Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Produkte
Mitgliedschaft
Der ADAC

Seat Arona TGI im Test: Erster SUV mit Erdgas-Antrieb

roter Seat Arona TGI Erdgas fahrend von der Seite
Seat Arona TGI: 90-Erdgas-PS müssen reichen ∙ © Renault

Mit dem Arona TGI setzt Seat seine Erdgas-Offensive fort und hat weltweit den ersten SUV mit CNG-Antrieb im Angebot. Das schont Umwelt und Geldbeutel. ADAC Test, Daten, Preise, Verbrauch

  • Seat Arona TGI mit 90-PS-Erdgas-Motor

  • 100 Kilometer kosten nicht einmal fünf Euro 

  • Deutlich weniger Schadstoffe: volle fünf Sterne im ADAC Ecotest

  • Der Kofferraum ist etwas geschrumpft, der Durchzug mäßig 

CNG ist klimafreundlicher als Benzin oder Diesel

"Wir haben die Antwort auf viele Fragen," verkündet Seat-Deutschland-Chef Bernhard Bauer stolz, und betont immer wieder, dass er vom Erdgas als Treibstoff überzeugt sei. Tatsächlich gibt es wenig Argumente gegen CNG. Compressed Natural Gas – so der Fachbegriff für Erdgas, das komprimiert wurde, um es als Treibstoff nutzen zu können – ist klimafreundlicher als Benzin und Diesel, kann praktisch in jedem (modifizierten) Ottomotor verbrannt werden und lässt sich problemlos tanken. An manchen Zapfsäulen tankt man auch Biogas.

Und es spart Geld: Bis 2026 garantiert der Gesetzgeber eine ordentliche Steuervergünstigung für den Treibstoff. Das Kilogramm Erdgas kostet an der Tankstelle daher zwischen 1,00 und 1,15 Euro. Möglicherweise wird dieser Bonus sogar noch mal verlängert.

Seat Arona TGI mit gemütlichen Fahrleistungen

Bisher setzt sich der Kraftstoff in Deutschland, anders als in Südeuropa, Südamerika, Indien oder China, dennoch nicht flächendeckend durch: Viele Käufer stehen Gas skeptisch gegenüber, haben (unberechtigte) Angst vor möglicher Explosionsgefahr – die nicht höher ist als bei einem Benzintank –, oder finden im CNG-Angebot nicht das Auto, das sie gerne hätten. Denn der Markt ist übersichtlich: Neben Fiat hat derzeit nur noch der Volkswagen-Konzern mit Audi, VW, Škoda und Seat immerhin ein paar Modelle im CNG-Portfolio. Und die Spanier bringen jetzt mit dem Arona TGI auch den ersten Erdgas-SUV auf den Markt.

Ob der auf dem Ibiza basierende Seat Arona mit seiner um fünf Zentimeter erhöhten Sitzposition wirklich als SUV zählt, sei dahingestellt. Fakt ist: Optisch spielt er in der wachstumsstarken Hochbeiner-Liga mit und wenn man das Thema CNG nachdrücklich vorantreiben will, ist es nur konsequent, auch in dieser Klasse ein entsprechendes Fahrzeug anzubieten.

Angetrieben wird der 4,14 Meter lange Spanier zwar nur von einem 90 PS starken Einliter-Dreizylinder, der mit etwas mehr Leistung auch als reiner Benziner seinen Dienst tut. Doch reicht das mit 160 Newtonmeter Drehmoment ausstaffierte Turbo-Motörchen für den Kleinwagen-SUV im Grunde völlig aus, auch wenn eine Beschleunigung auf 100 km/h in 13,2 Sekunden wahrlich nicht für die Pole Position auf der Autobahn reicht. 172 km/h Spitze sind aber o.k.

Wer den Arona TGI flott bewegen möchte, muss fleißig im Sechsganggetriebe rühren. 60 auf 100 km/h im fünften Gang? Keine gute Idee, soll auf der Landstraße ein Lkw überholt werden. Hier braucht der Seat nach ADAC-Messungen lange 22 Sekunden.

