Ford EcoSport: Mini-SUV im Schatten des Puma

beigener Ford EcoSport faehrt Kuestenstrasse entlang
Ford EcoSport: Von vorn sieht der Kleinwagen-SUV recht bullig aus ∙ © Ford

Mini-SUVs sind nach wie vor der Renner in Deutschland. Auch der Ford EcoSport profitierte lange davon. Doch die Konkurrenz wächst, auch intern. Was hat die aktuelle EcoSport-Generation dagegenzusetzen? Daten, Bilder, Testergebnisse

  • Ford EcoSport ab 18.190 Euro zu haben

  • Der Antrieb: EcoBoost-Benziner in drei Leistungsstufen

  • Viel Platz für Insassen und Gepäck, aber unpraktische Hecktür

Anfangs hat sich der kleine Ford EcoSport ein wenig schwer getan. Als er 2014 auf den Markt kam, gab es einfach schon bessere Angebote – die Materialqualität des EcoSport war vielen zu schlicht, der Fahrkomfort mit rumpeliger Federung wenig ansprechend.

Seit seiner inzwischen auch schon wieder drei Jahre zurückliegenden, grundlegenden Überarbeitung lohnt es sich aber, wieder etwas genauer hinzusehen. Vieles wurde verbessert, was auch deshalb nötig war, weil der kleine SUV mit dem Ford Puma eine attraktive, hausinterne Konkurrenz bekommen hat. Das ist an den Zulassungszahlen von 2020 sehr gut zu erkennen: Der EcoSport wurde in Deutschland 11.552 Mal verkauft, der Newcomer 20.244 Mal. Mit ein Grund: Preislich liegt der EcoSport (ab 18.190 Euro) knapp über dem moderneren Marken-Bruder (ab 17.890 Euro) - obwohl er das wesentlich betagtere Modell ist.

Die bisher für den EcoSport angebotenen Allradversionen wurden mangels Nachfrage gestrichen. Das gilt auch für die Dieselmotoren. Dafür schob Ford Ende 2020 noch eine Active-Variante des EcoSport nach, die ausschließlich mit dem 125 PS starken EcoBoost-Benziner angeboten wird.

Viele kleine Änderungen am Ford EcoSport

Beiger Ford EcoSport faehrt Kuestenstrasse entlang
Schöner ohne: Ein Ersatzrad an der Hecktür kostet 200 Euro extra ∙ © Ford

Selbst wenn die aktuelle Generation nicht völlig neu ist, sondern eher als umfangreiche Überarbeitung durchgeht, wurde kräftig nachgebessert. Vor allem an der Front hat Ford sichtbar Hand angelegt und lässt den EcoSport nun mit hoch angesetztem Kühlergrill wesentlich bulliger erscheinen. Mit zwei Querstreben lehnt sich die Optik an die größeren Brüder Edge und Kuga an. Die modischen Zweifarb-Lackierungen sollen den EcoSport optisch aufpeppen. Allerdings wollen die recht harten Übergänge zwischen Dach/A-Säule und Motorhaube nicht so ganz zu dem kleinen SUV passen.

Das Armaturenbrett wurde komplett erneuert und lehnt sich an den Innenraum des aktuellen Fiesta an. Das ist kein Schaden, denn so sind auch dessen digitale Instrumente und der große Touchscreen eingezogen, der sich einwandfrei über große Drückflächen bedienen lässt. Er wird in den Größen 6,5 (Serie bei Titanium und ST-Line) und acht Zoll verbaut. Nur die schlichtere Basisversion muss mit einem kleinen 4,2-Zoll-Monitor ohne Touchfunktion auskommen.

Im EcoSport findet man sich schnell zurecht. Die Bedientasten der Klimaautomatik liegen zwar recht niedrig, sind aber deutlich beschriftet. Auch das Kombiinstrument lässt sich vorbildlich ablesen und der Bordcomputer bietet alle wichtigen Informationen auf einen Blick.

