Grundig E275: Ein E-Bike zum Sonderpreis?

Seitliche Gesamtansicht des Grundig E275 E-Bikes vor einer Wiese.
Das Grundig E275 ist ein einfaches und praktisches E-Bike für die kleinen Fluchten aus dem Alltag© ADAC/Rudolf Huber

Mit dem Grundig E275 steigt das Elektronik-Unternehmen ins Geschäft mit E-Mountainbikes ein. Was das eher schlicht ausgestattete E-Bike für den derzeitigen Sonderpreis von 1199 Euro bietet und wie es sich fährt.

  • E-MTB für Einsteiger

  • geeignet für Rad- und Forstwege

  • Akku mit rund 540 Wattstunden

Seit Sommer 2025 ist das E-Mountainbike Grundig E275 auf dem Markt. Momentan ist es noch zum Sonderpreis von 1199 Euro zu haben. Wer High End-Komponenten und Turbo-Schub sucht, müsste ein Vielfaches dieses Preises investieren. Das Test-Bike von Grundig zeigte bei Testfahrten eher durchschnittliche Qualität und Performance.

Das E275 hat seinen Namen von der Antriebsart und der Reifengröße von 27,5 Zoll und zeichnet sich durch ein klares Design aus. Im Lieferumfang sind weder Schutzbleche noch ein Gepäckträger enthalten, beides kann aber bei Bedarf dazugekauft werden. Generell entsprechen die Verarbeitung des Rahmens und die Verlegung der Leitungen dem Standard eines Einsteiger-Bikes.

Schwächen bei Sattel & Beleuchtung

Sattel und Sattelstütze des Grundig E275 aus der Nähe.
Die Sattelstange ist nicht für große Menschen geeignet, der Sattel gibt sich sportlich hart© ADAC/Rudolf Huber

Negativ fällt die ziemlich kurze Sattelstange auf. Auch wenn Grundig das Fahrrad als passend für 1,65 bis 1,95 Meter große Radfahrende bewirbt: Größere Menschen sitzen auf dem Sattel des Grundig E275 nicht gerade bequem. Da hilft nur der Sattelstangen-Tausch.

Enttäuschend ist auch die billige Aufsteck-Beleuchtung vorne und hinten mit Wechsel-Akkus, die dazu neigt, gerade im unpassendsten Moment nicht mehr zu funktionieren.

Akku mit 540 Wattstunden

Herausnehmbarer Akku des Grundig E275
Der herausnehmbare 540-Wattstunden-Akku ist unter einer Klappe im Unterrohr untergebracht© ADAC/Rudolf Huber

Schön ist dagegen nicht nur, dass das in einem großen Karton gelieferte Fahrrad fast schon fix und fertig montiert ist. Lenker gerade stellen und fixieren, Pedale anschrauben, Beleuchtung montieren – das war's. Gut auch, dass sich der mit einem Schloss gesicherte Akku nach oben aus dem Unterrohr herausnehmen lässt. Das erspart nervige Verrenkungen wie bei nach unten herausnehmbaren Batteriepacks, die in vielen E-Bikes mittlerweile an der Tagesordnung sind. Apropos Akku: Der Stromspender im E-MTB von Grundig fasst 540 Wattstunden, das ist ein ordentlicher Wert.

Laut Grundig reicht das für bis zu 110 Kilometer. Unter Labor-Bedingungen mag das so sein, in der Realität mit Steigungen, Gegenwind und Gepäck sind eher 70 bis 80 Kilometer drin. Weniger schön ist die Tatsache, dass der Akku sehr langsam lädt. Auch das ist absolut in Ordnung.

Das mitgelieferte Netzteil liefert gerade mal zwei Ampere und benötigt rund neun Stunden für eine Vollladung. Das ist eindeutig zu lang und erfordert ein gutes Zeitmanagement, um bei Bedarf wieder genügend Strom zur Verfügung zu haben.

Schaltung für Einsteiger: Shimano

Kettenblatt und Kurbelgarnitur des Grundig E275 E-Bikes aus der Nähe fotografiert.
Das kleine Kettenblatt des Grundig E275 sorgt für eine überdurchschnittlich hohe Trittfrequenz© ADAC/Rudolf Huber

Bei der Schaltung greift Grundig auf das millionenfach eingesetzte Einsteiger-Angebot von Shimano mit sieben Gängen zurück, die keine sehr große Bandbreite abdecken. Das zwingt Radfahrende in Kombination mit dem eher kleinen Kettenblatt bei Geschwindigkeiten über den elektrisch unterstützten 25 km/h zu sehr geschwinden Beinbewegungen.

Wer etwa bei leichtem Gefälle 30 km/h oder mehr erreichen will, muss strampeln, was das Zeug hält – fast wie beim Zieleinlauf der Tour de France. Bedeutet: Schnell fahren geht mit dem E275 eher nicht so gut. Wer es ruhiger angehen lässt, also mit Geschwindigkeiten bis 25 km/h unterwegs ist, kommt dagegen prima zurecht und wird vom Vinka-Nabenmotor im Hinterrad kongenial unterstützt.