Seat Arona Benziner im ADAC Test

Wie sich der Seat Arona mit konventionellem Benziner im ADAC Test schlägt, lesen Sie in unserem ausführlichen Bericht. Wir haben die 115-PS-Version unter die Lupe genommen.

Test: Seat Arona 1.0 TSI

Mit Erdgas sauber und sparsam

Apropos Benzin: Neben den drei Erdgas-Tanks hat der Arona neun Liter Benzin an Bord, für den Fall dass gerade keine CNG-Tankstelle in der Nähe ist. Wenigstens können so auf der Suche nach einer Erdgastankstelle noch 150 Kilometer zurückgelegt werden. Zwar ist das Tankstellennetz in den letzten Monaten sogar etwas geschrumpft, doch mit rund 850 Versorgungspunkten in Deutschland ist einigermaßen klarzukommen. Dennoch gibt es weiter weiße Flecken auf der Landkarte. Auf der Autobahn-Langstrecke sind jedoch keine großen Umwege nötig, hier ist das Netz dicht genug. Die Reiseplanung mit einer CNG-App oder dem Auto-Navi, das die Gas-Tankstellen kennt, ist daher nach wie vor sehr ratsam. Im Ausland fällt die CNG-Abdeckung sehr unterschiedlich aus: Während zum Beispiel in Italien die Infrastruktur gut ausgebaut ist, existieren in Frankreich gerade mal rund 80 CNG-Tankstellen.

Verbrauch im ADAC Ecotest: 4,2 kg CNG/100 km

Die Reichweite mit Erdgas ist der eigentliche Haken am Arona TGI. Zwar fällt der Durchschnittsverbrauch im ADAC Ecotest mit 4,2 kg/100 km erfreulich niedrig aus – was gleichermaßen für die gute CO₂-Bilanz gilt. Doch nach rund 325 Kilometern ist der Gasvorrat aufgebraucht. Der Fahrer kann übrigens nicht selbst zwischen den beiden Tanks wählen: Sind die Gastanks gefüllt, fährt der Arona TGI mit CNG.

Doch nicht nur der Kohlendioxid-Ausstoß ist erfreulich gering, auch Schadstoffe wie Partikel, Kohlenmonoxid oder Stickoxid fallen sehr niedrig aus. So kommt der CNG-Motor  auf insgesamt ausgezeichnete 92 im ADAC Ecotest: Das ergibt volle fünf Sterne in der Umweltwertung.

Dazu kommt der Preisvorteil: Das in Kilogramm abgerechnete CNG hat einen höheren Energiegehalt als Benzin oder Diesel und kostet gleichzeitig weniger. Mit einem Kilo Erdgas kommt man etwa so weit wie mit anderthalb Liter Benzin, zahlt dafür aber nur knapp über einen Euro; also rund 70 Cent pro Benzinliter.

Die Gastanks fassen 13,8 Kilogramm

Eine 13,8-Kilogramm-Tankfüllung schlägt beim Arona mit weniger als 15 Euro zu Buche und bei einem durchschnittlichen Normverbrauch von 3,5 Kilogramm kosten 100 Kilometer weniger als vier Euro; unser Praxis-Verbrauch lag bei knapp über vier Kilogramm.

CNG Autos sind in der Regel ein paar Tausend Euro teurer als Benziner, so dass sich ein finanzieller Vorteil häufig nur für Vielfahrer ergibt. Seat hat daher den Erdgas-Aufschlag gesenkt – beim Arona und seinem kleinen Bruder Ibiza von zuletzt 1500 auf 1000 Euro; beim Kompakten Leon TGI sank das Erdgas-Agio von 2500 auf 1500 Euro.

Die Basis-Ausstattung Reference wird für den Arona TGI leider nicht angeboten, so dass der kleine Erdgas-SUV nicht unter 19.820 Euro in der Preisliste steht. Und ein Automatik-Getriebe ist für den TGI-Arona leider auch nicht erhältlich.

