Audi Q4 e-tron im Fahrbericht: Das Facelift macht nicht alles besser

• Lesezeit: 7 Min.

Von Andreas Huber, Wolfgang Rudschies

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Fahraufnahmde des Audi Q4 Etron
Test im Alpenvorland: Audi Q4 e-tron bei der ersten Ausfahrt© Audi/Tobias Sagmeister

Der überarbeitete Audi Q4 e-tron kann bei der ersten Ausfahrt weitgehend überzeugen. Doch einiges am Ingolstädter Elektro-SUV ist so gar nicht Audi-like.

  • Neues Interieur, neuer Motor, mehr Reichweite

  • Akkugrößen bleiben gleich: 63 und 82 kWh

  • Preise ab 47.500 Euro

Mit der Modellüberarbeitung des Q4 e-tron will Audi sein vollelektrisches Kompakt-SUV die nächsten Jahre attraktiv halten. Mit einem behutsam angepassten Äußeren und einem neuen Innenraum soll die Techniklücke zu den neuesten Modellen der Marke wieder kleiner werden. Es gibt mehr Reichweite, und dank Vehicle-to-Load-Funktion lassen sich nun auch externe Geräte mit Strom versorgen – erstmals in einem Audi. Auch Vehicle-to-Home soll mit dem Q4 in Zukunft möglich sein, was ihn zum Stromspeicher für zu Hause machen kann.

Durch das Facelift ist der Audi Q4 e-tron wie die konstruktiv eng verwandten Elektromodelle Škoda Enyaq, VW ID.3 Neo und Cupra Born mit neuer Technik versehen. Auch einen Q4 Sportback mit abfallendem Coupédach gibt es selbstverständlich weiterhin als e-tron.

Audi Q4 e-tron: Frisches Design für Front und Heck

Der Audi Q4 e-tron schräg von hinten auf einer nicht befestigten Straße
Der neue Audi Q4 e-tron hat eine geglättete Heckschürze und andere Rückleuchten© ADAC/Wolfgang Rudschies

Wer sich das Facelift des Q4 zum ersten Mal anschaut, wird überrascht sein, wie dezent die Änderungen ausgefallen sind. Der angedeutete Singleframe-Grill zeigt eine neue Grafik, die Matrix-LED-Leuchten eine neue Tagfahrlicht-Signatur. Letztere ist wie bei allen neuen Audi-Modellen jetzt feiner segmentiert und kann leichter individualisiert werden.

Im Profil ist die Modellüberarbeitung unauffällig, am Heck fallen die geänderte Heckschürze und die neuen optionalen OLED-Rückleuchten auf. Wie bei anderen Audis auch erlauben sie einen höheren Grad an grafischer Individualisierung und beinhalten Sicherheitsfunktionen wie eine Auffahrwarnung.

Bis zu drei Displays für das Elektro-SUV

Display im Audi Q4 e-tron
Künftig gibt es den Q4 auch mit Beifahrerdisplay© AUDI AG

Im Innenraum hat Audi den Q4 einmal auf links gekrempelt. Die Einzeldisplays des Vorgängers sind verschwunden und wurden durch die aus anderen Modellen bekannte Displaylandschaft auf dem Armaturenbrett ersetzt. Das wirkt zwar modern, führt aber unweigerlich dazu, dass es auch im Q4 e-tron keine Tasten mehr für die Klimabedienung gibt. Nun wird alles über den 12,8 Zoll großen Touchscreen gesteuert.

Gegen Aufpreis lässt sich darüber hinaus ein 11,9 Zoll großes Beifahrerdisplay dazubestellen. Der Kofferraum ist im Vergleich zum Vorgänger geringfügig geschrumpft. In der Standard-Konfiguration beträgt das Volumen 515 Liter, mit umgelegter zweiter Sitzreihe sind es 1487 Liter.

