Lohnt es sich Reifen antizyklisch zu kaufen?

14.11.2018

Der Winter steht vor der Tür und die meisten Autofahrer sind nun mit Winterreifen oder zumindest Ganzjahresreifen unterwegs. Doch der nächste Sommer kommt bestimmt. Da stellt sich die Frage: Wann sind Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen am günstigsten? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Autoreifen
Wann kauft man Reifen am günstigsten?

Die meisten Autobesitzer kaufen Reifen bei Bedarf, das heißt, man erwirbt sie, wenn die alten Reifen sich der Verschleißgrenze nähern und den Anforderungen nicht mehr genügen. Aber ist dies sinnvoll? Könnten Verbraucher nicht Geld sparen, wenn sie Reifen antizyklisch kaufen?

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Sommerreifen

Die Erfahrungen zeigen, dass die Preise für Sommerreifen im Jahresverlauf relativ stabil sind. In Deutschland gibt es keine an bestimmte Termine gebundene Winterreifenpflicht. Aus diesem Grund werden Sommerreifen zu allen Jahreszeiten ersetzt und daher fast das ganze Jahr über gehandelt.

Preisnachlässe gibt es allenfalls unter folgenden Bedingungen:

  • Der Reifenhändler hat einen hohen Bestand an bestimmten Modellen und muss diesen aus unterschiedlichen Gründen reduzieren.
  • Ein neues Reifenprodukt bzw. ein Nachfolgemodell kommt auf den Markt. Deswegen wird der Vorgänger „billig“ abverkauft.

Die Preisgestaltung der Reifenhändler ist dabei stark davon abhängig, auf welche Lager bzw. Lagergrößen sie zugreifen können. Damit haben kleine Händler bei den Verkaufspreisen häufig einen deutlich geringeren Spielraum als große.

Grundsätzlich ist die Reifenbranche bemüht, den Preisverfall bei Reifen so gering wie möglich zu halten. Deshalb versucht sie, Reifen als „besonders wertig“ zu präsentieren.

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Winterreifen

Bei Winterreifen kann ein antizyklisches Einkaufsverhalten einen höheren Effekt haben, da Winterreifen stärker saisonorientiert gehandelt werden. Im Frühjahr wollen die Händler Platz im Lager für die Sommerware schaffen. Wenn dann noch ein Produkt durch den angekündigten Nachfolger ersetzt werden soll, will kein Reifenhändler diese Reifen über die gesamte Saison bis in den nächsten Herbst als Kostenfaktor im Regal haben. Hier gibt es erfahrungsgemäß deutliche Preisnachlässe je weiter das Jahr voranschreitet.

Eine Entwicklung wirkt dem aber entgegen: Seit einigen Jahren vermeiden viele Händler diese Zwangslage, die sie zu billigem Verkauf zwingt und ordern die Winterreifen immer zurückhaltender. Außerdem ist der mögliche Preisnachlass stark von der jeweiligen Ausprägung des Winters abhängig. Je härter der Winter ist bzw. je länger er dauert, umso weniger Winterreifen sind im Frühjahr und Sommer übrig. Deswegen wird die Suche nach günstigen „liegen gebliebenen“ Winterreifen entsprechend schwieriger.

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Ganzjahresreifen

Ganzjahresreifen sind stark auf dem Vormarsch, der entsprechende Trend hält bereits seit Jahren an. Hauptgrund ist, dass sich immer mehr Autofahrer immer weniger um das Thema Reifen kümmern wollen. Ganzjahresreifen machen Reifenwechsel, Einlagerung etc. überflüssig, die Kosten sinken. Neue Reifen werden gekauft, wenn sich die alten Reifen der Verschleißgrenze nähern. Saisonale Preisunterschiede gibt es dabei kaum.

Eines sollten Sie jedoch beachten: Der bewusste Verzicht auf spezielle Sommer- und Winterreifen ist unserer Einschätzung nach nur dann für Autofahrer eine überlegenswerte Alternative, wenn sie in einer gemäßigten Klimaregion leben und keinen Skiurlaub oder Sommerferien im Süden planen.

In unseren Tests konnten Ganzjahresreifen meist nicht überzeugen.

Fazit und Tipps

Bei Sommerreifen kann ein antizyklischer Einkauf mehr oder minder deutliche Einsparungen bringen, es muss allerdings nicht so sein. Auch wenn Sie erst im akuten Bedarfsfall kaufen, können Sie möglicherweise vergleichbar günstige Reifen erwerben.

Winterreifen sind tendenziell im Frühjahr und Sommer am günstigsten. Der früher stärker ausgeprägte Spareffekt wird seit einigen Jahren aber zunehmend geringer.

In beiden Fällen empfehlen wir, vorrangig die Reifenpreise zu recherchieren, als auf bestimmte Kauftermine zu setzen. Noch mehr gilt dies für Ganzjahresreifen. Besonders groß ist das Sparpotential dabei bei ausgefalleneren Produkten. Da die meisten Kunden das Thema Reifen möglichst schnell erledigen wollen, beschränken sie ihre Recherche in der Regel auf drei bis vier Händlerangebote – dies reicht aber vielfach aus, um ein Gefühl für die Preise zu erhalten.

Und noch ein weiterer Aspekt spielt eine Rolle: Viele Autofahrer lagern die Reifen beim Händler ein. Damit besteht die Chance, bei entsprechender Gelegenheit günstig neue Reifen zu erhalten. Da die Händler hier aber nicht automatisch die beste Gesamtlösung für den Kunden anbieten, sollten Sie möglichst noch vor der Auftragserteilung für die Einlagerung entsprechende Regelungen aushandeln und schriftlich fixieren.

Vorsicht übrigens auch beim Online-Kauf: Nicht immer bekommt der Verbraucher ein fabrikneues Produkt. Die Vielzahl der Reifenformate zwingt die Hersteller zu teilweise unregelmäßiger Fertigung und den Handel zu rationeller Lagerhaltung – dies hat zur Folge, dass auch gut abgelagerte Reifen über den Tresen gehen. Tests des ADAC aber haben gezeigt: Frischer Gummi greift am besten, älter als drei Jahre sollte ein Reifen beim Kauf nicht sein. Das Produktionsdatum lässt sich auf der Reifenseitenwand ablesen: Die ersten beiden Ziffern der vierstelligen Nummer im Oval zeigen die Produktionswoche, die letzten beiden Ziffern das Produktionsjahr.