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Lamborghini Urus: Der Super-SUV im Fahrbericht

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Lamborghini

Der Lamborghini Urus mischt den SUV-Markt ordentlich auf – mit 650 PS, 850 Newtonmetern Drehmoment und 305 km/h Spitze. Dafür muss man allerdings mindestens 215.915 Euro übrig haben. Testfahrt, Daten, Preise.

  • Luxus-SUV mit Sportwagenqualitäten

  • Technisch ist der Urus mit dem Audi Q8 verwandt

  • Urus schnellt in 3,6 Sekunden auf 100 km/h

2020 war trotz Corona mit 7430 verkauften Autos ein erfolgreiches Jahr für Lamborghini. Auch die Absatzzahlen des Urus können sich drei Jahre nach dessen Einführung sehen lassen. Der Power-SUV knackte die Produktionsmarke von 10.000 Stück und war mit 4391 ausgelieferten Fahrzeugen das erfolgreichste Modell der Marke. Die immer noch relativ neue Aufgabe, einen SUV an den Mann zu bringen, meistert der Sportwagenhersteller recht souverän.

"Der Urus hat den Anspruch eines Top-SUV, mit Top-Fahrleistungen wie ein Supersportwagen. Wir haben die Nische in der Nische gesehen – den Super-SUV. Über 200.000 Euro teuer, plus Extras selbstverständlich", erklärte der damalige CEO Stefano Domenicali 2018 zum Urus-Start. Mittlerweile ist Stephan Winkelmann als Chef zu Automobili Lamborghini zurückgekehrt.

Der exorbitante Preis schränkt die Zielgruppe deutlich ein. Ein Lamborghini ist ein exklusives Luxusprodukt, das nicht jeder fahren kann. Wir konnten – bei der dynamischen Weltpremiere in Rom. Und das nicht nur auf den schmalen Landstraßen des Latium, sondern auch auf der Rennstrecke in Vallelunga samt anspruchsvoller und schneller Offroad-Piste.

Lamborghini Urus: Luxusambiente im Innenraum

Der erste Eindruck: Live hat der Urus äußerlich mit seinem Namensgeber Auerochse (Lamborghini würde lieber sagen: Urstier) zum Glück wenig gemeinsam. Der 5,11 Meter lange SUV wirkt mit seinem gegliederten Design wesentlich graziler als es die ersten Fotos vermittelten oder als zum Beispiel ein vergleichbarer X6. Mit ihm lässt sich auch der Innenraum nicht vergleichen: Versucht BMW im Prinzip, Plastik einfach noch ein bisschen schöner zu machen, schöpft der Urus mit Rindsleder, Alcantara und gesteppten Nähten aus dem Vollen.

Zwischen den Vordersitzen dominiert eine massive Mittelkonsole, die mit zwei lederbesetzten Streben optisch das flache Armaturenbrett hält. Erkannt? Nein, das ist wirklich Insiderwissen: Diese Architektur stammt aus dem LM002, einem martialischen Geländewagen, den Lamborghini schon 1986 für das US-Militär entwickelt hat. Mit dem Zwölfzylinder aus dem Sportwagen Countach spurtete der 3,5 Tonnen schwere Pick-up damals in nur zehn Sekunden auf 100! Die Amerikaner nahmen ihn trotzdem nicht, aber immerhin 300 gut betuchte Zivilisten – meist Wüstenscheichs zum Driften im Sand.

Im Innenraum blitzt Audi durch

Eher konventionell interpretiert der Urus das Thema Bedienung: In der Mittelkonsole ein etwas überladenes Touchpad für die Klimafunktionen, ein eher kleiner zentraler Touchscreen fürs Navi sowie Entertainment und digitale Instrumente, die aber nur rudimentär konfigurierbar sind. Nicht nur in den Schriftelementen oder bei so manchem Hebel und Knopf blitzen die Audi-Gene auf, auch auf kompletten Elementen wie dem Kofferraum-Unterbau kleben noch die Ingolstädter Kontrollsticker. Aber rein technisch gesehen gibt es natürlich Schlimmeres…

Viel Platz: Der Lamborghini-SUV für Familien

Dank dem drei Meter langen Radstand haben vier oder fünf Passagiere (es gibt zwei Konfigurationen) komfortabel Platz: Vorn sitzen Personen bis 2,05 Meter Größe auf den prima konturierten Sitzen bequem und fühlen sich durch die flankierende Mittelkonsole gut im Auto integriert. Und hinten stoßen auch 1,90 Meter große Fondinsassen nicht mit dem Kopf an.

Doch spätestens das Gepäck muss dem schnittigen Design Tribut zollen. Offiziell hat der Urus-Kofferraum zwar üppige 616 Liter Packvolumen, bei umgeklappten Rücksitzlehnen sogar 1600. Wegen der hohen Ladekante und der abfallenden Dachlinie lässt er sich aber nur schlecht beladen. Das Los der Crossover-Modelle: In Form und Funktion müssen sie einfach Kompromisse schließen.

Der SUV von Lamborghini lässt sich spielerisch fahren

Ein fahrender Lamborghini Urus in der Rückansicht
Die flache Dachlinie mit den schmalen Seitenscheiben wirkt Coupé-artig ∙ © Lamborghini

Den größtmöglichen fahrdynamischen Crossover-Spagat, den man sich vorstellen kann, versucht Lamborghini mit dem Urus: 650 PS und 850 Newtonmeter Drehmoment für den Fahrer beherrschbar auf die asphaltierte Straße zu bringen und das Auto dabei gleichzeitig für Offroad-Erfordernisse mit Schlamm, Sand, Geröll, Steigungen und Wasserdurchfahrten zu ertüchtigen. Lamborghini-Cheftechniker Maurizio Reggiani erklärt: "Zu den großen Herausforderungen gehörte, das größere Gewicht und den höheren Schwerpunkt eines SUV zu minimieren. Der Urus wiegt trotz Leichtbau rund 2,2 Tonnen. Also haben wir geschaut, wie wir die Agilität verbessern können."

