Solaranlage: Lohnt sich ein Zweirichtungszähler?

Ein Zweirichtungszähler für den Stromverbrauch im Haus
Der Zweirichtungszähler hilft, die Übersicht zu behalten über selbst produzierten und vom Versorger bezogenen Strom© Shutterstock.com/Proxima Studio

Ein Zweirichtungszähler erfasst sowohl die Strommenge, die Betreiber einer Solaranlage in das öffentliche Netz einspeisen, als auch den Strom, den sie von einem Energieversorger beziehen. Wann ist ein solcher Stromzähler sinnvoll?

  • Ein Zweirichtungszähler misst Stromeinspeisung und Strombezug

  • Das Gerät kann man gegen eine Gebühr beim Netzbetreiber mieten

  • Saldierende Zähler sind wichtig für die korrekte Abrechnung

Wenn eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) mehr Strom produziert, als der Haushalt benötigt, wird der Überschuss ins öffentliche Stromnetz eingespeist und vergütet. An Tagen, an denen nicht genügend Strom produziert wird, muss man hingegen zusätzlich Strom von einem Netzbetreiber einkaufen. Bei der korrekten Abrechnung der Einspeisevergütung und des dazugekauften Stroms hilft ein Zweirichtungszähler.

Was macht ein Zweirichtungszähler?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass es drei Arten von Stromzählern für den Betrieb von Solaranlagen gibt:

Der Ertragszähler erfasst die gesamte Menge an Strom, die von der Solaranlage erzeugt wird. Der Einspeisezähler misst, wie viel des produzierten Solarstroms in das öffentliche Netz eingespeist wird. Der Bezugszähler misst die Strommenge, die vom PV-Anlagenbetreiber hinzugekauft wird.

Ein Zweirichtungszähler kombiniert die Funktionen des Einspeisezählers und des Bezugszählers. Er erfasst also den Stromfluss in beide Richtungen: sowohl die Strommenge, die in das Netz eingespeist wird, als auch den sogenannten Reststrom, der aus dem Netz bezogen wird. Damit ermöglicht ein Zweirichtungszähler dem PV-Anlagenbesitzer beziehungsweise dem Netzbetreiber eine unkomplizierte und fehlerfreie Abrechnung – sowohl für den verbrauchten Strom als auch für die Einspeisevergütung.

Braucht man noch einen Ertragszähler?

Die Installation eines zusätzlichen Ertragszählers ist nicht mehr nötig, denn Anfang 2023 wurde die Besteuerung des selbst entnommenen Solarstroms abgeschafft. Damit ist eine Zählvorrichtung für die PV-Anlage überflüssig geworden. Wer wissen will, wie viel Strom seine Solaranlage produziert, kann sich natürlich weiterhin einen Ertragszähler im Haus installieren.

Woran erkennt man Zweirichtungszähler?

Ein Zweirichtungszähler hat zwei separate Zählwerke, die zusammen in einem Zählerkasten untergebracht sind. Nicht immer ist auf einen Blick ersichtlich, ob das Gerät im Zählerkasten ein Zweirichtungszähler oder ein "normaler" Stromzähler ist.

Erkennbar ist ein Zweirichtungszähler zum Beispiel daran, dass auf dem Gerät zwei kleine Pfeile aufgedruckt sind, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Alternativ sind die Bezeichnungen 1.8.0 oder 1.8.X (für den Strombezug) und 2.8.0 oder 2.8.X (für die Stromeinspeisung) angebracht. Manchmal steht auch "Zweirichtungszähler" auf dem Gerät – das macht die Erkennung ganz einfach.

Ist ein Zweirichtungszähler Pflicht?

Laut der Bundesnetzagentur muss jede Stromentnahme aus dem Netz und jede Stromeinspeisung in das Netz eines Energieversorgers erfasst und genau gemessen werden. Dies kann unkompliziert durch einen Zweirichtungszähler erfolgen. Der Einbau eines solchen Messgerätes ist allerdings keine Pflicht. Alternativ können Solaranlagenbetreiber auch jeweils einen Einspeise- und einen Bezugszähler einbauen lassen.

