Mercedes GLC EQ: Im Test überzeugt das SUV mit kurzen Ladezeiten
Von Andreas Huber
Mit dem elektrischen GLC hat Mercedes sein beliebtes Mittelklasse-SUV unter Strom gesetzt. Das Modell nutzt Technik aus dem neuen CLA und lädt dank 800-Volt-Technik extrem schnell nach. ADAC Test, Reichweite, Bilder.
Zweites 800-Volt-Modell von Mercedes
Riesiger 39,1-Zoll-Bildschirm optional
Top: Note 1,8 im ADAC Autotest
Viel Platz, hoher Komfort und ein kräftiger Elektroantrieb: Der neue Mercedes GLC überträgt die bekannten Qualitäten der Baureihe ins Elektrozeitalter. Mit dem elektrischen GLC ist endgültig klar geworden: Elektromodelle mit Stern werden ab sofort weniger experimentell aussehen und bekommen keinen besonders abgehobenen Look mehr.
Doch es gibt auch harte Konkurrenz: Audi bietet mit seinem Q6 e-tron bereits seit 2025 ein Elektro-SUV mit 800-Volt-Technik an, BMW hat 2025 den iX3 als ersten Vertreter der Neuen Klasse vorgestellt, dem der neue BMW i3 gefolgt ist, und Volvo hat nun den EX60 im Portfolio. Ob und wie sich der Mercedes vom Wettbewerb abheben kann, zeigt der ausführliche ADAC Test.
Design: Licht und Chrom beim GLC

Mercedes setzt bei seinem neuesten Elektro-SUV nicht auf Understatement. Optional gibt es eine geschlossene Kühlermaske mit 942 leuchtenden Kacheln. Ansonsten hat auch der elektrische GLC einen beleuchteten Mercedes-Stern als Lichtsignatur in den Scheinwerfern. Je nach Ausstattung fällt die Schürze mehr oder weniger aggressiv aus.
Im Profil ähnelt der GLC EQ sehr seinem konventionell betriebenen Schwestermodell. Wie der CLA hat aber auch der GLC versenkbare Türgriffe. Am Heck sorgen beleuchtete Sterne in den R ückleuchten für einen Hingucker. Sie werden von einem geschwärzten Paneel getragen, das sich über die gesamte Fahrzeugbreite erstreckt.
Innenraum: Riesiger MBUX-Bildschirm
Mercedes zeigt im Cockpit des elektrischen GLC, was beim Infotainment alles möglich ist. Das SUV trägt optional die größte Ausbaustufe des MBUX-Hyperscreens. Auf fast einem Meter Breite erstreckt sich ein durchgängiges, 39,1 Zoll großes Display über das Armaturenbrett. Keine Spalte, keine Monitore, die bei Lichteinfall durch das Deckglas scheinen, sondern ein einzelner riesiger Touchscreen.
Das Basismodell des elektrischen GLC hat dagegen den MBUX-Superscreen, der aus drei Bildschirmen inklusive Beifahrerdisplay besteht. Die Darstellung ist flüssig, auch die Sprachsteuerung funktioniert gut. Dennoch: Die Bedienung verlangt viel Aufmerksamkeit. Zahlreiche Funktionen liegen in Untermenüs, die Bedienfelder für die Klimatisierung fallen klein aus, und für wichtige Funktionen fehlen teilweise direkte Tasten.

Gut: Der GLC hat das mit dem CLA Shooting Brake vorgestellte Multifunktionslenkrad mit "richtigen" Tasten und Bedienwalzen erhalten. Die Schwaben haben sich der Kritik aus Presse und Kundschaft also angenommen und die unpraktischen Touchflächen am Volant wieder ad acta gelegt. Das verbessert die Bedienung, beseitigt die grundsätzlichen Schwächen des displaylastigen Konzepts aber nicht.
Serienmäßig kommt das SUV mit einem Panoramaglasdach, das sich nicht öffnen lässt. Gegen Aufpreis ist es elektrisch verdunkelbar und an das Ambientelicht gekoppelt. Dann leuchten je nach gewählter Lichtfarbe die entsprechenden Sterne im Dachhimmel.
Der Innenraum-Eindruck passt
Dass der GLC eine Klasse höher als der CLA spielt, wird im Innenraum besonders klar. Hier gibt es wieder viele aufgeschäumte Flächen und weniger Hartplastik. Stoff, Leder bzw. Ledernachbildung, Holzeinlagen und strukturierte Kunststoffe erzeugen einen wertigen Eindruck.
Allerdings hört sich die Mittelkonsole beim Klopfen etwas hohl an. Besonders stark macht sich das bei GLC-Modellen mit Holzdekor bemerkbar, bei den AMG-Line-Versionen fällt dieser Punkt weniger schwer ins Gewicht. Hochglanzflächen sind zudem anfällig für Fingerabdrücke, einzelne Kunststoffteile knarzen bei kräftigem Druck.
Viel Platz, aber weniger Kofferraum als versprochen
Das Raumangebot gehört zu den Stärken des elektrischen GLC. Selbst sehr große Personen finden vorn und hinten ausreichend Bein- und Kopffreiheit. Zwei Erwachsene sitzen im Fond großzügig, für drei Personen nebeneinander wird es auf längeren Strecken jedoch eng. Der mittlere Sitz ist schmal und hat eine relativ harte Lehne.
Beim Kofferraum bleiben die ADAC Messwerte unter den Herstellerangaben. Unter dem Gepäckraumrollo fasst der GLC 470 Liter, bei vollständig umgeklappter Rückbank maximal 1410 Liter. Mercedes nennt 570 bzw. 1740 Liter. Hinzu kommt ein 90 Liter großer Frunk unter der Fronthaube. Die gebremste Anhängelast beträgt beachtliche 2400 Kilogramm.
Intelligente Luftfederung für den GLC