Dazu gehören die Hinterachslenkung, die adaptive Luftfederung und das System der Wandstabilisierung. Und tatsächlich: Dieser Spagat ist den Italienern aus St. Agatha Bolognese perfekt gelungen.

Auf den renovierungsbedürftigen Straßen rund um Rom brilliert vom ersten Kilometer an die perfekt abgestimmte adaptive Luftfederung, die die zahlreichen Schlaglöcher stoisch wegbügelt. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil auf dem Test-Urus mächtige 23-Zoll-Reifen montiert waren, die solche Straßen normalerweise mit ihrem mangelnden Federungskomfort zur Tortur machen.

Mit der leichtgängigen und trotzdem zielgenauen Lenkungsabstimmung sowie der punktgenau schaltenden Wandler-Automatik lässt sich der schwere Urus fast spielerisch bewegen.

Der Urus zeigt auf der Rennstrecke sein Potenzial

Lamborghini Urus
Fällt nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch auf der Straße auf: Der Urus ∙ © Lamborghini

Bevor es auf die Rennstrecke in Vallelunga geht, die schlechte Nachricht für alle Lamborghini-Fans, die auf den guten alten Saugmotor mit seinem linearen Drehmoment setzen: Der Urus wird von einem 4-Liter-V8-Biturbo befeuert, der im Konzern schon bei Bentley und Porsche Dienste leistet. Doch dann kommt schon die gute Nachricht: Lamborghini wäre nicht Lamborghini, hätten sie das Triebwerk nicht für ihre Zwecke stark optimiert. Mit 650 PS, 850 Newtonmetern, einer Beschleunigung in 3,6 Sekunden auf 100 stößt es in neue Leistungssphären vor.

2,2 Tonnen Leergewicht? Ist auf der Rennstrecke kein Thema. Im "Corsa"-Modus, der alle Systeme vom Ansprechverhalten von Lenkung, Bremse und Fahrwerk über die Schlupfregelung bis zum Stabilitätsprogramm schärft, legt der Urus eine Renndynamik an den Tag, mit der er so manchen Supersportwagen abhängt.

Lamborghini hat ihm dazu alles gegeben, was pistentauglich ist: permanenten Allradantrieb mit Allradlenkung, adaptive Luftfederung mit 48-Volt-Wankstabilisierung und vor allem mächtige Carbon-Keramik-Bremsen, die ihn in jeder Kurve gefühlt eine Tonne leichter machen.

Mit dem Fahrdynamikschalter "Tambour" kann der Wagen in sechs Stufen oder frei konfigurierbar nach dem persönlichen Geschmack des Fahrers oder nach den aktuellen Erfordernissen abgestimmt werden. Damit lassen sich die Motorkennung, die Schaltung des Getriebes, die Kraftverteilung an den Rädern, das Ansprechen der Lenkung sowie die Feder-Dämpfer-Arbeit des Fahrwerks ändern.

Wer will, kann sogar eine auftretende Untersteuerneigung reduzieren oder ein kontrolliertes Übersteuern zulassen. Und natürlich verändert sich je nach Einstellung der Sound: Bei "Sport" oder "Corsa" lambomäßig kernig, bei "Strada" aber für längere Strecken angenehm zurückhaltend.

Taugt der Lamborghini Urus fürs Gelände?

Ein fahrender Lamborghini Urus im Gelände
Dank Allrad, Differenzial und Torque-Vectoring wird der Urus offroad-tauglich ∙ © Lamborghini

Aber taugt so ein Rennsportler auch fürs Gelände? Jein. Ja, weil sein Allradantrieb mit dem zentralen Sperrdifferenzial und dem Torque-Vectoring in den Fahrmodi "Terra" (Offroad), "Sabbia" (Sand) oder "Neve" (Schnee) für erstaunlich präzise Traktion und Fahrbarkeit sorgt. Und nein, weil dem Urus natürlich die Geländewagen-spezifischen Hilfsmittel wie ausgeklügelte Achsverschränkungen oder steile Rampenwinkel fürs schwere Gelände fehlen.

Trotzdem: Wie der Urus sich bei unseren Offroad-Testfahrten mit hohem Tempo durch den Parcours treiben ließ, war schon erstaunlich.

Auf der Straße leichtfüßig, auf der Rennstrecke souverän und fürs Gelände nicht zu schade: Ich kenne keinen SUV, der fahrdynamisch besser ist als der Urus. Deshalb würde ich mir dieses Auto auch als Familienwagen für jeden Tag und jeden Einsatz zulegen. Zwischen mir und dem italienischen Luxus-SUV liegt allerdings die kleine Differenz von 215.915 Euro.

Lamborghini Urus: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)Lamborghini Urus

Motor

4,0-Liter-V8-Biturbomotor mit kontinuierlicher Nockenwellenverstellung

Leistung

650 PS, 850 Nm bei 2250 U/min

Antrieb/Fahrwerk

Allradantrieb, 8-Stufen-Wandlerautomatik, Allradlenkung, Sperrdifferenzial, adaptive Luftfederung mit aktiven Dämpfern, Karbon-Keramik-Bremsscheiben

Fahrleistungen

3,6 Sekunden auf 100 km/h, 305 km/h

Verbrauch (WLTP)

12,7 Liter Super Plus/100 km, CO₂: 325 g/km

Leergewicht

2197 kg

Maße

L 5,11 / B 2,02 / H 1,64 m

Preis

215.915 €