Marktübersicht: Die aktuellen Elektrotransporter

Aufnahme eines Renault Elektro Master E-Tech
Der neue elektrische Renault Master kann mit 130 kW schnellladen© Renault

Noch vor wenigen Jahren war es für Logistikunternehmen, Gemüsehändler oder Bäckereien schwierig bis unmöglich, rein elektrisch angetriebene Lieferwagen zu bekommen. Inzwischen boomt das Angebot der leisen Elektrotransporter. Aktuelle Marktübersicht.

  • Immer mehr Hersteller bieten elektrische Nutzfahrzeuge an

  • VW bringt 2024 einen neuen Transporter auch elektrisch

  • Stellantis-Konzern mit großer Modellpalette

E-Transporter: Die Nachfrage steigt

Als die Deutsche Post DHL Group vor einigen Jahren nach einem Lieferanten für elektrische Paketautos suchte, wurde das Logistikunternehmen nirgends fündig: Kein etablierter Autohersteller konnte oder wollte damals einen E-Lieferwagen anbieten.

Inzwischen nimmt die Zahl der großen Autohersteller, die rein elektrische Transporter anbieten, stetig zu. Die Hersteller wittern angesichts der verschärften Vorgaben zum CO₂-Ausstoß und möglicher Einfahrverbote für Lieferwagen mit Verbrenner in deutsche Innenstädte ein gutes Geschäft.

Und die Nachfrage nach strombetriebenen Nutzfahrzeugen dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen, denn Logistikriesen wie GLS, UPS oder die Otto Group haben sich klare Ziele gesteckt, um mittelfristig klimaneutral zu werden. Der Online-Versandhändler Amazon hat zu diesem Zweck 100.000 elektrische Lieferwagen des US-Herstellers Rivian bestellt. Auch in Europa soll der Amazon-Fuhrpark in den kommenden Jahren stetig um elektrische Lieferfahrzeuge erweitert werden.

Ob die leisen Lieferwagen auch langfristig eine Option für mittelständische und kleinere Betriebe sein können, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Bereits vor dem abrupten Stopp von Umweltbonus und Innovationsprämie durch die Bundesregierung waren gewerbliche Elektrofahrzeuge seit September 2023 von dieser Förderung ausgeschlossen. Wirkliche Schnäppchen waren elektrische Nutzfahrzeuge auch mit dem Umweltbonus nicht. Und so müssen Handwerksbetriebe und Logistikunternehmen weiter tief in die Tasche greifen, wenn sie ihren Fuhrpark elektrifizieren wollen.

Renault setzt auf Trafic und Master

Aufnahme des Renault Trafic EV
Der Motor des Renault Trafic E-Tech Electric bietet 122 PS Leistung© Renault

Ein aktuelles Beispiel: Wer den ab 2024 lieferbaren neuen Renault Trafic E-Tech Electric ordert, muss mindestens 57.700 Euro ausgeben. Dafür bekommt man allerdings nur die Basisversion des elektrischen Kastenwagens. Ein Beifahrerairbag kostet 417 Euro extra, die Anhängerkupplung laut aktueller Preisliste 774 Euro (Stand 1. Dezember 2023). Auf der Habenseite stehen beim neuen Trafic zum Markstart die Varianten L2H1 und L2H2 mit 5,5 Metern Länge und 2,0 beziehungsweise 2,5 Metern Höhe. Das Stauvolumen beträgt je nach Aufbau 5,8 bis 8,9 Kubikmeter.

Angetrieben wird der Trafic E-Tech Electric von einem fremderregten Synchronmotor mit 90 kW (122 PS). Die flache Batterie – es sind zwei Varianten mit 52 bzw. 79 kWh erhältlich – ist unter dem Laderaumboden verbaut. Die Reichweite (nach WLTP) gibt Renault mit bis zu 322 Kilometern an. Zum Markstart kann der Trafic E-Tech Electric maximal mit 22 kW an der AC-Wallbox laden. Später soll der E-Transporter ein Ladesystem für 50-kW-Gleichstromlader erhalten.

Einen passablen Leistungssprung kann auch die Ladetechnik des neuen elektrischen Renault Master verbuchen. Der Master wird ab Frühjahr 2024 erhältlich sein und bekam eine neue aerodynamisch verbesserte Karosserie und zwei Batterievarianten mit 40 und 87 kWh Kapazität spendiert. Damit soll laut Hersteller eine Reichweite ohne Ladestopp von bis zu 410 Kilometern möglich sein.

