So alt ist das Auto wirklich

18.7.2019

Ist ein Auto wirklich neu oder stand es vor dem Verkauf schon monatelang auf der Halde? Wir zeigen Ihnen, wo Sie Hinweise auf das Produktionsdatum finden und wie sich das Alter Ihres Fahrzeuges bestimmen lässt.

Viele Autos stehen in einer Reihe
Das Alter eines Fahrzeugs kann man relativ leicht selbst erkennen.
Ist das Herstellungsdatum eines Kombi-Instruments (Tacho, Drehzahlmesser, Tankuhr etc.) bei einem Gebrauchtwagen deutlich jünger als das der anderen Bauteile des Fahrzeuges, ist dieses Bauteil schon einmal ersetzt worden, was ein Hinweis auf eine Tacho-Manipulation sein könnte. Dann sollte man die Kilometerstände von Einträgen im Service-Heft sowie von TÜV-Prüfungen etc. auf Plausibilität prüfen. Deutliche Abweichungen zwischen den Produktionsdaten können generell auf einen Unfallschaden hinweisen, bei dessen Reparaturen jüngere Ersatzteile verwendet wurden. Dies ist beim Gebrauchtwagenkauf von Bedeutung, wenn das Fahrzeug als unfallfrei deklariert wurde. Weisen mehrere Teile nahe beieinander liegende Herstellungsdaten auf, kann man den Bauzeitraum relativ eng eingrenzen.
 

Fahrzeugidentifikationsnummer bzw. Fahrgestellnummer

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Fahrzeugschein, FIN umkreist
Die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) ist eine Buchstaben-Zahlen-Kombination.
Einen ersten Anhaltspunkt kann die Fahrzeugidentifikationsnummer FIN (früher Fahrgestellnummer) geben. Sie steht in den Fahrzeugpapieren und ist in vielen Autos durch die Windschutzscheibe hindurch abzulesen. Außerdem ist sie zumeist im Motorraum in das Blech eingeschlagen (etwa an der Spritzwand zum Fahrgastraum oder auf einem anderen tragenden Teil der Karosserie). Häufig ist die FIN auch im Bereich der Sitzkonsole eingeschlagen. Weiterhin sind häufig schwarze Aufkleber an der B-Säule angebracht, die sichtbar werden, wenn die vordere Tür geöffnet ist. Die meisten großen Hersteller geben mit Buchstaben oder Ziffern an der zehnten Stelle der Fahrgestellnummer das Modelljahr an. Letzteres ist nicht unbedingt mit dem Baujahr identisch, sondern beginnt bei dem einen Hersteller schon im Mai des Vorjahres, bei einem anderen erst im August. Es kann also sein, dass ein Auto Ende des Jahres 2017 produziert wurde, aber schon aus dem Modelljahr 2018 stammt, welches bei diesem Hersteller schon Mitte des Jahres 2017 eingeführt wurde.

Modelljahr

Das Modelljahr wird in der Fahrzeugidentifikationsnummer nach einem normierten Vorgehen (ISO-Norm 3779-1983) abgebildet. Beginnend mit dem Jahr 1971 werden die Jahre nach folgender Reihenfolge bestimmt: 123456789ABCDEFGHJKLMNPRSTVWXY. Die Ziffer 7 bedeutet in diesem Fall also 1977, G bedeutet 1986. Nach jeweils 30 Jahren wiederholt sich dieses Spiel. Somit steht 7 auch für das Modelljahr 2007, K steht für das Modelljahr 2019. Durch den Gesamtzustand und die Baureihe muss daher abgeschätzt werden, ob das Auto also Baujahr 1977 oder doch eher 2007 ist. Das sollte in den meisten Fällen aber kein Problem darstellen.

Beispiel: WOLOAHL4855079040: Opel Astra, Modelljahr 2005

 

Produktionsmarken

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Produktionsmarke Auto
Der Pfeil zeigt auf den Produktionsmonat, die beiden Ziffern geben das Produktionsjahr an.
Viele Fahrzeugbauteile sind – mehr oder minder stark verschlüsselt – mit ihrem Herstellungsdatum gekennzeichnet. Das liegt im Allgemeinen nur wenige Tage oder Wochen vor dem Produktionsdatum des ganzen Autos. Das Datum findet sich häufig an verschiedenen Bauteilen im Motorraum, im Innenraum oder auch im Kofferraum unter dem Bodenbelag. Doch auch die Gurte oder die Fensterscheiben können mit dem Herstellungsdatum versehen sein. Teilweise sind einfach der Monat oder die Kalenderwoche und das Jahr angegeben. Manche Angaben bestehen aus einem Pfeil in einem Kreis von Monatszahlen mit der Pfeilspitze auf dem Produktionsmonat, zusätzlich sind oft noch die beiden letzten Ziffern des Jahres angegeben.

Reifen und Räder

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DOT Nummer auf Reifen
Ziffern 1 und 2: Produktionswoche, Ziffern 3 und 4: Produktionsjahr.

Auf den Flanken von Fahrzeugreifen finden sich in der Regel die Buchstaben DOT (Department of Transportation) und eine vierstellige, besonders markierte Ziffernkombination. Tipp: das Ersatzrad auch prüfen. Dessen DOT-Kennzeichnung sollte aus einem ähnlichen Zeitraum stammen wie die übrigen Räder. 

Leichtmetallräder tragen zumeist auf der Innenseite eine eingegossene Produktionsmarke mit Fertigungsmonat und -jahr. Stahlräder weisen oft am äußeren Felgenrand eingeschlagene Herstellungsdaten auf. Vorsicht: Gefährlich wird es bei Reifen mit einer dreistelligen DOT-Nummer: Diese wurde nur bis Ende der 1990er Jahre verwendet und deutet auf einen mittlerweile sehr alten Pneu hin, der nicht mehr verwendungsfähig ist.

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Fahrzeugalter als Mangel

Stellen Sie fest, dass Ihr Fahrzeug bei Abschluss des Kaufvertrages bereits älter als 12 Monate war, müssen Sie das nicht hinnehmen. Wenn Sie ein fabrikneues Auto bestellt haben, können Sie auch verlangen, dass Sie ein solches übergeben bekommen. Aus rechtlicher Sicht handelt es sich um ein fabrikneues Fahrzeug, wenn und solange das Modell dieses Fahrzeugs unverändert weitergebaut wird, es keine durch die Standzeit bedingten Mängel aufweist und zwischen Herstellung und Kauf nicht mehr als 12 Monate liegen. Ist das Auto schon älter, gilt es nicht mehr als Neufahrzeug und es liegt ein Mangel vor, der zu Ansprüchen gegenüber dem Verkäufer führt. Gleiches gilt für Wohnmobile (BGH-Urteil vom 17.10.2017), obwohl dort oft der Aufbau zeitlich verzögert auf den Fahrzeugrahmen montiert wird.

Fotos: iStock.com/bruev

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