Für Komfort sorgt optional ein Luftfahrwerk, das auch auf Car-to-X-Daten zurückgreift. Vorausfahrende Mercedes-Modelle können Straßenunebenheiten wie Bodenschwellen in die markeneigene Cloud hochladen. Andere Fahrzeuge können ihr Fahrwerk dann bereits vor der Unebenheit darauf einstellen.
Im ADAC Test bietet das Luftfahrwerk sehr hohen Komfort, ohne deutliche Nachteile bei den Fahreigenschaften. Selbst Querfugen oder Gullydeckel schluckt es trotz der großen Räder gut weg. Im Komfortmodus wippt der Aufbau auf Bodenwellen leicht nach, im Sportmodus ist der GLC besser gedämpft, ohne unangenehm straff zu werden.
Damit der 4,85 Meter lange GLC auch in der Stadt leicht zu manövrieren ist, bietet Mercedes gegen Aufpreis eine Hinterachslenkung an. Sie schlägt je nach Fahrzustand bis zu 4,5 Grad mit oder gegen die Fahrtrichtung ein. Der Wendekreis beträgt damit 11,10 Meter. Ohne Hinterachslenkung ist es knapp ein Meter mehr.
Akku und Laden: 330 kW Ladeleistung

Dank 800-Volt-Technik ist der GLC bereit für extrem schnelles Laden. Mercedes gibt für den GLC 400 4Matic eine maximale Ladeleistung von 330 kW an. Im ADAC Test erreichte das SUV in der Spitze 296 kW.
Der GLC lädt von 10 auf 80 Prozent in 23 Minuten. Die durchschnittliche Ladeleistung in diesem Bereich betrug 194,9 kW. Das bedeutet: Nach 10 Minuten hatte der GLC Energie für rechnerisch 247 Kilometer nachgeladen, nach 20 Minuten waren es 403 Kilometer. Nicht schlecht.
An öffentlichen Wechselstrom-Ladesäulen zieht der GLC serienmäßig bis zu 11 kW Strom. Eine vollständige Ladung dauert damit bei der netto 94 kWh fassenden Batterie rund 10,5 Stunden. Einkalkulieren sollte man daher dringend die 22-kW-Option: Dadurch verkürzt sich die Ladezeit auf etwa 5 Stunden. Bidirektionales Laden ist ebenfalls vorbereitet.
Großes Manko: Serienmäßig kann der GLC nicht an älteren 400-Volt-Schnellladesäulen laden. Die dafür notwendige Zusatzoption kostet 655 Euro.
Reichweite: 559 Kilometer im ADAC Test
Im ADAC Test verbrauchte der GLC einschließlich Ladeverlusten 20,4 kWh je 100 Kilometer. Auf Grundlage dieser Messung ergibt sich mit der nutzbaren Batteriekapazität von 94 kWh eine Reichweite von 559 Kilometern.
Fahreindruck: Kraftvoll und komfortabel

Der GLC 400 4Matic ist mit seinen 360 kW Systemleistung mehr als ausreichend motorisiert. Traktionsprobleme sind für den Schwaben ein Fremdwort. Egal ob aus dem Stand oder beim Zwischenspurt auf der Autobahn, die beiden E-Maschinen befördern die rund 2,5 Tonnen schwere Fuhre schnell auf Tempo.
Mercedes gibt für den Sprint von 0 auf 100 km/h 4,3 Sekunden an. Im ADAC Test beschleunigte der GLC von 60 auf 100 km/h in 2,1 Sekunden und von 80 auf 120 km/h in 2,7 Sekunden. Damit bietet der Elektroantrieb auch bei Zwischenspurt reichlich Reserven.
Trotz eines gemessenen Leergewichts von 2546 Kilogramm fährt sich der GLC souverän. Im ADAC Ausweichtest bleibt er stabil und gut beherrschbar. Im Grenzbereich geht er zunächst ins Untersteuern über, das ESP hält ihn dabei sicher auf Kurs.

