Kia Picanto Test: Gute Noten für den Kleinen im Ecotest

Der neue KIA Picanto GT Line während der Fahrt
Viel Auto auf 3,50 Meter Länge: der Kia Picanto im GT-line-Look© Kia

Kia bietet mit dem Picanto einen der immer rarer werdenden Kleinstwagen an. Beim letzten Update gab es zusätzliche Assistenzsysteme und ein modernes Entertainment-System. ADAC Test der 84-PS-Version, Daten, Bilder, Preise

  • Nur noch zwei Benziner mit 67 und 84 PS

  • X-Line-Ausstattung im SUV-Look wieder gestrichen

  • Preise: Von 16.340 bis 20.230 Euro

  • Alle Infos zum Facelift fürs Modelljahr 2024

Braucht es in der Stadt mehr als 3,60 Meter Fahrzeuglänge, vier bis fünf Sitzplätze und bis zu 845 Liter Gepäckvolumen? Sicherlich nicht. Der Kia Picanto bietet genau das – und ist damit einer der kürzesten Fünftürer, die es derzeit zu kaufen gibt.

Die seit 2017 gebaute dritte Generation des Kleinstwagens erhielt im Modelljahr 2021 eine leicht geänderte Optik, mehr Assistenzsysteme und ein neues Entertainmentsystem. Und in der damals neuen X-Line-Ausstattung machte der Konkurrent zum VW Up! und Renault Twingo optisch auf SUV. Inzwischen ist diese Version aber schon wieder aus den Bestellbüchern verschwunden.

Der kleine Picanto hat einen Müdigkeitswarner

der Kia Picanto in Rot von der Seite
Der Picanto verbraucht im ADAC Ecotest 5,8 Liter pro 100 Kilometer© Kia

Kia hat inzwischen die Anzahl der Ausstattungsversionen von zunächst sechs auf inzwischen nur noch zwei (Vision und GT-line) zusammengestrichen. Reichlich Assistenzsysteme gibt es zwar, aber meist nur gegen Aufpreis und teilweise nur für die teurere GT-line. Einen Kollisionswarner (optional mit Fußgängererkennung) gibt es zwar auch im Vision, das war es dann aber auch schon so fast. Denn den aktiven Spurhalteassistenten, den Spurwechselassistenten mit Totwinkelwarner und Querverkehrswarner (bei Automatik mit Not-Stopp) oder den Müdigkeitswarner gibt es nur in der GT-line und meist im Assistenz-Plus-Paket für 790 Euro extra.

Die Rolle des kleinen Wilden soll nun nach dem Abgang des X-Line-Picanto offenbar die zuletzt optisch modifizierte Version GT-line übernehmen. Sie ist laut Kia stärker an die größeren GT-Modelle der Marke angelehnt, Front und Heck wurden überarbeitet, bulligere Stoßfänger mit kantigerem Look sorgen für einen breiter wirkenden Auftritt des Picanto.

Kia Picanto mit simpler Bedienung

Mit den bauartbedingt beengten Platzverhältnissen in der zweiten Reihe des kleinen Innenraums kann man leben. Und in der ersten Reihe genießen Fahrer und Beifahrer für diese Klasse relativ viel Bewegungsfreiheit. Eingeengt fühlt man sich auch bei fast 1,90 Meter Körpergröße nicht. Das Raumempfinden im Picanto ist aufgrund der vergleichsweise üppigen Kopffreiheit auch im Fond gut. Auf der Rückbank wird es aber nach vorne und seitlich doch ziemlich eng: Sind die Vordersitze für 1,85 Meter große Personen eingestellt, wird es dahinter schon ab einer Größe von etwas über 1,60 Meter für die Knie knapp.

Kleiner Kofferraum beim Kia Picanto

Für den Einkauf reicht der variable Kofferraum. In Standardkonfiguration fasst er laut ADAC Messung unter der Kofferraumabdeckung 180 Liter. Nutzt man den Stauraum bis zum Dach, stehen 240 Liter zur Verfügung. Wegen des schmalen Formats kann man nur zwei Getränkekisten unterbringen. Klappt man die Rückbank um und beschränkt sich auf den Stauraum bis zur Fensterunterkante, lassen sich bis 480 Liter verstauen. Unter Ausnutzung des kompletten Raums hinter den Vordersitzen ist ein Volumen von bis zu 845 Litern verfügbar.

