So setzt sich der Strompreis aktuell zusammen

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Von André Gieße

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Stecker, Glühbirne und Geldscheine
Aus welchen Komponenten setzt sich der Strompreis aktuell zusammen, und wie hoch ist er im europäischen Vergleich?© Shutterstock/Maryia_K

Wie sich der Strompreis in Deutschland zusammensetzt, welchen Einfluss Marktmechanismen, Netzentgelte und Steuern haben und warum die Kilowattstunde im EU-Vergleich teuer ist.

  • Welche Rolle die Marktmechanismen und Margen der Energieversorger spielen

  • Wie Steuern, Abgaben und Umlagen den Strompreis in Deutschland beeinflussen

  • Wie viel eine Kilowattstunde Strom im Europa-Vergleich durchschnittlich kostet

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Der Strompreis in Deutschland setzt sich aus drei Komponenten zusammen, die sowohl die Energiewirtschaft als auch der Staat beeinflusst: rund 41 Prozent Beschaffung und Vertrieb, 34 Prozent Steuern, Abgaben und Umlagen sowie 25 Prozent Netzentgelte. Laut BDEW-Strompreisanalyse beträgt der durchschnittliche Haushaltsstrompreis 2026 bisher 37 Cent pro Kilowattstunde.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) berücksichtigt bei seiner regelmäßigen Strompreisanalyse alle abschließbaren Haushaltsstromtarife, inklusive der Grundversorgung. Basis für die Berechnungen ist ein angenommener Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden. Nicht enthalten sind unter anderem spezielle Autostrom-, Wärmepumpen- und gekoppelte Tarife.

Zusammensetzung beim Strompreis für Privathaushalte

So teilen sich die Hauptkomponenten am Strompreis im Jahr 2026 auf. Es handelt sich hierbei um bundesweite Durchschnittswerte. Die Bestandteile können je nach Wohnort prozentual etwas anders sein, weil die Netzentgelte je nach regionalem Netzbetreiber unterschiedlich hoch sind.

  • Beschaffung und Vertrieb: 15,2 ct/kWh (ca. 41 %)

  • Netzentgelte: 9,2 ct/kWh (ca. 25 %)

  • Steuern, Abgaben und Umlagen: 12,6 ct/kWh (ca. 34 %)

Die Kosten für Beschaffung und Vertrieb liegen 2026 nach BDEW-Angaben mit 15,2 ct/kWh etwas niedriger als im Vorjahr. Die Netzentgelte betragen durchschnittlich 9,2 ct/kWh und sind um 1,7 ct/kWh zurückgegangen – auch dank staatlichem Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten. Für Steuern, Abgaben und Umlagen zahlen Haushaltskunden derzeit unverändert 12,6 ct/kWh.

Kosten für Beschaffung und Vertrieb des Stroms

Eine Hand hält drei Geldscheine und einen Stecker vor eine Steckdose
Die Strompreise sind seit der Energiekrise wieder gefallen© Shutterstock/Veja

Die Kosten für die Beschaffung und den Vertrieb – inklusive der Gewinnmarge der Stromanbieter – sind der größte Bestandteil des Strompreises. Für Haushalte macht diese Komponente 2026 bisher durchschnittlich 15,2 ct/kWh bzw. rund 41 Prozent des Strompreises aus. Das ist trotz der Entspannung im Großhandel mehr als vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, der zu einem Gasmangel geführt und somit die Strompreise stark verteuert hatte. Vor der Energiekrise 2022 lag diese Strompreis-Komponente im einstelligen Cent-Bereich.

Weil Strom nicht in großen Mengen gespeichert werden kann, richten sich die Einkaufspreise im Großhandel nach Angebot und Nachfrage. Und sie schwanken. An der Strombörse wird der Preis stündlich oder viertelstündlich nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip bestimmt: Wenn die Sonne scheint oder der Wind stark weht, drängt günstiger Ökostrom die teuren Kohle- und Gaskraftwerke aus dem Markt – der Börsenstrompreis sinkt. Herrscht eine Dunkelflaute (kein Wind, keine Sonne), müssen Gaskraftwerke zugeschaltet werden und der Börsenstrompreis steigt.

