Kia K4 im Test: Ein würdiger Nachfolger des Ceed?
Von Lorenzo Walcher

Der Kia K4 richtet sich an alle, die weiterhin einen klassischen Kompaktwagen mit Verbrennungsmotor haben möchten. Wie gut ist der Ceed-Nachfolger? Der K4 musste sich im ADAC Autotest beweisen.
Basisversion ab 28.890 Euro
Viel Platz auf 4,44 Meter Länge
Produziert wird der Kia K4 in Mexiko
Nach einer Reihe neuer Elektromodelle wie dem EV4, dem EV5 und dem PV5 hat Kia mit dem K4 wieder ein klassisches Kompaktmodell mit Verbrennungsmotor ins Portfolio genommen. Der K4 ersetzt den Ceed, während das Crossover XCeed weiter angeboten wird. Produziert wird der neue Kompakte im mexikanischen Pesquería.
Motoren: Benziner, Mildhybrid, aber kein Diesel

Das Motorenangebot umfasst mehrere Turbobenziner, teils mit Mildhybrid-Technik. Den Einstieg bildet ein 1,0-Liter-Turbobenziner mit 115 PS und manuellem Sechs-Gang-Getriebe. Denselben Motor bietet Kia auch als Mildhybrid an, dann mit Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Darüber rangiert ein 1,6-Liter-Turbobenziner, der wahlweise 150 oder 180 PS leistet und stets mit dem Doppelkupplungsgetriebe kombiniert wird.
Im ADAC Test trat der zweitstärkste K4 mit 150 PS und 250 Nm Drehmoment an. Die Fahrleistungen fallen für einen Kompaktwagen ordentlich aus. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der K4 laut Werksangabe in 9,1 Sekunden. Von 60 auf 100 km/h vergehen gemessene 4,8 Sekunden, von 80 auf 120 km/h 6,2 Sekunden. Der Kia ist damit im Alltag ausreichend kräftig motorisiert und bietet auch für Überholvorgänge genug Reserven.
Der Vierzylinder läuft kultiviert und vibrationsarm. Das serienmäßige Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet meist harmonisch, zeigt beim Anfahren aber gelegentlich eine Verzögerung beim Einkuppeln. Auch der Rückwärtsgang reagiert spürbar verzögert. Im normalen Fahrbetrieb arbeitet das Getriebe aber unauffällig, die kleinen Schwächen fallen vor allem beim Rangieren und Anfahren auf.
Markanter Look mit praktischen Einschränkungen

Was noch rasch auffällt beim Fahren: Die Rundumsicht nach hinten ist nur mäßig. Das liegt unter anderem an der Karosserieform und den breiten hinteren Säulen. Eine Rückfahrkamera ist daher ein besonders sinnvolles Ausstattungsdetail.
Auffällig sind beim K4 auch die in der C-Säule versenkten Türgriffe der hinteren Türen. Rückfahrkamera und Heckwischer sind unauffällig untergebracht, der Dachkantenspoiler sorgt für ein sportlich wirkendes Heck.
Die GT-Line (zu sehen auf den Bildern im Artikel) setzt zusätzlich auf schwarze Anbauteile und bietet eine auffällige Farboption namens Sparkling Yellow. Der getestete Spirit wirkt zurückhaltender, übernimmt aber die grundsätzliche Formensprache des neuen Modells.
Verarbeitung: Solide, aber nicht hochwertig

Die Karosserie des Kia K4 ist ordentlich verarbeitet, die Spaltmaße wirken sauber, und auch der Innenraum macht einen soliden Eindruck. Die Materialauswahl bleibt jedoch im Rahmen der Kompaktklasse. Viele Flächen bestehen aus Hartplastik, ohne dass der Innenraum dadurch billig wirkt. Positiv fällt auf, dass Kia auf große Klavierlackflächen weitgehend verzichtet. Das kommt der Alltagstauglichkeit zugute, weil die Oberflächen weniger empfindlich gegenüber Fingerabdrücken und Kratzern sind.
Der Kofferraum ist an den Seiten mit Teppich verkleidet und insgesamt zweckmäßig ausgeführt. Eine hochwertige Premium-Anmutung sollte man jedoch nicht erwarten.
Fahrverhalten: Sicher und komfortabel statt sportlich

