Sportlich, knackig, rassig: Der Cupra Raval verführt die Sinne

• Lesezeit: 7 Min.

Von Jochen Wieler, Andreas Huber

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Ein fahrender Cupra Raval auf einer kurvigen Landstraße
Der Erste seiner Art: Mit dem Cupra Raval startet die Elektro-Kleinwagen-Offensive des VW-Konzerns© Cupra

Cupra hat mit dem Raval den ersten Aufschlag in der Riege der kleinen E-Autos im VW-Konzern bekommen. Der Kleinwagen ist ab sofort als sportlichster Ableger zu haben. Günstig ist er momentan aber noch nicht. Testfahrt, Daten, Preise.

  • Reichweite bis zu 446 Kilometer

  • Top-Ausführung mit 166 kW/226 PS

  • Gute Platzverhältnisse, sportliche Auslegung

Der Cupra Raval soll frischen Wind ins Elektro-Kleinwagen-Segment des VW-Konzerns bringen. Benannt nach dem Szeneviertel El Raval in Barcelona, setzt er auf urbanen Charakter und sportliche Cupra-DNA. Der Raval ist nicht nur der erste Elektro-Kleinwagen der Spanier, sondern läutet für den gesamten Volkswagen-Konzern die MEB+-Festspiele ein. Auf dieser kleinen Elektro-Plattform stehen auch die Schwestermodelle VW ID. Polo, VW ID. Cross und Škoda Epiq.

Cupra Raval: Kompakt und sportlich

Ein stehender Cupra Raval von hinten gezeigt
Wirkt breit, ist aber ein Kleinwagen: Besonders von hinten hat der Raval eine enorme Präsenz© sessantuno.com

Wer einen günstigen Elektro-Kleinwagen erwartet hat, sieht sich zunächst enttäuscht. Denn das Basismodell für 25.950 Euro mit 37-kWh-LFP-Akku und rund 300 Kilometer Reichweite ist erst ab September 2026 zu haben. Bis dahin stehen nur Versionen mit 52-kWh-Batterie und bis zu 446 Kilometer Reichweite zur Verfügung.

Mit diesen lässt sich zwar mehr anfangen, doch beim Preis muss man erst mal schlucken. 37.250 Euro stehen dafür in der Liste, die gefahrene Version VZ Extreme als Topmodell mit Vollausstattung liegt sogar bei heftigen 46.525 Euro. Dass es bis 30.6.26 einen Rabatt von 3000 Euro gibt, ist da nur ein schwacher Trost, ebenso die staatliche Förderprämie. Wir sprechen schließlich von einem Kleinwagen mit 4,05 Metern Länge.

Einem sehr auffälligen Kleinwagen allerdings: Der Cupra Raval hat eine dermaßen große Präsenz auf der Straße, dass selbst ein Mini daneben blass aussieht. Der Auftritt ist fast schon aggressiv: Dunkle Farben und Mattlack, zwei "Powerdomes" auf der Haube, die auch von anderen Cupra-Modellen bekannte "Shark Nose" und das propere Heck mit der durchgehenden Lichtleiste – das macht ordentlich was her.

Testfahrt im Cupra Raval VZ

Der Cupra Raval fahrend auf einer Landstraße
Cupra setzt nicht nur optisch beim Raval auf Sportlichkeit, auch die Fahrleistungen passen gut dazu© Cupra

Alles nur Show? Ein Blender ist der Raval ganz sicher nicht, wie die erste Testfahrt mit dem stärksten Modell VZ mit 166 kW (226 PS) gezeigt hat. Diese Variante ist sogar mit einem Sperrdifferenzial an der Vorderachse ausgerüstet. Wer hier an eine bloße Spielerei denkt, irrt: Gierig frisst sich der Kleinwagen selbst in flott genommenen Kurven ums Eck, fast so lässig wie ein Gokart.

Untersteuern? Kennt der Prototyp des Raval nur in Ausnahmesituationen, also wenn es der Fahrer oder die Fahrerin allzu sehr übertreibt. Doch der Grenzbereich liegt so hoch, dass der Raval in der Regel stoisch seine Spur hält und eine Leichtfüßigkeit vermittelt, dass es eine wahre Freude ist. Die direkt ausgelegte Lenkung tut ein Übriges dafür, dass sich der Raval präzise dirigieren lässt.

Kurz gesagt: Der Spanier hat Temperament und das Zeug zum Spaßgaranten. Dank elektronisch geregelter Dämpfer und progressiver Lenkung ist er aber auch abseits der Kurvenhatz zu Hause und bietet für den Alltag ein vernünftiges Maß an Komfort – den unterschiedlichen Fahrmodi sei Dank.

Ein seitlich fahrender Cupra Raval
Es gibt zwei Akkugrößen für den Raval. Das reichweitenstärkste Modell soll rund 450 km nach WLTP schaffen© Cupra

An Power mangelt es dem VZ mit 166-kW-Motor gewiss nicht. Die Kraftentfaltung gelingt ansatzlos, spontan und völlig verzögerungsfrei – typisch E-Auto, aber in einem Kleinwagen fühlt sich das Ganze noch direkter an. In 6,8 Sekunden ist die 100-km/h-Marke geknackt, die Spitze liegt beim VZ bei 175 km/h. Arg groß fällt der Unterschied zur etwas schwächeren Variante "Endurance" mit 155 kW freilich nicht aus (7,1 Sekunden auf 100 und 160 km/h Spitze).