Bei der Top-Ausstattungslinie Titanium fällt die Ausstattung zeitgemäß aus. Das gilt genauso für die ST-Line, die sportlich orientierte Fahrer ansprechen soll. Bei beiden ist eine Klimaautomatik an Bord, zudem lässt sich der EcoSport mit Xenon-Licht, Parkpilot mit Rückfahrkamera, beheizbarer Frontscheibe, Lederausstattung und zahlreichen anderen Features aufrüsten. Zum Sicherheitspaket gehören sieben serienmäßige Airbags und ein neuer Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer.

Und die Verarbeitung? Kein Glanzstück. Im Rahmen der letzten Modellpflege wurde die Oberseite des Armaturenbretts unterschäumt – ansonsten hat man es aber auch im getesteten Topmodell mit harten Kunststoffoberflächen zu tun. Da darüber hinaus nicht alle Kanten sorgfältig entgratet wurden und die Verkleidung des Mitteltunnels nicht stabil befestigt ist, stellt sich trotz der schicken Sitzbezüge kein wirklich wertiger Eindruck ein.

VW T-Cross: Der Tiguan im Mini-Format

Mit dem VW T-Cross hat der Ford EcoSport einen neuen Konkurrenten bekommen. Der Mini-SUV basiert auf dem VW Polo, ist aber deutlich höher und variabler. Serienmäßig hat er eine verschiebbare Rückbank.

Testfahrt mit dem VW T-Cross

140-PS-Benziner mit guten Fahrleistungen

Ford EcoSport fährt seitlich am Meer entlang
Mit 4,10 Metern Länge zählt der EcoSport zu den Kleinwagen-SUV ∙ © Ford

Drei Benziner (100, 125 und 140 PS) stehen beim EcoSport zur Wahl. Dem stärksten Exemplar im 4,10 Meter langen Mini-SUV (mit Ersatzrad 4,20 Meter) kann man insgesamt ein gutes Arbeitszeugnis ausstellen. Er liefert ein maximales Drehmoment von 210 Newtonmeter ab, bringt seine Leistung mit Nachdruck auf die Straße und wirkt recht munter. Dazu bleibt er selbst dann sparsam, wenn es mal zügiger zur Sache geht. Im gemischten Betrieb sind sechs bis sieben Liter Super je 100 Kilometer realistisch. Die "8" vor dem Komma wird erst dann sichtbar, wenn der kleine Ford auf der Autobahn alles geben muss. Das Sechsgang-Getriebe lässt sich ohne Mucken schalten und ist gut abgestuft.

Der Bremsweg aus 100 km/h bis zum Stillstand fällt im ADAC Test des nicht mehr angebotenen Allrad-Diesels mit durchschnittlich 36,0 Metern nach einer Vollbremsung aus Tempo 100 kurz aus.

In Sachen Komfort kann der EcoSport nicht auftrumpfen, er kämpft mit den typischen Nachteilen, die hochgelegte Autos mit sich bringen. Konkurrenten lassen aber teils mehr Sorgfalt bei der Abstimmung erkennen. Zwar pariert der kleine Ford Wellen auf Landstraßen und Autobahnen mit seiner tendenziell weichen Auslegung manierlich, bei Querfugen, Kanaldeckeln und Asphaltflicken reagiert das Fahrwerk aber störrisch.

Ford EcoSport: Preise ab 18.190 Euro

Der Kofferraum fällt im Klassenvergleich groß aus. Bis zur Kofferraumabdeckung passen in der unteren Stellung des variablen Kofferraumbodens nach ADAC Messung 400 Liter hinein. Ohne Abdeckung lassen sich bis unters Dach 535 Liter verstauen. Dann können – bei oberer Stellung des Kofferraumbodens – fünf handelsübliche Getränkekisten befördert werden. In der unteren Stellung sind es sieben. Klappt man die Rückbank um, fasst der Kofferraum bis zu 1215 Liter.

