Zweirichtungszähler für die Solaranlage: Funktion und Kosten
Von André Gieße

Ein Zweirichtungszähler erfasst sowohl den bezogenen Strom aus dem öffentlichen Netz als auch den eingespeisten Strom aus der Solaranlage. Wofür man diesen Stromzähler braucht und was er kostet.
Warum ein Zweirichtungszähler bei PV-Anlagen meist notwendig ist
Wann Balkonkraftwerke auch mit einem alten Zähler starten dürfen
Wie Sie den Stromzähler richtig ablesen und welche Kosten anfallen
Was ist ein Zweirichtungszähler?
Ein Zweirichtungszähler erfasst separat den bezogenen Netzstrom und den eingespeisten Solarstrom. Die getrennte Messung ist für netzgekoppelte Photovoltaik-Anlagen gesetzliche Vorschrift, weshalb das Gerät meist zwingend erforderlich ist. So kann der Stromeinkauf korrekt abgerechnet und eine mögliche Einspeisevergütung exakt ausgezahlt werden. Ohne diese Trennung würde ein normaler Zähler den Solarstrom als Verbrauch erfassen oder illegal rückwärts laufen.
Wer eine neue PV-Anlage anmeldet, erhält vom Messstellenbetreiber meist einen Zweirichtungszähler, sofern noch kein geeigneter Stromzähler vorhanden ist. Standard ist eine moderne Messeinrichtung (mME) – ein digitales Gerät ohne Internetverbindung, das vor Ort abgelesen werden muss. Bei mehr als 7 kWp installierter PV-Leistung ist ein intelligentes Messsystem (iMSys) mit Kommunikationseinheit gesetzlich Pflicht. Dieser Smart Meter sendet die Daten automatisch.
Wie funktioniert ein Zweirichtungszähler?
Der Zweirichtungszähler befindet sich normalerweise im Zählerschrank. Er misst weder die gesamte Stromproduktion der PV-Anlage noch den Verbrauch einzelner Geräte. Er erfasst nur, wie viel Strom zwischen dem Haushalt und dem öffentlichen Netz hin und her fließt. Der Zähler verrechnet die Stromflüsse aller drei Haushaltsphasen im Sekundenbruchteil miteinander.
Strombezug: Produziert die PV-Anlage weniger Strom, als gerade im Haushalt benötigt wird, kommt der fehlende Strom aus dem öffentlichen Netz. Dieser Netzbezug wird im Register 1.8.0 gespeichert.
Stromeinspeisung: Produziert die PV-Anlage mehr Strom, als gleichzeitig im Haushalt verbraucht wird, fließt der Überschuss ins öffentliche Netz. Diese Einspeisung wird im Register 2.8.0 gespeichert.
Nur wenn PV-Anlage und Haushalt im selben Moment gleich viel Strom erzeugen bzw. verbrauchen, fließt am Zweirichtungszähler nahezu kein Strom aus dem oder in das öffentliche Netz. Im Gegensatz zu alten, mechanischen Ferraris-Zählern dreht sich ein digitaler Zweirichtungszähler übrigens auch nicht einfach rückwärts, wenn Strom ins Netz fließt.
Ist ein Zweirichtungszähler Pflicht?
Nein, als Gerätetyp ist er nicht vorgeschrieben. Das Gesetz verlangt lediglich, dass Netzbezug und Einspeisung separat erfasst werden. Da der Zweirichtungszähler beide Werte in einem Gerät misst, ist er in der Praxis die einfachste und kompakteste Standardlösung.
Bei PV-Anlagen mit mehr als 7 kWp installierter Leistung ist grundsätzlich ein Smart Meter samt Steuerungseinrichtung vorgesehen. Der Einbau erfolgt schrittweise nach dem gesetzlichen Zeitplan und nicht zwingend sofort mit der Inbetriebnahme der Anlage.
