Mercedes EQS im Test: So brillant schlägt sich der Luxus-Stromer

Der Mercedes EQS ist im ADAC Test das beste Elektroauto der Oberklasse – eine Elektro-Luxuslimousine, die technisch Maßstäbe setzt. Verkaufen lässt sich das Stuttgarter Flaggschiff jedoch schlecht. Und das liegt nicht allein am hohen Kaufpreis.
Mercedes EQS 450+: Bestes E-Auto der Oberklasse
Bestes E-Auto für die Langstrecke im Winter
Absatz auf enttäuschendem Niveau
Mit dem Mercedes EQS wollte man in Stuttgart richtig durchstarten. Technisch ist das auch gelungen. Was den Verkaufserfolg angeht, sind die Ambitionen mit der elektrischen Luxuslimousine jedoch mehr oder weniger gescheitert. Im Folgenden lesen Sie, warum der Mercedes EQS einen BMW i7 und einen Lucid Air hinter sich lässt. Und warum er bei Kunden trotzdem nicht so recht landet.
Mercedes EQS: Drama beim Absatz
Die Absatzzahlen für den Mercedes EQS sind im freien Fall. Gab es im Jahr 2023 immerhin 2962 Zulassungen in Deutschland, wurden 2025 nur noch 1307 Exemplare verkauft. Auch weltweit sieht es für den Mercedes EQS alles andere als rosig aus. Der US-Markt schottet sich mit Zöllen ab. Der China-Markt bricht weg. Und es gibt hierzulande zunehmend Preis-Konkurrenz von Marken wie BYD, Genesis, Nio oder Xpeng.
Als Kritikpunkt immer wieder zu hören über den EQS: dass sich vorn Sitzende durch die mächtige Armaturenlandschaft eingeengt fühlen und die Luftigkeit einer konventionellen S-Klasse fehlt – eventuell ein Ausschlussgrund. Möglich auch, dass das extrovertierte Design des Mercedes EQS Kunden eher abgeschreckt als begeistert hat. Nun findet die EQS-Produktion jedenfalls nur noch im reduzierten Einschichtbetrieb statt. Das hat man sich bei Mercedes anders vorgestellt.
Dabei ist die im EQS verbaute Technik weitgehend über alle Zweifel erhaben: Nicht von ungefähr ist der EQS im ADAC Test das beste Elektroauto in der Oberklasse. Mit der Note 1,6 eines der besten E-Autos überhaupt, und außerdem Reichweitenkönig, wenn es auf Langstrecke im Winter geht.
Im Test: Mercedes EQS 450+

Da sich mit einer großen Mercedes-Benz-Limousine viele Kilometer entspannt abspulen lassen, kommt der Reichweite eine besondere Bedeutung zu. Die nutzbare Batteriekapazität beträgt seit dem Modelljahr 2024 enorme 118 kWh. Eine volle Batterie erlaubt nach ADAC Messungen eine Reichweite von sehr guten 660 Kilometern. Selbst im Winter bietet der Antrieb noch genug Reserven, um über 500 Kilometer weit zu kommen.
Das ist umso beachtlicher, als der Luxusliner von Mercedes schon unbeladen rund 2,5 Tonnen auf die Waage bringt. Voll beladen dürfen es – mit 628 Kilo Zusatzgewicht – mehr als drei Tonnen sein. Was für ein Brummer!
Der gemessene Verbrauch im ADAC Testzyklus beträgt durchschnittlich 20,0 kWh – inklusive der Ladeverluste. Auch das ist ein Wert, der angesichts der Größe und des Gewichts des Fahrzeugs mehr als in Ordnung geht. Besonders merkenswert: Der Verbrauch steigt selbst bei zügiger Fahrt auf der Autobahn nicht dramatisch nach oben.
Hier macht sich der niedrige Luftwiderstand von nur 0,20 cw bemerkbar, der zur bogenförmigen Silhouette des EQS geführt hat. Die gute Effizienz des Antriebs dürfte weiterhin aus den technischen Maßnahmen hinsichtlich des Batterie- und Wärmemanagements resultieren.
Ein nicht minder wichtiger Aspekt ist, wie schnell sich der Akku, beim Autobahnstopp etwa, wieder füllen lässt. Die maximale Ladeleistung von 212 kW reduziert sich naturgemäß mit steigender Batterieladung, liegt zwischen 10 und 80 Prozent aber immer über 100 kW und im Schnitt bei 181 kW. Wer 20 Minuten an einer High-Power-Säule auflädt, hat zusätzliche Energie für 365 Kilometer an Bord. Damit rangiert der Mercedes EQS auf dem guten fünften Platz im Ranking der besten Schnelllader.
Elektro-Limousine mit Platz und Komfort