Vorn ist das Platzangebot im Klassenvergleich großzügig bemessen. Personen bis zu einer Körpergröße von 1,95 Metern finden genügend Beinfreiheit vor, die Kopffreiheit reicht sogar für deutlich größere Insassen. Sind die Vordersitze auf 1,85 Meter große Personen eingestellt, finden im Fond Passagiere bis 1,85 Meter Körpergröße genügend Beinfreiheit vor. Über dem Scheitel ist dann noch etwas Luft. Die Innenraumbreite ist im Klassenvergleich üppig dimensioniert, das Raumempfinden recht angenehm.

Unpraktisch: Die seitlich aufschwenkende Hecktür

Ein Manko ist allerdings geblieben: Nach wie vor gibt es keine Heckklappe, sondern eine seitlich schwenkende Hecktür, die in engen Parklücken den Zugang erschwert. Und ein an der Hecktür befestigtes Reserverad findet man vielleicht an einem zähen Geländeburschen gut, an einem Stadtflitzer wie dem EcoSport hat es aber nichts zu suchen. Stattdessen gibt es nun ein Pannenset. Wer partout auf ein Ersatzrad besteht (200 Euro extra), kommt aber um die unschöne Hecktür-Lösung nach wie vor nicht herum.

Ganz perfekt ist der EcoSport also immer noch nicht – zu Preisen ab 18.190 Euro für den 100-PS-Benziner ist er dennoch ein attraktives Angebot. Wer auf den etwas rustikaleren Charme der Active-Version mit ihrer erhöhten Bodenfreiheit und dem zusätzlichen Karosserieschutz abfährt, ist ab 21.890 Euro dabei.

Technische Daten (Herstellerangaben)

Ford EcoSport 1.0 EcoBoost 100

Ford EcoSport 1.0 EcoBoost 125

Ford EcoSport 1.0 EcoBoost 140

Motor

3-Zylinder-Turbobenziner, 998 cm³, 74 kW/100 PS, 170 Nm bei 1500 - 4500 U/min

3-Zylinder-Turbobenziner, 998 cm³, 92 kW/125 PS, 170 Nm bei 1500 - 4500 U/min

3-Zylinder-Turbobenziner, 998 cm³, 103 kW/140 PS, 210 Nm bei 4400 U/min

Fahrleistungen

11,9 s auf 100 km/h, 170 km/h Spitze

11,0 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze

10,2 s auf 100 km/h, 190 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

5,9 l Super/100 km, 134 g CO₂/km

6,0 l Super/100 km, 136 g CO₂/km

6,0 l Super/100 km, 136 g CO₂/km

Maße

L 4,10 / B 1,77 / H 1,65 m

L 4,10 / B 1,77 / H 1,65 m

L 4,10 / B 1,77 / H 1,65 m

Kofferraum (ADAC Messung)

400 – 1215 l

400 – 1215 l

400 – 1215 l

Preis

EcoSport 1.0 Cool & Connect: ab 18.190 €

EcoSport 1.0 Titanium: ab 20.790 €, Active: ab 21.890 €

ST-Line ab 22.490 €

Das hat uns gefallen: Bequemes Ein-/Aussteigen möglich, gute Übersicht dank erhöhter Sitzposition

Das hat uns nicht gefallen: Geringe Zuladung und Stützlast, teilweise billig wirkende Materialien im Innenraum

EcoSport mit Honeycomb Shelf: Die Biene als Vorbild

Leichte Materialien sind heute das A und O beim Autobau. So besteht der Kofferraumboden des EcoSport aus recyceltem Papier, das zwischen zwei Schichten aus dünnem Fiberglas eingearbeitet wird. Das Papier wird zu wabenartigen Zellen verarbeitet – und ist damit leicht und fest zugleich. Der sogenannte "Honeycomb Shelf" (Bienenwaben-Boden) soll das 100-fache seines Eigengewichts tragen können.

Sehen Sie hier einen Film zum Bienenwaben-Boden

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