Es gibt mehrere Teilmärkte für den Stromhandel – mit verschiedenen Vorlaufzeiten vom Kauf bis zur Lieferung. Zur Absicherung kaufen die meisten klassischen Energieversorger den Strom für ihre Haushaltskunden überwiegend Monate oder sogar Jahre im Voraus am Terminmarkt. Den verbleibenden Mehrbedarf an Strom und kurzfristige Spitzen gleichen sie auf den Spotmärkten aus.

Ausnahme: Dynamische Stromtarife

Seit 2025 gibt es immer mehr Anbieter dynamischer Stromtarife. Diese betreiben keine langfristige Absicherung. Sie kaufen den Strom zu 100 Prozent kurzfristig am Spotmarkt ein und geben die stündlich schwankenden Börsenpreise plus eine Servicegebühr direkt an Endkunden weiter, die ein Smart Meter besitzen.

In Deutschland gilt die Vertragsfreiheit: Stromanbieter sind in ihrer Preisgestaltung und Kalkulation frei. Wie schnell sie Preisänderungen an Kunden weitergeben, entscheiden sie selbst. Hat ein Kunde einen Vertrag mit einer Preisgarantie (z.B. für 12 oder 24 Monate) abgeschlossen, darf der Energieversorger fallende oder steigende Marktpreise während dieser Laufzeit nicht weitergeben.

Netzentgelte

Strommast vor Wohnhäusern
Haushalte zahlen Netzentgelte automatisch bei der Stromabrechnung mit© imago images/Michael Gstettenbauer

Die staatlich regulierten Netzentgelte machen 2026 bisher einen durchschnittlichen Anteil von rund 25 Prozent (9,2 ct/kWh) des Strompreises für Haushalte aus. Diese Gebühren erheben die Betreiber der Stromnetze dafür, dass sie Strom sicher durch die Leitungen transportieren und die Infrastruktur instand halten. Obwohl der Netzausbau für die Energiewende immense Investitionen erfordert, sind die Netzentgelte 2026 durch einen Bundeszuschuss im Schnitt spürbar gesunken. Die Gebühren für den Messstellenbetrieb (Betrieb und Ablesung der Stromzähler) kommen als separater Kostenfaktor obendrauf.

Das Netznutzungsentgelt zahlt jeder Energielieferant zunächst an den zuständigen Netzbetreiber, der es über den Strompreis an die Endkunden weiterreicht. Die Höhe des Netzentgelts variiert je nach Region enorm. Während ländliche Gebiete historisch wegen der geringeren Bevölkerungsdichte teurer waren, sorgt eine Reform der Bundesnetzagentur seit 2025 für einen fairen Ausgleich: Regionen mit besonders hohem Ausbau an erneuerbaren Energien werden bei den Netzkosten entlastet, indem diese Kosten bundesweit solidarisch aufgeteilt werden.

Die Bundesregierung hat im Herbst 2026 beschlossen, den staatlichen Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten gesetzlich für den Zeitraum von 2027 bis 2029 festzuschreiben, um den Versorgern Planungssicherheit bei der Preiskalkulation zu geben. Die jährliche Fördersumme sinkt 2027 von zuvor 6,5 auf 5,525 Milliarden Euro. Der staatliche Zuschuss fällt damit um knapp eine Milliarde Euro geringer aus als 2026. Dadurch könnten die Netzentgelte 2027 laut dem Vergleichsportal Verivox um rund 0,25 Cent je Kilowattstunde netto steigen.

Umsatz- und Stromsteuer, Abgaben und Umlagen

Rund 34 Prozent (12,6 ct/kWh) des Strompreises machen 2026 staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen aus, die auf den Verbrauch erhoben werden. Die Umsatzsteuer von 19 Prozent sowie die Stromsteuer von 2,05 Cent pro Kilowattstunde sind dabei die größten Bestandteile. Zudem gibt es die Konzessionsabgabe, die Energieversorger an die Kommunen zahlen, um öffentliche Verkehrswege für den Betrieb von Stromleitungen nutzen zu dürfen. Die Höhe dieser Abgabe variiert je nach Stadt und Gemeinde.

Hinzu kommen die Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) zur Förderung klimaschonender Energiegewinnung, die Offshore-Netzumlage für die Netzanbindung von Windparks auf See sowie die §19-StromNEV-Umlage. Letztere gleicht die Mindereinnahmen aus, die entstehen, weil stromintensive Großbetriebe aus der Industrie reduzierte Netzentgelte zahlen. Die Einnahmen aus diesen Abgaben fließen teils in den Bundeshaushalt, teils sichern sie den Netzausbau ab oder unterstützen direkt die Kommunen.