Dank 22-kW-Wechselstromanschluss ist der große Akku an schnellen Wallboxen spätestens nach vier Stunden voll. Für eilige Kurierdienste pumpt der Master an der Schnellladesäule mit 130 Kilowatt-Peak im Idealfall 229 Kilometer Reichweite in 30 Minuten in den Speicher.

In Kombination mit der kleinen Batterielösung wird der Master von einem 96 kW/130 PS starken E-Motor angetrieben, bei der größeren Speicherkapazität leistet dieser 105 kW/143 PS. In beiden Fällen liefert der E-Antrieb 300 Newtonmeter. Ein Preis für den elektrischen Lademeister ist noch nicht bekannt.

2024: E-Transporter Bildergalerie

Fiat wertet den E-Ducato auf

Seit 40 Jahren ist der Ducato das meistverkaufte Modell von Fiat Professional in der 3,5-Tonnen-Klasse und Basis für unzählige Aus- und Aufbauten. 3,5 Millionen Stück wurden bislang in mehr als 80 Ländern ausgeliefert. Für das neue Modelljahr haben die Fiat-Ingenieure ihren Bestseller überarbeitet – auch in der elektrischen Version. Richtig überzeugen konnte der E-Ducato bislang weder beim Antrieb noch bei der Reichweite. Das Batteriepaket hatte mit seinen 47 beziehungsweise 79 kWh höchstens 300 Kilometer zu bieten, der Antrieb war mit 122 PS eher schwach dimensioniert.

Aufnahme eines Fiat Ducato E-Transporter
Stärkerer Antrieb und 110-kWh-Akku: Fiat hat den E-Ducato überarbeitet© Fiat

Nun bietet Fiat Professional eine 110 kWh große Batterie an, die die Reichweite laut Hersteller um 30 Prozent auf praxistaugliche 420 Kilometer vergrößert. Zudem soll der E-Ducato wesentlich günstiger angeboten werden als sein Vorgänger. Ob die Preise in Zeiten komplett gestrichener Umweltprämien tatsächlich sinken, wird sich zeigen.

Der Antrieb wurde ebenfalls stärker, Fiat kontert elektrische Konkurrenten wie Ford E-Transit und Mercedes eSprinter mit einem 200 kW/270 PS starken E-Motor samt 410 Nm Drehmoment. Wechselstrom lädt der elektrische 3,5-Tonner an der Wallbox mit 11 kW, am Schnelllader füllt der E-Ducato seine Zellen in knapp unter einer Stunde mit bis zu 150 kW. Auch eine Wärmepumpe wird geliefert.

Neben dem E-Ducato hat Fiat auch den elektrischen Kleintransporter Scudo im Programm. Für das Modelljahr 2024 haben die Italiener auch diese Baureihe in vielen Punkten überarbeitet. Neben dem Facelift an der Front mit neuen LED-Scheinwerfern wurde die Serienausstattung um Fernlicht-, Spurhalte-, Aufmerksamkeits- und Notbremsassistent sowie einen Kollisionswarner ergänzt. Ein Abstandstempomat ist optional erhältlich.

Ebenso serienmäßig bietet der E-Scudo einen digitalen Innenspiegel, der über zwei Heckkameras den rückwärtigen Verkehrsraum überwacht. Das nun unten abgeflachte Lenkrad ist gegen Aufpreis beheizbar.

Der E-Scudo startet ab 38.300 Euro mit 100 kW/136 PS starkem Elektroantrieb. Zur Wahl stehen zwei Akkugrößen mit 50 oder 75 kWh für 224 beziehungsweise 351 Kilometer Reichweite.

Auch Opel liefert elektrisch

Aufnahme des Opel Icv Range
Opel hat eCombo, Vivaro Electric und Movano Electric (v.l.n.r) im Programm © Opel

Opel hat sein Angebot an Elektrotransportern ebenfalls aufgefrischt, und so trägt auch der Combo das neue Opel-Markengesicht. Durch Detailverbesserungen am Antrieb sowie eine neue Wärmepumpe gewinnt der elektrische eCombo laut Opel 50 Kilometer Reichweite hinzu und kommt mit einer Akkufüllung nun bis zu 330 Kilometer weit. Die Batterie und der 100 kW/136 PS starke E-Motor bleiben ansonsten unverändert.

Geladen wird serienmäßig weiterhin mit bis zu 7,4 kW, optional ist ein 11-kW-Lader bestellbar. Neu auf der Optionsliste findet sich das im Nutzfahrzeugsegment seltene Matrix-LED-Licht. Der Opel eCombo kostet aktuell ab 39.000 Euro.

