Saubere Sache: Der Ford E-Transit transportiert vollelektrisch

Front und Seitenansicht eines fahrenden Ford e-Transit
Nur der blau gestreifte Kühlergrill verrät: Hier fährt der E-Transit© Ford

Europas meistverkaufter Kleintransporter sorgt ab sofort bei seinen Nutzfahrzeug-Kunden für ein sauberes Gewissen: Rein elektrisch hat er sogar bis zu 305 Kilometer Reichweite. Testfahrt, Daten, Infos, Preise.

  • Mit 68-kWh-Batterie 135 oder 198 kW Motorleistung

  • Variabel: Unterschiedliche Radstände, Einzel- oder Doppelkabine

  • Netto-Preis Kastenwagen: Ab 55.845 Euro

Ford E-Transit: Unterschiedliche Varianten

Ford Transporter Familie
Ford E-Transit: Unterschiedliche Längen und Aufbauten © Ford

Es gibt sie noch, die Dinos der Automobilbranche. Zum Beispiel den Kleintransporter Ford Transit: Der Dauerbrenner wird seit 1965 produziert und ist bis heute durch alle Generationen als Kasten- oder Pritschenwagen in unterschiedlichen Versionen erhältlich. Inzwischen wird der "Kasten" als luxuriös ausgestattetes Kleinbusmodell auch in einer Custom-Variante angeboten.
Doch das bevorzugte Transit-Revier bleibt die innerstädtische Baustelle, die Warenauslieferung oder die "letzte Meile" im Versandhandel. Und genau hierhin, wo Lärm oder Abgase besonders belasten, fährt die neueste Generation des Transit jetzt auch vollelektrisch. Zum Markstart als Kastenwagen Einzelkabine-Lkw, Kastenwagen Doppelkabine-Lkw und als Fahrgestell Einzelkabine, die günstigste Variante (ab 53.145 netto).

Inzwischen liefern zwar schon einige andere E-Transporter ihre Waren elektrisch aus, aber Ford hatte bisher nur Mildhybrid- oder Plug-in-Varianten vom Transit und Tourneo im Angebot. Doch der Name Transit ist in der Branche immer noch Trumpf: Schon nach Ankündigung der vollelektrischen Variante gingen mehr als 5000 Blindbestellungen bei Ford ein. Aber ist das Vertrauen gerechtfertigt? Das musste der erste Fahrtermin beweisen.

Keine Überraschungen bei Design und Innenraum

Cockpit des Ford e-Transit
Funktionelles Cockpit: Kaum Veränderungen zum Verbrenner © Ford

Mit dem letzten Facelift hat Ford den Transit ein wenig mehr in Richtung Pkw gerückt. In Sachen Design orientiert sich der Zweitonner mit neuem Kühlergrill, dynamischen Scheinwerfern und einer überarbeiteten Frontschürze an seinem kleineren Bruder Transit Custom. Die E-Transit-Variante unterscheidet sich äußerlich nur wenig von den parallel weiter angebotenen Dieselmodellen: Lediglich die blauen Querstreben im Kühlergrill vorne und der E-Transit-Schriftzug hinten verraten, dass hier der Stromer unterwegs ist.

Keine Überraschungen gibt es auch im Innenraum. Doch die zwei deutschen Ausstattungsvarianten "Basis" und "Trend" bieten gegenüber den entsprechenden Diesel-Pendants einen deutlich erweiterten Lieferumfang.

Bereits die "Basis"-Version wartet mit Ford SYNC 4 auf, der jüngsten Ausbaustufe des Kommunikations- und Entertainmentsystems von Ford. Es besitzt ein 12 Zoll großes Multifunktionsdisplay sowie Cloud-basierte "Always-on"-Konnektivität und empfängt neue Software-Updates "Over The Air" (OTA). Ebenfalls an Bord der "Basis"-Ausstattung ist eine Klimaautomatik sowie die beheizbare Frontscheibe und beheizbare Vordersitze.

