VW ID. Polo: Echte Tasten, Mega-Kofferraum, unter 25.000 Euro
Von Andreas Huber
Volkswagen setzt wieder auf klares Design und eine dem Preis angemessene Qualität. Mit dem ID. Polo zeigen die Wolfsburger den ersten Vertreter kleiner, bezahlbarerer Elektroautos der Marke.
Kleinwagen ab unter 25.000 Euro
Rückkehr zu echten Knöpfen
Bis zu 455 Kilometer Reichweite nach WLTP
Lange angekündigt und jetzt endlich enthüllt: VW zeigt den vollelektrischen ID. Polo. Der Kleinwagen ist das erste Modell einer neuen Produktfamilie und soll die Marschrichtung vorgeben, wie künftige VW-Modelle beim Thema Optik und Qualität punkten sollen. Dabei ist der Druck auf die Niedersachsen mehr als hoch. Bislang musste man sich dem Wettbewerb im Bereich günstiger E-Autos geschlagen geben.

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Aber das soll sich jetzt ändern. Mit mehr Qualität und einem neutraleren Design sollen Bestandskunden gehalten und die teils vergraulte Ex-Kundschaft wieder eingefangen werden. Dass VW das durchaus gelingen kann, zeigt der ID. Polo bereits im Studio eindrucksvoll. Der Kleinwagen wirkt gefällig, ist für die Fahrzeugklasse angemessen geräumig und setzt im Innenraum wieder auf echte Tasten und mit Stoff bezogene Oberflächen an wichtigen Stellen.
Zudem soll der elektrische Polo knapp unter 25.000 Euro starten, was vor allem im Vergleich zum europäischen Wettbewerb eine Hausnummer ist. Konkrete Preise nennt VW bis dato aber noch nicht.
Der schärfste Konkurrent, der Renault 5, startet nämlich rund 3000 Euro teurer und bietet im Innenraum gleichzeitig weniger Platz. Auf dem Papier tritt der Polo also durchaus selbstbewusst auf. Neben dem Renault muss sich der Wolfsburger gegen Kleinwagen wie Hyundai Inster, Citroën ë-C3 und Kia EV2 beweisen. Auch im eigenen Haus ist der Wettbewerb da. Der Polo teilt sich die Technik nämlich mit dem Cupra Raval, dem Škoda Epiq und dem VW ID. Cross.
Optik des ID. Polo: Klares Design ohne Experimente

VWs Designchef Andreas Mindt hatte bereits bei der Studie des ID. Polo, dem ID. 2all, angekündigt, dass Volkswagen wieder zurück zu einem massentauglichen, gefälligen Design möchte. Mit Blick auf das Serienfahrzeug scheint dieser Vorsatz gelungen zu sein. Der Polo ist deutlich näher am klassischen Polo als der ID. 3 an einem Golf. Trotzdem wirkt der bislang kleinste ID modern. Optional gibt es an der Front ein durchgezogenes Leuchtenband samt beleuchtetem Markenlogo. LED-Scheinwerfer sind Serie, gegen Aufpreis lassen sich Matrix-LED-Leuchten bestellen.
Im Profil wirkt der Polo aufgeräumt. Die Reifen sind in der Basis auf Stahlfelgen aufgezogen, auf Wunsch sind bis zu 19 Zoll große Alufelgen erhältlich. Am Heck begrüßen einen immer dreidimensional gestaltete Rückleuchten, die bei besseren Lichtoptionen durch dünne Lichtstreifen verbunden werden. Die Designer sprechen hier von "Whisky-Glas"-Design.
Spannend: Die Basisfarbe ist für den ID. Polo Pythongelb-Metallic und kostet keinen Aufpreis. Wer es dezenter haben möchte, zahlt extra. Damit verfestigt sich im Hause VW der Trend, knallige Farben als kostenlose Lackoption zur Verfügung zu stellen. Beim T-Roc hat VW damit angefangen, hier war es allerdings kein Metallic-Lack.
Innenraum: Weiche Oberflächen und Stoff