Auch der neue Opel Vivaro Electric fährt jetzt mit der charakteristischen Opel Vizor Front vor. Aktuell kostet die Basis des Vivaro Cargo Electric 47.000 Euro. Zum Einstiegspreis liefert Opel einen 50-kWh-Akku, mit dem der elektrische Transporter 223 Kilometer weit kommen soll. Zusätzlich ist ein 75 kWh fassender Akku lieferbar, der den 100 kW/136 PS starken Vivaro Electric laut Hersteller ohne Ladepause bis zu 350 Kilometer (nach WLTP) weit bringt.

In Deutschland ist serienmäßig ein 11-kW-Onboard-Charger verbaut. An einer geeigneten Schnellladesäule soll die Batterie des Vivaro Electric mit bis zu 100 kW in 38 Minuten (50-kWh-Version) von 5 auf 80 Prozent geladen werden können. Beim 75-kWh-Akku werden dafür 45 Minuten benötigt.

Demnächst ist auch der neue Movano Electric (Modelljahr 2024) bestellbar. Der elektrische Transporter kann bis zu 1500 Kilogramm zuladen. Er erhält den neuen 200 kW/270 PS starken Elektromotor und die 110-kWh-Batterie des baugleichen Fiat Ducato. Darüber hinaus soll der Opel Movano in Zukunft auch erstmals als lokal emissionsfreies Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeug erhältlich sein. Preise für den überarbeiteten Movano hat Opel noch nicht genannt, bislang startete der elektrische Movano aber bei rund 58.000 Euro netto ohne Mehrwertsteuer.

2024: VW bringt den E-Bulli

Aufnahme des VW E-Transporter
Ab 2024: Der elektrische VW-Transporter wurde mit Ford entwickelt und soll mit Batterien von 54 oder von 83 kWh (brutto) kommen© Volkswagen

Derzeit läuft bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover noch der aktuelle Bulli VW T6.1 vom Band. 2024 ist für die Baureihe allerdings Schluss. Anstelle des bisherigen Transporters wird Volkswagen einen in Kooperation mit Ford entwickelten VW-Bus auf den Markt bringen. Die beiden Hersteller haben schon vor Jahren eine intensive Kooperation vereinbart. Nach dem VW Amarok (Ford Ranger) und dem VW Caddy (Ford Tourneo Connect) wird der Nachfolger des VW T6.1 auf der technischen Plattform von Ford Tourneo Custom und Ford Transit Custom aufbauen.

Der neue Transporter wird wahlweise mit Diesel-, Hybrid- oder Elektroantrieb lieferbar sein. Die Preise für den bereits bestellbaren VW-Transporter beginnen bei knapp unter 44.000 Euro, ein Preis für den elektrischen Transporter, der den rein elektrischen VW ID.Buzz Cargo ergänzen wird, ist noch nicht bekannt.

Ebenfalls weiter erhältlich ist der als rund sechs Meter langer Kastenwagen verfügbare e-Crafter. Auf maximal 90 km/h beschleunigt dessen 100 kW/136 PS starke Maschine, während die mit 40-kW-Strom in 45 Minuten aufladbare 36-kWh-Batterie 173 WLTP-Kilometer erlaubt. Der mit dem MAN eTGE baugleiche e-Crafter ist für 64.150 Euro zu haben.

Mercedes-Transporter: Mehr Reichweite

Heckaufnahme eines Mercedes eCitan
Mercedes E-Citan: 4,5 Meter lang, 2,9 Kubikmeter Laderaum und bis zu 544 Kilo Nutzlast© Mercedes

Seit 2019 hat Mercedes-Benz den eSprinter im Programm. In der überarbeiteten Version bietet Mercedes zwei Motorvarianten (100 und 150 kW), drei verschiedene Hochvoltbatterievarianten von 56, 81 und 113 kWh und zwei Fahrzeuglängen an. In Verbindung mit dem größten Akku kommt der Kastenwagen laut Hersteller bis zu 400 Kilometer (nach WLTP) weit. Ein 11-kW-Onboard-Lader gehört zur Serienausstattung. An der Schnellladesäule soll der eSprinter mit 115 kW Leistung laden können.

Ebenfalls an Bord ist das Infotainmentsystem MBUX, das die Authentifizierung an der Ladesäule ermöglicht und in Echtzeit abhängig von der Verkehrslage und der Topografie der Route die jeweils aktuelle Reichweite anzeigt.

Außerdem bietet Mercedes den eVito als Kastenwagen mit 150 kW/204 PS starkem Antrieb und 60 kWh großer Batterie (netto) an. Damit soll der optisch überarbeitete eVito maximal 234 Kilometer weit kommen und knapp über eine Tonne Nutzlast transportieren können. Die elektrischen Modelle fahren mit einem neuen Thermomanagement vor, das die Reichweite zusätzlich verbessern soll.