In Kauf nehmen muss der CNG-Fahrer auch, dass der Kofferraum durch die großen Gastanks unter dem Fahrzeug deutlich schrumpft. Die Erdgasversion kann laut Seat rund 120 Liter weniger einpacken als die Benziner- und Dieselvarianten, was sich vor allem am nicht mehr vorhandenen doppelten Ladeboden bemerkbar macht. Nach ADAC Messungen fasst der Kofferraum lediglich 245 Liter Gepäck. Ganz perfekt ist also auch ein Arona TGI nicht.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Seat Arona 1.0 TGI herunterladen.

Ausführlicher Testbericht zum Seat Arona 1.0 TGI
PDF, 719 KB
PDF ansehen
Technische Daten (Herstellerangaben)Seat Arona 1.0 TGI Excellence
MotorDreizylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 66 kW/90 PS, 160 Nm bei 1900 U/min
Fahrleistungen13,2 s auf 100 km/h, 172 km/h Spitze
Verbrauch (nach WLTP)3,9 kg CNG/100 km, 107 g CO₂/km
MaßeL 4,14 / B 1,78 / H 1,55 m
Kofferraum282 – 1162 l
Preis21.820 €, Erdgasversion ab 19.820 €
ADAC Messwerte (Auszug)
Überholvorgang 60-100 km/h7,3 s
Bremsweg aus 100 km/h36,8 m
Wendekreis10,6 m
Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest4,2 kg CNG/100 km , 124 g CO₂/km (well-to-wheel)
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)*****
Reichweite325 km
Innengeräusch bei 130 km/h68,8 dB (A)
Leergewicht / Zuladung1280 / 430 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch245 / 615 / 1075 l
ADAC TestergebnisGesamtnote: 2,4
Karosserie/Kofferraum3,1
Innenraum2,6
Komfort2,9
Motor/Antrieb2,9
Fahreigenschaften2,7
Sicherheit2,1
Umwelt/Ecotest1,4

Das hat uns gefallen: Ordentliches Platzangebot. Solide Verarbeitung. Viele Assistenzsysteme lieferbar. Niedriger Verbrauch. Wenig CO₂ und Schadstoffe.

Das hat uns nicht gefallen: Geringe Reichweite. Eingeschränkter Kofferraum. Durchschnittliche Fahrleistungen.

Erdgas – wie geht es weiter?

So richtig in die Gänge kommt Erdgas nicht: Seit mehr als 20 Jahren werden entsprechende Fahrzeuge angeboten, mit wenig Markterfolg. Dabei könnte der Treibstoff noch umweltfreundlicher werden mit steigendem Anteil von Bio-Erdgas im CNG-Netz. Regionale Biogasanlagen-Betreiber haben bereits die Kraftstoffproduktion aufgenommen und vermarkten, frei nach der Devise "Stroh im Tank", quasi Sprit ab Werk. Wirklich Sinn hat Bio-Sprit aber nur dann, wenn er zum Beispiel aus Gülle oder Abfallstoffen gewonnen wird, und nicht aus eigens dafür großflächig in Monokultur angepflanzten Energieträgern wie Mais oder Raps.

Aktuell haben allerdings die meisten Hersteller wenig Ambitionen, das Thema CNG voranzutreiben. Sie konzentrieren ihre Investitionen lieber auf die Elektromobilität. Die könnte dem Erdgas den Garaus machen – oder CNG-Autos eine neue Chance bieten, bis E-Autos für jedermann eine Alternative sind. Fortschritte gibt es übrigens beim Schwerlastverkehr: Dort kommt das flüssig statt gasförmig gelagerte LNG zum Einsatz, und außerhalb Deutschlands gibt es bereits große Gas-Lkw-Flotten.

Hier finden Sie weitere Fahrberichte und Tests.

Text: Michael Gebhardt, Jochen Wieler