Im E-Transit "Trend" kommen weitere Features hinzu, zum Beispiel das intelligente Navigationssystem6, das die effizienteste Route plant und den Fahrer mit aktuellen Informationen zu Ladepunkten, der Verkehrssituation und der Verfügbarkeit von Parkplätzen auf dem Laufenden hält.

Die Liste der zur Verfügung stehenden Assistenten reicht vom Pre-Collision-Assist mit Fußgänger-Erkennung über die intelligente adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Verkehrsschild-Erkennung und den Toter-Winkel-Assistent mit Spurwechselwarnung bis hin zum Fahrspur-Assistent, zur Fahrspurwarnung und zum Kreuzungsassistent.

Ford E-Transit: 68-kWh-Akku, bis zu 305 km Reichweite

Ladeanschluss des Ford e-Transit
Ladebuchse für Wechsel- und Gleichstrom © Ford

Der kraftvolle Elektroantrieb leistet wahlweise 135 kW/184 PS oder 198 kW/269 PS bei einem beeindruckenden Drehmoment-Spitzenwert von 430 Newtonmetern. Die 77-kWh-Batterie des E-Transit mit ihrer nutzbaren Kapazität von 68 kWh (acht Jahre Garantie bei einer Laufleistung von 160.000 km) ermöglicht eine rein elektrische Reichweite nach WLTP-Norm von bis zu 258 Kilometern (135 kW-Motor) oder 305 Kilometern (198 kW). Das ist im Vergleich zur elektrischen Lieferkonkurrenz ein echter Spitzenwert und sollte für die meisten Einsatzzwecke bequem ausreichen.

Ein Pluspunkt des neuen E-Transit ist, dass er sowohl über eine Wechselstrom- als auch über eine Gleichstrom-Ladefunktion verfügt. Der Fahrzeug-Onboard-Charger unterstützt 3-phasiges Wechselstromladen (AC) mit bis zu 11,3 kW und kann die Batterie innerhalb von acht Stunden vollständig aufladen. Besonders leistungsfähig ist die Gleichstrom-Schnellladefunktion (DC), deren Ladeleistung von bis zu 115 kW ein Aufladen des Batterie-Packs in rund 30 Minuten von 15 auf 80 Prozent ermöglichen soll.

Ford E-Transit: Gute Fahrleistungen

Ladebox im Ford e-Transit
Praktisch: Der On-Board-Generator mit 230-Volt-Steckdose © Ford

Insgesamt steht der E-Transit in 25 Varianten zur Verfügung mit verschiedenen Radständen und zwei Dachhöhen. Das zulässige Gesamtgewicht variiert zwischen 3,5 bis 4,25 Tonnen. Die maximale Zuladung beträgt am Beispiel des Kastenwagen-Lkw-Modells bis zu 1720 Kilo. Und die können mit zahlreichen Auf- und Umbaumöglichkeiten genutzt werden, wie man es von der klassischen Verbrenner-Variante gewohnt ist: Die Batterie ist komplett im mittleren Transit-Unterboden untergebracht.

Beim Fahren merkt man von deren Gewicht zum Glück wenig. Schon der 135-kW-Motor hat mit dem Zweitonner recht wenig Mühe, die stärkere 198-kW-Variante brauchen wohl nur die Betriebe, die ständig größere Lasten im anspruchsvolleren Geländelayout transportieren müssen oder von der höheren Reichweite profitieren wollen. In punkto Laufkultur werden beide Aggregate ihre bislang dieselgewöhnten Fahrer ohnehin überraschen.

Kritik verdient hingegen die Rekuperationsstrategie der elektrischen Transit-Modelle. Es gibt lediglich eine fixierte Stufe ("L"), die beim Gaswegnehmen bremsend rekuperiert. Eine zweite, etwas stärkere Stufe wird einmalig beim Antippen der Bremse aktiviert. Hier wäre eine mehrstufige Rekuperation, die über Paddel am Lenkrad exakt angesteuert wird, klar die bessere Lösung.

