Die Auswirkungen von Großbaustellen auf den städtischen Verkehr gilt es deshalb rechtzeitig zu erkennen, um den Verkehrsfluss entsprechend steuern zu können. Die Politik sollte sich zudem noch stärker auf den ÖPNV in seiner Schlüsselfunktion konzentrieren und dessen Ausbau verstärkt vorantreiben.

Martin Koller, Vorstand Verkehr ADAC Berlin-Brandenburg e.V.©Sophie Weise/GanzinWeise

Ausblick

Berlin gehört zur Minderheit der Länder, die im Gesamtindex schlechter abschneiden als der Bundesdurchschnitt. Besonders trifft das auf die Zuverlässigkeit im Straßenverkehr zu. Der Stadtstaat verfügt zwar über einen gut ausgebauten ÖPNV, die Fahrleistung nahm in den letzten Jahren aber nur wenig zu, auch wenn das ÖPNV-Netz durch die Eröffnung mehrerer U-Bahnhöfe und durch die Erweiterung des Straßenbahnnetzes ausgebaut wurde. Ein deutlicher Schritt in Richtung nachhaltiger Mobilität kann sich aus dem 2018 beschlossenen Berliner Mobilitätsgesetz ergeben, nach dem der Radverkehr und der ÖPNV in der Planung vorrangig zu behandeln sind.

Alle Bundesländer in der Übersicht

Alle Ergebnisse des ADAC Mobilitätsindex

Die vollständigen Ergebnisse des ADAC Mobilitätsindex und Details zu seiner Methodik finden Sie in diesem PDF zum Download:

Der ADAC Mobilitätsindex
PDF, 9,07 MB
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Aufgrund einer Änderung der Datenerfassung im Jahr 2016 muss in Berlin das Jahr 2017 als Basis für die Indexberechnung bei der Staulänge verwendet werden.

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