Der Kia K4 sieht dynamisch aus, fährt sich im ADAC Test aber weniger sportlich, als sein Äußeres vermuten lässt. Seine Abstimmung ist ausgewogen und komfortorientiert. Das Fahrwerk mit Mehrlenker-Hinterachse verarbeitet stattdessen lange Wellen und viele Alltagsunebenheiten souverän.
Bei schnellen Richtungswechseln bleibt der K4 sicher beherrschbar. Im ADAC Ausweichtest zeigt er ein stabiles Verhalten, das ESP greift wirksam ein. Die Lenkung arbeitet zwar präzise genug, wirkt aber leicht träge und vermittelt keinen ausgeprägt sportlichen Charakter. Wer ein besonders agiles Kompaktmodell sucht, findet im K4 nicht unbedingt den dynamischsten Vertreter seiner Klasse.
Vorne und hinten: Viel Platz im Kia K4
Im Vergleich zum Ceed ist der K4 deutlich gewachsen. Er misst 4,44 Meter in der Länge und 1,85 Meter in der Breite. Das zusätzliche Format kommt vor allem dem Innenraum zugute. Vorn finden Personen bis etwa 1,95 Meter Körpergröße ausreichend Platz. Besonders stark ist der K4 im Fond: Die Beinfreiheit reicht dort auch für sehr große Mitfahrende.

Auch die Kopffreiheit fällt ordentlich aus. Der Einstieg in den Fond wird durch die breiten Türen erleichtert, allerdings können diese auf engen Parkplätzen hinderlich sein. Nach ADAC Messmethode fasst der Kofferraum 330 Liter, maximal sind bei umgeklappter Rückbank 1235 Liter möglich. Verglichen mit dem Klassen-Primus Golf sind das in der Standardkonfiguration 25 Liter mehr, dieser schluckt nur 305 Liter. Die Ladeöffnung ist groß, die Rücksitze lassen sich umklappen. Eine elektrische Heckklappe ist nicht erhältlich.
Für den Kia K4 ist keine Dachlast zulässig. Damit sind weder Dachbox noch Dachfahrradträger möglich. Positiv fällt dagegen die Anhängelast aus: Gebremst darf der K4 bis zu 1410 Kilogramm ziehen.
Drei Displays und viele Tasten im Innenraum

Auf den ersten Blick wirkt das Cockpitdisplay wie eine durchgehende Einheit. Tatsächlich besteht es aus zwei 12,3 Zoll großen Displays für Instrumente und Infotainment sowie einem kleineren 5,3-Zoll-Display für die Klimasteuerung. Die Darstellung ist übersichtlich, die Menüstruktur logisch.
Ein großer Pluspunkt ist die Bedienung. Kia setzt weiterhin auf klassische Tasten und Direktwahlschalter. Häufig genutzte Funktionen lassen sich deshalb steuern, ohne dass man sie umständlich in Untermenüs suchen muss. Die separate Klimabedienung erleichtert den Alltag zusätzlich. Im Vergleich zu vielen auf Touchbedienung konzentrierten Konzepten ist der K4 damit deutlich einfacher und intuitiver zu bedienen.
Für die Smartphone-Anbindung sind Apple CarPlay und Android Auto an Bord. Updates für das Kia-System erfolgen over the air, also über Mobilfunk und ohne Werkstattbesuch. Je nach Ausstattung gibt es kabelloses Laden, einen Sprachassistenten mit KI-Funktion und einen digitalen Schlüssel, mit dem sich das Fahrzeug per Smartphone öffnen und starten lässt.
Assistenzsysteme: Viel Ausstattung, nicht alles überzeugt

