Infrarotheizung für Wand oder Decke: Kosten, Vorteile und Nachteile
Von André Gieße

Eine Infrarotheizung im Haus oder in der Wohnung ist eine Alternative zu Systemen, die mit fossilen Brennstoffen wie Gas oder Öl betrieben werden und künftig immer teurer werden.
Infrarotheizung wird mit Strom betrieben
Günstig in der Anschaffung, teuer im Betrieb
Nur für bestimmte Gebäude oder Räume geeignet
Wie funktioniert eine Infrarotheizung?
Eine Infrarotheizung funktioniert anders als wasserführende Systeme etwa bei Gasheizungen, wo die Wärme über Heizkörper im Gebäude verteilt wird. Sie benötigt Strom und erwärmt nicht die Luft, sondern Objekte und Körper im Raum. Plattenförmige Heizelemente an der Wand oder Decke senden elektromagnetische Strahlung aus. Die Infrarotwellen sind für Menschen ungefährlich.
Die Rückseite der Infrarot-Paneele ist beschichtet, damit die Wärme nach vorne abgestrahlt wird. Möbel, Wände, Decken und Böden geben diese an den Raum ab. Die Strahlungswärme wird oft als angenehm beschrieben, weil sie sofort auf der Haut zu spüren ist – ähnlich wie bei einer Rotlichtlampe. Sie ist schnell verfügbar und regelbar. Die gemessene Lufttemperatur kann meist um zwei bis drei Grad niedriger eingestellt werden, während sich der Raum genauso warm anfühlt.
Empfohlene Heizleistung je Raumgröße
Bei der Erzeugung und Verteilung der Wärme entstehen zwar so gut wie keine Verluste. Damit eine Infrarotheizung aber nicht mehr Strom als nötig verbraucht, sollte ihre Leistung zum Wärmebedarf im Haushalt passen. Es gibt Empfehlungen je nach Raumgröße und Quadratmeterzahl. Die nötige Heizleistung hängt vor allem von der Isolierung des Gebäudes, der Anzahl an Außenwänden ab sowie der Art des Raumes ab. Je nach energetischem Zustand des Haus kann der reale Bedarf stark von den Richtwerten in der Tabelle abweichen.
| Raumgröße | Heizleistung |
|---|---|
10 m² | 500 bis 700 Watt |
15 m² | 700 bis 900 Watt |
20 m² | 1000 bis 1400 Watt |
25 m² | 1400 bis 1600 Watt |
30 m² | 1800 bis 2000 Watt |
Verbrauch einer Infrarotheizung
Die Dimensionierung der Infrarotheizung beeinflusst den Stromverbrauch am meisten. Wie viele Paneele mit welcher Leistung in einer Wohnung oder einem Haus installiert werden sollten, hängt vor allem von der Zahl und Größe der Räume ab. Auch die Gebäudedämmung ist für die effiziente Nutzung wichtig. Sind die Wände gut isoliert, geht wenig Wärme verloren. Bei schlechter Isolierung entweicht sie nach draußen – darum kommt es auch darauf an, ob sich eher Innen- oder Außenwände im Raum befinden und wie viele Fenster es gibt.

Einzelne Infrarotheizkörper weisen Leistungen von 200 bis 1800 Watt auf. Je nach der Größe und den Außenwänden eines Raumes sind mehr oder weniger notwendig. In einem gut gedämmten Neubau können 20 bis 40 Watt pro Quadratmeter ausreichen. Im sanierten Altbau sind zwischen 60 und 100 Watt pro Quadratmeter ein Richtwert. Ein Infrarotpaneel mit zum Beispiel 1000 Watt Leistung verbraucht umgerechnet eine Kilowattstunde Strom pro Betriebsstunde.
Eine Infrarotheizung kann aus einer Kilowattstunde Strom in der Regel etwa eine Kilowattstunde Wärme erzeugen. Da im Gegensatz zu wassergeführten Zentralheizungen keine Verteilverluste in langen Rohrleitungen entstehen, kommt die Wärme direkt im Raum an. Wer zu Hause ausschließlich auf eine Infrarotheizung setzen möchte, benötigt dafür mehrere Paneele und zahlt nicht selten Betriebskosten von mehreren Tausend Euro pro Jahr. Ein hoher Strahlungswirkungsgrad senkt zwar nicht den technischen Strombedarf des Geräts pro Betriebsstunde, verringert aber die nötige Laufzeit und senkt somit den tatsächlichen Stromverbrauch spürbar.
