E-Scooter: Das sind die Regeln im Ausland

Mann fährt mit Elektro-Scooter auf einer Straße in Barcelona.
In Großstädten wie Barcelona sind E-Scooter bei Touristen beliebt© Shutterstock/Ivan Marc

Immer mehr Touristen leihen E-Scooter. Ob Wien, Barcelona, Rom oder Paris – in Europa sind die Vorschriften überall anders. Die ADAC Clubjuristen informieren über Regeln im Ausland.

  • Altersgrenzen sind oft sogar kommunal unterschiedlich

  • Eine Versicherungspflicht wie in Deutschland gibt es nur in Frankreich

  • In den Niederlanden und Großbritannien sind Scooter nicht erlaubt

Sie gehören zum Straßenbild jeder europäischen Metropole: E-Scooter, überwiegend als Sharing-Mietroller – eine umweltfreundliche Ergänzung zu den bisher bekannten Verkehrsmitteln. Im Alltag gibt es aber viele Probleme: oft rücksichtsloses und verkehrswidriges Verhalten, ungeordnetes Abstellen und zum Teil schwere Unfälle mit Fußgängern.

"Die Probleme sind überall ähnlich", sagt ADAC Jurist Peter Jaklin, "nur die Lösungen in Europa sind sehr unterschiedlich." Und sie unterscheiden sich zum Teil deutlich von den E-Scooter-Regeln in Deutschland.

Verbot von Leih-Scootern in Paris

In Paris dürfen seit 1. September 2023 keine Miet-Roller mehr angeboten werden. Bis dahin waren rund 15.000 Miet-Scooter im Verkehr. Nachdem diese jedoch häufig verkehrsbehindernd abgestellt wurden und man die Sicherheit des Straßenverkehrs gefährdet sah, haben sich die Bürger in Paris im Rahmen einer Bürgerbefragung für ein generelles Verbot ausgesprochen. Private E-Scooter sind jedoch vom Verbot nicht betroffen und dürfen weiterhin genutzt werden.

E-Scooter in Deutschland und Europa

In Deutschland sind E-Scooter auf Radwegen und Fahrradstraßen erlaubt. Nur wenn diese fehlen, dürfen sie auf die Fahrbahn ausweichen. Verboten ist das E-Rollern auf Gehwegen und in Fußgängerzonen, außer es gibt das Zeichen "E-Scooter frei". Fahren dürfen die Roller Jugendliche ab 14 Jahren – der Fahrer benötigt weder eine Mofa-Prüfbescheinigung noch einen Führerschein.

E-Scooter dürfen nur alleine benutzt werden, auch Kinder dürfen nicht mitgenommen werden. Ein Helm wird empfohlen, ist aber keine Pflicht. Vorgeschrieben ist dagegen eine Haftpflichtversicherung. Das entsprechende kleine Kennzeichen kostet etwa 30 Euro pro Jahr. Beim Alkohol gelten die Grenzen wie für Autofahrer: 0,5 Promille, bei Ausfallerscheinungen ab 0,3 Promille und 0,0 für Fahranfänger.

Was im europäischen Ausland gilt, lesen Sie in der folgenden Tabelle. Klicken Sie einfach durch.

Promillegrenzen für E-Scooter-Fahrer

Weitestgehend einig ist sich Europa bei der Promillegrenze von 0,5. Ausnahme ist Österreich: Hier gelten für E-Scooter-Fahrende 0,8 Promille.

Versicherung, Helm und Kennzeichen?

Eine Versicherungspflicht wie in Deutschland gibt es nur in wenigen Ländern, zum Beispiel in Frankreich. Die Vorschrift, einen Helm zu tragen, ist bislang nur für Dänemark, Portugal und Kroatien bekannt. In Norwegen gilt die Helmpflicht nur für Kinder unter 15 Jahren.

Fahren dürfen die Scooter in den meisten Ländern in der Regel auf Radwegen, nur in Ausnahmefällen auf Gehwegen und in Fußgängerzonen.

Wer seinen eigenen E-Scooter mit auf Reisen nimmt, sollte sich vorher erkundigen, was im Ausland erlaubt ist. So müssen zum Beispiel in Frankreich Scooter mit deutschem Kennzeichen nicht anerkannt werden.

