Neuer VW ID. Tiguan: So fährt der Nachfolger des ID.4

• Lesezeit: 5 Min.

Von Wolfgang Rudschies

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Noch im Tarnkleid: Der kommende VW ID. Tiguan© IvoHercik.com

Zurück zu alten Tugenden: Die zweite Generation des VW ID.4 startet unter dem Namen VW ID. Tiguan. Das Elektro-SUV soll mit hoher Wertigkeit im Interieur und viel Komfort punkten. Und natürlich klasse fahren. Erster Fahreindruck im noch getarnten ID. Tiguan.

  • Drei Versionen zur Wahl

  • Reichweiten von 450 bis 600 Kilometer

  • Viele Neuerungen im Innenraum

Anfang 2027 kommt die zweite Generation des VW ID.4 auf den Markt. Sein Name ist ein längst gelüftetes Geheimnis: ID. Tiguan. VW hat die bisherige Geheimhaltung nicht komplett aufgehoben, aber ein bisschen gelockert. Das heißt: Es wurden die ersten technischen Daten zum Antrieb bekannt gegeben sowie Journalisten eingeladen, eine Testrunde mit einem getarnten Vorserienauto in und um Wien zu drehen.

Der ADAC Redakteur saß am Steuer eines R-Line-Modells mit Allrad und 220 kW Systemleistung, mithin in der vorläufigen Topversion der Baureihe.

Testfahrt im getarnten VW ID. Tiguan

ADAC Redakteur Wolfgang Rudschies steht vor dem getarnten VW Tiguan
Auf zur ersten Probefahrt: Redakteur Wolfgang Rudschies© ADAC/Wolfgang Rudschies

Von der Statur her kommt einem der noch mit Tarnfolie überzogene ID. Tiguan bekannt und vertraut vor. Wie auch nicht, schließlich ist der ID. Tiguan keine komplette Neuentwicklung, sondern "nur" eine grundlegende Überarbeitung bzw. Weiterentwicklung des ID.4. Das gewohnte Bild bleibt auch beim Rundgang ums Auto bestehen. Und wird bestätigt, wenn der Blick auf altbekannte Bügeltürgriffe fällt.

Es mag allerdings sein, dass der neue ID. Tiguan ein wenig länger ist als der ID.4. Das soll die Öffentlichkeit aber erst bei der Weltpremiere Anfang Oktober erfahren. Konkrete Daten dazu gibt es derzeit noch keine.

Geheimnisse des Innenraums

Das Cockpit des neuen VW Tiguan
Wie im ID. Polo: Lenkrad und Tastenleiste für Klimatisierung© ADAC/Wolfgang Rudschies

Das Versteckspiel geht im Innenraum weiter: Alles außer der Fahreranzeige und dem zentralen Touchscreen ist abgedeckt. Halt, stimmt nicht! Man darf auch die separate Bedieneinheit über der Mittelkonsole bewundern. Also die Tasten, mit denen man die Klimafunktionen oder den Warnblinker aktivieren kann. Die Tastenleiste kennen wir schon. Sie ist identisch mit der im neuen ID. Polo. Gleiches gilt für das Lenkrad mit haptischen Bedienelementen. Auch das ist vom ID. Polo bekannt und keine Überraschung.

Bei so vielen Parallelen zum ID. Polo liegt es nahe, dass sich auf der Mittelkonsole ein Drehregler für die Audio-Lautstärke und den Senderwechsel befinden dürfte. Und beim Fahrerdisplay würde es uns nicht wundern, wenn es ebenfalls wie beim Polo auf Retro-Optik umschaltbar wäre. Offen bleibt die Frage, ob es möglicherweise ein Beifahrerdisplay am Armaturenbrett geben wird. Zeichnet es sich ab hinter der Filzmatte? Man kann ja mal spekulieren. Im Trend liegt ein Extra-Bildschirm für den Copiloten jedenfalls.

Der neue VW ID. Tiguan in Bildern

E-Antrieb mit 220 kW und Allrad

Der Elektroantrieb der Topversion spricht fabelhaft auf jede kleinste Bewegung des rechten Fußes an und zieht souverän los. Das Fahrgeräusch ist im Vergleich zu einem Verbrenner fast lautlos, nur das Abrollen der Reifen ist zu hören. Sonst nimmt man im Innenraum praktisch nichts wahr. Keine wirkliche Überraschung bei einem Elektroauto. Aber es ist und bleibt einfach ein sehr komfortables Erlebnis, wenn man so leise dahinrollt wie in einem Rolls-Royce.

