Reisen in der Schwangerschaft

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Von Brit Neuhaus

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Eine schwangere Frau sitzt mit ihrem Partner am Strand
Fliegen ist in der Regel auch während einer Schwangerschaft möglich© iStock.com/skynesher

Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft steht einer Reise nichts im Wege. Allerdings sollten werdende Mütter für einen entspannten Urlaub ein paar Dinge beachten.

  • Das zweite Trimester eignet sich für Reisen am besten

  • Vorsicht bei Komplikationen und Gesundheitsproblemen

  • Bei Flugreisen gibt es oft Einschränkungen der Fluggesellschaft

Kann man in der Schwangerschaft verreisen?

In der Schwangerschaft zu verreisen ist in der Regel kein Problem – solange die Schwangerschaft ohne Komplikationen bei Mutter und Kind verläuft. Damit der Urlaub erholsam und entspannt wird, gibt es jedoch ein paar Dinge, die werdende Mütter bei der Reiseplanung beachten sollten.

Jede Schwangerschaft ist anders, daher ist es ratsam, sich vor einer geplanten Reise ärztlich beraten zu lassen. Nur der behandelnde Arzt oder die Ärztin kann entscheiden, ob im Einzelfall Risiken für Mutter oder Kind bestehen.

Fliegen in der Schwangerschaft?

Fliegen schadet weder der Mutter noch dem ungeborenen Kind. Geeignet sind vor allem kürzere Flüge bis zu etwa vier Stunden Flugdauer. Während der Schwangerschaft erhöht sich das Thromboserisiko auf das Zehnfache. Daher ist auf Langstreckenflügen aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit Vorsicht geboten.

Sollte sich ein Langstreckenflug während der Schwangerschaft nicht vermeiden lassen, ist es ratsam:

  • während des Flugs Kompressionsstrümpfe zu tragen,

  • gelegentlich aufzustehen und auf- und abzulaufen, um den Blutfluss in Gang zu bringen,

  • die Wadenmuskulatur beim Sitzen regelmäßig anzuspannen, um zu verhindern, dass sich das Blut in die Venen zurück staut,

  • ausreichend zu trinken und

  • locker sitzende Kleidung zu tragen

Darf man im 1. Trimesters fliegen?

Theoretisch ist Reisen zu jedem Zeitpunkt in der Schwangerschaft möglich. Wichtig zu wissen:

  • Das zweite Schwangerschaftsdrittel von Woche 14 bis 27 ist besonders gut für einen Urlaub geeignet. Einerseits hat der Körper sich zu diesem Zeitpunkt in der Regel gut auf die neue Situation eingestellt: Der Kreislauf hat sich stabilisiert, die Müdigkeit lässt nach, und auch die morgendliche Übelkeit ist meistens überwunden. Andererseits ist der Körper durch den wachsenden Babybauch noch nicht zu stark belastet.

  • Im ersten Schwangerschaftsdrittel, also bis Woche 13, ist Reisen zwar nicht gefährlich, allerdings besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Blutungen oder eine Fehlgeburt.

  • Im letzten Schwangerschaftsdrittel ab Woche 28 sollten werdende Mütter berücksichtigen, dass die Schwangerschaft nun immer anstrengender wird und alltägliche Tätigkeiten zunehmend schwerer fallen.

Schadet die Strahleneinwirkung im Flugzeug dem Ungeborenen?

Auch, wenn man der Höhenstrahlung auf einem Flug stärker ausgesetzt ist als auf der Erde, ist die Strahlendosis insgesamt so gering, dass keine Gesundheitsschäden zu erwarten sind. Lediglich Frauen, die sehr häufig und vor allem lange Strecken fliegen, sollten die Zahl der Flüge während der Schwangerschaft reduzieren.
Keine Strahlung geht von den Metalldetektoren bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen aus. Diese sind unbedenklich für die werdende Mutter und das Ungeborene.

Bis wann dürfen Schwangere fliegen?

Bei vielen Fluggesellschaften besteht ab der 36. Schwangerschaftswoche ein Flugverbot. Manchmal auch schon früher, z.B. bei Zwillings- oder Mehrlingsgeburten bereits ab der 32. Schwangerschaftswoche. Außerdem verlangen einige Airlines ab der 28. Schwangerschaftswoche ein ärztliches Attest, das die Flugfähigkeit bescheinigt. Da die Regelungen von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft unterschiedlich sind, ist es wichtig, sich bereits vor dem Kauf eines Flugtickets über die jeweiligen Bestimmungen zu informieren.

In manchen Fällen ist es wichtig, vor einer Flugreise ärztlichen Rat einzuholen und im Zweifelsfall auf den Flug zu verzichten. Das gilt zum Beispiel bei

  • zusätzlichen Risikofaktoren für eine Thrombose

  • relevanten gesundheitlichen Problemen, beispielsweise bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen oder Blutarmut

  • einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt

  • gesundheitlichen Problemen beim Ungeborenen

Lebensrettende Daten: Der ADAC Notfallpass

Ein Notfallpass liefert den Rettungskräften im Ernstfall entscheidende Informationen. Im ADAC Notfallpass liegen alle Daten sicher verschlüsselt in der Wallet-App auf dem Smartphone. Er ist bereits in den Großteil der Rettungskette integriert und kann von den Rettungskräften ausgelesen werden.

Wann sollte man schwanger lieber nicht verreisen?

In manchen Situationen ist es besser, während der Schwangerschaft auf eine Reise zu verzichten, und zwar unabhängig vom Transportmittel. Das gilt beispielsweise bei Komplikationen wie Blutungen, frühzeitigen Wehen oder einer Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung).

