Corona: So schützen Sie sich und andere in Bus und Bahn

Bei Fahrten mit dem ÖPNV gilt in fast allen Bundesländern Maskenpflicht
Bei Fahrten mit dem ÖPNV gilt in fast allen Bundesländern Maskenpflicht© Shutterstock/Zigres

Auch in Corona-Zeiten sind Millionen Menschen im öffentlichen Nahverkehr unterwegs. Wie Sie sich und andere in Bus und Bahn vor dem Virus schützen können und was die Verkehrsunternehmen dafür tun – auch mit neuen Methoden.

  • Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr – außer in Bayern

  • Stoßzeiten meiden, Abstands- und Hygieneregeln beachten

  • Verkehrsunternehmen verstärken Reinigung und Lüftung, erproben UV-Licht und Beschichtung

Laut einer ADAC Umfrage zur Mobilität im Oktober 2021 hatte sich das Verhalten in der Corona-Krise deutlich verändert: Etwa jeder Dritte der Befragten nutzte Bus und Bahn weniger oder nicht mehr. Bereits bei einer Befragung im November 2020 hatte rund die Hälfte die Gefahr, sich im ÖPNV mit Corona anzustecken, als sehr hoch oder hoch eingestuft. Eine Aufhebung der Maskenpflicht würde laut einer Umfrage von 2021 zu einem weiteren Rückgang der Fahrgäste führen: 21 Prozent gaben damals an, sie würden den ÖPNV ohne Maskenpflicht weniger nutzen, nur 8 Prozent häufiger.

Nach starkem Rückgang wieder mehr Fahrgäste

Laut Statistischem Bundesamt steigen die Fahrgastzahlen im ÖPNV nach dem starken Rückgang durch Corona wieder an: Im ersten Halbjahr 2022 sind sie um 35 Prozent gewachsen im Vergleich zum Vorjahr, blieben aber noch 21 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Im Eisenbahn-Nahverkehr einschließlich S-Bahnen wuchs die Zahl der Fahrgäste gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte (+55 %). Mit Straßen- und Stadtbahnen (dazu gehören auch U-Bahnen) fuhren 40 Prozent mehr Passagiere. Beim Nahverkehr mit Bussen wurde lediglich ein Anstieg von 23 Prozent verzeichnet, hier gibt es allerdings nur wenig automatisierte Fahrgastzählsysteme.

Besonders stark stiegen die Zahlen im 2. Quartal 2022. Neben Lockerungen der Corona-Maßnahmen dürfte auch das von Juni bis August gültige 9-Euro-Ticket dazu beigetragen haben, so das Statistische Bundesamt.

Infektionsschutz spielt im ÖPNV weiterhin eine wichtige Rolle. Für die Mobilität mit Bus, S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahn haben die medizinischen Experten des ADAC daher folgende Verhaltenstipps zusammengestellt.

Infektionsschutz: Das sollten Fahrgäste beachten

Gründliches Händewaschen ist für ÖPNV-Nutzer in Corona-Zeiten oberstes Gebot © iStock.com/rclassenlayouts
  • Waschen Sie sich vor dem Verlassen der Wohnung und nach der Ankunft gründlich die Hände mit Wasser und Seife, mindestens 20 Sekunden lang.

  • Beachten Sie die aktuellen Corona-Regeln: Aufgrund der sich verändernden Infektionszahlen werden die Corona-Bestimmungen in Deutschland immer wieder angepasst. Durch das neue Infektionsschutzgesetz*, das Bundestag und Bundesrat verabschiedet haben, gilt bundesweit auch weiterhin eine Maskenpflicht in Fernzügen (bis vorerst 7. April 2023) . Für die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr ist die Regelung im jeweiligen Bundesland* entscheidend. Als erstes Bundesland hebt Bayern ab 10. Dezember die Maskenpflicht im ÖPNV auf. Stattdessen gibt es die Empfehlung, in U-Bahnen, S-Bahnen, Bussen, Straßenbahnen und Regionalzügen auch weiterhin eine Maske zu benutzen. Auch Schleswig-Holstein erwägt, die Maskenpflicht im ÖPNV zum Jahresende auslaufen zu lassen. Die übrigen Bundesländer halten bis auf weiteres an der Maskenpflicht im ÖPNV fest.

