Elektro-Tretroller: Neue Modelle, keine Straßenzulassung

29.01.2019

Elektro-Tretroller sind praktisch: Wendig, klein, leicht zu transportieren. Jetzt wollen die Firma Metz Mecatech und der Autobauer BMW mit e-Scootern Erfolg haben. Aber mit der Straßenzulassung gibt es Probleme.

Mann steht an einer Ubahn-Haltestelle mit einem Elektrotretroller Metz Moover in der Hand
Geschäftsmann in der U-Bahn: So stellen sich die Hersteller der Elektro-Roller ihre Kunden vor
  • Immer mehr Firmen bringen Elektro-Tretroller auf den Markt
  • Die e-Scooter kommen meist 15 bis 20 Kilometer weit
  • Die Elektro-Tretroller haben keine Straßenzulassung. Das könnte im Frühjahr 2019 ändern

 

Mit knapp 20 km/h fährt Lauri Jouhki auf die Bühne. Der Geschäftsführer von Metz Mecatech setzt auf einen starken Auftritt, als er den Metz Moover auf einer Pressekonferenz vor Journalisten präsentiert. Ein Tretroller mit Elektromotor – ungewohntes Terrain für die Firma, die vor allem Blitzlichtgeräte für Kameras herstellt. Hervorgegangen ist Metz Mecatech aus der Insolvenz von Metz, dem traditionsreichen fränkischen Fernseherhersteller. Anschließend wurde das Unternehmen in zwei Teile aufgespalten: der eine Teil produziert weiterhin Fernseher, der andere, Metz Mecatech, Blitzlichtgeräte für Kameras – und seit diesem Sommer den Elektro-Tretroller Metz Moover.

Mit nur einer Akkuladung soll sein Elektromotor den Moover etwa 15 bis 20 Kilometer weit bringen. Für den Transport im Auto oder in die Bahn lässt er sich zusammenklappen, ist aber – vor allem wegen der Batterie – recht schwer: Er wiegt gut 16 Kilo. Optisch gleicht er einem ganz normalen Tretroller, ist aber deutlich massiver. Aufgebaut misst der Roller fast 1,20 Meter in der Länge, die Lenkerhöhe kann bis auf 1,16 Meter eingestellt werden.

Etwa 2000 Euro soll der Elektro-Roller kosten

Zoom-In
Elektrotretroller BMW X2city stehend
Ein Elektro-Tretroller von BMW: Der X2City

"Nicht jeder besitzt heute noch ein eigenes Auto", sagt Metz Mecatech-Geschäftsführer Jouhki. "Die Anbindungen im öffentlichen Nahverkehr sind in den Städten sehr gut, aber für die letzten paar Hundert Meter, den Weg vom Bahnhof zum Ziel, fehlt noch das richtige Transportmittel."

Hier sieht Jouhki die Chance für sein neues Produkt: "Fahrräder sind sperrig und kosten in Bus oder Bahn meist einen Aufpreis.“ Tretroller dagegen nicht. Mit diesem Argument hoffen die Franken, ihre Kunden in spe überzeugen zu können. Zahlungskräftig sollten die sein: 2000 Euro kosten die e-Scooter. Ein stolzer Preis – zumal sich ein paar Hundert Meter von der Haltestelle ins Büro auch mit einem Tretroller ohne Batterie relativ flott zurücklegen lassen.

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Die Straßenzulassung fehlt immer noch

Auch BMW hat einen Elektro-Tretroller im Angebot: den X2City. Er soll eine Reichweite von 25 bis 35 Kilometern haben und bis zu 20 km/h schnell sein. Mit gut 2400 Euro kostet er noch einmal 400 Euro mehr als der Metz Moover. Entwickelt wurde das Gefährt in der Motorrad-Sparte von BMW, ausgestattet ist der Scooter mit einem Smartphone-Anschluss, hydraulische Scheibenbremsen sollen für Sicherheit sorgen

In Ländern wie der Schweiz, Österreich, Russland, Finnland und Schweden ist der X2City bereits erhältlich, ab Anfang Februar 2019 auch in Deutschland. Bis die beiden Scooter auf dem deutschen Markt allerdings wirklich Erfolg haben haben können, wird es jedoch noch eine Weile dauern.

Denn im Gegensatz zu Österreich oder der Schweiz ist hierzulande noch nicht klar, in welche Fahrzeugklasse die Tretroller mit Batterie fallen – und ob sie überhaupt für den Straßenverkehr zugelassen sind. Noch 2019 soll deshalb laut Bundesregierung eine neue Verordnung für die "Fahrzeugklasse der Elektrokleinstfahrzeuge" in Kraft treten. Zu ihr würden dem Entwurf zufolge auch die E-Roller gehören. Sie dürften mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde auf Fahrradwegen fahren. Gibt es keinen Radweg, müssen sie laut Verordnung auf die Straße ausweichen. Gehwege sind tabu. Die elektrischen Tretroller müssen mit einer «Lenk- oder Haltestange», «zwei voneinander unabhängigen Bremsen», «nach vorne und nach hinten wirkenden Fahrtrichtungsanzeigern» (Blinkern) und «einer helltönenden Glocke» ausgestattet sein. So steht es in der mehr als 40 Seiten langen Verordnung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die kleinen Roller brauchen außerdem eine Versicherungsplakette, ähnlich wie Mofas und kleine Motorroller, Helme sind nicht vorgeschrieben. Der Fahrer muss aber mindestens 15 Jahre alt sein und einen Mofa-Führerschein oder eine andere Fahrerlaubnis besitzen. 

Und nicht nur die e-Scooter-Produzenten stehen in den Startlöchern: Im fränkischen Bamberg will der US-amerikanische Tretroller-Verleiher Bird ab dem Frühjahr 2019 sein Roller-Sharing-Angebot testen. Zunächst sollen 100 e-Scooter im Stadtgebiet verteilt werden, die Buchung wird über die App des Unternehmens möglich sein. Der Preis soll bei 15 Cent pro Minute liegen. Voraussetzung für das neue Angebot: die Verordnung tritt tatsächlich in Kraft. 

Text: Florian Heuzeroth, mit Material der dpa, Bilder: PR.

(acfo)