Vor- und Nachteile des Zweirichtungszählers

Zwei Geräte, ein Einspeise- und ein Bezugszähler, brauchen viel Platz im Zählerschrank. Ein Zweirichtungszähler ist hingegen eine platzsparende Variante.

Ein weiterer Vorteil: Die Wartung des Zweirichtungszählers übernimmt der Messstellenbetreiber – also der Netzbetreiber, den der Hausbesitzer gewählt hat. Häufig können die Betreiber den Zählerstand auch per Funk einmal im Jahr aus der Ferne ablesen. Intelligente Messsysteme, sogenannte Smart Meter, senden die erfassten Strommengen sogar kontinuierlich an den Netzbetreiber. Wer einen Zweirichtungszähler eingebaut hat, braucht sich also um nichts selbst zu kümmern.

Die Nachteile von Zweirichtungszählern: Die Mietkosten liegen im Vergleich zum Kaufpreis für herkömmliche Zähler langfristig gesehen höher. Und: Sobald ein Hausbesitzer den Messstellenbetreiber wechselt, muss auch der Zähler ausgetauscht werden.

Wie liest man Zweirichtungszähler ab?

Person notiert den Stand der Zweirichtungszähler für den Stromverbrauch im Haus
Wie der Zweirichtungszähler richtig abgelesen wird, erfährt man von seinem Netzbetreiber© Shutterstock.com/Proxima Studio

Mechanische Zweirichtungszähler sind einfach zu handhaben: Sie haben zwei separate Zählwerke, eines für den Bezug und eines für die Einspeisung, die sich beide kontinuierlich vorwärts bewegen.

Elektronische Zweirichtungszähler zeigen oft nur eine Zahl auf dem Display an. Die Anzeige wechselt zwischen Strombezug und Stromeinspeisung. Welcher Wert gerade angezeigt wird, erkennt man an den Bezeichnungen "1.8.0" für den Strombezug aus dem Netz und "2.8.0" für die Stromeinspeisung in das Netz. Bei Fragen zum Ablesen hilft der Netzbetreiber, der das Messgerät vermietet.

Installation: Kosten und Vorgehen

Private PV-Anlagen-Betreiber können in Deutschland keine Zweirichtungszähler kaufen. Sie können sie jedoch für rund 40 Euro im Jahr vom Netzbetreiber mieten. Im Mietpreis sind die Kosten für die Wartung, die Instandhaltung und die Eichung des Zählers enthalten.

Praktisch bei der Miete eines Zweirichtungszählers: Der Netzbetreiber ist auch für den Anschluss zuständig. Welches Gerät verbaut wird, entscheidet der Anbieter. Wichtig: PV-Anlagen-Besitzer sollten bei ihrem Netzbetreiber auf jeden Fall nachfragen, welche Art von Zähler zum Einsatz kommt. Um Probleme mit der Abrechnung unterschiedlicher Stromphasen zu vermeiden, sollte es auf jeden Fall ein Ferraris-Zähler sein.

Was ist ein Ferraris-Zähler?

Strom, der von der Solaranlage in das Netz hineinfließt, und Strom, der aus dem Netz entnommen wird, haben unterschiedliche Stromphasen: In privaten Haushalten fließt meist einphasiger Strom, im öffentlichen Netz dreiphasiger Wechselstrom. Das kann dazu führen, dass der Haushalt Strom auf einer anderen Phase verbraucht, als die Solaranlage ihn produziert.

Die Folge: Der Strom, der durch die PV-Anlage selbst erzeugt wird, gelangt nicht zu den Elektrogeräten im Haus, sondern wird direkt in das öffentliche Netz geleitet. Statt also den günstigeren selbstproduzierten Strom zu nutzen, kauft der PV-Anlagen-Betreiber ausschließlich den teureren Strom aus dem Netz.

Die Lösung für dieses Problem sind saldierende Zähler, die über einen sogenannten Ferraris-Modus verfügen. Die Ferraris-Zähler – benannt nach dem Erfinder des Stromzählers, Galileo Ferraris – messen den Strom auf allen Phasen und summieren ihn. Damit werden sowohl der ins öffentliche Netz fließende als auch der aus dem Netz bezogene Strom korrekt erfasst.

Autorin: Sabine Olschner

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