Test Audi e-tron GT: Dem Porsche Taycan hinterher

• Lesezeit: 6 Min.

Von Wolfgang Rudschies

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Frontansicht eines fahrenden Audi e-tron GT nach Facelift
Der Audi e-tron GT klebt förmlich auf der Straße© Audi

Optisch ist der e-tron GT ein echter Audi, technisch kopiert er praktisch den Porsche Taycan – und fährt ihm trotzdem hinterher. Der ADAC Test deckt die Stärken und Schwächen auf.

  • Im Test: Audi S e-tron GT quattro mit 435 kW

  • Gemessene Reichweite: 526 Kilometer

  • DC-Laden auf der Langstrecke top

Wer sich mit dem Audi e-tron GT beschäftigt, weiß: Eigentlich ist er eine Kopie des Porsche Taycan. Nicht optisch, aber technisch.

Das muss nichts Schlechtes sein. Trotzdem kommt Audi mit dem GT nicht hinter dem Porsche hinterher. Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) wurden im Jahr 2025 nicht mal halb so viele e-tron GT wie Taycan verkauft (1064 vs. 2800 Exemplare). Die solvente Kundschaft setzt offenbar lieber auf das prestigeträchtigere Modell aus Zuffenhausen.

Überraschendes Ergebnis im aktuellen Test des Audi e-tron GT: Anders als der Porsche patzt der Audi in einem Punkt gewaltig.

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Elektro-Sportwagen mit bis zu 620 kW

Heckansicht eines Audi e-tron GT nach Facelift
Selbst die Basisversion wirkt ungemein kraftvoll© ADAC/Wolfgang Rudschies

Die Vielfalt an Leistungsversionen lässt beim vollelektrischen Sportwagen keine Wünsche offen. Schon die Basisausführung des e-tron GT bietet 370 kW/503 PS und – wie sich für einen Sportwagen gehört – exorbitante Fahrleistungen. Die zweite Leistungsstufe stellt 435 kW/592 PS Leistung zur Verfügung.

Als Krönung ist ein RS mit 570 kW/775 PS oder ein RS Performance mit aberwitzigen 620 kW/843 PS erhältlich. Letzter kostet dann atemberaubende 160.500 Euro ohne Extras. Zum aktuellen Test ist ein Audi S e-tron GT quattro mit 435 kW/592 PS angetreten, der für 126.000 Euro in der Preisliste steht.

Paradediszipilin – wie kann es anders sein? – des e-tron GT ist der Fahrspaß. Den bietet der Ingolstädter eigentlich schon mit jeder seiner Versionen zur Genüge. Die getestete Version S sprintet, wenn es sein soll, in 3,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird erst bei 245 km/h abgeregelt. Das Faszinierende dabei sind aber nicht die reinen Fahrwerte, sondern die Art der Beschleunigung: ansatz- und mühelos, linear ohne Drehzahlsprünge, und ohne Getöse.

Wem das typische Motor- und Auspuffgeräusch eines Sportwagens fehlt, der kann ihn sich in den Innenraum des Audi GT einspielen lassen. Das klingt dann allerdings nach dem, was es ist: ein synthetischer Sound aus den Lautsprechern.

Reichweite von 526 Kilometern

Seitenansicht eines stehenden Audi e-tron GT nach Facelift
Fährt schnell, kommt weit: vollelektrischer e-tron GT von Audi © Audi

Auf dem ADAC Prüfstand kommt der 435 kW/592 PS starke Allradler auf eine elektrische Reichweite von 526 Kilometer. Die Herstellerangabe nach WLTP lautet 605 Kilometer. Als Verbrauch gibt Audi 18,2 kWh pro 100 Kilometer an, am Prüfstand des ADAC wurden 20,8 kWh im Test ermittelt. Kein besonders guter Wert, er geht aber angesichts der gebotenen Leistung noch in Ordnung. Wichtig zur Einordnung: Beide Werte enthalten die Energieverluste beim AC-Laden, die Bordcomputerwerte im Display des Fahrzeugs enthalten dagegen keine Ladeverluste.

Wie sich Verbrauch und Reichweite in etwa ändern, wenn es draußen sehr kalt ist oder wenn Autobahngeschwindigkeiten gefahren werden, zeigt der ADAC Reichweitenrechner.

ADAC Reichweitenrechner

Audi S e-tron GT quattro 435 kW (592 PS)

-10

30

50

130

Berechnete Reichweite

586km

(Reichweite laut Hersteller: 605 km)

Als absolut top erweist sich der Audi e-tron GT beim Laden auf der Langstrecke. Von 10 Prozent SoC (State of Charge = Ladestand des Akkus) bis hin zu über 60 Prozent SoC hält der Ingolstädter eine Ladeleistung von 296 kW aufrecht. Selbst bei 80 Prozent lädt der Wagen immer noch mit über 100 kW. Das bedeutet: Nach 20 Minuten Nachladen nimmt der Akku Energie für weitere 382 Kilometer auf. Damit gehört der Audi S e-tron GT quattro zu den besten Elektroautos für die Langstrecke.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Verbrauch.

Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.

Sportlich und komfortabel

Abgerundet werden die Langstreckentugenden durch den – vor allem für eine Sportlimousine – hohen Fahrwerkskomfort. Audi gönnt seinem Elektro-Flaggschiff eine Luftfederung und auf Wunsch ein Aktivfahrwerks-Upgrade. Die Kombination bügelt Unebenheiten kompetent weg und hält die Karosserie bei jedem Tempo und auf jedem Belag in der Waage.