In den Fahrmodi "Cupra" und "Performance" wird das Ansprechverhalten noch einmal nachgeschärft, garniert von einem künstlich sphärischen Fahrgeräusch beim Beschleunigen, das klingt, als würde sich der Raval einfach woandershin zoomen. Wer es ruhiger mag, schaltet den Sound ab und freut sich über den leisen Innenraum.

Ganz so hurtig dürfte es in den kommenden, schwächeren Varianten mit 85 und 99 kW sicher nicht zugehen. Hier sind alle Varianten im Überblick:

MotorBatterie (netto)Reichweite (ca.)LadeleistungLadehub 10–80 Prozent

Cupra Raval

85 kW (116 PS)

37 kWh LFP

300 km

11 kW AC / 50 kW DC

27 min

Cupra Raval Plus

99 kW (135 PS)

37 kWh LFP

300 km

11 kW AC / 88 kW DC

27 min

Cupra Raval Endurance

155 kW (211 PS)

52 kWh NMC

450 km

11 kW AC / 105 kW DC

23 min

Cupra Raval VZ

166 kW (226 PS)

52 kWh NMC

400 km

11 kW AC / 105 kW DC

23 min

Der neue "App-290-Motor" an der Vorderachse ist für alle Leistungsversionen zuständig. Er soll effizient sein und je nach Akkugröße rund 450 Kilometer Reichweite nach WLTP ermöglichen. Ob der Antrieb wirklich sparsam ist und wie es sich mit der Reichweite verhält, muss ein kommender, ausführlicher ADAC Test klären. Wie sich Temperatur und Tempo in etwa auf die Reichweite auswirken, zeigt der ADAC Reichweitenrechner. Probieren Sie es aus, indem Sie die Regler für Temperatur und Geschwindigkeit verschieben.

ADAC Reichweitenrechner

CUPRA Raval (52 kWh) VZ Edition Extreme 166 kW (226 PS)

-10

30

50

130

Berechnete Reichweite

369km

(Reichweite laut Hersteller: 381 km)

Der 37 kWh große Einstiegsakku setzt auf LFP-Technik und ist entweder mit 85 kW (116 PS) oder 99 kW (135 PS) starkem Antrieb erhältlich. Die Reichweite soll bei beiden Modellen bei rund 300 Kilometern liegen. Am Schnelllader lässt sich Strom mit mageren 50 bzw. 88 kW nachladen, in der Stadt oder an der Wallbox zieht der Raval bis zu 11 kW. Den Ladehub von 10 auf 80 Prozent gibt Cupra für CCS-Schnellladesäulen im Falle der 88-kW-Variante mit 23 Minuten an.

Der größere NMC-Akku hat eine Kapazität von 52 kWh und lässt sich mit 155 kW (211 PS) oder dem VZ-Topmodell mit 166 kW (226 PS) koppeln. Hier sind bis zu 105 kW Schnellladeleistung möglich, der Ladehub von 10 auf 80 Prozent dauert 24 Minuten. Die Ladezeiten erscheinen adäquat, nur die Basisversion mit 50-kW-Lader dürfte für längere Strecken wegen längerer Standzeiten beim Nachladen nicht infrage kommen. Wie schnell sie wirklich lädt, wird man sehen.

Innenraum: Klassische Knöpfe fürs Lenkrad

Das Cockpit des Cupra Raval
Das Cockpit ist ziemlich klassisch gehalten. Es gibt Knöpfe und Walzen zur Bedienung am Lenkrad© Cupra

Beim Cockpit haben sich die Spanier wieder zurück zu einer klassischeren Bedienung besonnen. So hat das neueste Mitglied der Cupra-Familie ein Sportlenkrad mit klassischen Tasten und Walzen, die für die Bedienung von Kombiinstrument und Infotainment zuständig sind. Je nach Ausstattung trägt es die bekannten Knöpfe im Lenkrad, um die Fahrmodi einzustellen und den Motor zu starten.

Hinter dem Lenkrad findet sich ein 10,25 Zoll großes Kombiinstrument, das bereits vom Facelift des Born bekannt ist. Der 12,9 Zoll große Touchscreen auf dem Armaturenbrett wird durch ein Android-basiertes Infotainment bespielt. Bedienen lässt sich das alles sehr ordentlich, zumal die Bildschirmmenüs logisch aufgebaut und die Touchflächen groß sind. Es gibt sogar eine Anzeige, mit welcher Ladeleistung der Raval gerade schnellladen kann. Leider hat der Raval noch die viel kritisierten Touchflächen am Fuß des Bildschirms für die Lautstärke und die Temperatur. Drehregler wären hier einfach besser gewesen.