Kosten einer Infrarotheizung
Die Anschaffung einer Infrarotheizung kostet meist weniger als die einer Heizung, die mit Öl oder Gas läuft. Je nach Größe, Leistung, Material und Hersteller liegen die Preise bei Standardmodellen zwischen rund 65 Euro und 650 Euro pro Paneel – wobei leistungsstärkere und Design-Geräte teurer sein können. Hinzu kommen Handwerkerkosten, die Kosten für das Anschlusszubehör und – je nach Lieferumfang – gegebenenfalls noch Thermostate, um deren Temperatur zu steuern.
Für einen 100-Quadratmeter-Haushalt mit moderatem Heizbedarf und mittelmäßiger Dämmung muss man bei der Anschaffung derzeit mit Gesamtkosten von 3000 bis 6000 Euro rechnen.
Eine Infrarotheizung lässt sich relativ einfach installieren. Ihre Montage ist deshalb günstiger als bei anderen Heizsystemen. Zudem fallen keine jährlichen Wartungskosten an. Da es kaum Verschleiß gibt, haben Infrarotheizungen eine Lebensdauer von häufig 15 bis 20 Jahren – mitunter auch länger. Doch wegen der Betriebskosten gelten solche Stromdirektheizungen als teuer.
Betriebskosten einer Infrarotheizung
Die Betriebskosten hängen stark vom Stromtarif und vom tatsächlichen Wärmebedarf ab. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt 2026 laut BDEW bei 37 Cent pro Kilowattstunde. Bei angenommenen 70 Watt Heizleistung pro Quadratmeter, acht Stunden täglicher Heizdauer und 180 Heiztagen ergeben sich für 100 Quadratmeter rechnerisch rund 3760 Euro Stromkosten im Jahr. In der Praxis läuft eine thermostatgeregelte Heizung aber nicht durchgehend unter Volllast.
Formel zur Berechnung der Betriebskosten
Heizdauer x nötige Leistung in kWh x Preis pro kWh Strom
Beispiel mit 100 Quadratmeter:
(8 Stunden x 180 Tage) x (100 m² x 70 Watt / 1000) x 0,37 Euro = rund 3730 Euro im Jahr
Strahlungswirkungsgrad der Infrarotheizung beachten
Beim Kauf einer Infrarotheizung lohnt sich ein Blick auf den nach DIN EN IEC 60675-3 ermittelten Strahlungswirkungsgrad. Er zeigt, welchen Anteil der Wärme das Gerät tatsächlich als Strahlungswärme abgibt. Ab 40 Prozent ist die Mindestanforderung der Norm erfüllt. Hochwertige, moderne Qualitäts-Paneele erreichen 50 bis über 65 Prozent. Versprechen Hersteller 80 bis 100 Prozent Strahlungsanteil, ist das bei Niedertemperatur-Paneelen kaum machbar und oft unseriös.
Infrarotheizung statt Gasheizung?
Laut eine Studie der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz aus dem Februar 2024 war eine Infrarotheizung nicht billiger als eine neue Gasheizung. Beim Vergleich der Betriebskosten für einen Haushalt mit drei Personen und 150 Quadratmetern schlug eine Infrarotheizung im ersten Jahr mit 4970 Euro zu Buche und eine Gasheizung mit 2000 Euro. Die Berechnung nahm einen durchschnittlichen Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde beziehungsweise ein Gaspreis von 10 Cent pro Kilowattstunde und einen dazugehörigen Grundpreis von 150 Euro pro Jahr an.
Die vergleichsweise niedrigen Investitionskosten für die Anschaffung der Infrarotheizung sind aus Sicht der Verbraucherzentrale nach kurzer Zeit wieder aufgezehrt – trotz des steigenden CO₂-Preises für Erdgas und Öl. Denn Strom ist nach wie vor die teuerste Energieform in Deutschland und aktuell gut dreimal so teuer wie die günstigsten Gastarife. Der Einbau eine Infrarotheizung ist nur in Häusern sinnvoll, die sehr gut gedämmt sind und wenig Energie benötigen. Die Verbraucherzentrale rät sogar von der Installation dieses Systems in Bestandsgebäuden ab.
Die Infrarotheizung lässt sich auch mit einer Photovoltaik-Anlage verbinden. Damit kommt an sonnigen Tagen ein Teil des notwendigen Heizstroms vom eigenen Dach. Jedoch produziert die PV-Anlage im Winter, wenn die Heizung größtenteils läuft, mangels Sonne wenig bis keinen Strom. Deshalb ist in der kalten Jahreszeit weiterhin Netzstrom nötig, um den Energiebedarf der Infrarotheizung zu decken.
