So entsteht der Strompreis: Bestandteile und Zusammensetzung

Stecker, Glühbirne und Geldscheine
Aus welchen Komponenten setzt sich der Strompreis zusammen?© Shutterstock/Maryia_K

Nicht erst wegen der Energiewende beschäftigt der Strompreis viele Menschen. Wie genau entsteht er, was sind die preistreibenden Bestandteile und wie ist die Zusammensetzung?

  • Was eine Kilowattstunde Haushaltsstrom aktuell für Neukunden kostet

  • Warum die Netzentgelte steigen und was das für Verbraucher bedeutet

  • Wie Steuern, Abgaben sowie Umlagen die Energiepreise beeinflussen

2022 waren die Strompreise für Haushalte in Deutschland durch den Krieg in der Ukraine und die Abkehr von russischer Energie extrem gestiegen. Im Jahresdurchschnitt war der Großhandelspreis an den Strombörsen in Europa siebenmal so hoch wie noch 2020. Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern kamen die Erhöhungen, abhängig von der Laufzeit der Verträge, teils erst später an.

Das kostet eine Kilowattstunde aktuell

Eine Hand hält drei Geldscheine und einen Stecker vor eine Steckdose
Die Strompreise sind seit der Energiekrise wieder gefallen© Shutterstock/Veja

Mittlerweile sind die Strompreise wieder deutlich gesunken – auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Im Februar 2024 kostete eine Kilowattstunde Haushaltsstrom in Deutschland für Neukunden in den günstigsten Tarifen rund 26 bis 28 Cent pro Kilowattstunde (kWh) brutto. Diese Angebotsspanne haben jeweils die Online-Vergleichsportale Verivox und Check24 ermittelt. Sie enthält sowohl den Arbeitspreis pro kWh als auch den anteiligen Grundpreis. Die Strompreise können jedoch je nach Anbieter, Postleitzahl und Verbrauchsmenge variieren. Auch werben manche Anbieter mit einem Neukundenbonus, der die Rechnungssumme mittelfristig deutlich senken kann.

Mit einem der günstigsten Neukundentarife kann ein durchschnittlicher Haushalt mit drei Personen und einem typischen Jahresverbrauch von 3500 kWh in einem Einfamilienhaus derzeit also mit Stromkosten von rund 910 bis 980 Euro im Jahr rechnen. Die Grundversorger erwarten jedoch, dass die Strompreise auf mittlere Sicht doppelt so hoch sein werden wie vor der Energiekrise. Vor allem tendenziell steigende Netzentgelte machen weiter sinkende Strompreise unwahrscheinlich.

Arbeitspreis und Grundpreis beim Strompreis

Die Stromkosten, die private Haushalte an ihre Energielieferanten zahlen, setzen sich aus Arbeitspreis und Grundpreis zusammen. Beide variieren je nach Tarif und Region:

  • Der Arbeitspreis beim Strom, auch Verbrauchspreis genannt, richtet sich nach dem tatsächlichen Verbrauch eines Haushalts. Bei klassischen Stromtarifen ist er vertraglich festgeschrieben, bei dynamischen Stromtarifen kann er sich je nach Geschehen am Energiemarkt täglich ändern. Der Arbeitspreis setzt sich aus den Beschaffungskosten, Netzentgelten, Steuern, Umlagen und Abgaben ​​​​​​zusammen.

  • Der Grundpreis beim Strom, auch Leistungspreis genannt, ist ein Festbetrag, den Haushalte unabhängig von ihrem tatsächlichen Verbrauch zahlen. Er hängt vom Stromversorger ab und deckt dessen fixen Kosten ab: etwa die Bereitstellung und Instandhaltung des Stromnetzes, die Zählerablesung und Kundenservices. Einige Anbieter verzichten auf das pauschale Entgelt, dann kostet der Verbrauch mehr.

Der Arbeitspreis für die verbrauchte Strommenge und der pauschale Grundpreis werden bei den monatlichen Abschlagszahlungen berücksichtigt und in Cent pro Kilowattstunde auf der Stromrechnung ausgewiesen.

Bestandteile des Strompreises in Deutschland

Der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die sowohl der Staat als auch die Energiewirtschaft beeinflussen. Diese Faktoren spielen bei einem Haushalts-Stromtarif eine Rolle.