Das Infotainment basiert auf Android Automotive OS. Apps von Drittanbietern können über den Audi-eigenen Shop direkt im Hauptbildschirm genutzt werden, ein Smartphone ist dafür laut Audi nicht erforderlich. Ein "lernender Audi-Assistent" steuert Funktionen per Sprache und kann Fragen zu Bordbuch-Inhalten beantworten, über die Anbindung an ChatGPT sind Recherche und Dialog in natürlicher Sprache möglich.

Technik und Antrieb: Neuer Motor, gleiche Akkugrößen

Der Audi Q4 e-tron schräg von vorne in einer schönen Bergkulisse
Macht Spaß: Audi Q4 e-tron Sportback performance mit 210 kW Leistung© ADAC/Wolfgang Rudschies

An den Batteriegrößen hat Audi zum Facelift nicht geschraubt. Weiterhin gibt es einen 63- und einen 82-kWh-Akku, Angaben zur Zellchemie macht Audi nicht. An der Hinterachse kommt allerdings im Basismodell und beim Einstiegs-Allrad ein neuer Motor zum Einsatz, der verglichen mit dem des Vorgängers effizienter sein soll.

Zusammen mit anderen Anpassungen erhöhen sich auch die Reichweiten der einzelnen Modellvarianten um einige Kilometer. So schafft die Coupé-Version Sportback mit großem Akku bis zu 592 Kilometer nach WLTP, beim kleinen Akku sind es 451 Kilometer (SUV: 578/440 Kilometer).

Der Basis-Akku lädt mit bis zu 160 kW am DC-Schnelllader, das größere Modell 165 kW standardmäßig, und beim Top-Modell erlaubt Audi hier sogar bis zu 185 kW. Den Ladehub von 10 auf 80 Prozent geben die Ingolstädter mit bis zu 27 Minuten an. Mit AC, also an der öffentlichen Ladesäule, bleibt es bei 11 kW.

Der Audi Q4 e-tron schräg von hinten vor Bergpanorama
Gleich, aber schnell: Aus dem Stand auf 100 km/h in 6,6 Sekunden© ADAC/Wolfgang Rudschies

Vier Modellvarianten gibt es, wobei nur das Basismodell Q4 e-tron mit dem kleinen 63-kWh-Akku ausgestattet ist. Hier leistet die E-Maschine 150 kW (204 PS) und ein maximales Drehmoment von 350 Nm. Darüber rangiert der Q4 e-tron performance mit 210 kW (286 PS) und maximal 545 Nm. Hier wird bereits der 82-kWh-Speicher verwendet.

Der Q4 e-tron quattro bietet eine Systemleistung von 220 kW (300 PS) und hat Allradantrieb. Hier liegt das maximale Drehmoment vorn bei 134 Nm und hinten bei 350 Nm. Das Topmodell ist der Q4 e-tron quattro performance mit 250 kW (340 PS) Systemleistung. Die Drehmomente hier: vorne weiterhin 134 Nm und hinten bis zu 545 Nm.

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So fühlt sich der Q4 e-tron an

Als Fahrzeug für die erste Ausfahrt stand der Redaktion des ADAC ein Audi Q4 Sportback e-tron performance zur Verfügung. Erster Eindruck auf dem Fahrerplatz: Man hat das Gefühl, in einem recht großen, komfortablen und hochpreisigen Auto zu sitzen. So soll es sein.

Zum Teil wird sich dieser Eindruck auch der Ausstattung verdanken, denn die war im Vorführfahrzeug sehr komplett, umfasste das Technologie-, das Interieur- und das Exterieurpaket. Dazu diverse Licht-Optionen, Audi-Sport-Räder, Akustikverglasung, Sportsitze und Sportlenkrad sowie das Bediensystem MMI experience pro, das MMI-Beifahrerdisplay, ein Augmented-Reality-Head-up-Display und vieles mehr. Wer sich einmal durch eine Preisliste von Audi gewühlt hat, weiß, was das für das Portemonnaie bedeutet. Und das ist nichts Gutes.