Kleiner und günstiger als der Vito ist der Mercedes E-Citan. Die 4,50 Meter lange Variante des Kastenwagens verfügt über 2,9 Kubikmeter Laderaum und kann bis zu 544 Kilo Nutzlast transportieren. Ein E-Citan mit langem Radstand, 3,7 Kubikmeter Frachtraum und 722 Kilo Zuladung soll später folgen. Beide Modelle haben serienmäßig eine Schiebetür, die zweite ist jeweils aufpreispflichtig.

Ein Pluspunkt des E-Citan ist seine nur 57 Zentimeter hohe Ladekante, die das Beladen erheblich erleichtert. Angetrieben wird der Kleintransporter von einem 90 kW/122 PS starken E-Motor. Laut Hersteller soll der E-Citan nur 19 kWh auf 100 Kilometer verbrauchen.

Der E-Citan hat viele Konkurrenten, denn sein Segment wird bereits vom Stellantis-Konzern und anderen Herstellern beackert. Teilweise mit deutlich günstigeren Fahrzeugen: Ein Fiat e-Doblo etwa startet bei 31.550 Euro, der Toyota Proace City steht bereits ab 29.775 Euro beim Händler. Und der technisch mit dem Citan verwandte Renault Kangoo, der gemeinsam mit dem Mercedes-Kleintransporter im Renault-Werk Maubeuge gebaut wird, kostet sogar 7500 Euro weniger, allerdings bei weniger Ausstattung.

Vollelektrische Ford-Transporter

Aufnahme des Ford E-Transit
Ende 2024 kommt der Ford E-Transit Courier auf den Markt© Ford

Ford hat nicht nur den neuen VW-Transporter mitentwickelt, sondern bringt 2024 auch selbst neue elektrische Kastenwagen auf den deutschen Markt. Noch nicht bestellbar ist der vollektrische Ford Transit Custom. Der E-Transporter bietet bis zu 327 Kilometer Reichweite, zwei E-Motor-Varianten mit 100 oder 160 kW Leistung und soll mit 125 kW schnellladen können. Ende 2024 wird der neue Ford E-Transit Courier wohl zum Händler kommen.

Batteriegrößen wurden noch keine genannt, der Akku soll aber mit bis zu 100 kW schnellladefähig sein. Ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent würde somit rund 35 Minuten dauern. Angetrieben wird der Lieferwagen von einem E-Motor, der 100 kW leistet. Der E-Transit Courier soll über einen Frunk (vorderer Kofferraum) mit 44 Litern Volumen verfügen und bis zu 700 Kilo zuladen können. Der E-Transporter wird ausschließlich als Kastenwagen mit zwei Sitzplätzen angeboten.

Chinesische Transporter für Deutschland

Aufnahme von zweit Maxus E Deliver Transporter
Der chinesische Hersteller Maxus hat für den deutschen Markt den e-Deliver 3 im Programm© Maxus

Mittlerweile wollen auch chinesische Hersteller auf dem europäischen Markt für elektrische Nutzfahrzeuge Fuß fassen. Ein Beispiel ist die Marke Maxus aus dem SAIC-Konzern, die das Modell eDeliver 9 als Kastenwagen, Neunsitzer oder reines Fahrgestell anbietet. Der rund 5,80 Meter lange Elektrotransporter verfügt über bis zu 12.500 Liter Ladevolumen und bis zu 1275 Kilogramm Zuladung.

Angetrieben wird der Maxus von einer 150 kW (204 PS) starken E-Maschine, die im Zusammenspiel mit den zwei Batteriegrößen 72 und 89 kWh laut Hersteller bis zu 405 Kilometer Reichweite erlaubt. Serienmäßig verfügt der eDeliver 9 über einen On-Board-Lader für dreiphasiges Wechselstrom-Laden mit bis zu 11 kW. An der Schnellladesäule soll der Akku des Transporters in 45 Minuten von 20 auf 80 Prozent laden können. Günstig ist der große Maxus nicht. Die Basisversion mit dem 72-kWh-Batteriepaket startet bei 76.743 Euro.

Etwas kleiner und günstiger ist der Maxus eDeliver 3 mit einem Basispreis ab 45.208 Euro. Der Kleintransporter fährt mit einer maximalen Leistung von 118 kW (160 PS) vor und ist mit einer modernen Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit 50 kWh Kapazität ausgestattet. Die maximale Reichweite gibt der Hersteller mit bis zu 371 Kilometern (WLTP-Stadtzyklus) an.

Text mit Material von SP-X