Gibt es Förderung für Infrarotheizungen?
Für Infrarotheizungen als Stromdirektheizungen gibt es derzeit keine staatliche Heizungsförderung über die klassischen Programme der KfW (Programm 458) oder des BAFA.
Beim Einbau als Hauptheizung sind die Vorgaben des Gebäudemodernisierungsgesetzes zu beachten. In bestehenden Wohngebäuden ist eine neue Stromdirektheizung grundsätzlich nur zulässig, wenn das Gebäude die gesetzlichen Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz um mindestens 30 Prozent unterschreitet. Eine Ausnahme gilt unter anderem für Wohngebäude mit höchstens zwei Wohnungen, wenn der Eigentümer eine davon selbst bewohnt.
Platzierung in Haus und Wohnung
Damit die Infrarotheizung effizient und gleichmäßig für wohlige Temperaturen sorgt, kommt es auf die richtige Platzierung im Haus oder der Wohnung an. Die Paneele sollten so angebracht werden, dass die gewünschte Verteilung der Strahlen im Raum nicht durch Wände oder hohe Möbel blockiert wird. Ähnlich wie bei Sonnenstrahlung entsteht sonst ein Schatten, der kühl bleibt.

Achten Sie auch darauf, dass die Infrarotheizung möglichst Objekte anstrahlt, die Wärme gut speichern können. Gegenüber von Fenstern sollte man sie nicht unbedingt platzieren, weil Glas kein Wärmespeicher ist. Die Paneele sollten dort montiert werden, wo die Infrarotstrahlen wirklich gebraucht werden. Optimal ist ein Abstand von gut ein bis zwei Metern zum zu wärmenden Platz.
In größeren Räumen empfehlen sich mehrere Heizelemente. In kleineren Räumen sollten Sie die Paneele möglichst zentral und an den Stellen aufhängen, wo Sie sich hauptsächlich aufhalten. Zum Beispiel über dem Essbereich oder neben der Sofaecke.
Installation an Wand oder Decke
Ein Pluspunkt einer Infrarotheizung, zum Beispiel mit Carbon-Infrarottechnik, ist ihre flexible und unkomplizierte Installation. Sie braucht nur einen Stromanschluss. Es kommt eine Wand- oder Deckenmontage infrage. Es gibt auch freistehende Geräte.
Die Fläche der Infrarotpaneele lässt in verschiedenen Designs gestalten sowie mit hitzebeständigen Folien, Texturen und Keramik verzieren – als dezente Deckeninstallation oder als dekorative Wandheizung. Der Markt bietet für fast jeden Geschmack und jedes Interieur eine passende Lösung. Möglich sind zum Beispiel Infrarotheizungen mit Bildmotiven, was ästhetisch ansprechend und funktional ist. Schön und nützlich kann auch eine Installation an einer Badezimmerwand sein, die zugleich als Spiegel dient.
Wo ist eine Infrarotheizung sinnvoll?
Der Einsatz einer Infrarotheizung als alleiniges Heizsystem ist nur in gut gedämmten Gebäuden mit geringem Wärmebedarf wirtschaftlich sinnvoll. Zum Beispiel in energieeffizienten Neubauten oder in Passivhäusern. In einem schlecht isolierten Altbau kann eine Infrarotheizung für hohe Stromkosten sorgen, weil viel Wärme über Wände und Fenster verloren geht.
Zur Unterstützung eines bestehenden Heizsystems eignen sich Infrarotheizungen vor allem in kleineren Räumen, wo man sich wenig aufhält und die nicht ständig geheizt werden müssen – im Gästezimmer, heimischen Büro, Schlaf- und Kinderzimmer oder im Bad. Dort liefern sie bei Bedarf schnell Wärme und benötigen ansonsten keinen Strom, wenn sie wieder ausgeschaltet sind.
Vor- und Nachteile einer Infrarotheizung
Diese Vorteile bringt eine Infrarotheizung mit sich
keine Speicher- und Verteilungsverluste
vergleichsweise geringe Anschaffungskosten
erreicht schnell die gewünschte Temperatur
flexible Installation und Anwendungsmöglichkeiten
gut kombinierbar mit anderen Heizungsarten
Diese Nachteile hat Heizen mithilfe von Infrarotwellen
vergleichsweise hohe Betriebskosten
Abhängigkeit vom Strompreis (bei Netzbezug)
hoher Stromverbrauch bei schlecht gedämmten Räumen
gesetzlich nicht in jedem Haushalt erlaubt
nicht für Warmwasseraufbereitung geeignet (muss ggf. auch auf Strom umgestellt werden)