Mit dem ID. Polo kommt VW wieder auf die altbekannten Ausstattungslinien zurück. Die Basis heißt dementsprechend "Trend", darüber ist die "Life"-Ausstattung angesiedelt, die Top-Ausstattung ist "Style". Der Innenraum des neuen ID. Polo ist aufgeräumt und macht bereits beim Trend einen wertigen Eindruck. Bereits beim Einstiegsmodell setzen die Wolfsburger auf aufgepolsterte Flächen, die immer mit Stoff bezogen sind.
Auch die Türtafeln sind mit einem Gewebe überzogen, die Armauflagen in den Türen beinhalten aufgeschäumte Elemente. Das Lenkrad besitzt wieder richtige Tasten, Touchflächen gehören bei VW der Vergangenheit an und werden Stück für Stück aus den Cockpits verbannt. Wer beim Außenlicht Geld ausgegeben hat, wird auch im Innenraum durch ein nettes Feature belohnt. Dann ist das VW-Zeichen im Pralltopf des Lenkrads ebenfalls beleuchtet.

Gesteuert werden die Fahrzeugfunktionen über zwei Bildschirme, die immer serienmäßig sind. Während das digitale Kombiinstrument 10 Zoll misst, sind es beim Zentralbildschirm 13 Zoll. Je nach Ausstattung variiert der Funktionsumfang, Apple CarPlay oder Android Auto gibt es, in der Basisversion gegen Aufpreis. Ein nettes Detail: VW hat dem ID. Polo eine Retro-Ansicht für die Bildschirme gegönnt. Ist diese aktiviert, zitiert das Kombiinstrument Armaturen im Stil des Golf 1, die Karte auf dem Touchscreen wird in einem Röhrenmonitor angezeigt. Zu retro? Die Funktion lässt sich auch dauerhaft deaktivieren.
Richtige Tasten und bequeme Sitze

Die Klimabedienung findet bei VW wieder ihren Weg in die Mittelkonsole. Beim ID. Polo gibt es hierfür wieder richtige Schalter, die auch ohne hinzusehen bedient werden können. Auch die Lautstärke des Radios wird wieder per Drehregler gesteuert. Den unbeliebten Touchslider hat VW entsorgt.
Bereits die serienmäßigen Stoffsitze machen bei der Sitzprobe im Studio einen guten Eindruck. Sie sind mechanisch verstellbar, aber keineswegs unbequem. Auch was die Platzverhältnisse angeht, kann der kleine VW punkten. Vorne haben Insassen auch an den Armen gut Platz, in der zweiten Reihe sitzen Personen mit 1,80 Meter Körpergröße noch solide.
Zwar wird es an den Knien etwas eng, ein Kleinwagen ist aber schließlich auch kein Langstreckenauto. Für die Stadt oder den Ausflug passt das. Gut: Im Polo passen die Füße unter die Vordersitze – nicht selbstverständlich bei Elektroautos.
Kofferraum und Ladebox sind großzügig

Den Kofferraum gibt VW beim ID. Polo mit 441 Litern an; legt man die Rückbank um, werden es bis zu 1243 Liter. Macht man die Heckklappe zum ersten Mal auf, kann man diesen Wert kaum glauben. Das Geheimnis versteckt sich unter dem variablen Ladeboden. Dieser kann nicht nur in eine niedrigere Position gebracht werden – klappt man ihn zur Seite, gibt er ein riesiges Staufach preis.
Da der Polo mit Frontantrieb ausgestattet ist, bleibt beim VW zwischen den Hinterrädern Platz. Dieser wird für Stauraum genutzt. Clever, wenn auch nicht bei VW selbst erdacht – bereits beim Ford Puma haben wir ein solches Staufach gesehen und zu schätzen gewusst.
MEB+ Baukasten mit 400-Volt-Technik

