Durchfall in der Schwangerschaft: Risiko für das Baby?

Eine schwangere Frau fühlt sich schlecht
Durchfall während der Schwangerschaft kann Risiken für Mutter und Kind bergen© iStock.com/Prostock-Studio

Ein Durchfall in der Schwangerschaft ist nicht ungewöhnlich. In einigen Fällen bergen Durchfallerkrankungen für Mutter und Kind jedoch besondere Risiken.

  • Schwangere sind für Magen-Darm-Infekte besonders empfänglich

  • Risiken bestehen vor allem bei starkem Flüssigkeitsverlust

  • Bestimmte Erreger können für das Ungeborene gefährlich werden

Durchfall in der Schwangerschaft ist keine Seltenheit und kann unterschiedliche Gründe haben. Viele Frauen möchten sich in der Schwangerschaft gesünder ernähren und greifen deshalb häufiger zu ballaststoffreichen Lebensmitteln, an die sich der Darm erst gewöhnen muss. Auch Stress und Aufregung durch die neue Lebenssituation können Schwangeren auf den Magen schlagen. Außerdem erhöht sich in der Schwangerschaft das Risiko für eine Lebensmittelvergiftung.

Lebensmittelvergiftungen entstehen durch den Verzehr von verdorbenen Speisen. Diese enthalten verschiedene Krankheitserreger sowie die von ihnen produzierten Giftstoffe. Zu den typischen Auslösern einer Lebensmittelvergiftung zählen zum Beispiel Salmonellen, Listerien, der Darmkeim Escherichia coli (E. coli) sowie Noroviren.

Schwangere Frauen haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, da das Immunsystem während einer Schwangerschaft weniger effektiv arbeitet. Hinzu kommt, dass der Magen aufgrund der hormonellen Umstellungen eine geringere Menge Magensäure produziert. Sie sorgt normalerweise dafür, dass viele Krankheitserreger, die mit der Nahrung in den Organismus gelangen, schon frühzeitig abgetötet werden. Da der Darm bei schwangeren Frauen oft träger arbeitet, verbleiben die überlebenden Erreger außerdem länger im Körper.

Ursachen für Durchfall in der Schwangerschaft

Grundsätzlich kann Durchfall in jedem Trimester auftreten. Das gilt vor allem für Durchfallerkrankungen infolge einer bakteriellen oder viralen Infektion. Durchfall ist allerdings kein typisches Anzeichen für eine Schwangerschaft.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Durchfall steigt vor allem im dritten Trimester an, weil die Gebärmutter zum Ende der Schwangerschaft zunehmend auf den Darm drückt.

Durchfall in der fortgeschrittenen Schwangerschaft kann ein Zeichen dafür sein, dass die Geburt kurz bevorsteht. Es besteht aber kein Grund zur Sorge, wenn es bereits einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zu Durchfall kommt: Dies ist kein Hinweis auf eine mögliche Frühgeburt.

Schadet Durchfall dem Baby im Bauch?

In den meisten Fällen ist ein Durchfall in der Schwangerschaft harmlos, nach kurzer Zeit überstanden und schadet weder der Mutter noch dem Kind. Frauen, die während der Schwangerschaft an Durchfall leiden, sollten allerdings ausreichend trinken, um den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust auszugleichen.

Nur in Ausnahmefällen besteht ein erhöhtes Risiko für das Ungeborene. Das gilt zum Beispiel bei sehr starken Beschwerden mit heftigem, wässrigem Durchfall, insbesondere, wenn Fieber hinzukommt. Unter diesen Umständen kann es leicht zu einer Austrocknung (Dehydratation) und einem Kreislaufzusammenbruch kommen, was sowohl für die Mutter als auch das Kind gefährlich werden kann.

Kann Durchfall eine Fehlgeburt auslösen?

Nicht nur der Durchfall selbst, sondern auch bestimmte Durchfall-Erreger stellen für das Ungeborene eine Gefahr dar. Das gilt vor allem für Bakterien der Gattung Listeria sowie für Salmonellen, denn beide Erreger können über die Nabelschnur und die Plazenta auf das Kind übergehen. Bei einer Salmonellose passiert das nur sehr selten, allerdings besteht in diesem Fall das Risiko einer Frühgeburt.

Infiziert sich das ungeborene Kind mit Listerien, kann es zu frühzeitigen Wehen bis hin zu einer Früh- oder Totgeburt kommen. Das Risiko, dass der Fötus verstirbt, ist umso größer, je früher die Infektion erfolgt. Im dritten Trimester sind die Überlebenschancen des ungeborenen Kindes am größten.

Listeriose in der Schwangerschaft

Bei gesunden Menschen hat ein Kontakt mit Listerien nur selten Auswirkungen. Im Falle einer Erkrankung verläuft diese meist beschwerdefrei oder macht sich nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis zu etwa sechs Tagen lediglich durch leichtes Fieber bemerkbar.

Bei schwangeren Frauen können von der Infektion bis zum Auftreten der ersten Symptome mehr als zwei Monate vergehen, im Schnitt beträgt die Inkubationszeit bei ihnen etwa 28 Tage. Danach entwickelt sich oft ein in der Regel mild ausgeprägtes Krankheitsbild mit grippeartigen Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Es sind jedoch auch symptomfreie Verläufe möglich.