Wie es sich für eine Luxuslimousine gehört, die 100.000 Euro und mehr kostet, wollen sich die Insassen sich darin geborgen und bestmöglich verwöhnt fühlen. So nimmt der Wagen seinem Fahrer gegen Aufpreis sogar das Türzuziehen ab. Man setzt sich hinein, berührt den Sensor am Türgriff oder drückt den Startknopf – und wie von Zauberhand schließt sich das Fahrzeug.
Das Platzangebot ist sehr gut. Laut ADAC Messung sitzen vorn Personen bis 2 Meter bequem, die Beinfreiheit würde hinten sogar für Menschen bis 2,20 Meter Körpergröße reichen – wenn nicht die vergleichsweise geringe Kopffreiheit wäre. Bei 1,90 Meter Körpergröße ist hinten Schluss.
Zudem ist es so, dass sich die Kombination aus hoher Seitenlinie, niedriger Dachlinie inklusive dunklem Himmel, wuchtiger Mittelkonsole und dem insgesamt sehr ausladenden Armaturenbrett negativ auf das subjektive Raumgefühl auswirkt. Um dem entgegenzuwirken, ist es ratsam, das Panoramaglasdach als Extra zu ordern.
Im Kofferraum finden nach ADAC Messung 475 Liter Platz. Ohne Rollo kann man bis zu 635 Liter nutzen. Alternativ lassen sich dann auch bis zu zwölf Getränkekisten unterbringen. Bei umgeklappten Rücksitzen erweitert sich der Stauraum auf 1550 Liter. Einen Teil des Kofferraumbodens kann man außerdem aufklappen und darunter weitere 35 Liter Volumen verstauen, zum Beispiel das AC-Ladekabel.
Uneingeschränktes Lob verdient die serienmäßige Luftfederung, deren Komfort schlichtweg hervorragend ist. Die Federung spricht bei niedrigen Geschwindigkeiten sensibel auf Bodenunebenheiten an, mit steigender Geschwindigkeit schwebt der EQS regelrecht über den Asphalt – für zügiges Reisen auf langer Strecke ist der Wagen schließlich konzipiert. An Verstellmöglichkeiten des Fahrwerks gibt es die Modi "Comfort" und "Sport", aber unkomfortabel wird der große Stromer nie.
Elektroantrieb absolut souverän

Abgesehen davon, dass der Antrieb flüsterleise ist, ist er auch absolut souverän im Hinblick auf die Fahrleistungen. Nicht einmal ein Surren des Elektromotors dringt ans Ohr. Und der Motor zieht im Bedarfsfall mit 568 Nm Drehmoment an, gibt seine Leistung gleichmäßig ab und drückt auch auf der Autobahn den Benz noch vehement voran.
Die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h ist in 6,2 Sekunden erledigt, die Höchstgeschwindigkeit wird erst bei 210 km/h elektronisch abgeregelt. Und so bekommt der EQS 450+ in diesem Testkapitel die Note 0,9, für Getriebe und die Funktionalität bei der Rekuperation gibt es sogar eine 0,7 – bei 0,6 hört die ADAC Bewertungsskala auf.
Die Fahrstabilität des großen Stromers ist ebenfalls erstklassig. Den ADAC Ausweichtest meistert der EQS vollkommen problemlos und in Anbetracht der Fahrzeugabmessungen und des Gewichts erstaunlich schnell. In Sachen Agilität wirkt sich die Allradlenkung aus: Weil die Hinterräder der Fahrsituation entsprechend mit- oder gegenlenken, fühlt sich die mehr als fünf Meter lange Luxuslimousine beinahe so handlich an wie ein Kompaktwagen.
Der Bremsweg aus einer Geschwindigkeit von 100 km/h kann mit 33,8 Meter bis zum Stillstand vollauf überzeugen. Die zweieinhalb Tonnen schwere Luxuslimousine liegt damit auf Sportwagenniveau. Nur fühlt sich das Bremspedal leider etwas teigig an.
Bildergalerie: Der EQS im Detail