Nicht gerecht wird der Q4 dem eigenen Qualitätsanspruch im Innenraum, dafür wirken etliche Bereiche zu wenig wertig. Komischerweise ist das Armaturenbrett obendrauf mit weichem Kunstleder überzogen – eine Stelle, wo man im Alltag eigentlich nie hinfasst. Die Spange am Armaturenbrett, wo man täglich hinfasst, ist hingegen mit einem Stoff überzogen, der sich hart und abweisend anfühlt. Und wenn man mit den Fingern auf die Spange klopft, dann klingt es scheppernd-hohl. Dazu kommen komplett nackte Kunststoffflächen an den Türen und der Mittelkonsole. Das ist so gar nicht Audi-like.

Und so fragt man sich, ob Audi den einstigen Markenkern – den Kunden neben ausgefeilter Technik ein spitzenmäßiges Qualitätserlebnis im Innenraum zu bescheren – aufgegeben hat.

So fährt der Q4 e-tron performance

Redakteur Wofgang Rudschies im Audi Q4 Etron
ADAC Redakteur Wolfgang Rudschies drehte erste Proberunden mit dem neuen Q4© Audi

Was die Fahrqualitäten des Q4 e-tron angeht, verstummt indes nahezu jede Kritik. Das Fahrwerk bietet einen sehr schönen Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit. Die Lenkung ist leichtgängig und reagiert trotzdem direkt. Die Bremsen sind am Bremspedal fein dosierbar. Wer daran Spaß hat, die Stärke der Rekuperation situativ zu wählen, kann das über die Schaltwippen am Lenkrad tun und dadurch das Fahrzeug im Stromverbrauch noch effizienter machen.

Effizienz ist überhaupt ein wichtiges Stichwort. Bei der ausgiebigen Testrunde haben wir laut Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 15,2 kWh erreicht, ohne besonders sparsam gefahren zu sein. Denn es ging auf teils kurzweiligen Bergetappen zügig-beherzt die Steigungen hinauf. Und das macht mit dem 2,2 Tonnen schweren Elektro-SUV erstaunlich viel Spaß.

Zumal das Ansprechverhalten des E-Motors an der Hinterachse schon im Comfort- oder Balanced-Modus prima ausfällt. Wer das volle Leistungspotenzial spüren und ausreizen möchte, wählt am besten das Sport-Programm. Dann packen die 545 Newtonmeter ansatzlos zu. In 6,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h zu beschleunigen, das ist schon eine echte Ansage.

Ein großes Lob gebührt der Abstimmung der Assistenzsysteme im Audi Q4 e-tron. Hier haben die Entwickler vorbildlich gearbeitet, sodass es im Gegensatz zu vielen anderen Neufahrzeugen auf dem Markt nicht notwendig erscheint, irgendetwas von den elektronischen Helferlein abzuschalten.

So klingt der Tempowarner im Q4 nicht wie ein barscher Kontrolleur, sondern mehr wie ein Freund, der gelegentlich daran erinnert, doch auch beim Tempo achtzugeben. Das gleiche Prinzip verfolgt der aktive Spurhalter, der nicht mit Gewalt am Lenkrad zerrt, sondern den Fahrer, wenn es sein muss, sanft auf die Mitte der Spur zurückleitet. Kooperative Assistenz wird das Prinzip bei Euro NCAP genannt.

Von der Beachtung dieses Prinzips sollten sich auch andere Hersteller viel mehr leiten lassen. Der Kunde hat nichts von der Existenz solcher Assistenten, wenn sie oft viel zu früh und mit zu großer Vehemenz eingreifen. Der Kunde hat nur etwas von den Assistenten, wenn sie auch präzise genug arbeiten. Und dafür müssen sie speziell auf das Fahrzeug abgestimmt sein.

