Corona: So schützen Sie sich und andere in Bus und Bahn

Frau sitzt mit FFP2 Maske im Zug
Bei Fahrten mit dem ÖPNV gilt aufgrund des Coronavirus in allen Bundesländern eine Maskenpflicht ∙ © Shutterstock/Zigres

Auch in Corona-Zeiten sind Millionen Menschen im öffentlichen Nahverkehr unterwegs. Wie Sie sich und andere in Bus und Bahn vor dem Virus schützen können und was die Verkehrsunternehmen dafür tun – auch mit neuen Methoden.

  • Pflicht zum Tragen medizinischer Masken beachten, Hände vom Gesicht fern halten

  • Stoßzeiten meiden

  • Verkehrsunternehmen verstärken Reinigung und Lüftung, erproben UV-Licht und Beschichtung

Laut einer ADAC Umfrage zur Mobilität hat sich das Verhalten in der Corona-Krise deutlich verändert: 18 Prozent der Befragten fahren nicht mehr mit dem Öffentlichen Nahverkehr. Rund die Hälfte stuft die Gefahr, sich im ÖPNV mit Corona anzustecken als sehr hoch oder hoch ein.

Nach den vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamts waren 2020 im 1. Halbjahr im Eisenbahn-Nahverkehr (einschließlich S-Bahn) 37 Prozent weniger Menschen unterwegs als im gleichen Zeitraum 2019. Beim Liniennahverkehr mit Bussen (minus 22 Prozent) sowie Straßen- und Stadtbahnen – darunter fallen z.B. auch U-Bahnen (minus 24 Prozent) müsse man davon ausgehen, dass die tatsächlichen Rückgänge noch höher ausfielen, da viele Fahrgäste ihre Zeitkarten aufgrund Corona vergleichsweise selten nutzten.

Trotz sinkender Fahrgastzahlen spielt Infektionsschutz im ÖPNV eine wichtige Rolle. Für die Mobilität mit Bus, S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahn haben die medizinischen Experten des ADAC daher folgende Verhaltenstipps zusammengestellt.

Infektionsschutz: Das sollten Fahrgäste beachten

Frau wäscht sich die Hände
Gründliches Händewaschen ist für ÖPNV-Nutzer in Corona-Zeiten oberstes Gebot ∙ © iStock.com/rclassenlayouts
  • Waschen Sie sich vor dem Verlassen der Wohnung und nach der Ankunft gründlich die Hände mit Wasser und Seife, mindestens 20 Sekunden lang.

  • Das Tragen von medizinischen Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln ist in allen Bundesländern Pflicht (in Bayern das Tragen von Masken der Standards KN95/N95 oder FFP2). Das gilt nicht nur in den Fahrzeugen, sondern auch im Bahnhof, auf Bahnsteigen und an Haltestellen. "Die Maske bietet im ÖPNV relevanten Schutz, wenn sie wirklich über Mund und Nase getragen wird", so Dr. Béatrice Grabein vom ADAC Ärztekollegium, Leiterin der Klinischen Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am LMU Klinikum München.

  • Wahren Sie einen möglichst großen Abstand zu anderen Fahrgästen und Mitarbeitern des ÖPNV. "Wo es nicht möglich ist, 1,5 Meter Abstand von anderen zu halten, sollte man versuchen, sich mit dem Gesicht abzuwenden", rät Dr. Grabein.

  • Halten Sie Ihre Hände von Ihrem Gesicht fern, damit das Virus nicht auf diesem Weg an Schleimhäute gelangen kann.

  • Nutzen Sie zum Ein- und Aussteigen alle Türen.

  • Husten und niesen Sie in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch.

  • Überlegen Sie, ob Ihre Fahrt zu diesem Zeitpunkt wirklich nötig ist oder ob Sie eine Alternative finden. Verlegen Sie Ihre Fahrten mit dem ÖPNV wenn möglich auf außerhalb der üblichen Stoßzeiten.

Die Maßnahmen der Verkehrsbetriebe gegen Corona

Die Fahrzeuge werden verstärkt gereinigt: bei der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG zum Beispiel täglich, die Berührflächen (z.B. Haltestangen) in den U-Bahnzügen jetzt auch untertags zusätzlich. Die Reinigungsmittel haben eine keimreduzierende Wirkung und setzen auch Viren zu, so die MVG. Selbst wenn einzelne Viren auf Oberflächen längere Zeit überleben sollten, wäre die sogenannte Viruslast in der Regel so gering, dass eine Infektion über diesen Weg sehr unwahrscheinlich sei. Das Desinfizieren von Bahnen und Bussen würde keinen Vorteil bringen, Flächen im öffentlichen Raum könnten nicht nachhaltig wirksam desinfiziert werden.

Die regelmäßige Lüftung der Fahrzeuge gehört ebenfalls zu den Corona-Maßnahmen. Bei der Münchner MVG gibt es z.B. seit Corona das "Stoßlüften", also das Öffnen aller Türen bei jedem Halt und in der Wendezeit beim Warten – wo technisch möglich. Die Türen öffnen generell möglichst automatisch, damit Fahrgäste den Türtaster nicht selbst betätigen müssen. Außerdem werden die Fahrgäste gebeten, die Klappfenster der Fahrzeuge geöffnet zu halten.

Das Ansaugen von Frischluft über die Klimaanlagen in den Fahrzeugen unterstützt außerdem laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) den Luftaustausch. Die Zahl der ÖPNV-Fahrzeuge mit Klimaanlagen steige seit Jahren deutlich. Luftaustausch mit Frischluft sei grundsätzlich besser als Luftfilterung oder Umwälzung verbrauchter Luft. Anders als im geschlossenen Raum eines Flugzeugs profitiere der ÖPNV von der ständigen Frischluftzufuhr. Auch in Bussen mit Klimaanlage haben die Verkehrsunternehmen laut VDV die Luftwechselrate erhöht.

Hygienestationen mit Desinfektionsmittelspendern werden inzwischen in vielen Buslinien oder U-Bahnhöfen angeboten.

Neue Hygienemaßnahmen: UV-Licht und Beschichtung

Einige Verkehrsbetriebe in Deutschland testen zudem neue Hygienemaßnahmen*. Die UV-Licht-Desinfektion von Handläufen an Rolltreppen wird in München bereits seit 2019 erprobt, jetzt an sechs steilen und langen Rolltreppen im U-Bahnhof Marienplatz. Durch die UV-Bestrahlung sollen 99 Prozent der Keime abgetötet werden.

Oberflächenbeschichtungen gegen Bakterien und Viren kommen bei anderen Verkehrsbetrieben zum Einsatz. Laut VDV wird zum Beispiel in Bussen der DB Regio in Wesel und Dormagen eine Beschichtung an Sitzen, Halteschlaufen und -stangen sowie Stoppschaltern angebracht. Die Ruhrbahn in Essen und Mülheim testet einen Klarlack auf Kontaktflächen in Bussen und Bahnen. In Bremen werden in Bahn und Bus ein Kupfer-Tape und eine Polymer-Emulsion mit antimikrobiellen und selbstdesinfizierenden Eigenschaften ausprobiert.

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