Schwere Verläufe der Listeriose mit einer Blutvergiftung (Sepsis) oder Hirnhautentzündung (Meningitis) treten vor allem bei abwehrgeschwächten Menschen auf, beispielsweise Neugeborenen, alten oder chronisch kranken Menschen. Sie können zu Folgeschäden wie intellektuellen Beeinträchtigungen, Lähmungen, Krampfanfällen oder Blindheit führen. Darüber hinaus können die Bakterien auch andere Organe befallen und schädigen.

Gut zu wissen

Zwar haben schwangere Frauen gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein etwa zehn- bis zwölffach erhöhtes Risiko für Listerien-Infektionen, dennoch sind Listeriosen insgesamt selten. Beispielsweise wurden 2020 hierzulande nur 22 Fälle bei Schwangeren sowie 30 Fälle bei Neugeborenen dokumentiert.

So schützen Sie sich vor Listeriose

Listerien kommen überall in der Umwelt vor und werden durch den Verzehr von unterschiedlichsten Lebensmitteln übertragen, darunter Fleisch und Fisch sowie daraus hergestellte Erzeugnisse, Milch und Milchprodukte, aber auch pflanzliche Lebensmittel. Ein Befall ist weder am Aussehen noch am Geruch der Lebensmittel erkennbar. Zudem überleben Listerien auch in Kühlschränken und Tiefkühltruhen, sie lassen sich ausschließlich durch Erhitzen und Pasteurisieren sicher abtöten.

Um sich während der Schwangerschaft bestmöglich vor einer Infektion mit Listerien zu schützen, ist es empfehlenswert:

  • sich regelmäßig und insbesondere vor dem Essen und nach dem Toilettengang die Hände zu waschen

  • die Küche oder andere Bereiche, in denen Lebensmittel zubereitet werden, nach jeder Benutzung sorgfältig zu reinigen

  • Lebensmittel möglichst frisch zu verzehren, lange Lagerungszeiten zu vermeiden und das Mindesthaltbarkeitsdatum zu beachten

  • Fleisch, Fisch und Geflügel im Kühlschrank getrennt von anderen Lebensmitteln aufzubewahren

  • für die Verarbeitung von rohem Fleisch, Fisch und Geflügel andere Küchenutensilien zu verwenden als für Obst, Gemüse sowie bereits zubereitete Speisen, und diese danach sorgfältig zu reinigen

  • auf den Verzehr von rohem Fleisch und Fleischerzeugnissen zu verzichten (zum Beispiel Salami, roher Schinken oder Tartar)

  • auf den Verzehr von rohem Fisch, Fischerzeugnissen und Meeresfrüchten zu verzichten, einschließlich geräuchertem oder mariniertem Fisch

  • Rohmilch und Rohmilchprodukte (zum Beispiel Camembert, Feta oder Mozzarella) zu meiden

Reisezeit ist Durchfallzeit

Besondere Vorsicht ist im Urlaub geboten, denn Durchfall gehört zu den häufigsten Reisekrankheiten weltweit. Grundsätzlich spricht während einer normal verlaufenden Schwangerschaft nach Rücksprache mit der frauenärztlichen Praxis dennoch nichts gegen eine Urlaubsreise. Allerdings sollten werdende Mütter beachten, dass besonders in warmen Ländern ein deutlich erhöhtes Risiko für Durchfallerkrankungen besteht.

Grund dafür sind vor allem die klimatischen Bedingungen, die es Krankheitserregern leicht machen, sich im Trinkwasser und in Lebensmitteln zu vermehren. Achten Sie deshalb bei der Wahl des Reiseziels auf die hygienischen Verhältnisse und die ärztliche Versorgung vor Ort.

Wie Sie sich am Urlaubsort am besten vor einem Reisedurchfall schützen können, lesen Sie hier.

Was bei Durchfall schnell hilft

Bei Durchfall in der Schwangerschaft ist es für Mutter und Kind besonders wichtig, den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust auszugleichen. Gut geeignet sind dafür beispielsweise ungesüßter Tee oder spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke. Ungeeignet sind hingegen Getränke wie Limonaden, Fruchtsäfte, Kaffee oder Alkohol. Verzichten Sie für ein paar Tage auf schwer verdauliche, fettige Speisen, um Ihren Darm zu entlasten.

Wann ist ärztliche Hilfe wichtig?

Bei schweren, wässrigen Durchfällen, insbesondere in Begleitung von Fieber, ist es nicht immer möglich, in ausreichendem Maße, den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust auszugleichen. In diesem Fall sollten Schwangere umgehend eine Arztpraxis aufsuchen, da es zu einer für Mutter und Kind gefährlichen Austrocknung (Dehydratation) kommen kann.

Das gleiche gilt, wenn Kreislaufprobleme auftreten, die Durchfall-Symptome länger als maximal zwei bis drei Tage anhalten oder dem Stuhlgang Blut beigemischt ist. In diesem Fall besteht der Verdacht auf eine bakterielle Infektion. Diese ist unter Umständen behandlungsbedürftig, beispielsweise wenn es sich um Listeriose handelt. Die Infektion lässt sich ohne Risiko für das Kind mit Antibiotika behandeln. Dabei gilt: Je eher die Therapie beginnt, desto geringer ist das Risiko, dass die Bakterien auf das Kind übergehen.

Die Einnahme von Durchfall-Medikamenten sollten Sie während der Schwangerschaft immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abklären. Die üblicherweise eingesetzten Wirkstoffe können in der Schwangerschaft Probleme verursachen, weil sie die ohnehin oft reduzierte Darmbewegung zusätzlich hemmen.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Ärztin. Alle Angaben ohne Gewähr.