Elektro-Tretroller: Neue Modelle, keine Straßenzulassung

3.4.2019

Elektro-Tretroller sind praktisch: Wendig, klein, leicht zu transportieren. Noch im Jahr 2019 soll eine Verordnung für die Straßenzulassung sorgen. Nach dem Bundeskabinett muss nun nur noch der Bundesrat dem Vorhaben zustimmen.  

Mann steht an einer Ubahn-Haltestelle mit einem Elektrotretroller Metz Moover in der Hand
Geschäftsmann in der U-Bahn: So stellen sich die Hersteller der Elektro-Roller ihre Kunden vor
  • Immer mehr Firmen bringen Elektro-Tretroller auf den Markt
  • Die e-Scooter kommen meist 15 bis 20 Kilometer weit
  • Die Elektro-Tretroller haben keine Straßenzulassung. Das könnte sich im Frühjahr 2019 ändern

Zum Beispiel der Metz Moover: Mit nur einer Akkuladung soll sein Elektromotor den Roller etwa 15 bis 20 Kilometer weit bringen. Für den Transport im Auto oder in die Bahn lässt er sich zusammenklappen, ist aber – vor allem wegen der Batterie – recht schwer: Er wiegt gut 16 Kilo. Optisch gleicht er einem ganz normalen Tretroller, ist aber deutlich massiver. Aufgebaut misst der Roller fast 1,20 Meter in der Länge, die Lenkerhöhe kann bis auf 1,16 Meter eingestellt werden.

Etwa 2000 Euro soll der Elektro-Roller kosten

Zoom-In
Elektrotretroller BMW X2city stehend
Ein Elektro-Tretroller von BMW: Der X2City

"Nicht jeder besitzt heute noch ein eigenes Auto", sagt Metz Mecatech-Geschäftsführer Jouhki. "Die Anbindungen im öffentlichen Nahverkehr sind in den Städten sehr gut, aber für die letzten paar Hundert Meter, den Weg vom Bahnhof zum Ziel, fehlt noch das richtige Transportmittel."

Hier sieht Jouhki die Chance für sein neues Produkt: "Fahrräder sind sperrig und kosten in Bus oder Bahn meist einen Aufpreis.“ Tretroller dagegen nicht. Mit diesem Argument hoffen die Franken, ihre Kunden in spe überzeugen zu können. Zahlungskräftig sollten die sein: 2000 Euro kosten die e-Scooter. Ein stolzer Preis – zumal sich ein paar Hundert Meter von der Haltestelle ins Büro auch mit einem Tretroller ohne Batterie relativ flott zurücklegen lassen.

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Start-ups fürs Roller-Sharing stehen in den Startlöchern

Auch BMW hat einen Elektro-Tretroller im Angebot: den X2City. Er soll eine Reichweite von 25 bis 35 Kilometern haben und bis zu 20 km/h schnell sein. Mit gut 2400 Euro kostet er noch einmal 400 Euro mehr als der Metz Moover. Entwickelt wurde das Gefährt in der Motorrad-Sparte von BMW, ausgestattet ist der Scooter mit einem Smartphone-Anschluss, hydraulische Scheibenbremsen sollen für Sicherheit sorgen. 

Und nicht nur die e-Scooter-Produzenten stehen in den Startlöchern: Im fränkischen Bamberg will der US-amerikanische Tretroller-Verleiher Bird ab dem Frühjahr 2019 sein Roller-Sharing-Angebot testen. Zunächst sollen 100 e-Scooter im Stadtgebiet verteilt werden, die Buchung wird über die App des Unternehmens möglich sein. Der Preis soll bei 15 Cent pro Minute liegen.

Im Gegensatz zu Ländern wie Österreich oder Schweden ist hierzulande allerdings noch nicht endgültig geklärt, in welche Fahrzeugklasse die Tretroller mit Batterie fallen – und ob sie überhaupt für den Straßenverkehr zugelassen sind. Noch 2019 soll deshalb eine neue Verordnung für die "Fahrzeugklasse der Elektrokleinstfahrzeuge" in Kraft treten.

Inzwischen hat auch das Kabinett dem Plan von Verkehrsminister Andreas Scheuer zugestimmt. Der ADAC begrüßt diese Entscheidung. „E-Roller können auf kürzeren Distanzen eine attraktive Alternative zum Auto sein. Insofern können sie einen Beitrag für saubere Luft in unseren Städten leisten“, sagt eine Sprecherin des Clubs.

Gleichzeitig entstünden durch die neuen Fahrzeuge neue Konfliktpotenziale zu anderen Verkehrsteilnehmern auf Fuß- und Radwegen. „In der Praxis muss sich nun zeigen, ob die Regelungen gerade mit Blick auf die Verkehrssicherheit tragfähig sind. Aus diesem Grunde sind insbesondere die Auswirkungen auf den Fußverkehr genau zu dokumentieren. Eine wissenschaftliche Begleitung im Auftrag des BMVI ist deshalb unverzichtbar“, fordert der ADAC.

Das ändert sich durch die geplante Neuregelung für Elektro-Tretroller

Fahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 6 bis weniger als 12 km/h dürften dem Entwurf zufolge auf Gehwegen, Fuß- und Radwegen oder in Fußgängerzonen gefahren werden. Sind diese Verkehrsflächen nicht vorhanden, darf auf Radwege und Radfahrstreifen ausgewichen werden. Nur wenn es auch diese nicht gibt, darf man die Fahrbahn nehmen. Außerorts ist sie tabu. Für den Lenker gilt: Er muss die Fußgängerampel beachten.

Elektroroller mit einer Höchstgeschwindigkeit von 12 bis 20 km/h dürfen inner- und außerorts nur auf Radwegen und Radfahrstreifen fahren. Gibt es keine, darf die Fahrbahn genutzt werden. Die Signale der Fahrradampeln sind zu beachten, wo sie fehlen die Ampeln für den fließenden Verkehr.

In verkehrsberuhigten Bereichen dürfen sowohl die langsamen als auch die schnelleren Fahrzeuge die Fahrbahn nehmen. Der Grund ist simpel: Dort gibt es keine Geh- und Radwege. 

Laut der neuen Verordnung müssen E-Roller versichert sein. Vorgeschrieben ist eine Haftpflichtversicherung, nachgewiesen durch eine Versicherungsplakette am Fahrzeug.

Geplant ist, dass für E-Scooter keine Fahrerlaubnis bzw. Mofa-Prüfbescheinigung nötig ist. Für Fahrzeuge bis weniger als 12 km/h beträgt das Mindestalter 12 Jahre. Für E-Roller mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 12 bis 20 km/h soll es bei 14 Jahren liegen.

 

Text: Thomas Paulsen/Petra Zollner, Bilder: PR.