Und: Im Stand geht der Transit automatisch in einen Kriechgang. Spätestens damit wird das Ein-Pedal-Fahren über das Gaspedal ohnehin unmöglich – doch das empfinden viele Fahrer im innerstädtischen Lieferverkehr als angenehm.

Keine Kritik gibt es beim (notwendigerweise) straff abgestimmten Fahrwerk, das auch gröbere Unebenheiten gut abfedert, und der fein abgestimmten Lenkung, die den großen Transit fast schon handlich bewegen lässt.

Und praktisch: Auf Wunsch lässt sich der E-Transit mit einem On-Board-Generator ausstatten, der auf die Batterie zugreift und maximal 2,3 kW leistet. Diese "Pro Power On Board" genannte 230-Volt-Steckdose – einzigartig im 2-Tonnen-Nutzlast-Segment – kann zum Beispiel für die Kühlung der Fracht genutzt werden oder auf der Baustelle für den Betrieb von Geräten und Werkzeugen, für die sonst ein eigenes Strom-Aggregat erforderlich wäre.

Ford Pro Nutzfahrzeuge: Für die elektrische Zukunft

Schaltung im Ford e-Transit
Neu im E-Transit: Drehschalter für die Gangstufen © Ford

Neu seit 2021 ist "Ford Pro", das Fahrzeugdienstleistungs- und Vertriebsunternehmen für Gewerbekunden, das mit seinem "Rundum-Sorglos-Paket" von der Finanzierung über Ladelösungen bis zu Telematikdiensten den Übergang von Nutzfahrzeugen mit Verbrennungsmotor zu solchen mit vollelektrischen Antrieben beschleunigen soll.
Der erste Schritt ist dabei der vollelektrische E-Transit, doch in den nächsten zwei Jahren kommen vier weitere Modellvarianten mit Elektroantrieb von Ford auf den Markt: Der komplett neue Transit Custom im Segment bis 1,0 Tonnen Zuladung macht den Anfang und der vielseitige Personentransporter Tourneo Custom ist für 2023 angekündigt. 2024 steht dann die nächste Generation des Transit Courier und Tourneo Courier auf dem Plan.

Der E-Transit Kastenwagen kostet als Einzelkabine ab 55.845 Euro netto (66.456 Euro inkl. Mehrwertsteuer), der grundsätzlich in "Trend"-Ausstattung angebotene Kastenwagen mit Doppelkabine steht ab 60.940 Euro netto (brutto ca. 72.519 Euro) bereit und das E-Transit-Fahrgestell mit Einzelkabine kostet ab 53.145 Euro netto (ca. 63.243 Euro brutto).

Für Ford hat die E-Mobilität außer der verbesserten Nachhaltigkeit auch klare wirtschaftliche Vorteile: Neben den wegfallenden Kosten für Kraftstoff wirkt sich insbesondere der geringere Aufwand für Wartungen und Reparaturen positiv aus – die Schätzung von Ford geht von einer rund 40-prozentigen Ersparnis gegenüber einem vergleichbaren Modell mit Dieselmotor aus. Da kommt wohl so mancher Fuhrparkleiter ins Rechnen ...

Ford E-Transit Kastenwagen: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Ford E-Transit Kastenwagen 350 L2 (ab 05/22)

Ford E-Transit Kastenwagen 350 L2 (ab 05/22)

Motorart

Elektro

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

135

198

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

184

269

Drehmoment (Systemleistung)

430 Nm

430 Nm

Antriebsart

Heck

Heck

Beschleunigung 0-100km/h

n.b.

n.b.

Höchstgeschwindigkeit

120 km/h

120 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

258 km

305 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

77,0

77,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

68,0

68,0

Ladeleistung (kW)

AC:7,4-11,3 DC:115,0

AC:7,4-11,3 DC:115,0

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

9.300 l

9.300 l

Zuladung

n.b.

n.b.

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

5.531 mm x 2.059 mm x 2.534 mm

5.531 mm x 2.059 mm x 2.534 mm

Grundpreis

66.456 Euro

68.984 Euro

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