Ausnahme: Zweirichtungszähler für Balkonkraftwerke
Für Balkonkraftwerke gilt eine Ausnahme: Sogenannte Steckersolargeräte dürfen unter den gesetzlichen Voraussetzungen bereits mit dem vorhandenen Stromzähler betrieben werden. Ein ungeeigneter Zähler wird anschließend vom Messstellenbetreiber ausgetauscht.
Zweirichtungszähler richtig ablesen
Heute sind meist digitale Zweirichtungszähler im Einsatz. Ihr Display zeigt die Zählerstände in der Regel nacheinander an. Die Anzeige wechselt entweder automatisch zwischen den Registern oder lässt sich über eine Taste bzw. einen Sensor bedienen. Entscheidend ist der Code, der neben dem jeweiligen Wert steht:
1.8.0 zeigt, wie viele Kilowattstunden Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen wurden.
2.8.0 zeigt, wie viele Kilowattstunden ins öffentliche Netz eingespeist wurden.

Notieren Sie beim Ablesen die Zählernummer, die Werte von 1.8.0 und 2.8.0, die Einheit kWh sowie das Ablesedatum. Ob Sie Nachkommastellen angeben müssen, steht auf der Ablesekarte oder im Kundenportal. Bei Fragen hilft der Messstellenbetreiber weiter.
Je nach Zähler und Stromtarif können zusätzlich Unterregister wie 1.8.1, 1.8.2, 2.8.1 oder 2.8.2 erscheinen. Welche Werte Sie melden müssen, steht ebenfalls auf der Ablesekarte oder im Kundenportal des Messstellenbetreibers.
Ältere Zweirichtungszähler können zwei mechanische Zählwerke besitzen: Das eine zählt den Netzbezug, das andere die Einspeisung. Das jeweilige Zählwerk läuft nur weiter, wenn Strom in die entsprechende Richtung fließt.
Das kosten Zweirichtungszähler aktuell
Für eine moderne Messeinrichtung (mME) mit Zweirichtungsfunktion darf der grundzuständige Messstellenbetreiber höchstens 25 Euro brutto pro Jahr berechnen. In diesem Messstellenentgelt sind die üblichen Leistungen wie Einbau, Betrieb, Wartung und Ablesung des Zählers enthalten. Der reine Zählertausch aufgrund einer neuen PV-Anlage darf nicht zusätzlich berechnet werden.
Zusätzliche Kosten (oft über 1000 Euro) können entstehen, wenn der Zählerschrank umgebaut werden muss. Auch ein freiwillig gewählter Messstellenbetreiber kann andere Preise verlangen. Das Messstellenentgelt kann auf der Stromrechnung stehen oder separat vom Messstellenbetreiber abgerechnet werden. Prüfen Sie nach dem Zählerwechsel, dass Sie es nicht doppelt zahlen.
Bei PV-Anlagen mit mehr als 7 kWp installierter Leistung ist ein intelligentes Messsystem (iMys) plus Steuerungseinrichtung vorgesehen. Hierfür gelten andere Preisobergrenzen. Bei privaten PV-Anlagen mit über 7 und bis zu 15 kWp können der Smart Meter und die Steuerbox zusammen bis zu 100 Euro jährlich kosten. Eingebaut wird die Technik schrittweise nach einem Roll-out-Plan.
Andere Stromzähler für die PV-Anlage
Neben dem Zweirichtungszähler gibt es weitere Arten von Stromzählern:
Ein Erzeugungszähler, auch Ertragszähler genannt, misst die gesamte Stromproduktion einer PV-Anlage. Bei üblichen privaten Anlagen mit Überschusseinspeisung ist er meist nicht nötig. Bei besonderen Mess- und Abrechnungsmodellen kann eine separate Erzeugungsmessung jedoch weiterhin erforderlich sein.
Ein Einspeisezähler erfasst ausschließlich den Strom, der ins Netz fließt. Ein Bezugszähler misst dagegen nur den Strombezug aus dem Netz. Der Zweirichtungszähler vereint beide Funktionen in einem Gerät und speichert Bezug und Einspeisung getrennt. Anders als ein alter Ferraris-Zähler läuft er bei der Einspeisung nicht rückwärts.