Streptokokken: Welche Krankheiten sind möglich?

Ein Kind wird beim arzt auf strptokokken untersucht
Streptokokken sind häufig Auslöser einer Halsentzündung© Shutterstock/Katya Rekina

Eine bakterielle Infektion mit Streptokokken kann eine Vielzahl von Erkrankungen verursachen, darunter Angina und Scharlach. Mehr zu Symptomen, Ansteckung und Tests.

  • Häufig führen Streptokokken zu einer Rachenentzündung

  • Symptome können sehr unterschiedlich sein

  • Behandlung mit Antibiotika verringert Ansteckungsgefahr für andere

Streptokokken können unter anderem Auslöser für eine ansteckende Rachenentzündung (Angina) sein, die insbesondere im Kindesalter zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen zählt. In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 1 bis 1,5 Millionen Fällen, hauptsächlich im Winter und Frühjahr.

Welche Krankheiten sind möglich?

Die Bezeichnung Streptokokken ist ein Oberbegriff für verschiedene Bakterienarten, die unterschiedlichste Krankheiten auslösen können. Besonders häufig ist etwa Streptococcus pyogenes als Ursache für eine Rachenentzündung (Streptokokken-Pharyngitis). Ein Großteil der Streptokokken wird aufgrund der Antigene in ihren Zellwänden in verschiedene Gruppen (A–N) eingeteilt.

Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) gehören keiner Gruppe an, zählen jedoch auch zu den Streptokokken. Eine Infektion mit Pneumokokken kann zu Mittelohr- und Lungenentzündungen führen. Dementsprechend sind die Symptome einer Streptokokken-Infektion sehr unterschiedlich. Meist betreffen sie Schleimhäute und Haut.

Unter anderem können Streptokokken bei Erwachsenen folgende Erkrankungen auslösen:

  • Rachenentzündung (Pharyngitis)

  • Scharlach

  • Mandelentzündung (Tonsillitis)

  • Mittelohrentzündung (Otitis media)

  • Streptokokken-induziertes Toxic Shock Syndrom (STSS)

  • Wundrose (Erysipel)

  • Borkenflechte (Impetigo contagiosa)

  • Streptokokken-Cellulitis

  • Nekrotisierende Fasziitis

  • Herzinnenhautentzündung (Endokarditis)

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)

Japan: Fälle von STSS häufen sich

Seit dem letzten Jahr werden in Japan vermehrt Fälle des Streptokokken-induzierten toxischen Schock-Syndroms (STSS) gezählt. Betroffen sind insbesondere jüngere Menschen unter 50 Jahren.

Ein STSS kann sich aus einer Infektion mit Streptokokken – meist Streptococcus pyogenes – entwickeln und lebensbedrohlich werden. Die Sterblichkeitsrate liegt bei rund 30 Prozent. Eine überschießende Immunreaktion führt zu Kreislaufschock oder Organversagen. Häufige Symptome sind Fieber, Übelkeit und Erbrechen sowie Muskelkrämpfe. Behandelt wird mit Antibiotika.

Warum sich die STSS-Fälle derzeit in Japan mehren, ist bislang unklar. Eine mögliche Ursache könnte die Lockerung der strengen Corona-Maßnahmen im Frühsommer 2023 sein. In Deutschland wird keine akute Häufung dieser seltenen Folge einer Streptokokken-Infektion registriert.

Scharlach ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die durch Streptokokken ausgelösten Symptome bei Erwachsenen und Kindern unterscheiden können. Die Krankheit tritt vor allem bei Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 15 Jahren auf. Bei ihnen zeigen sich meist die typische Himbeerzunge sowie ein Ausschlag. Stecken sich Erwachsene an, sind diese Symptome seltener. Scharlach wird bei Erwachsenen deshalb häufig erst spät diagnostiziert.

Streptokokken in der Schwangerschaft

Sogenannte Gruppe-B-Streptokokken (GBS) besiedeln den Genitalbereich sowie den Magen-Darm-Trakt. Infizieren sich Schwangere mit diesen Streptokokken, können diese gegen Ende der Schwangerschaft über das Fruchtwasser sowie während der Geburt auf das Kind übertragen werden. Unbehandelt entwickelt das Neugeborene in 90 Prozent dieser Fälle innerhalb der ersten sieben Lebenstage eine Blutvergiftung (Sepsis) oder eine Lungenentzündung (Pneumonie). Treten erst mehrere Wochen nach der Geburt Symptome der Infektion auf, zeigt sich das meist in Form einer Hirnhautentzündung. Eine Infektion mit Gruppe-B-Streptokokken muss mit Antibiotika behandelt werden.

Wie ansteckend sind Streptokokken?

Streptokokken können über Schmierinfektionen – also durch direkten Körperkontakt oder verunreinigte Gegenstände – übertragen werden. Tröpfcheninfektionen sind ebenfalls möglich, beispielsweise bei Scharlach über das Husten, Niesen oder Sprechen. Streptokokken haben in der Regel eine Inkubationszeit von mehreren Tagen.

Scharlach ist beispielsweise sehr ansteckend, weshalb Personen mit Verdacht auf eine Infektion keine Gemeinschaftseinrichtungen aufsuchen dürfen und den Kontakt zu anderen vermeiden sollten. Das betrifft den Besuch von Kindergarten und Schule, Pflegetätigkeiten sowie die Arbeit in Lebensmittelbetrieben.

Wird eine Infektion mit Pneumokokken laboranalytisch bestätigt, ist sie meldepflichtig.

Wie testet man auf Streptokokken?

Da Halsentzündungen meist von Viren verursacht werden, gegen die Antibiotika wirkungslos sind, kann es sinnvoll sein, bei einer Rachenentzündung einen Test auf Streptokokken durchzuführen. Eine Blutuntersuchung findet im Normalfall nur statt, wenn der Verdacht auf eine Streptokokken-Folgeerkrankung besteht.

Können Streptokokken von allein weggehen?

Viele Streptokokken-Infektionen heilen ohne Antibiotika von selbst. Eine unbehandelte Streptokokken-Infektion ist allerdings bis zu drei Wochen ansteckend, in manchen Fällen sogar länger. Wer im Falle einer Rachenentzündung Antibiotika erhält, ist hingegen innerhalb von 24 Stunden nicht mehr ansteckend.

Aus einer unbehandelten Infektion mit Streptokokken können weitere Erkrankungen entstehen. Ein Beispiel ist rheumatisches Fieber als Spätfolge einer Infektion mit a-beta-hämolysierenden Streptokokken (GABHS). Dabei kommt es zu einer Entzündung verschiedener Gewebe, insbesondere der Gelenke und des Herzens. Da es sich um eine Überreaktion des Immunsystems handelt, ist das rheumatische Fieber nicht ansteckend. Eine akute Nierenentzündung (Poststreptokokken-Glomerulonephritis) kann ebenso die Folge einer GABHS-Infektion sein.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.