Aber: Er hat noch Tasten für die Spiegelverstellung, haptische Tasten am Lenkrad und auch noch vier (!) Knöpfe für die Scheibenheber. So wohltuend klassisch kann es also noch in einem aktuellen Modell zugehen – das ist nicht mehr selbstverständlich. Mit der Bedienung des Raval sollte daher jeder zurechtkommen.

Die Vordersitze des Cupra Raval
Die Sportsitze der gefahrenen Top-Version sehen nicht nur top aus, sie sind es auch© sessantuno.com

Die Qualität macht einen guten Eindruck. Die wichtigsten Bereiche des Interieurs sind mit weichen Oberflächen versehen und wirken daher hochwertig. Hartplastik findet sich segmentüblich zwar auch im Raval, doch billig wirkt das Ganze nicht.

Die Platzverhältnisse sind in beiden Reihen ordentlich. Mit 1,80 Metern Körpergröße sitzt es sich auch im Fond angemessen. Zwar wird es für die Knie etwas enger, dafür haben die Füße unter dem Vordersitz Platz – das ist bei E-Autos nicht immer selbstverständlich.

Auch die Sitze können überzeugen. Die optionalen Cup-Bucket-Schalensitze bieten einen sehr guten Seitenhalt, könnten aber dem ein oder anderen an der Hüfte etwas zu eng sein. Nicht so schlimm, denn selbst die serienmäßigen Basis-Sitze als Alternative machen einen vernünftigen Eindruck.

Der Clou befindet sich hinter den Rücksitzen: Der Kofferraum des Raval ist für die Kleinwagenklasse augenscheinlich groß geraten und unterscheidet sich bereits auf den ersten Blick von einem Opel Corsa oder VW Polo. Wer den Kofferraumboden absenkt oder ganz herausnimmt, kann sich zudem über eine sehr tiefe Mulde freuen, in die ganz schön viel reinpasst. So ist der Raval also nicht nur ein Feierabend-Renner für dynamische Fahrer, er kann auch Nutzwert.

Neben der sportlichen Auslegung bietet der Raval eine Reihe moderner Assistenzsysteme. Je nach Ausstattung sind unter anderem ein Travel Assist mit automatischem Spurwechsel, eine 360-Grad-Kamera sowie ein Parkassistent verfügbar.

Der Cupra Raval im Video

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Fazit: Teures Vergnügen

Der Cupra Raval von hinten fahrend auf einer Landstraße
Sportlich, aber gleichzeitig komfortabel gefedert: Der Cupra Raval© sessantuno.com

Der Cupra Raval ist eine interessante Bereicherung für das Elektrische-Kleinwagen-Segment. Nicht nur optisch, auch fahrdynamisch dürfte ihm so leicht keiner etwas vormachen. Der Spaß muss einem allerdings auch eine ganze Menge wert sein. Für das Geld der Version mit "großem" Akku gibt es schließlich längst den größeren Cupra Born.

So steigt die Spannung, bis im Herbst die Basisversion für gut 25.000 Euro nachgereicht wird. Wer nicht unentwegt auf langen Strecken fährt, dürfte auch mit ihr gut klarkommen.

Cupra Raval: Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

CUPRA Raval (37 kWh) (ab 09/26)

CUPRA Raval (37 kWh) Plus (ab 09/26)

CUPRA Raval (52 kWh) Endurance Edition Dynamic (ab 06/26)

CUPRA Raval (52 kWh) VZ Edition Extreme (ab 06/26)

Motorart

Elektro
Elektro
Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

85
99
155
166

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

116
135
211
226

Drehmoment (Systemleistung)

-
-
290 Nm
290 Nm

Antriebsart

Vorderrad
Vorderrad
Vorderrad
Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

-
-
7,1 s
6,8 s

Höchstgeschwindigkeit

-
-
160 km/h
175 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

300 km
300 km
444 km
381 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km
0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

-
-
13,7 kWh/100 km
16,1 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

-
-
55,0
55,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

37,0
37,0
52,0
52,0

Ladeleistung (kW)

-
DC:88,0
AC:11,0 DC:105,0
AC:11,0 DC:105,0

Kofferraumvolumen normal

441 l
441 l
441 l
441 l

Leergewicht (EU)

-
-
1.610 kg
1.615 kg

Zuladung

-
-
470 kg
475 kg

Anhängelast ungebremst

-
-
750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

-
-
1.200 kg
1.200 kg

Garantie (Fahrzeug)

5 Jahre bis max. 150.000 km (ersten zwei Jahre ohne km-Begrenzung)
5 Jahre bis max. 150.000 km (ersten zwei Jahre ohne km-Begrenzung)
5 Jahre bis max. 150.000 km (ersten zwei Jahre ohne km-Begrenzung)
5 Jahre bis max. 150.000 km (ersten zwei Jahre ohne km-Begrenzung)

Länge x Breite x Höhe

4.046 mm x 1.784 mm x 1.514 mm
4.046 mm x 1.784 mm x 1.514 mm
4.046 mm x 1.784 mm x 1.514 mm
4.046 mm x 1.784 mm x 1.514 mm

Grundpreis

25.950 Euro
-
37.250 Euro
46.525 Euro

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