Euro NCAP untersucht mit Testreihen, ob Assistenzsysteme die Sicherheit erhöhen – oder ob sie möglicherweise sogar neue Risiken für die Verkehrsteilnehmer mit sich bringen. Zum Beispiel weil es Situationen geben kann, in denen nicht klar ist, inwieweit nun der Fahrer oder das System gerade die Fahraufgaben kontrolliert und ausübt. Es ist also nicht nur die Technik, die einwandfrei funktionieren muss, sondern auch die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Die Tests sind in zwei Hauptbereiche unterteilt. Zum einen wird die kooperative Assistenz geprüft. Dabei kommt es darauf an, dass Fahrer und Auto gut harmonieren. Das heißt: Der Fahrer sollte jederzeit genau wissen, was das Auto tut und inwieweit es die Situation kontrolliert. Außerdem muss das Auto dem Fahrer jederzeit erlauben, das jeweilige Assistenzsystem zu überstimmen, wenn die Situation es erfordert, zum Beispiel bei einem gefährlichen Spurwechsel eines anderen Verkehrsteilnehmers, auf den man reagieren muss. Die Kriterien von Euro NCAP fordern daher eine möglichst perfekte Kooperation zwischen Fahrer und Fahrzeug, ein Gleichgewicht zwischen Fahrereinbindung und Fahrerunterstützung.

Der zweite Prüfbereich ist die Rückfallebene im Notfall (Safety-Back-up), in der Begrifflichkeit des ADAC Notfallassistenz genannt. Technische Grundlage ist der intelligente Notbremsassistent, der das Auto auch in einem komplexen Szenario auf der Autobahn selbstständig und sicher zum Stillstand bringen soll: wenn der Fahrer nicht rechtzeitig auf eine Gefahrensituation reagiert oder im Extremfall – etwa wegen eines Herzinfarkts – ausfällt.

Audi Q4 e-tron im ADAC Autotest

Der ADAC hat den Q4 e-tron in seiner bisherigen Ausführung (vor Facelift) ausgiebig getestet. Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Audi Q4 40 e-tron advanced als PDF. Ein Test nach dem Facelift steht noch aus.

Audi Q4 e-tron Sportback: Daten & Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Audi Q4 Sportback e-tron (ab 07/26)

Audi Q4 Sportback e-tron performance (ab 07/26)

Audi Q4 Sportback e-tron quattro (ab 07/26)

Audi Q4 Sportback e-tron performance quattro (ab 07/26)

Motorart

Elektro
Elektro
Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150
210
220
250

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204
286
299
340

Drehmoment (Systemleistung)

350 Nm
545 Nm
484 Nm
679 Nm

Antriebsart

Hinterrad
Hinterrad
Allrad
Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

8,1 s
6,6 s
6,2 s
5,4 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h
180 km/h
180 km/h
180 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

443 km
582 km
562 km
545 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km
0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

15,2 kWh/100 km
15,5 kWh/100 km
15,9 kWh/100 km
16,1 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

63,0
84,0
82,0
82,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

59,0
79,0
77,0
77,0

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:160,0
AC:11,0 DC:165,0
AC:11,0 DC:165,0
AC:11,0 DC:185,0

Kofferraumvolumen normal

527 l
527 l
527 l
527 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.460 l
1.460 l
1.460 l
1.460 l

Leergewicht (EU)

2.040 kg
2.165 kg
2.240 kg
2.245 kg

Zuladung

515 kg
525 kg
520 kg
525 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg
750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.000 kg
1.000 kg
1.200 kg
1.800 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre
2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.603 mm x 1.865 mm x 1.614 mm
4.603 mm x 1.865 mm x 1.614 mm
4.603 mm x 1.865 mm x 1.614 mm
4.603 mm x 1.865 mm x 1.614 mm

Grundpreis

49.450 Euro
55.450 Euro
57.850 Euro
61.950 Euro

Hier geht es zu den Daten sämtlicher Modellversionen.

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