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Viel Multimedia-Ausstattung
Beim Thema Multimedia durften die Entwickler aus dem Vollen schöpfen. Konkret ist der EQS serienmäßig mit einem füllig klingenden Audiosystem samt FM-/Digitalradio, Bluetooth-Freisprecheinrichtung inklusive Audiostreaming sowie Apple CarPlay und Android Auto (beides kabellos) ausgestattet.
Der WLAN-Hotspot ist an Bord, sofern ein Internetvertrag abgeschlossen wurde, dazu ein Navigationssystem mit Live-Informationen zu Parkplätzen (Preise, Öffnungszeiten) und Ladesäulen (Verfügbarkeit, Leistung und Preis) sowie Online-Dienste und Remote-Funktionen via Smartphone.
Für die hinteren Insassen gibt es optional ein Entertainment-System mit zwei 11,6 Zoll großen Displays, die jeweils an den vorderen Sitzen befestigt sind. Passend dazu ist gegen Mehrpreis ein TV-Tuner und entweder das Advanced Soundsystem mit 11 Lautsprechern und 225 Watt Systemleistung oder das Burmester-Surround-Soundsystem mit 15 Boxen und 710 Watt Leistung verfügbar.
Gegen Aufpreis ist ein in den Innenspiegel integrierter Garagentoröffner erhältlich, der bis zu drei Tür- und Torsysteme steuern kann. Das Park-Paket bietet die Möglichkeit, den EQS ferngesteuert zu parken. Mit der Memory-Park-Funktion lässt sich eine Fahrstrecke aufzeichnen, die der Benz wieder automatisch abfahren kann. Die erweiterte Sprachsteuerung beherrscht auch komplexe Anliegen. Allerdings "überlegt" sie oftmals recht lange.
Bedienung mit Mängeln im Elektro-Mercedes
Der EQS beeindruckt mit einem fast über die gesamte Fahrzeugbreite reichenden Hyperscreen, welcher aus drei nahezu nahtlos verbundenen Bildschirmen besteht. Kern des Bediensystems ist das Display in der Mitte, das sich entweder direkt per Berührung oder alternativ mittels der Touchflächen am Multifunktionslenkrad bedienen lässt. Der Beifahrer hat einen eigenen Bildschirm, über den er vor allem Infotainmentfunktionen steuern kann.
Das Touchscreen-Konzept folgt allerdings dem Mainstream, wodurch sich der EQS während der Fahrt alles andere als zielsicher und ablenkungsarm bedienen lässt. Der immense Funktionsumfang sowie verschachtelte Menüs haben zur Folge, dass man den Blick zu oft und zu lange von der Straße abwenden muss. Der linke Bildschirmrand wird zudem vom Lenkradkranz verdeckt, sodass man sich hier zur Einsicht nach rechts beugen und vom Fahrgeschehen abwenden muss. Es fehlen ein klassischer Drehregler für die Lautstärke sowie praktische Direktwahltasten für die gängigsten Hauptfunktionen (Navigation, Radio, Telefon etc.).
Selbst Standardaufgaben wie das Einstellen von Klimatisierung oder Sitzheizung werden für Ungeübte zur Herausforderung. Zwar ist die Klimabedieneinheit stets gut sichtbar am unteren Bildschirmrand eingeblendet, aber es fehlt die haptische Rückmeldung bei der Bedienung. Detaileinstellungen erfordern ein aufmerksames Studieren des Displays. Die Handhabung des Multifunktionslenkrads leidet merklich unter den ausschließlich berührungsempfindlichen Bedienflächen. Fehlbedienungen und damit eine erhöhte Ablenkung vom Verkehr sind unvermeidlich.
Gut: Das Kombiinstrument bietet dem Fahrer verschiedene Darstellungsmöglichkeiten und lässt sich einwandfrei ablesen. Beim Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion werden optische Hinweise wie Abbiegepfeile in einem virtuellen Abstand von 10 Metern vor dem Fahrzeug eingeblendet und verschmelzen mit der realen Umgebung.
Assistenten: Auf Nummer sicher

