EU-Reifenlabel: Das müssen Sie wissen

7.5.2019

Was hinter den Symbolen auf dem EU-Reifenlabel steckt: Alles zu Rollwiderstand, Nassbremseigenschaft, Reifenhaftung und Außenfahrgeräusch.

Reifenlabel auf Autoreifen
Das EU-Reifenlabel ist aus dem Handel nicht mehr wegzudenken
  • Mit dem EU-Reifenlabel lassen sich verschiedene Reifen untereinander vergleichen
  • Bewertet werden Rollwiderstand, Nassbremseigenschaft, Außenabrollgeräusch
  • Die Reifenindustrie klassifiziert ihre Produkte selbst

Das bedeuten die Symbole

Zoom-In
Reifenlabel auf Autoreifen
EU-Reifenlabel: 1. Rollwiderstand, 2. Nasshaftung, 3. Außengeräusch

Das "Reifenlabel" soll es dem Reifenkäufer ermöglichen, einzelne Eigenschaften der ins Auge gefassten Reifen einzuschätzen bzw. verschiedene Reifenmodelle bezüglich der drei aufgeführten Kriterien zu vergleichen. 

Im Gegensatz zum umfassenden Kriterienkatalog des ADAC Reifentests werden bei den Prüfungen zum Reifenlabel nur folgende Reifeneigenschaften berücksichtigt:


1. Rollwiderstand

Der Rollwiderstand bzw. die Kraftstoffeffizienz der Reifen werden in die Klassen A bis C und E bis G eingeteilt. Die Klasse D wird nicht verwendet. Die Kraftstoffersparnis, die sich bei Verwendung von Reifen der Klasse A an Stelle von Reifen der Klasse G ergeben kann, wird bei Pkw mit ca. 7,5% geschätzt. Dies entspricht bei den meisten Pkw einer Kraftstoffersparnis von ca. 0,5 l/ 100 km. Dabei ist zu beachten, dass die meisten heute angebotenen Reifen bezüglich des Rollwiderstandes in die Klassen B und C fallen und somit das Potenzial zur Kraftstoffersparnis deutlich geringer ist. Genauere Abschätzungen können nicht pauschal vorgenommen werden und müssen fahrzeugspezifische Faktoren berücksichtigen.


2. Nassbremseigenschaft

Die Haftung der Reifen, die bei Vollbremsungen auf nassen Fahrbahnen direkten Einfluss auf die Sicherheit hat, wird in die Klassen A bis C und E bis F eingeteilt. Die Klassen D und G werden nicht genutzt. Zwischen Reifen der Klassen A und F können sich Bremswegunterschiede von 30% ergeben. 

Bei einer Vollbremsung mit einem Pkw auf nasser Fahrbahn ausgehend von 100 km/h verlängert sich der Bremsweg um bis zu 28 m. Das Fahrzeug mit Reifen der Klasse F fährt also noch über 65 km/h, wenn das gleiche Fahrzeug mit Reifen der Klasse A bereits steht. Auch in diesem Fall haben fahrzeugspezifischen Faktoren direkten Einfluss auf den realen Leistungsunterschied, der sich aus der Verwendung entsprechender Reifen ergibt.


3. Außenfahrgeräusch/externes Rollgeräusch

Die Stärke des Außengeräusches des Reifens wird durch die Anzahl der schwarzen Viertelringe neben dem stilisierten Lautsprecher in dem dritten, unteren Symbol dargestellt – je weniger Ringe, desto leiser der Reifen. 

  • 3 Ringe: Der Reifen hält den bis 2016 gültigen EU-Grenzwert ein
  • 2 Ringe: Der seit 2016 gültige Geräuschgrenzwert wird eingehalten oder um bis zu 3 dB(A) unterschritten
  • 1 Ring: Der seit 2016 gültige Grenzwert wird um mehr als 3 dB(A) unterschritten

Neben dem Lautsprechersymbol mit den Viertelringen wird das tatsächlich ermittelte Außenfahrgeräusch des Reifens in dB(A) angegeben; die Klammer mit dem Buchstaben A wird dabei nicht aufgeführt. 

Die Geräuschgrenzwerte sind nicht für alle Pkw-Reifen gleich und hängen von der jeweiligen Zulassung bzw. der Reifenbreite und der Reifenart ab. Aus diesem Grund können bei unterschiedlichen Reifen verschiedene Kombinationen von ausgefüllten Viertelringen und Geräuschwerten zustande kommen. Details hierzu sind in der UN/ECE-Regelung 117 festgelegt. 

Bei der vergleichenden Auswahl von Reifen mit sonst identischen Klassifizierungen in den Kriterien Rollwiderstand und Nasshaftung sollte immer der leisere Reifen ausgewählt werden. Ein niedriges Außengeräusch kann nicht immer gleichgesetzt werden mit niedrigem Innengeräusch.

   

Vergabe EU-Reifenlabel: Wer prüft die Reifen?

Die Prüfungen, die der Klasseneinteilung vorausgehen, werden von der Reifenindustrie nach genau festgelegten Verfahren durchgeführt. Der Hersteller klassifiziert somit seine Produkte selbst. Es ist aus diesem Grund vorgesehen, die Klassifizierungen durch unabhängige Institute überprüfen zu lassen.

Wo werden die Informationen für Sie bereitgestellt?

Das EU-Reifenlabel muss von den Reifenhändlern auf ausgestellten Reifen oder in der Nähe der Reifen angebracht werden. Für nicht ausgestellte Reifen müssen die Informationen des Reifenlabels dem Kunden anderweitig zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sind die Informationen, die das Reifenlabel enthält, auf der Rechnung auszuweisen.

Orientierungsmöglichkeit EU-Reifenlabel

Erste und wichtigste Entscheidungshilfe sollte weiterhin der ADAC Reifentest sein, da hier deutlich mehr, teils sicherheitsrelevante Kriterien geprüft werden. Wenn zum in Frage kommenden Reifenmodell keine Ergebnisse aus dem ADAC Reifentest vorliegen, ergeben sich für den Endkunden und privaten Reifenkäufer durch den Informationsinhalt des Reifenlabels seriöse Orientierungsmöglichkeiten, die er durchaus nutzen sollte. Besonders wenn es um die sicherheitsrelevanten Nassbremseigenschaften geht, sollten Reifen der Klassen C oder besser ausgewählt werden.

 

Fotos: Fotolia/grafikplusfoto, PR.

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