Chikungunyafieber: Wie gefährlich ist diese Infektionskrankheit?

Frau auf einem Boot, auf einem Kanal zwischen Palmen und tropischer Landschaft
Das Chikungunyafieber ist eine tropische Infektionskrankheit, die durch Mückenstiche übertragen wird© iStock.com/SolStock

Das Chikungunyafieber kann starke Gelenkschmerzen verursachen. Risikogebiete sind vor allem die tropischen und subtropischen Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas.

  • Stechmücken sind Überträger

  • Chikungunyafieber heilt meist folgenlos aus

  • Krankheit könnte auch in Europa heimisch werden

Das Chikungunyafieber ist eine tropische Infektionskrankheit, die durch Mückenstiche auf den Menschen übertragen wird. Der Krankheitserreger, das Chikungunyavirus, wurde in den 1950er-Jahren erstmals in Tansania und Uganda beschrieben. "Chikungunya" bedeutet "der gekrümmt Gehende" – ein Hinweis auf die im Zusammenhang mit der Erkrankung auftretenden starken Gelenkbeschwerden, durch die die Betroffenen oft eine gekrümmte Körperhaltung einnehmen.

Stechmücken als Überträger

Das Chikungunyavirus wird hauptsächlich durch den Stich von infizierten Mücken der Gattungen Aedes albopictus (Asiatische Tigermücke) und Aedes aegypti (Gelbfiebermücke) übertragen. Auch über infizierte Menschen können die Mücken das Virus weiterverbreiten. Eine direkte Ansteckung zwischen Menschen konnten Forschende bislang nicht nachweisen. Schwangere Frauen, die sich infizieren, können das Virus allerdings auf ihr ungeborenes Kind übertragen.

Aedes-Mücken brüten bevorzugt in der Nähe von Menschensiedlungen in kleinen Wasserpfützen, die sich zum Beispiel in Blumentöpfen, alten Autoreifen, Vogeltränken oder auf großen Blättern bilden. Brutgebiete sind daher vielfältig und können von Parks, Baustellen bis hin zu Gärten oder Müllhalden reichen. Schwimmbäder eignen sich nicht als Brutplatz, da sich die Larven in gechlortem Wasser nicht entwickeln können.

Eine Impfung gegen das Chikungunyavirus gibt es in Europa bislang nicht. In den USA wurde im November 2023 der weltweit erste Impfstoff gegen das Chikungunyafieber zugelassen. Er kann Personen ab 18 Jahren verabreicht werden, die einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Der Schutz vor Mückenstichen (z.B. langärmelige Kleider, Moskitonetz, Anti-Mückenmittel) ist eine weitere Möglichkeit, um einer Infektion vorzubeugen.

Chikungunyafieber: Symptome

Bis nach einem Mückenstich erste Symptome auftreten, können zwei bis zwölf Tage vergehen (Inkubationszeit). Typische Krankheitsanzeichen sind plötzlich einsetzendes hohes Fieber, starke Gelenkbeschwerden an Händen und Füßen sowie Hautausschlag. Auch Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit sowie harmlose Blutungen, die sich als Blutergüsse auf der Haut äußern, können auftreten. Die akuten Symptome halten etwa sieben bis zehn Tage an.

Close Up einer Stechmücke auf Haut
Das Chikungunyavirus wird hauptsächlich durch Mückenstiche übertragen© Shutterstock/Chinnapong

Verlauf meist harmlos

Normalerweise heilt das Chikungunyafieber folgenlos aus. Bei einigen wenigen Betroffenen (ca. 5 bis 10 Prozent) kann es allerdings Monate und in seltenen Fällen auch Jahre dauern, bis sie vollständig wieder genesen sind und keine Gelenkschmerzen mehr haben. Erkrankte Personen bilden Antikörper, sodass sie in der Regel vor einer erneuten Infektion lebenslang geschützt sind. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (z.B. Personen mit einer chronischen Erkrankung oder ältere Menschen) sowie bei Neugeborenen kommt es mitunter zu schweren Krankheitsverläufen. Das Risiko, an der Viruserkrankung zu sterben, ist aber gering.

Behandlung von Chikungunyafieber

Stellen Sie während oder nach einer Reise – besonders in Risikogebiete, in denen das Chikungunyavirus vorkommt – Beschwerden wie Fieber, Gelenkschmerzen sowie Übelkeit oder Erbrechen fest, sollten Sie sich schnellstmöglich in ärztliche Behandlung begeben.

Wichtig für die Diagnose des Chikungunyafiebers ist eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Dazu gehört vor allem die Frage nach kürzlich erfolgten Reisen der Betroffenen. Haben sie sich in einem der Verbreitungsgebiete aufgehalten, ist eine Infektion wahrscheinlich.

Eine Blutuntersuchung kann die Diagnose sichern. Spezifische Antikörper gegen das Chikungunyavirus sind allerdings erst ab dem achten bis zehnten Krankheitstag nachweisbar. Sowohl bei einem Krankheitsverdacht bzw. wenn das Chikungunyafieber eindeutig diagnostiziert wurde, müssen Ärztinnen und Ärzte und Labore die Erkrankung dem Gesundheitsamt melden. Wichtig ist es auch, weitere Erkrankungen, die ein ähnliches Krankheitsbild hervorrufen, auszuschließen (z.B. Dengue-Fieber oder Malaria).

Bislang steht kein wirksames Medikament zur Verfügung, das die Chikungunyaviren direkt bekämpfen kann. Lediglich die Symptome können behandelt werden. In der Regel verabreichen Ärzte Schmerzmittel und entzündungshemmende Wirkstoffe, um Fieber und Gelenkbeschwerden zu lindern.

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Chikungunyafieber und seine Verbreitung

Das Chikungunyavirus kommt vor allem hier vor:

  • afrikanische Länder (z.B. Senegal, Gambia, Guinea, Tansania)

  • Süden und Südosten Asiens (z.B. Philippinen, Malaysia, Thailand, Kambodscha, Myanmar, Sri Lanka, Indien, Indonesien)

  • seit Ende 2013 auch in Mittel- und Südamerika

Zudem traten auch in Südeuropa bereits saisonale Infektionen und kleinere Ausbrüche auf. In Europa finden die meisten Übertragungen des Chikungunyavirus durch Aedes albopictus, die Asiatische Tigermücke, statt. Aktuell besteht nur ein sehr geringes Risiko, dass das Chikungunyavirus in Europa übertragen wird.

Bei den bislang in Deutschland aufgetretenen Fällen haben sich die betroffenen Personen auf einer Reise angesteckt. Allerdings könnte sich das in Zukunft ändern. Durch die klimatischen Veränderungen in Europa (wie z.B. höhere Temperatur und Luftfeuchtigkeit) findet etwa die Asiatische Tigermücke bessere Brutbedingungen. Für Mitteleuropa erwarten Expertinnen und Experten, dass sich Tigermücken-Populationen etablieren und dadurch das Risiko, sich dort mit dem Chikungunyafieber anzustecken, steigen könnte.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

Autorin: Kathrin Rothfischer