Die Bedienelemente liegen in Griffweite und sind logisch angeordnet, auch der Touchscreen lässt sich einfach und schnell bedienen. Das Bedienteil der Klimaautomatik ist zwar simpel und übersichtlich aufgebaut, aber recht tief platziert. Die etwas zu kurzen Sitzflächen mit zu wenig Seitenhalt stören die sonst ungetrübte Fahrfreude auf längeren Strecken. Angesichts des harten, nicht geschäumten Kunststoffs an Armaturenträger und Türverkleidung kommt das Gefühl auf, dass die Auswahl der Materialien im Interieur den Testwagenpreis von 23.100 Euro nicht angemessen repräsentiert.

Test: Mit 84 PS ausreichend motorisiert

Kia bot für den Picanto anfangs drei unterschiedliche Motoren an. Als Basis dient ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 67 PS, der mal ab 10.750 Euro kostete, inzwischen stieg der Preis auf heftige 16.340 Euro. Bisher bestellten rund die Hälfte aller Picanto-Fahrer dieses Aggregat. In Verbindung mit dem manuellen Getriebe bietet er allerdings nur vier Sitzplätze.

Den Top-Benziner mit 100 PS hat Kia geopfert. Für Gebrauchtkäufer interessant: Er treibt den Kleinstwagen erwartbar flott an. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Kia dann in 10,3 Sekunden auf 100 km/h, die Spitze liegt bei 180 km/h.

Den 1,2-Liter-Vierzylinder mit 84 PS, der mittlerweile mindestens 17.040 Euro kostet, hat der ADAC ausführlich getestet. Er schafft trotz der nur 1008 Kilo Leergewicht keine zügigen Fahrleistungen. Seine 120 Nm Drehmoment liegen erst bei recht hohen 4200 U/min an. Soll es einigermaßen vorangehen, muss man das Aggregat also kräftig hochdrehen. Den Sprint von 60 auf 100 km/h absolviert der Kleinstwagen in 8,8 Sekunden, von 80 auf 120 km/h geht es in gemächlichen 12,5 Sekunden. Überholvorgänge sollten also gut geplant sein.

Dabei gefällt der kleine Saugmotor mit gutem Ansprechen auf Gaspedalbefehle und einer guten Laufruhe. Der Verbrauch des Picanto liegt im ADAC Ecotest bei 5,8 Litern Super pro 100 Kilometer. Bei der Schadstoff-Bewertung fährt er die sehr gute Note 1,2 ein, lediglich die CO-Werte im Autobahnzyklus und die Partikelemissionen beim Kaltstart sind etwas erhöht. Dafür bekommt der Picanto 1.2 vier von fünf möglichen Ecotest-Sternen und gehört somit zu den empfehlenswerten Fahrzeugen.

Automatik auch für den Basismotor

Wer aufs Schalten verzichten will, kann auch beim Basismotor die Gänge automatisch wechseln lassen. So lässt sich der 67-PS-Motor wie auch der 84-PS-Vierzylinder nun optional mit einem automatisierten Schaltgetriebe ausstatten.

Nur noch zwei statt sechs Ausstattungsstufen

Kia bot für den Picanto ursprünglich sechs Ausstattungsvarianten an. Diese Modellpolitik hat sich angesichts von Lieferproblemen und sonstiger Probleme im Markt offenbar als zu ambitioniert erwiesen. Der deutsche Importeur hat reagiert und die Auswahl auf zwei Varianten verkleinert. Das sorgt für serienmäßig reichlich Ausstattung, etwa mit einem Digitalradio, einem Touchscreen mit acht Zoll messender Bildschirmdiagonale, Apple CarPlay und Android Auto, für Klimaautomatik, eine Sitzheizung vorne und ein beheizbares Lederlenkrad.