Verbot in Niederlanden und Großbritannien

Fast in ganz Europa sind E-Scooter gestattet. Aber es gibt Ausnahmen, zum Beispiel die Niederlande. "Hier werden sie ähnlich wie Mopeds gesehen", erklärt Jaklin. "Sie bräuchten daher einen Fahrersitz und sind aus diesem Grund bislang nicht erlaubt."

In Großbritannien sind E-Scooter in öffentlichen Verkehrsraum grundsätzlich verboten. Ausnahmen gibt es nur im Rahmen einer 12-monatigen Testphase für ausgewählte Anbieter von Miet-Scootern in von der Regierung festgelegten Bereiche*. Dort darf mit den Rollern der zugelassenen Anbieter auf Straßen und Radwegen gefahren werden, das Befahren von Gehwegen ist verboten.

Für die Verwendung dieser – versicherungspflichtigen – Mietroller ist eine Fahrerlaubnis der britischen Klasse Q erforderlich. Nach ADAC-Recherchen wird auch die deutsche Fahrerlaubnis der Klassen A, B und AM anerkannt. Zumindest in London ist aber zusätzlich vor der ersten Anmietung die Teilnahme an einem Online-Sicherheitskurs vorgeschrieben. Die Verwendung anderer, insbesondere privater E-Scooter, ist in Großbritannien nur auf Privatgrund erlaubt.

Regeln in Italien, Schweden, Kroatien

In Italien dürfen E-Scooter außerhalb geschlossener Ortschaften nur auf Fahrradwegen und auf für Fahrräder freigegebenen Wegen fahren. Die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit ist auf 25 km/h festgesetzt.

Italien verschärft Regelungen für E-Scooter

Angesichts hoher Unfallzahlen mit E-Scootern hat die italienische Regierung ein Maßnahmenpaket zur Erhöhung der Verkehrssicherheit verabschiedet. Künftig soll eine Helmpflicht eingeführt werden, auch eine Haftpflichtversicherung muss abgeschlossen sein. Das Abstellen der Scooter mitten auf dem Bürgersteig wird dann mit einem Bußgeld bestraft. Die Gesetzesänderungen müssen noch vom Parlament bestätigt werden, bevor sie in Kraft treten können.

In Kroatien gilt für Fahrer von E-Scootern eine Helmpflicht. Zudem muss mit E-Scootern der Radweg oder Radfahrstreifen in Fahrtrichtung benutzt werden. Nur wenn ein solcher nicht vorhanden ist, darf man auf Fußwege ausweichen, hierbei muss eine Gefährdung von Fußgängern ausgeschlossen sein. Wenn auch dies nicht möglich ist, darf ausnahmsweise auf Straßen ausgewichen werden, wenn eine entsprechende Beschilderung dies zulässt und auf der jeweiligen Straße eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von maximal 50 km/h gilt.

In Schweden darf man seit 1. September 2022 mit E-Scootern nicht mehr auf Fuß- und Radwegen fahren und diese dort auch nicht mehr abstellen.

Nächtliche Beschränkungen in Skandinavien

Wegen der steigenden Zahl von teils schweren Unfällen mit E-Scootern, überwiegend durch betrunkene Fahrer, dürfen in Oslo (Norwegen) zwischen 23 und 5 Uhr keine E-Scooter mehr vermietet werden. Das bedeutet faktisch ein nächtliches Fahrverbot für die Miet-E-Scooter. Private E-Scooter sind davon nicht betroffen.

Aus den gleichen Gründen wurde im finnischen Helsinki die zulässige Höchstgeschwindigkeit für E-Scooter in der Zeit zwischen Mitternacht und 5 Uhr auf 15 km/h reduziert. Nachdem von dieser Regelung zunächst nur die Ausgehviertel der Innenstadt am Wochenende betroffen waren, soll die reduzierte Höchstgeschwindigkeit in diesem Zeitraum künftig an allen Wochentagen und im gesamten Stadtgebiet gelten. Außerdem haben die drei größten in Helsinki tätigen Vermietgesellschaften die Bereitschaft signalisiert, die Höchstgeschwindigkeit ihrer E-Scooter generell von 25 km/h auf 20 km/h zu drosseln.