Wie setzt sich die Stromrechnung zusammen?

Preisbestandteile auf der Stromrechnung

Der Strompreis auf der Rechnung Ihres Energieversorgers setzt sich aus einem verbrauchsabhängigen Arbeitspreis und einem festen Grundpreis zusammen. Beide variieren je nach Tarif und Region. Der Arbeitspreis für den erwarteten Stromverbrauch (ermittelt durch Vorjahresdaten oder Standardlastprofile) und der pauschale Grundpreis werden bei den monatlichen Abschlagszahlungen berücksichtigt und am Jahresende mit dem tatsächlichen Verbrauch verrechnet.

Arbeitspreis beim Strom

Der Arbeitspreis beim Strom richtet sich nach dem tatsächlichen Verbrauch eines Haushalts. Bei klassischen Stromtarifen mit Preisgarantie ist er vertraglich festgeschrieben, bei dynamischen Stromtarifen kann er sich je nach Geschehen am Energiemarkt stündlich oder täglich ändern. Der Arbeitspreis fängt den Großteil der Kosten ab und setzt sich aus den Beschaffungskosten, den Netzentgelten sowie den staatlichen Steuern, Umlagen und Abgaben zusammen.

Grundpreis beim Strom

Der Grundpreis beim Strom ist ein Festbetrag, den Haushalte unabhängig von ihrem tatsächlichen Verbrauch zahlen. Er wird meist in Euro pro Monat oder Euro pro Jahr angegeben und deckt die fixen Kosten des Stromversorgers ab, etwa für die Verwaltung, den Kundenservice und die Gebühren für den Messstellenbetrieb (den Stromzähler). Einige Anbieter verzichten auf dieses pauschale Entgelt, schlagen diese Kosten dann aber auf den Arbeitspreis auf.

Was kostet Strom aktuell im Europa-Vergleich?

Im EU-Vergleich lag Deutschland im zweiten Halbjahr 2025 beim durchschnittlichen Haushaltsstrompreis auf dem zweiten Platz. Nur in Irland zahlen Privatkunden mehr für Strom. Die deutschen Strompreise lagen im Betrachtungszeitraum mit rund 39 ct/kWh gut 34 Prozent über dem europäischen Durchschnitt von rund 29 ct/kWh. Das meldet Destatis unter Verweis auf die aktuellsten Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union.

Der jeweilige Strompreis in den Staaten Europas und seine Zusammensetzung hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel dem Energiemix, der Importabhängigkeit, der geopolitischen Lage, den Netzkosten sowie von Steuern, Umlagen und Abgaben. Auch der CO₂-Preis im europäischen Emissionshandel verteuert EU-weit den Betrieb von Kohle- oder Gaskraft­werken. Zudem subventionieren und regulieren die Regierungen die Endkundenpreise unterschiedlich stark.

Auch das Wechselverhalten der Stromkunden hat einen Einfluss auf diese Preisstatistik. Institutionen wie Eurostat ermitteln den gewichteten Durchschnitt aller tatsächlich gezahlten Preise, der sich aus Altverträgen und Neuverträgen zusammensetzt. Während viele Verbraucher aus Bequemlichkeit in teuren Bestandverträgen und der gesetzlichen Grundversorgung blieben, gab es in Deutschland 2025 günstige Neukundentarife für 23 bis 28 Cent/kWh.

Strompreise in Europa im 2. Halbjahr 2025

PlatzLandStrompreis

1

Irland

40 ct/kWh

2

Deutschland

39 ct/kWh

3

Belgien

35 ct/kWh

4

Dänemark

33 ct/kWh

5

Österreich

33 ct/kWh

6

Tschechien

32 ct/kWh

7

Italien

30 ct/kWh

8

Rumänien

29 ct/kWh

9

Zypern

28 ct/kWh

10

Schweden

27 ct/kWh

...

...

...

25

Bulgarien

14 ct/kWh

26

Malta

13 ct/kWh

27

Ungarn

11 ct/kWh

Quelle: Destatis/Eurostat; Durchschnittpreise für Privathaushalte; Angaben inklusive Steuern und Abgaben