Für einen komfortorientierten Mercedes ist das Lenkverhalten angenehm straff. Die Lenkung arbeitet präzise, wirkt in ihrer Rückmeldung allerdings etwas entkoppelt.
Besonders gut fällt die Bremsleistung aus. Aus 100 km/h steht der GLC im Mittel bereits nach 32,4 Metern. Weniger überzeugend sind das synthetische Bremspedalgefühl und die teilweise holprig arbeitende adaptive Rekuperation.
Niedriges Geräuschniveau
Das Geräuschniveau ist im GLC angenehm niedrig. E-Auto-typisch hört man den Antrieb fast gar nicht, auch die Abrollgeräusche halten sich in Grenzen. Bei 130 km/h wurden im Innenraum 64,0 dB(A) gemessen. Damit bewegt sich der GLC auf Oberklasseniveau. Bei höherem Tempo waren im Testwagen allerdings Windgeräusche im Bereich des Panoramaglasdachs zu hören. Insgesamt passt die gute Geräuschdämmung aber zum komfortorientierten Charakter des Fahrzeugs.
Zweigang-Getriebe auch im elektrischen GLC

Bei seinen aktuellen Elektroautos setzt Mercedes auf permanenterregte Synchronmaschinen. Auf der Hinterachse statten die Stuttgarter diese mit einem Zweigang-Getriebe aus, das den Motor je nach Anforderung im günstigen Drehzahlbereich halten soll. Das erlaubt eine bessere Beschleunigung beim Losfahren und mehr Effizienz auf der Autobahn.
Beim Wechsel zwischen den beiden Gängen ist allerdings eine leichte Zugkraftunterbrechung spürbar. Die Allradmodelle erhalten auf der Vorderachse neben dem Motor eine Trenneinheit, die ihn bei geringem Leistungsbedarf von der Vorderachse abkoppeln kann. Damit sollen Schleppverluste vermieden werden.
Fazit
Der getestete GLC 400 EQ Avantgarde 4Matic kostete einschließlich Sonderausstattung 88.399 Euro. Das Einstiegsmodell des elektrischen GLC, der GLC 250 mit 85-kWh-Batterie, ist ab rund 65.000 Euro zu haben.
Für das viele Geld bekommt man ein wirklich gutes Elektroauto. Die Verarbeitungs- und Materialqualität liegt auf hohem Niveau, das optionale Luftfahrwerk besticht mit hervorragendem Komfort, die optionale Hinterachslenkung macht den Wagen wendig. Die Fahrleistungen sind auf Sportwagenniveau, Reichweite und Ladeleistung fallen sehr gut aus, und der Nutzwert mit viel Platz, großem Kofferraum und hoher Anhängelast (bis zu 2,4 Tonnen) ist top. Dank der großen 94-kWh-Batterie ist auch die Reichweite von 559 Kilometern alles andere als kritikwürdig.
Das hat uns gut gefallen: gute Verarbeitung, sehr hohe Anhängelast, sehr komfortables Luftfahrwerk, sehr gute Fahrleistungen, gute Fahreigenschaften, sehr kurzer Bremsweg
Hier gibt es noch Verbesserungsbedarf: Laden mit 400 V nur gegen Aufpreis möglich, ablenkungsintensive Bedienung, mäßige Verkehrszeichenerkennung, hoher Preis
Mercedes GLC EQ: Technische Daten und Preis
Technische Daten (Herstellerangaben) | Mercedes-Benz GLC 400 elektrisch Avantgarde 4MATIC (ab 03/26) |
|---|---|
Motorart | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 360 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 489 |
Drehmoment (Systemleistung) | 800 Nm |
Antriebsart | Allrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 4,3 s |
Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 673 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km |
Stromverbrauch kombiniert (WLTP) | 15,8 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Netto) in kWh | 94,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:11,0-22,0 DC:330,0 |
Kofferraumvolumen normal | 570 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.740 l |
Leergewicht (EU) | 2.535 kg |
Zuladung | 505 kg |
Anhängelast ungebremst | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 2.400 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.845 mm x 1.913 mm x 1.644 mm |
Grundpreis | 72.471 Euro |
ADAC Messwerte
| ADAC Messwerte (Auszug) | Mercedes GLC 400 EQ Avantgarde 4Matic |
|---|---|
Überholvorgang 60–100 km/h | 2,1 s |
Bremsweg aus 100 km/h | 32,4 m |
Wendekreis | 11,1 m |
ADAC Testverbrauch | 20,4 kWh / 100 km |
Reichweite | 559 km |
Innengeräusch bei 130 km/h | 64,0 dB(A) |
Leergewicht / Zuladung | 2546 / 494 kg |
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch | 470 / 900 / 1410 l |
Fahrzeugbreite inkl. Außenspiegel | 2,10 m |
ADAC Testnoten
ADAC Testergebnis | Mercedes-Benz GLC 400 elektrisch Avantgarde 4MATIC (ab 03/26) |
|---|---|
Karosserie | 2,2 |
Innenraum | 2,0 |
Komfort | 1,8 |
Antrieb | 1,1 |
Fahreigenschaften | 1,5 |
Sicherheit | 1,4 |
Umwelt | 2,7 |
Gesamtnote | 1,8 |
sehr gut
0,6 - 1,5
gut
1,6 - 2,5
befriedigend
2,6 - 3,5
ausreichend
3,6 - 4,5
mangelhaft
4,6 - 5,5
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