Berglauglich mit Vinka-Motor

Vinka-Mittelmotor des Grundig E275 E-Bikes in Nahaufnahme.
Der Vinka-Motor im Hinterrad schiebt im Rahmen seiner Möglichkeiten ordentlich an© ADAC/Rudolf Huber

Laut Hersteller leistet der Motor die regelkonformen 250 Watt und liefert ein Drehmoment von maximal 45 Newtonmeter (Nm). Angesichts der gefühlten E-Unterstützung, die in fünf Stufen variierbar ist, klingt das durchaus realistisch. Schon in Stufe zwei steht ausreichend Kraft für beinahe anstrengungslose 25-km/h-Trips in der Ebene bereit. Und am Berg schlägt sich der Vinka-Motor im Rahmen seiner technischen Möglichkeiten gut. Steile Anstiege bringen es aber doch schnell an seine Grenzen. Dann helfen nur noch der kleinste Gang und kräftiges Strampeln.

Allerdings hat Grundig keinen teureren Drehmomentsensor für eine dem menschlichen Input entsprechende Motorunterstützung installiert. Zum Einsatz kommt ein preiswerterer Tretsensor. Der registriert lediglich, ob die Pedale bewegt werden, und gibt dann die elektrischen Kräfte frei. Das erzeugt eine Art Mofa-Gefühl, weil die Unterstützung durch den E-Motor nicht von der Tretkraft des Menschen im Sattel beeinflusst wird.

Radfahrende, die keine sportlichen Leistungen erbringen können oder wollen, dürften mit dieser Antriebstechnik aber gut bedient sein.

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Technische Daten: Grundig E275

Technische Daten Grundig E275

Motor

Vinka RH40



Leistung/Drehmoment

250 W/45 Nm



Akku

Phylion 540 Wh



Display

Vinka DR24



Schaltwerk

Shimano Tourney 7-Gang



Bremsen

mechanische Scheibenbremsen (160/160 mm)



Reifen

CST Patrol C1846, 27,5 x 2,25 Zoll



Gewicht

ca. 24 kg, Zuladung 120 kg



Vordergabel

SR Suntour XCT30, 100 mm Federweg




Preis

1199 Euro



Bremsen & Federweg akzeptabel

Detailaufnahme der Scheibenbremse des Grundig E275.
Verzögert wird mit mechanisch betätigten Scheibenbremsen© ADAC/Rudolf Huber

Sparsam war Grundig auch bei den Bremsen. Die Tektro-Stopper werden nicht – wie mittlerweile auch in dieser Preisklasse üblich – hydraulisch, sondern per Seilzug betätigt. Die Verzögerungsleistung der Scheibenbremse ist allerdings durchaus akzeptabel.

Die vordere Gabel bietet 100 Millimeter Federweg, allerdings ist sie definitiv nicht für Ausflüge ins Gelände mit grobem Untergrund geeignet. Schotter und Kies sind damit kein Problem. Aber wenn es unebener wird und Hindernisse auftauchen, kommt das E275 schnell ans Limit. Für echtes Geländefahren und Trails ist es nicht gemacht.

Die kräftig profilierten Reifen namens Patrol C1846 des Herstellers CST eignen sich gut für ein E-Bike dieses Typs, laut Grundig sollen sie zudem pannensicher sein.

Die Bedienung des 24 Kilo schweren Grundig E275 ist sehr simpel, allerdings ist das LCD-Display ziemlich klein ausgefallen und die Tasten zum Wählen der Unterstützungsstufen sind ergonomisch ungünstig platziert.

Fazit: Der Preis ist zu hoch

Ein Mann fährt auf einem Grundig E275 E-Bike auf einem Feldweg
Das Grundig E275 fährt sich gut auf Schotterwegen© ADAC/Rudolf Huber

Nach ausführlichen Testfahrten mit dem Grundig E275 auf Asphalt, Schotter und kurzen Trail-Etappen lässt sich zusammenfassen, dass es für den harten Offroad-Einsatz nicht gebaut ist. Es eignet sich eher zum entspannten Fahren auf Radwegen oder Forststraßen. Schnellfahren macht keine rechte Freude. Und allzu steil sollte die Tour auch nicht sein.

So gesehen wirken die von Grundig als regulärer Preis genannten 1899 Euro sehr hoch. Schon der Sonderpreis von aktuell 1199 Euro ist für ein E-Bike dieses Formats und mit dieser Ausstattung ambitioniert. Denn vergleichbare Produkte von Discountern und Online-Versendern sind zum Teil schon für deutlich unter 1000 Euro zu haben.

Weitere E-Bikes im Fahrbericht:

Specialized Turbo Como 5.0
Tenways CGO009
Fiido Air
Kalkhoff Image 7+
Riese & Müller Delite5 GT pinion
Haibike Adventr 10
Kalkhoff Entice L Season

Text: Rudolf Huber