Mit dabei: Verkehrsinformationen in Echtzeit, Wettervorhersage, lokale Suche, Parkmöglichkeiten sowie Abrufen von Fahrzeug-Infos mittels der Kia-App UVO Connect. Die Daten gleicht das System mit einer Cloud ab, so dass sie immer aktuell sind, auch bei einer Stauprognose. Außerdem lässt sich eine Route zu Hause auf dem Smartphone planen und direkt ins Auto übertragen. Die Kalenderfunktion des Smartphones lässt sich mit dem Navigationssystem verknüpfen. Per "Valet-Modus" können der Bildschirm gesperrt und Fahrdaten erhalten werden, wenn der Picanto einer fremden Person überlassen wird.

Zusätzlich können Passagiere zwei Smartphones gleichzeitig per Bluetooth verbinden, bequem über Android Auto und Apple CarPlay: Eines zum Telefonieren oder für Multimediazwecke, das andere ausschließlich zur Multimedia-Nutzung. Erstaunlich viel Technik für einen Kleinstwagen. Mehr Auto auf 3,60 Metern Länge ist kaum möglich.

Positiven Punkten wie den sicheren und agilen Fahreigenschaften, Infotainment mit Online-Anbindung und die gegen Aufpreis gute Sicherheitsausstattung stehen allerdings die dürftige Materialqualität, ein kleiner Kofferraum und ein enger Fond, schlechte Geräuschdämmung, nicht gerade berauschende Fahrleistungen, der verbesserungswürdige Fußgängerschutz und ein hoher Einstiegspreis entgegen.

Kia Picanto 1.2 Edition 7: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Kia Picanto 1.2 GT Line (ab 07/20)

Motorart

Otto

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.197 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

62

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

84

Drehmoment (Systemleistung)

120 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

6.000 U/min

Antriebsart

Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

12,5 s

Höchstgeschwindigkeit

173 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

127 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

5,6 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

255 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.010 l

Leergewicht (EU)

983 kg

Zuladung

432 kg

Garantie (Fahrzeug)

7 Jahre oder 150.000 km

Länge x Breite x Höhe

3.595 mm x 1.595 mm x 1.485 mm

Grundpreis

19.580 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Kia Picanto 1.2 GT Line

Überholvorgang 60 – 100 km/h

8,8 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,4 m

Wendekreis

10,3 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

5,8 l Super/100 km, 158 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

600 km

Innengeräusch bei 130 km/h

72,8 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1008 / 407 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

180 / 480 / 845 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Kia Picanto 1.2 GT Line (ab 07/20)

Karosserie/Kofferraum

3,3

Innenraum

3,2

Komfort

3,4

Motor/Antrieb

3,3

Fahreigenschaften

2,7

Sicherheit

2,8

Umwelt/EcoTest

2,1

Gesamtnote

2,9
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

Mitte 2024 gibt es das nächste Facelift

Frontseitenansicht eines grün-grauen KIA Picanto GT Line im Studio
Fürs Modelljahr 2024 peppt Kia den Picanto ein bisschen auf© KIA

Der Picanto startet im Sommer 2024 im neuen Look in seine zweite Lebenshälfte. Er bekommt eine ganz neue Front im aktuellen Hightech-Markenlook samt schmalen Voll-LED-Scheinwerfern und einer verbindenden Leuchtleiste, hinten hakenförmige LED-Rückleuchten, dazu frische Farben – man könnte meinen, hier steht ein komplett neues Auto. An Abmessungen, Motorisierung und Platzangebot ändert sich allerdings wenig. Die bisherigen Motoren gibt es auch weiterhin. Im Cockpit ersetzen digitale Instrumente die herkömmlichen Ziffern und Zeiger. Die Bedienung erfolgt weitgehend über Touchflächen des acht Zoll großen Infotainmentsystems. Zu den Preisen hat sich Kia noch nicht geäußert. Klar ist aber: Sie gehen nach oben.

Text: Fabian Hoberg, Rudolf Huber mit Material von SP-X

Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.