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Der ADAC

Digitales Serviceheft sorgt für mehr Transparenz beim Verbraucher

Mechaniker lehnt über dem Laptop in einer Autowerkstatt
Für freie Werkstätten sind die Eintragungen im digitalen Serviceheft ein Mehraufwand. ∙ © Shutterstock/Dragana Gordic

Viele Fahrzeugmarken ersetzen das handschriftlich ausgefüllte Stempelheft, in dem alle Servicearbeiten eingetragen werden, durch ein "Digitales Serviceheft". Aber bringt das für den Verbraucher oder freie Werkstätten Vorteile? Der ADAC hat in einer Studie 29 Automarken überprüft.

  • Rund die Hälfte der Automobilhersteller bieten das Serviceheft online an

  • Vorteil: Mehr Transparenz – Einträge zu Wartungen und Reparaturen nicht manipulierbar

  • Nachteil: Mehraufwand für freie Werkstätten

Das digitale Serviceheft ist eine zentral geführte Datenbank, in der sämtliche Wartungsdaten und Servicearbeiten beim Hersteller gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden können. Vorreiter war die Marke Mazda, die diesen Service bereits 2006 eingeführt hat. Mit Ausnahme von Opel bieten mittlerweile auch alle deutschen Hersteller eine elektronische Version des Servicehefts an.

Das steht im digitalen Serviceheft

Neben den Wartungs- und Servicedaten können zum Teil auch Reparaturen des Autos sowie die jeweiligen Kilometerstände gespeichert werden. Das bei Gebrauchtwagenkäufen weit verbreitete Phänomen des Tachobetrugs wird durch die Speicherung der Daten also erschwert. Auch verlorene Servicehefte gehören mit der digitalen Version der Vergangenheit an.

Die digitale Datenbank hat deshalb viele Vorteile für den Verbraucher:

  • Die Einträge sind ausschließlich in der zentralen Hersteller-Datenbank korrigierbar. Nur der ausführende Servicebetrieb kann diese ändern. Eine Rückdatierung oder Löschung der Daten in der Werkstatt ist nicht möglich. Damit ist das digitale Serviceheft nahezu manipulationssicher.

  • Die gespeicherten Datensätze bieten ausführliche Informationen zu Servicearbeiten und auch Reparaturumfängen. Auch die Rückrufe der Hersteller zu Gebrauchsteilen sind registriert. Beim Kauf eines Autos im Ausland können die Service-Nachweise vom Verkäufer angefordert werden – häufig sogar in der gewünschten Landessprache.

Der ADAC empfiehlt Fahrzeughaltern, bei Wartungsarbeiten und Reparaturen generell vor Auftragserteilung nachzufragen, ob der Aufwand im digitalen Serviceheft eingetragen wird – und ob möglicherweise Kosten entstehen.

Außerdem sollte stets eine Bestätigung via Mail oder ein Ausdruck der durchgeführten Arbeiten angefordert werden. Denn wer alle Unterlagen zum Auto (Service-Nachweise, Rechnungen für Wartung, Reparatur und HU etc.) regelmäßig digital oder auch analog archiviert, hat diese bei einem Verkauf gleich beisammen.

Beim Gebrauchtwagenkauf sollten sich Käufer das digitale Serviceheft auch immer vollständig als Nachweis ausdrucken lassen. Und für den Verkäufer empfiehlt es sich, die Aushändigung direkt im Kaufvertrag bestätigen zu lassen. Der ADAC bietet hierfür entsprechende Vorlagen an.

Die Hersteller Citroën, Opel, Peugeot und Renault/Dacia haben kein digitales Serviceheft – hier können Werkstätten also auch keine elektronischen Informationen zur Inspektion eintragen. Bei den Herstellern Kia, Mitsubishi und Nissan ist der elektronische Zugriff auf die Datenbank aktuell in Planung. Die Marken Alfa Romeo, Fiat, Jeep, Hyundai und Suzuki machten keine Angaben.

Online-Service: Mehraufwand für freie Werkstätten

Leider bedeutet die Einführung des digitalen Serviceheftes für die freien Werkstätten auch mehr Aufwand und Kosten. Denn sie müssen sich nach jeder Wartung beim betreffenden Hersteller in der Datenbank einloggen, um die entsprechenden Informationen zu hinterlegen. Doch jeder Hersteller macht hier andere Vorgaben oder hat andere Systeme – oftmals wird sogar unterschieden zwischen Systemen für freie Werkstätten und Vertragspartner.

Freie Werkstätten beklagen jedoch vor allem, dass Fehler bei der Erfassung zumeist kostenpflichtig und nur mit sehr hohem zeitlichem Aufwand korrigiert werden können. Kritisiert werden außerdem die Unübersichtlichkeit, vermehrte System-Störungen und langsame Ladezeiten. Oft ist für die freie Werkstatt auch die Registrierung und Eintragung am gleichen Tag nicht möglich. Hersteller wie Honda, Jaguar und Land Rover tragen den Service ausschließlich selbst in die Datenbank ein, was wiederum zu zeitlichen Verzögerungen führt.

Fazit

Aus Sicht des ADAC wäre es wünschenswert, dass alle Hersteller das digitale Serviceheft anbieten. Die Service-Historie und der aktuelle Service-Bedarf müssen dabei sowohl für Kunden als auch für Werkstätten kostenfrei einsehbar sein – idealerweise auch direkt im Menü des Infotainment-Systems im Auto. Außerdem sollten alle Hersteller ermöglichen, dass Werkstätten auch wartungsunabhängige Reparaturen ins digitale Serviceheft eintragen können. Wichtig: Die Daten müssen mindestens 20 Jahre abrufbar sein.

Einträge sollten generell nicht aufwendiger sein als beim klassischen Scheckheft. Dazu gehört auch, dass freie Werkstätten fehlerhafte Einträge innerhalb einer bestimmten Frist zeitnah und kostenfrei bearbeiten können. Falls es zu Mehraufwand in einer freien Werkstatt kommt, dürfen Fahrzeughaltern dadurch keine Kosten entstehen.

Das fordert übrigens auch der Gesetzgeber: Eine neue EU-Verordnung sieht ab Herbst 2020 vor, dass freie Reparaturbetriebe unentgeltlichen, diskriminierungsfreien Zugang zu Reparatur- und Wartungsaufzeichnungen über ein Fahrzeug aus zentralen Datenbanken des Fahrzeugherstellers erhalten. Damit können freie Werkstätten Informationen zum digitalen Serviceheft über durchgeführte Reparatur- und Wartungsarbeiten bekommen und vorgenommene Arbeiten eintragen und speichern.