In Sachen Sicherheit bietet der Kia K4 eine breite Auswahl an Assistenzsystemen. Dazu zählen unter anderem ein adaptiver Tempomat, ein Spurwechselassistent, ein Autobahnassistent, eine Ausstiegswarnung, ein Totwinkelassistent und ein Querverkehrswarner mit Bremsfunktion.
Nicht alle Assistenten arbeiten im Alltag überzeugend. Der Aufmerksamkeitswarner reagiert im Test überempfindlich und kann dadurch nerven. Auch die Hands-off-Erkennung des Spurhalteassistenten ist nicht mehr auf dem neuesten Stand. Sie erkennt über das Lenkmoment, ob die Hände am Lenkrad sind. Moderne Systeme arbeiten teils kapazitiv und können die Berührung des Lenkrads zuverlässiger erfassen. Beim K4 kann die ältere Technik dazu führen, dass Warnungen auftreten, obwohl die Hände am Lenkrad sind.
Verbrauch im ADAC Test
Beim Verbrauch zeigt der Kia K4 keine besondere Sparsamkeit. Er genehmigt sich 6,3 Liter Super auf 100 Kilometer. Das ist für einen Kompaktwagen mit Turbobenziner akzeptabel, liegt aber höher als bei vielen Wettbewerbern.
Preis, Ausstattung und Garantie
Die Basisversion des Kia K4 beginnt preislich bei 28.890 Euro. Zur Ausstattung gehören unter anderem 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Sitz- und Lenkradheizung sowie eine Reihe von Assistenzsystemen.
Die Linie Spirit kostet ab 35.890 Euro. Sie bringt unter anderem einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz, induktives Laden fürs Smartphone und Sitzbezüge aus Kunstleder mit. Der vom ADAC getestete Kia K4 1.6 T-GDI kam inklusive Extras auf 38.260 Euro.
Damit bewegt sich der K4 preislich in der Nähe etablierter Kompaktwagen wie des VW Golf. Kia kontert jedoch mit einer umfangreichen Ausstattung und einer im Wettbewerb starken Garantie: 7 Jahre oder 150.000 Kilometer Fahrzeuggarantie sind ein handfestes Kaufargument, hinzu kommen 12 Jahre Durchrostungsgarantie.
Die Top-Ausführung GT-Line beginnt bei 37.290 Euro und umfasst unter anderem ein Sportlenkrad, den Digital Key und sportlichere Designelemente.
Fazit zum Kia K4 im Test
Im ADAC Autotest erreicht der Kia K4 als 1.6 T-GDI die Gesamtnote 2,6. Besonders positiv fallen das gute Platzangebot im Fond, das komfortable Fahrwerk, das niedrige Geräuschniveau, die einfache Bedienung mit vielen physischen Tasten und die umfangreiche Ausstattung auf. Kritik gibt es für den vergleichsweise hohen Verbrauch, die überempfindliche Aufmerksamkeitswarnung, die veraltete Hands-off-Erkennung des Spurhalteassistenten und einige praktische Einschränkungen im Alltag.
Kia K4: Technische Daten
Technische Daten (Herstellerangaben) | Kia K4 1.6 T-GDI Spirit DCT7 (ab 11/25) |
|---|---|
Motorart | Otto |
Hubraum (Verbrennungsmotor) | 1.598 ccm |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 110 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 150 |
Drehmoment (Systemleistung) | 250 Nm |
Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor) | 4.500 U/min |
Antriebsart | Vorderrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 9,1 s |
Höchstgeschwindigkeit | 205 km/h |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 155 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 6,9 l/100 km |
Kofferraumvolumen normal | 438 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.217 l |
Leergewicht (EU) | 1.487 kg |
Zuladung | 453 kg |
Anhängelast ungebremst | 500 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 1.410 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 7 Jahre oder 150.000 km |
Länge x Breite x Höhe | 4.440 mm x 1.850 mm x 1.435 mm |
Grundpreis | 35.890 Euro |
ADAC Messwerte
| ADAC Messwerte (Auszug) | Kia K4 1.6 T-GDI Spirit DCT7 |
|---|---|
Überholvorgang 60–100 km/h | 4,8 s |
Bremsweg aus 100 km/h | 36,6 m |
Wendekreis | 11,5 m |
ADAC Testverbrauch | 6,3 l Super/100 km |
Reichweite | 744 km |
Innengeräusch bei 130 km/h | 65,4 dB(A) |
Leergewicht / Zuladung | 1460 / 480 kg |
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch | 330 / 755 / 1235 l |
Fahrzeugbreite inkl. Außenspiegel | 2,15 m |
ADAC Testnoten
ADAC Testergebnis | Kia K4 1.6 T-GDI Spirit DCT7 (ab 11/25) |
|---|---|
Karosserie | 2,9 |
Innenraum | 2,2 |
Komfort | 2,4 |
Antrieb | 2,1 |
Fahreigenschaften | 2,4 |
Sicherheit | 2,7 |
Umwelt | 2,8 |
Gesamtnote | 2,6 |
sehr gut
0,6 - 1,5
gut
1,6 - 2,5
befriedigend
2,6 - 3,5
ausreichend
3,6 - 4,5
mangelhaft
4,6 - 5,5
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