Der ID. Polo basiert auf dem MEB+ Baukasten. Dieser ist eine Weiterentwicklung der bekannten 400-Volt-Architektur und zeichnet sich vor allem durch effizientere Antriebe und eine andere Zellchemie aus. Für seine kleinen E-Fahrzeuge setzt VW auf Vorderradantrieb, für den ID. Polo bedeutet das aber auch, dass er keinen Frunk bekommt. An der Vorderachse setzt das Entwicklungsteam auf klassische MacPherson-Federbeine, an der Hinterachse verbaut VW eine Verbundlenker-Achse mit schräg angebrachten Achslagern. Diese sollen das Abrollen der Achse verbessern und somit komfortabler sein.
Vorderradantrieb und zwei Akkugrößen

Zwei Akkugrößen bietet Volkswagen im elektrischen Polo an. Den Einstieg bildet ein 37 kWh großer LFP-Akku, der wahlweise mit 85 oder 99 kW (116/135 PS) Antriebsleistung gekoppelt wird. Die Ladeleistung beträgt am Schnelllader bis zu 90 kW, was einen Ladehub von 10 auf 80 Prozent in 27 Minuten gewährleisten soll. Die Reichweite des 37-kWh-Akkus soll bei bis zu 329 Kilometern nach dem gesetzlichen WLTP-Verbrauchzyklus liegen.
Darüber rangiert ein 52-kWh-NMC-Akku, der sich mit bis zu 105 kW schnellladen lässt. Er ist vorerst ausschließlich mit einem 155 kW (211 PS) starken Antrieb erhältlich, ein späterer ID. Polo GTI soll 166 kW (226 PS) leisten. Den Ladehub gibt VW bei der größeren Batterie mit 24 Minuten an. Die Reichweite beträgt hier bis zu 455 Kilometer nach WLTP. Beide Akkugrößen lassen sich an der öffentlichen Ladesäule oder zu Hause mit bis zu 11 kW AC laden. Eine Option auf 22 kW gibt es nicht.
V2L und Anhängerkupplung
Anders als der ID.3 lässt sich der ID. Polo auch mit einer Anhängerkupplung ordern. Selbst mit kleinem Akku beträgt die Anhängelast 500 Kilogramm, was zumindest den Abtransport von Gartenabfällen mit einem kleinen Anhänger ermöglicht. Wer den Polo mit großem Akku bestellt, hat eine Anhängelast von bis zu 1200 Kilogramm, was den Mehrwert zusätzlich steigern soll.
Als einer der ersten VWs kann der kleine ID mit seiner Hochvoltbatterie auch externe Geräte mit bis zu 3,7 kW Leistungsaufnahme betreiben. Vehicle-to-Load (V2L) ist serienmäßig, ein Schuko-Adapter ist im Zubehör erhältlich. Zu Vehicle-to-Home (V2H) äußert sich VW bislang nicht, der MEB+ soll diese Funktion aber können. Ob auch der Polo damit ausgestattet sein wird, bleibt abzuwarten.
Marktstart und Preis: Ab April für unter 25.000 Euro
Der VW ID. Polo ist ab sofort bestellbar, im September sollen die ersten Autos dann beim Händler stehen. Den Basispreis geben die Niedersachsen mit 24.995 Euro an, das Top-Modell soll unter 40.000 Euro kosten.
Technische Daten zum ID. Polo
| Herstellerangaben | VW ID. Polo |
|---|---|
Motor/Antrieb/Akku | Elektromotor mit wahlweise
|
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h, GTI ca. 175 km/h |
Antriebsart | Frontantrieb |
Ladeleistung AC / DC | 11 kW / 90–105 kW |
Reichweite nach WLTP kleine Batterie / große Batterie | 329 / 455 km |
Maße | L 4,05 / B 1,82 / H 1,53 m |
Kofferraum | 441–1243 l |
Preis | ab 24.995 Euro |
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