Aber auch bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft ist das Reisen vor allem in den letzten Schwangerschaftswochen oftmals zu anstrengend. Außerdem hält sich das Baby nicht immer an den errechneten Geburtstermin.

Worauf sollte man bei der Wahl des Reiseziels achten?

Bei der Wahl des Reiseziels sind ein paar Dinge zu beachten:

  • Belastung: Der Körper wird durch die Schwangerschaft stärker beansprucht und Sie reagieren in dieser Zeit möglicherweise empfindlicher auf Stress.

  • Infektionen: In exotischen Ländern besteht häufig ein erhöhtes Risiko für gefährliche Infektionserkrankungen wie Malaria oder Gelbfieber, und die entsprechenden Schutzimpfungen sind in der Schwangerschaft zum Teil nicht erlaubt.

  • Ärztliche Versorgung: Nicht in allen Ländern ist eine optimale medizinische Versorgung gewährleistet.

Besonders geeignet sind Reiseziele innerhalb Europas, die relativ schnell erreichbar sind und in denen in der Regel eine gute medizinische Versorgung vor Ort sichergestellt ist.

Wichtig: Impfschutz während der Schwangerschaft

Ein vollständiger Impfschutz ist nicht nur in exotischen Ländern, sondern auch bei Reisen innerhalb Europas wichtig. Deshalb sollten Frauen im Idealfall bereits vor der Schwangerschaft ihren Impfstatus prüfen lassen. Impfungen mit Lebendimpfstoffen (zum Beispiel Mumps-Masern-Röteln) sind in der Schwangerschaft gar nicht erlaubt, Totimpfstoffe (wie Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten) werden in der Regel erst im zweiten Schwangerschaftsdrittel verabreicht.

Welche Reiseziele sind weniger geeignet?

Bestimmte Reiseziele oder Urlaubsarten sind deshalb während einer Schwangerschaft nicht ideal:

  • Höhen über 2500 Metern

  • Abenteuer- und Rundreisen

  • Tropische Länder mit hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit

  • Reisen mit großer Zeitverschiebung (Jetlag)

Mit Auto oder Bahn in den Urlaub?

Wie Langstreckenflüge sind auch lange Autofahrten in der Schwangerschaft ungünstig, da der Blutfluss in den Beinen eingeschränkt ist. Achten Sie deshalb auf regelmäßige Pausen, in denen Sie sich die Beine vertreten können. Zudem ist es wichtig, auf den richtigen Sitz des Sicherheitsgurtes zu achten: Dieser sollte enganliegend tief unter dem Bauch und im oberen Bereich zwischen den Brüsten verlaufen.

Kommt es zu einem Unfall, ist es während der Schwangerschaft besonders wichtig, sich anschließend ärztlich untersuchen zu lassen – auch bei einem scheinbar nur leichten Unfall ohne erkennbare Folgen. Müssen Sie eine längere Strecke zurücklegen, ist eine Bahnfahrt oft eine sinnvolle Alternative. Hier haben Sie mehr Bewegungsfreiheit, können Ihre Sitzposition nach Belieben ändern und haben die Möglichkeit, während der Reise jederzeit umherzulaufen.

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Checkliste für den Urlaub in der Schwangerschaft

Für einen erholsamen Urlaub sollten Schwangere vor und während des Urlaubs einige Dinge beachten:

  • Ärztliche Beratung: Sprechen Sie vor der Reise mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

  • Medizinische Versorgung: Stellen Sie sicher, dass Sie in ein Land reisen, in dem die medizinische Versorgung gesichert ist. Informieren Sie sich bereits vor Antritt der Reise über gynäkologische Praxen oder Geburtskliniken am Urlaubsort.

  • Mutterpass: Dieser gehört – wie alle wichtigen Dokumente – ins Handgepäck.

  • Medikamente: Nehmen Sie alle Arzneimittel, die Sie benötigen, in ausreichenden Mengen mit, da nicht gewährleistet ist, dass die gleichen Präparate auch im Ausland verfügbar sind.

  • Kontaktdaten des Frauenarztes: Notieren Sie sich die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse Ihrer gynäkologischen Praxis.

  • Reiserücktrittsversicherung: Für Schwangere ist es sinnvoll, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen, die auch mögliche Komplikationen während der Schwangerschaft abdeckt.

  • Krankenversicherung: Klären Sie mit Ihrer Krankenkasse Ihren Versicherungsschutz im Ausland. Unter Umständen ist eine Auslandskrankenversicherung sinnvoll.

  • Lebensmittelvergiftung vorbeugen: Verzichten Sie besonders in wärmeren Ländern auf den Verzehr von ungewaschenem oder ungeschältem Obst und Gemüse, unzureichend gegarten Fleisch- oder Fischgerichten, Speisen mit rohen Eiern (z.B. Mayonnaise) oder Eiswürfeln in Getränken. Sie sind eine häufige Quelle für Bakterien und Viren, die Reisedurchfall auslösen können.

  • Sonnenschutz: Halten Sie sich in warmen Ländern nicht zu lange in der Sonne auf, und verlagern Sie Aktivitäten im Idealfall in die kühleren Morgen- und Abendstunden, da der Kreislauf während der Schwangerschaft stark belastet ist. Außerdem reagiert die Haut schwangerer Frauen besonders empfindlich auf die Sonne, und es kommt leichter zu Hautreizungen oder Sonnenallergien.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.