Strombeschaffung und Vertrieb

Die Kosten für die Strombeschaffung, den Vertrieb und der eigene Gewinn sind Bestandteile des Strompreises, die die Energiewirtschaft beeinflussen kann. Zum Beispiel die Stadtwerke vor Ort oder ein bundesweit agierendes Unternehmen, das Kunden mit Elektrizität versorgt. Für Haushalte liegt der durchschnittliche Anteil am Strompreis im Jahr 2024 bisher bei rund 44,3 Prozent. Infolge der Gaspreisexplosion machten diese Bestandteile im Vorjahr über die Hälfte des Strompreises aus.

Die Preise für Strom werden durch Angebot und Nachfrage bestimmt und können stark schwanken. Liefern etwa Windräder an einem stürmischen Tag viel Energie oder fällt ein großes Kraftwerk aus, dann kann sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in wenigen Minuten verändern. Um die Stromversorgung auch mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien zu sichern, gibt es mehrere Teilmärkte für den Stromhandel – mit verschiedenen Vorlaufzeiten vom Kauf bis zur Lieferung.

Es gibt den außerbörslichen OTC-Handel (Over-the-Counter-Handel), wo Erzeuger und Versorger in Verträgen die Direktabnahme bestimmter Strommengen zu bilateral vereinbarten Preisen regeln. Und es gibt die europäische Strombörse EEX, wo mit Strommengen aus unterschiedlichen Quellen gehandelt wird – immer mehr aus erneuerbaren Energien. Der größte Teil des Stromhandels findet über langfristige Verträge außerbörslich statt. Daher konnten einige Anbieter auch ihre Konditionen während der Energiekrise zunächst stabil halten, weil sie Strom für Jahre im Voraus gekauft hatten.

An den Strombörsen können die Erzeuger und Versorger über Auktionen ihre tatsächliche, aktuelle Angebots- und Nachfragesituation ausgleichen. Dabei sind die teuren Gaskraftwerke stets zuerst an der Reihe. Die Großhandelspreise liegen unter dem, was die Verbraucher am Ende zahlen. Während die Strombeschaffung für längerfristige Verträge am sogenannten Terminmarkt über die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig gehandelt wird, läuft der kurzfristige Day-Ahead-Handel mit Strom am sogenannten Spotmarkt über die European Power Exchange (EPEX Spot) in Paris ab.

Netzentgelte

Strommast vor Wohnhäusern
Netzentgelte zahlen Haushalte automatisch mit bei der Stromabrechnung© imago images/Michael Gstettenbauer

Die gesetzlich regulierten Netzentgelte machen im Jahr 2024 bislang in etwa 27,3 Prozent des durchschnittlichen Strompreises für Haushalte in Deutschland aus. Diese Gebühren erheben die Betreiber der regionalen Verteilnetze dafür, dass sie Strom sicher transportieren und die Leitungen instand halten. Sie steigen immer weiter, weil die Netzbetreiber Jahr für Jahr mehr Geld in den Ausbau der elektrischen Infrastruktur investieren müssen. Auch die Gebühren für den Betrieb und die Wartung des Stromzählers sowie die regelmäßige Messung beziehungsweise Ablesung sind hier enthalten.

Das Netznutzungsentgelt zahlt jeder Energielieferant zunächst an den zuständigen Netzbetreiber. Danach legt er die Kosten über den Strompreis auf die Endkunden um. Die Höhe des Netzentgelts variiert je nach Region und Netzbetreiber enorm. Im Norden Deutschlands ist es meist teurer als im Süden, auf dem Land oft teurer als in der Stadt. Das hat vor allem mit den höheren Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien beziehungsweise der geringeren Bevölkerungsdichte zu tun.

Zu Jahresbeginn haben sich die Kosten für die Nutzung der Stromübertragungsnetze in Deutschland verdoppelt: Die vier überregionalen Fernleitungsbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW erhöhten ihre Gebühren von 3,12 Cent auf 6,43 Cent pro kWh. Die Unternehmen begründeten dies unter anderem damit, dass die Bundesregierung einen geplanten Zuschuss von 5,5 Milliarden Euro zur Senkung der Netzentgelte wegen fehlender Finanzmittel zurückgenommen hatte.

An die überregionalen Übertragungsnetze, die Strom mit Höchstspannung transportieren, sind die regionalen Verteilnetze für die Niederspannungsebene angeschlossen. Allerdings reichten nicht alle Grundversorger und Stadtwerke den Kostenanstieg komplett weiter. Verbraucher zahlen im Jahr 2024 aufgrund 24 Prozent höherer Netzentgelte bisher im Durchschnitt rund 11 Prozent mehr für Elektrizität. Das berichtet Check24. Weitere Steigerungen beim Strompreis ab April seien möglich.