Wer es noch etwas straffer will, wählt die Sport-Kennlinie, die aber ebenfalls noch einen ordentlichen Rest-Komfort bietet. Die Lenkung ist dabei verbindlicher als von Audis Limousinen gewohnt, bleibt im Charakter aber grundsätzlich entspannt. Der e-tron ist tatsächlich eher ein Gran Turismo (GT) für die große Reise als ein knallharter Sportwagen.

Gar nicht zu den guten Eindrücken passt die unzureichende Bremsleistung des Audi. Bei einer Vollbremsung aus 100 km/h benötigt der S e-tron 38,6 Meter. Das ist schon für einen Otto-Normal-Pkw zu lang, für einen Sportwagen geradezu indiskutabel. Verantwortlich für den Patzer ist die 21-Zoll-Mischbereifung mit Bridgestone Potenza Sport. Mit anderen Reifen war der Bremsweg bei einem früheren e-tron GT-Test deutlich besser ausgefallen.

Bedienung des e-tron GT mit Tücken

Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt das Infotainment. Zwar erfreuen Funktionsvielfalt und Informationstiefe – etwa bei der Ladeplanung, die sogar die Spannungsebene der Säulen anzeigt – gleichzeitig ist die Bedienung sehr gewöhnungsbedürftig. Zumal der kleine Touchscreen im Vergleich zu den moderneren Geräten im Audi A6 e-tron oder Q6 e-tron inzwischen ziemlich antiquiert wirkt.

Von einer intuitiven Handhabung ist das System des e-tron GT ein gutes Stück entfernt. Dazu trägt auch das Multifunktionslenkrad bei, das mit sehr empfindlichen Touch-Flächen anstelle von haptischen Knöpfen arbeitet – wer nicht auf seinen Handballen aufpasst, verschiebt schnell mal ein paar Einstellungen.

Platz ist nicht die Stärke des Elektro-Audi

Kofferaum des Audi e-tron GT nach Facelift
Das Gepäckabteil ist klein, die Luke dahin unpraktisch© Audi

Immerhin ist der Audi e-tron GT ein Viersitzer – das hinzubekommen stellt selbst bei einem Sportwagen bei einer Länge von rund fünf Meter ja auch kein Hexenwerk dar. Was der Betrachter aber bereits von außen vermutet, bestätigt die Innenraummessung der ADAC Ingenieure: Die nach hinten stark abfallende Dachlinie geht stark zu Lasten der Kopffreiheit. Bereits 1,75 Meter große Insassen nehmen Kontakt mit dem Dachhimmel auf.

Dabei würde der Platz für die Beine sogar für Insassen mit 2,05 Meter Größe ausreichen, wenn der Vordersitz auf eine 1,85 Meter große Person eingestellt ist. Die kleinen Fensterflächen, der wuchtige Mitteltunnel und der dunkle Dachhimmel sorgen im Fond zudem für ein mäßiges Raumgefühl.

Der Platz im Kofferraum ist okay, sofern man keine Urlaubsreise zu viert macht: Unter der Kofferraumabdeckung fasst der Gepäckraum nach ADAC Messung 310 Liter, alternativ passen sechs handelsübliche Getränkekisten hinein. Klappt man die Rückbank um, lassen sich bis 710 Liter verstauen.

Unter der Haube vorn gibt es einen kleinen Frunk, in dem das Ladekabel oder Kleinkram verschwindet. Dem Wunsch nach einer Anhängerkupplung kann der Audi nicht erfüllen – nicht einmal für einen Fahrradträger.

Fazit: Schnell und entspannt, aber wenig praktisch

Der Audi S e-tron GT quattro ist irre schnell und agil, ohne dabei den Fahrer oder die Fahrerin anzustrengen. Außerdem lädt er auf der Langstrecke so zeiteffektiv wie wenige andere Elektroautos. Von der praktischen Seite her betrachtet kann der dagegen nicht punkten. Und die getestete Mischbereifung sollte Audi sofort aus dem Angebot nehmen, falls das noch nicht geschehen ist.

  • Das hat uns gefallen: überragende Fahrleistungen, ultraschnelles Nachladen auf der Langstrecke, agile und komfortable Fahreigenschaften.

  • Das hat uns nicht gefallen: keine Stütz- und Anhängelast, knapper Fond, mäßiges Kofferraumvolumen, viel zu langer Bremsweg, üppige Fahrzeugbreite (2,16 Meter inkl. Außenspiegel).

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Audi e-tron GT: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Audi S e-tron GT quattro (ab 06/24)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

435

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

592

Drehmoment (Systemleistung)

740 Nm

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

3,6 s

Höchstgeschwindigkeit

245 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

605 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

18,2 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

105,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

97,0

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:320,0

Kofferraumvolumen normal

405 l

Leergewicht (EU)

2.385 kg

Zuladung

455 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

5.004 mm x 1.964 mm x 1.394 mm

Grundpreis

126.000 Euro

Hier finden Sie Daten und Preise sämtlicher Modellversionen des Audi e-tron GT

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)Audi S e-tron GT quattro

Überholvorgang 60 – 100 km/h

1,7 s

Bremsweg aus 100 km/h

38,6 m

Wendekreis

11,1 m

ADAC Testverbrauch

20,8 kWh/100 km

Reichweite

526 km

Innengeräusch bei 130 km/h

65,6 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2374 / 466 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

310 / 710 / - l

Fahrzeugbreite inkl. Außenspiegel

2,16 m

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Audi S e-tron GT quattro (ab 06/24)

Karosserie

2,6

Innenraum

2,3

Komfort

1,7

Antrieb

0,8

Fahreigenschaften

2,4

Sicherheit

2,0

Umwelt

2,8

Gesamtnote

2,2
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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