  • "Die Maske bietet im ÖPNV relevanten Schutz, wenn sie wirklich über Mund und Nase getragen wird", so Dr. Béatrice Grabein vom ADAC Ärztekollegium, Leiterin der Klinischen Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am LMU Klinikum München.

  • Wahren Sie einen möglichst großen Abstand zu anderen Fahrgästen und Mitarbeitern des ÖPNV. "Wo es nicht möglich ist, 1,5 Meter Abstand von anderen zu halten, sollte man versuchen, sich mit dem Gesicht abzuwenden", rät Dr. Grabein.

  • Halten Sie Ihre Hände von Ihrem Gesicht fern, damit das Virus nicht auf diesem Weg an Schleimhäute gelangen kann.

  • Nutzen Sie zum Ein- und Aussteigen alle Türen.

  • Husten und niesen Sie in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch.

  • Verlegen Sie Ihre Fahrten mit dem ÖPNV wenn möglich auf außerhalb der üblichen Stoßzeiten.

Die Maßnahmen der Verkehrsbetriebe gegen Corona

Die Fahrzeuge werden verstärkt gereinigt: bei der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG zum Beispiel täglich, die Berührflächen (z.B. Haltestangen) in den U-Bahnzügen jetzt auch untertags zusätzlich. Die Reinigungsmittel haben eine keimreduzierende Wirkung und setzen auch Viren zu, so die MVG. Selbst wenn einzelne Viren auf Oberflächen längere Zeit überleben sollten, wäre die sogenannte Viruslast in der Regel so gering, dass eine Infektion über diesen Weg sehr unwahrscheinlich sei. Das Desinfizieren von Bahnen und Bussen würde keinen Vorteil bringen, Flächen im öffentlichen Raum könnten nicht nachhaltig wirksam desinfiziert werden.

Die regelmäßige Lüftung der Fahrzeuge gehört ebenfalls zu den Corona-Maßnahmen. Bei der Münchner MVG gibt es z.B. seit Corona das "Stoßlüften", also das Öffnen aller Türen bei jedem Halt und in der Wendezeit beim Warten – wo technisch möglich. Die Türen öffnen generell möglichst automatisch, damit Fahrgäste den Türtaster nicht selbst betätigen müssen. Außerdem werden die Fahrgäste gebeten, die Klappfenster der Fahrzeuge geöffnet zu halten.

Das Ansaugen von Frischluft über die Klimaanlagen in den Fahrzeugen unterstützt außerdem laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) den Luftaustausch. Die Zahl der ÖPNV-Fahrzeuge mit Klimaanlagen steige seit Jahren deutlich. Luftaustausch mit Frischluft sei grundsätzlich besser als Luftfilterung oder Umwälzung verbrauchter Luft. Anders als im geschlossenen Raum eines Flugzeugs profitiere der ÖPNV von der ständigen Frischluftzufuhr. Auch in Bussen mit Klimaanlage haben die Verkehrsunternehmen laut VDV die Luftwechselrate erhöht.

Hygienestationen mit Desinfektionsmittelspendern werden in vielen Buslinien oder U-Bahnhöfen angeboten.

Neue Hygienemaßnahmen: UV-Licht und Beschichtung

Einige Verkehrsbetriebe in Deutschland testen zudem neue Hygienemaßnahmen*. Die UV-Licht-Desinfektion von Handläufen an Rolltreppen wird in München bereits seit 2019 erprobt, derzeit an sechs steilen und langen Rolltreppen im U-Bahnhof Marienplatz. Durch die UV-Bestrahlung sollen 99 Prozent der Keime abgetötet werden.

Oberflächenbeschichtungen gegen Bakterien und Viren kommen bei anderen Verkehrsbetrieben zum Einsatz. Laut VDV wird zum Beispiel in Bussen der DB Regio in Wesel und Dormagen eine Beschichtung an Sitzen, Halteschlaufen und -stangen sowie Stoppschaltern angebracht. Die Ruhrbahn in Essen und Mülheim testet einen Klarlack auf Kontaktflächen in Bussen und Bahnen. In Bremen werden in Bahn und Bus ein Kupfer-Tape und eine Polymer-Emulsion mit antimikrobiellen und selbstdesinfizierenden Eigenschaften ausprobiert.

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