Mercedes-Benz versteht sich in Sachen Fahrsicherheit als führend. Stets findet man einen aktiven Bremsassistenten an Bord. Dieser beinhaltet einen Abstands- und Kollisionswarner sowie ein Notbremssystem und erkennt auch Fußgänger und Radfahrer. Eine Müdigkeitserkennung mit Sekundenschlafwarner, ein Geschwindigkeitsbegrenzer und ein Abstandsregeltempomat sind ebenso Bestandteil der Grundausstattung wie der Assistent zum Halten der Fahrspur. Der Benz erkennt beim Rückwärtsfahren auch querenden Verkehr und bremst wenn nötig automatisch.
Gegen Aufpreis gibt es einen Kreuzungs- und Ausweichassistenten, der ebenso Kollisionen vermeiden soll wie die Ausstiegswarnung, die im Stillstand auf von hinten herannahende Fahrzeuge und Fahrräder aufmerksam macht. Bestandteil des Fahrerassistenz-Pakets Plus ist der aktive Spurwechselassistent, der dafür sorgt, dass das Auto bis Tempo 180 nach Antippen des Blinkers sicher die Spur wechselt.
Eine Extra-Stufe höher erfolgt der Spurwechsel vollautomatisch: Wenn man sich im Geschwindigkeitsbereich zwischen 80 und 140 km/h befindet, kann der EQS selbstständig das Überholen eines langsameren vorausfahrenden Fahrzeugs erkennen und durchführen. In der höchsten Stufe ist mit dem DRIVE PILOT (rund 8900 Euro Aufpreis) hochautomatisiertes Fahren (Level 3) auf der Autobahn möglich. Das System erlaubt es bis 95 km/h und bei passenden Umgebungsbedingungen, dass sich der Fahrer ohne Hand am Lenkrad chauffieren lässt.
Fazit: Komfortgleiter mit hoher Reichweite

Der Mercedes EQS zeigt an vielen Stellen, was technisch möglich ist. Er glänzt mit Komfort, Reichweite und einer für diese Fahrzeugklasse bemerkenswerten Effizienz. Im Test erreichte der Stuttgarter Stern die Top-Technik-Note von 1,6. Damit rangiert er gemeinsam mit dem Porsche Taycan 4S Performance auf Platz 1 im ADAC Ranking für Elektroautos der Oberklasse.
Das hat uns gefallen: Gutes Platzangebot, kleiner Wendekreis, kraftvolle und effiziente Antriebseinheit, hervorragender Fahrkomfort, hohes Sicherheitsniveau
Das hat uns nicht gefallen: Ablenkungsintensives Bediensystem, schlechte Rundumsicht, sehr hohe Preise und Unterhaltskosten, bescheidene Anhängelast von 750 Kilogramm, kein ebener Boden nach Umlegen der Rücksitzlehnen
Mercedes EQS: Technische Daten, Preis
Technische Daten (Herstellerangaben) | Mercedes-Benz EQS 450+ AMG Line (ab 04/24) |
|---|---|
Motorart | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 265 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 360 |
Drehmoment (Systemleistung) | 568 Nm |
Antriebsart | Hinterrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 6,2 s |
Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 816 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 16,5 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Netto) in kWh | 118,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:11,0-22,0 DC:200,0 |
Kofferraumvolumen normal | 610 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.770 l |
Leergewicht (EU) | 2.545 kg |
Zuladung | 565 kg |
Anhängelast ungebremst | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 750 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 5.223 mm x 1.926 mm x 1.512 mm |
Grundpreis | 111.931 Euro |
ADAC Messwerte
| ADAC Messwerte (Auszug) | Mercedes-Benz EQS 450+ AMG Line |
|---|---|
Überholvorgang 60–100 km/h | 2,8 s |
Bremsweg aus 100 km/h | 35,3 m |
Wendekreis | 11,9 m |
Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest | 20,0 kWh/100 km, 100 g CO₂/km (well-to-Wheel) |
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) | ***** |
Reichweite | 660 km |
Innengeräusch bei 130 km/h | 61,8 dB(A) |
Leergewicht / Zuladung | 2482 / 628 kg |
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch | 475 / 955 / 1550 l |
ADAC Testergebnis
ADAC Testergebnis | Mercedes-Benz EQS 450+ AMG Line (ab 04/24) |
|---|---|
Karosserie/Kofferraum | 2,5 |
Innenraum | 2,5 |
Komfort | 1,4 |
Motor/Antrieb | 0,8 |
Fahreigenschaften | 2,1 |
Sicherheit | 1,1 |
Umwelt/EcoTest | 1,5 |
Gesamtnote | 1,6 |
sehr gut
0,6 - 1,5
gut
1,6 - 2,5
befriedigend
2,6 - 3,5
ausreichend
3,6 - 4,5
mangelhaft
4,6 - 5,5
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