Das über zwei Tonnen schwere E-SUV ordentlich in Schwung zu bringen ist mit der elektrischen Systemleistung von 220 kW und dem Drehmoment von annähernd 500 Nm auch kein Problem. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h wird in etwa 7 Sekunden erledigt.

Gut, dass sich die Leistung im Topmodell mit Allradantrieb auf vier Räder verteilt. Denn das sorgt für gute Traktion und Fahrsicherheit. Kein Scharren der Räder, weil sie die Haftung auf der Straße verlieren. Wobei man hinzufügen muss: Im Vergleich mit anderen aktuellen Elektro-SUVs nehmen sich 220 kW Leistung relativ bescheiden aus. Ganz zu schweigen vom Basisantrieb des ID. Tiguan, der "lediglich" 140 kW/190 PS bietet.

VW ID. Tiguan: Motoren und Daten

Antriebsvarianten VW ID. TiguanKleiner AkkuGroßer AkkuGroßer Akku mit Allradantrieb

Antrieb

Heckantrieb

Heckantrieb

Allradantrieb

Motorleistung

140 kW/190 PS

210 kW/286 PS

220 kW/299 PS

Akku

58 kWh LFP

77 kWh NMC

77 kWh NMC

AC-Ladeleistung

max. 11 kW

max. 11 kW

max. 11 kW

DC-Ladeleistung

max. 105 kW

max. 165 kW

max. 165 kW

DC-Ladedauer 10–80 % SoC

26 Min.

29 Min.

29 Min.

Reichweite

bis zu 450 km

bis zu 600 km

bis zu 560 km

Andere Elektro-SUVs in dieser Klasse bieten deutlich mehr Leistung: Der Mercedes GLC EQ bringt 310 kW an den Start, der Audi Q6 e-tron 315 kW, der BMW iX3 lockt mit 345 kW, ein Genesis GV70 mit 360 kW, und der Volvo EX60 macht mit 375 kW von sich reden. Diese Aufzählung ließe sich erweitern. Wirklich nötig ist der PS-Wucher aber nicht, sodass der VW nur auf dem Papier wirklich verliert. Niemand geht mit einem Elektro-SUV auf Rundenhatz am Nürburgring.

Der VW ID. Tiguan fährt sich auch so einfach klasse. Das betrifft nicht nur den kultivierten Antrieb, sondern auch den perfekt austarierten Komfort des Fahrwerks. Letzteres ist seit Langem eine Domäne im Konzern. Auch neueste Modelle mit Elektroantrieb – Škoda Epiq und Peaq oder der ID. Polo – beweisen das. Obwohl in Elektroautos jedweder Größe ein schwerer Akku im Unterboden mit abgefedert werden muss. Eine Herausforderung für Stoßdämpfer und Achskonstruktion.

Reichweiten: 560 bis 600 Kilometer

Verbrauchswerte nennt VW noch nicht, aber es werden die Reichweiten (nach WLTP) des ID. Tiguan beziffert. So darf man von der Basisversion mit 58 kWh großem LFP-Akku bis zu 450 Kilometer erwarten. Versionen mit 77 kWh großem NMC-Akku sollen 560 bis 600 Kilometer schaffen können. Das ist etwas mehr Reichweite, als der bisherige ID.4 mit vergleichbarer Motorisierung nach gesetzlichem WLTP-Zyklus erzielt hat. Der Bordcomputer zeigte nach der Testrunde einen hochgerechneten Wert von 17,7 kWh pro 100 Kilometer an.

Die maximalen Ladeleistungen sind bekannt: AC-Laden geschieht mit 11 kW, beim öffentlichen Schnellladen (DC) sind unter Idealbedingungen 105 kW (LFP-Akku) oder bis zu 165 kW (NMC-Akku) möglich. Das ist leider keine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger ID.4. Von einer 800-Volt-Architektur und entsprechend schnellerer Ladepower scheint VW in Volumenmodellen also noch ein ganzes Stück entfernt.

Fazit: Zu früh gefreut

Unter dem Strich ist festzuhalten: In Bezug auf den Antrieb, die Reichweiten und die Ladezeiten hat sich wenig getan beim Nachfolger des ID.4, dem neuen ID. Tiguan. Verbesserungen hinsichtlich der Materialanmutung, der Bedienbarkeit und vielleicht auch der Platzverhältnisse sollten deutlich spürbarer ausfallen. Ob das wirklich so ist, wird sich bei der Weltpremiere Anfang Oktober erweisen. Der Fahrkomfort war und bleibt alle Ehren wert.

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