BMW S 1000 R: Dynamischer Super-Roadster

Motorradfahrer fährt auf einer BMW S 1000 R
Extrem individualisierbar: Die S 1000 R punktet mit vielen Extras ∙ © BMW

Die neue BMW S 1000 R überzeugt durch hervorragende Fahrbarkeit und brachiales Leistungsvermögen. Man kann die Serie sogar noch besser machen, aber das kostet. Was der leichter gewordene Roadster drauf hat, zeigt die erste Testfahrt. Bilder, Daten, Preis.

  • Überragende Motorleistungen

  • Sehr komfortabel

  • Extrem viele Assistenzsysteme

In der Szene werden die sowohl extrem hubraum- als auch leistungsstarken Naked Bikes als Hyper-Nakeds bezeichnet. BMW nennt seine gründlich überarbeitete S 1000 R "Dynamic Roadster". Seine Eckdaten sind mehr als eindrucksvoll: Einliter-Vierzylindermotor, 121 kW/165 PS, 199 Kilogramm fahrfertiges Leergewicht und eine sehr hochwertige Fahrassistenz-Elektronik bis hin zur Sechsachsen-Sensorbox.

Schon nach wenigen Kilometern Fahrt auf kurvigen, verkehrsarmen Landstraßen steht fest: So leicht und vergnüglich hat sich die Vorgängergeneration der S 1000 R bei weitem nicht fahren lassen. Und so dynamisch ebenfalls nicht. Der Spaß beginnt bei 14.740 Euro.

165-PS-Motor bei wenig Gewicht

Seitenansicht der BMW S 1000 R
Der Motor ist ein Derivat des RR-Superbikes ∙ © BMW

Wie zuvor leitet BMW den Roadster-Antrieb vom Motor des RR-Superbikes ab. Statt 212 PS werden "nur" 165 geliefert, dafür aber weitaus mehr Drehmoment, vor allem bei mittleren Drehzahlen. Die Drehmoment-Kurve schwingt sich zu 114 Nm bei 9250 U/min auf, in der Praxis kann man zwischen 3000 und 12.000 Touren aus dem Vollen schöpfen. Weil die Gänge vier bis sechs nun länger übersetzt sind, sinken Verbrauch und Drehzahlniveau. Der neue Antrieb trägt wesentlich zum geringeren Gewicht der neuen R bei: Er wiegt fünf Kilo weniger als der alte Motor – trotz umfangreicherer Technik.

BMW S 1000 R: Verbesserte Elektronik

So gibt es beispielsweise eine besonders leichtgängige Anti-Hopping-Kupplung und als Sonderausstattung eine Motor-Schleppmoment-Regelung. Abruptes Gaswegnehmen oder Zurückschalten führt damit nicht mehr zu einem Rutschen des Hinterrads. Rahmen und Schwinge sind ebenfalls leistungsfähiger und zugleich leichter geworden. Als praktisch erweist sich die verstellbare Lenkerklemmung. So lässt sich der Lenker um einen vollen Zentimeter weiter vorne fixieren, ein großer Vorteil für individuell angepasste Ergonomie.

Wichtige Unterschiede zum Vorgängermodell bestehen auch in der Elektronik-Ausstattung. Dank Sechsachsen-Sensorbox werden nun die dynamische Traktions-, Wheelie- und die Berganfahrt-Kontrolle, das ABS-Pro mit Kurvenfunktion und drei Fahrmodi serienmäßig geliefert.

LED-Leuchten mit adaptivem Kurvenlicht

Der BMW-Tradition entsprechend gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, die S 1000 R elektronisch weiter aufzurüsten. Die multifunktionale Instrumentenkombination mit einem 6,5 Zoll-TFT-Display ist bestens ablesbar, die Bildschirmdarstellungen sind wählbar, und auch die Smartphone-Konnektivität ist gewährleistet.

Zusätzlich zu den neuen LED-Scheinwerfern hat BMW ein adaptives Kurvenlicht entwickelt. Es ist, wie das bestens sichtbare Tagfahrlicht, allerdings Teil der Sonderausstattung Headlight Pro. Sehr kompakt zeigen sich die Blinker mit integriertem Rück- und Bremslicht.

Hoher Fahrkomfort, einfaches Handling

Seitenansicht der BMW S 1000 R
Roadster-Optik und supersportliche Fahrdynamik: Die S 1000 R ∙ © BMW

Die Leistung des Vierzylinders ist bestens dosierbar, es gibt keinerlei Ruckeln im Antriebsstrang. Gelassenes Rollen in Ortschaften ist gleichermaßen möglich wie engagierte Kurvenfahrten. Der Sound ist gekonnt abgestimmt, die Sitzposition entspannt, der Lenker bestens geformt für leichtes Dirigieren. Das fällt noch leichter, wenn man sich das 2800 Euro teure M-Paket gönnt. Die dann serienmäßigen Schmiederäder sind leichter als die Serien-Gussräder und lassen die R dank reduzierter Kreiselkräfte noch spielerischer wirken. Den Gipfel der Agilität erreicht man mit den M-Karbonrädern, die trotz dickerer Bremsscheiben 1,7 Kilogramm einsparen.

Der Unterschied ist deutlich spürbar, das Gewicht sinkt auf bis zu 193 Kilogramm. Wer bei der Ausstattung alle Pakete plus diverser Optionen wählt, wird mit einem stolzen Preis von fast 23.000 Euro konfrontiert.

Technische Daten BMW S 1000 R

Herstellerangaben


Motor/Getriebe

Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 999 ccm Hubraum, vier Ventile pro Zylinder, 121 kW/165 PS bei 11.000 U/min, 114 Nm bei 9250 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kette

Fahrleistungen

0–100 km/h ca. 3,2 s, Höchstgeschwindigkeit über 250 km/h

Fahrwerk

Aluminiumverbund-Brückenrahmen, Motor mittragend; USD-Telegabel ø 4,5 cm vorne, voll einstellbar, 12 cm Federweg; Aluminium-Unterzug-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, voll einstellbar, 11,7 cm Federweg; Alu-Gussräder; Reifen 120/70 R 17 (vorne) und 190/55 R 17 (hinten). 32 cm Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Radialsätteln vorne, 22 cm Einscheibenbremse mit Einkolben-Schwimmsattel hinten

Maße und Gewichte

Radstand 1,45 m, Sitzhöhe 83 cm, Gewicht fahrfertig 199 kg, Zuladung 208 kg; Tankinhalt 16,5 Liter

Assistenzsysteme

Schräglagenoptimiertes Zweikreis-ABS (teilintegral), Traktionskontrolle, spezieller Regen-Bremsmodus, aut. Blinkerrückstellung. Auf Wunsch semiaktives Fahrwerk DDC, Schaltassistent Pro, Keyless-Startsystem, Tempomat, adapt. Kurvenlicht u.v.m.

Normverbrauch

lt. WMTC-Norm (EU 4) 6,2 l/100 km

Preis

ab 17.740 Euro

Fazit

Die erste Ausfahrt mit der BMW S 1000 R zeigt, welch große Weiterentwicklungen selbst bei Motorrädern möglich sind, die in den letzten Jahren als sehr gelungen empfunden wurden. Die Fahrbarkeit des neuen Dynamic Roadsters ist stark gewachsen, das Wohlbefinden des Fahrers oder der Fahrerin deshalb deutlich höher. Zusammen mit einigen anderen demonstriert die BMW S 1000 R eindrucksvoll, dass Europas Top-Marken den japanischen Herstellern bei den hochmotorisierten Naked Bikes überzeugend Paroli bieten können.

Text: Ulf Böhringer/SP-X

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