Steuern, Abgaben und Umlagen

Rund 28,5 Prozent des Strompreises machen im Jahr 2024 bisher staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen aus, die auf den Verbrauch erhoben werden. Die Umsatzsteuer von 19 Prozent und die Stromsteuer von 2,05 Cent pro kWh sind die größten Bestandteile. Zudem gibt es die Konzessionsabgabe, die Energieversorger an die Kommunen zahlen, um auf öffentlichem Grund ihre Leitungen verlegen zu dürfen. Die Höhe dieser Abgabe variiert je nach Stadt und Gemeinde.

Hinzu kommen die Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG), eine Offshore-Netzumlage für den Ausbau der Offshore-Windenergie und ein individuelles Netzentgelt für Verbraucher, die besonders viel Strom ziehen. Die Einnahmen aus den Steuern, Abgaben und Umlagen* fließen teils in den Bundeshaushalt, teils dienen sie direkt der Förderung erneuerbarer Energien oder unterstützen die Kommunen, damit diese ihre Ausgaben decken können.

Die bekannteste Abgabe an den Staat war sicherlich die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien. Diese wurde im Jahr 2000 eingeführt, alle Stromverbraucher sollten über die Abgabe den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen. Mitte 2022 wurde die EEG-Umlage von damals 3,72 Cent pro kWh vollständig abgeschafft, um Haushalte von den stark gestiegenen Energiekosten zu entlasten. Der Wegfall wirkte sich allerdings kaum auf die zu zahlenden Strompreise aus.

Hoher Strompreis? Anbieterwechsel prüfen!

Es lohnt sich, die Strompreise der verschiedenen Energieversorger regelmäßig zu vergleichen. Ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter kann zu Einsparungen von mehreren Hundert Euro im Jahr führen. Dabei sollte man allerdings nicht nur auf den Arbeitspreis und den Grundpreis achten, sondern auch zeitlich begrenzte Rabatte und Boni für Neukunden berücksichtigen – denn diese reduzieren die monatlichen Abschläge rein rechnerisch nur für ein bis zwei Jahre. Wichtig ist auch: Informieren Sie sich, welche Kündigungsfristen im laufenden Stromvertrag vereinbart sind.

Strompreis im europäischen Vergleich

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland beim Preis für Haushaltsstrom im oberen Bereich. Im Jahr 2023 war der Strom nur in den Niederlanden, Belgien und Rumänien teurer. Die deutschen Strompreise lagen im Betrachtungszeitraum mit 41,2 Cent pro Kilowattstunde 43 Prozent über dem europäischen Durchschnitt von 28,9 Cent. Das berichtet das Onlineportal Strom-Report unter Verweis auf Angaben des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat).

Der jeweilige Strompreis in den Staaten Europas und die Zusammensetzung hängt von mehreren Faktoren ab: Zum Beispiel der geopolitischen Lage, dem nationalen Energiemix, den Steuern und Netzkosten sowie Umlagen und Abgaben zum Beispiel für Klimaschutz. Zudem wurden die privaten Haushalte im Jahr 2023 von ihren Regierungen unterschiedlich stark finanziell entlastet.

In Deutschland sind zum Beispiel die Preise für Energiebeschaffung nach der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke gestiegen, weil weniger Strom produziert und deutlich mehr importiert werden musste. Dass Strom hierzulande vergleichsweise viel kostet, liegt auch an den steigenden Netzentgelten, die unter anderem für den Ausbau von erneuerbaren Energien nötig sind.

Ranking: Durchschnittliche Strompreise in Europa im Jahr 2023

Platz

Land

Strompreis

1

Niederlande

47,5 ct/kWh

2

Belgien

43,5 ct/kWh

3

Rumänien

41,9 ct/kWh

4

Deutschland

41,2 ct/kWh

5

Dänemark

38,1 ct/kWh

6

Italien

37,8 ct/kWh

7

Zypern

37,4 ct/kWh

8

Tschechien

32,1 ct/kWh

9

Lettland

30,5 ct/kWh

10

Litauen

28,1 ct/kWh

...

...

...

27

Malta

12,6 ct/kWh

28

Ungarn

11,6 ct/kWh

29

Bulgarien

11,4 ct/kWh

Quelle: Strom-Report / Eurostat, Stand: Januar 2024, Auszug der Platzierungen

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