Unfall im Ausland: Was tun?

12.11.2018

Wenn es mit dem Auto kracht, heißt es Ruhe bewahren. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Versicherung, Grüne Karte, Polizei und wie der ADAC Sie beim Unfall im Ausland unterstützt. 

Unfall im Ausland: Reparaturkosten, Mietwagen, Nutzungsausfall – welche Schäden werden erstattet?

Das sollten Sie griffbereit haben

Häufige Fragen nach einem Unfall im Ausland

Grüne Versicherungskarte: Wann und wo brauche ich sie noch?

Die Grüne Karte wird kostenlos von der eigenen Kfz-Versicherung ausgegeben und dient im Ausland als Nachweis der Haftpflichtversicherung. Darauf stehen alle relevanten Daten zu Auto und Versicherung.

In den Mitgliedsstaaten der EU plus Schweiz, Serbien, Norwegen, Island und Liechtenstein wird dieser Nachweis bei einem Unfall nicht mehr benötigt, kann aber hilfreich sein. In anderen Ländern wie z.B. Albanien, Bosnien-Herzegowina, Türkei, Russland und Mazedonien ist die Grüne Karte verpflichtend.

Tipp: Falls Sie nicht sicher sind, fragen Sie vorher bei Ihrem Kfz-Versicherer nach, ob sie das Dokument für Ihr Reiseland benötigen.

Es hat gekracht. Was ist an Ort und Stelle zu tun?

Zunächst müssen Sie die Unfallstelle sichern: Warnblinkanlage an, Warndreieck aufstellen. Die Sicherheitsweste nicht vergessen! Dann sollten Sie Beweise sammeln: Unfallstelle und Fahrzeuge fotografieren, evtl. auch Bremsspuren. Notieren Sie Zeugenaussagen samt Anschriften!

Grundsätzlich gilt: Halten Sie sich nicht unnötig lange auf der Straße auf, auch Mitfahrer sollten schnell raus aus der Gefahrenzone.

Welche Daten des Unfallgegners brauchen Sie für die Schadensregulierung?

Name und Anschrift des Fahrers bzw. des Halters, Kennzeichen, Versicherung und Versicherungsscheinnummer, ggf. die Nummer der Grünen Karte. Im Europäischen Unfallbericht werden alle relevanten Daten abgefragt. Am besten füllen Sie ihn zusammen mit dem Unfallgegner aus.

Wichtig: In manchen Ländern stehen Infos zur Haftpflicht auf einer Plakette an der Windschutzscheibe, z. B. in Italien.

Wann sollte die Polizei kommen?

Immer wenn es Verletzte gibt, der Sachschaden hoch ist, wenn es Streit mit dem Unfallgegner gibt, kein Versicherungsnachweis vorliegt oder Unfallflucht begangen wurde. 

Gut zu wissen: In einigen Ländern, z. B. Frankreich, ist die Polizei nicht verpflichtet, Bagatellunfälle aufzunehmen, in anderen Ländern dagegen muss sie bei jedem Sachschaden gerufen werden. Was wo gilt, steht in den ADAC Merkblättern. Wichtig: Bitten Sie die Polizei um ein Unfallprotokoll!

Wie und wo können Sie Ansprüche bei der Versicherung geltend machen?

Wenn es in einem EU-Land, der Schweiz, Norwegen, Island oder Liechtenstein gekracht hat, können Sie Ansprüche in Deutschland geltend machen. Beim Zentralruf der Deutschen Autoversicherer, Tel. 0800 25 02 600 (kostenlos), erfahren Sie, wer als Regulierungsbeauftragter zuständig ist. Es gilt das Schadensersatzrecht des Unfalllands. In den meisten Ländern außerhalb der EU müssen Sie sich direkt an die ausländische Versicherung wenden.

Gutachter, Mietwagen, Nutzungsausfall, Anwaltskosten: Was steht Ihnen zu?

In jedem Land sind die Kosten, die geltend gemacht werden können, unterschiedlich. So werden Ausgaben für Anwalt und Gutachter oft nicht ersetzt, auch bei Mietwagen und Nutzungsausfall gelten andere Regeln (detaillierte Infos in den Merkblättern). Je nach den Umständen kann es sinnvoll sein, einen Anwalt einzuschalten.

Schmerzensgeld: Was ist bei Verletzungen und Personenschäden zu tun?

Verletzungen sollten von der Polizei protokolliert werden. Um Schmerzensgeldansprüche geltend zu machen, ist es besser, einen Arzt vor Ort aufzusuchen und sich die Verletzung attestieren zu lassen. Deutsche Atteste werden von ausländischen Versicherungen meist nicht anerkannt. Gerade Personenschäden werden, je nach Land, sehr unterschiedlich bewertet. Hier kann ein Anwalt im Unfallland hilfreich sein. Die Kosten werden von einer Rechtschutzversicherung übernommen.

Tipp Icon

Unfall im Ausland: So hilft Ihnen der ADAC

  • ADAC Juristen beraten Mitglieder kostenfrei unter +49 89 76 76 24 23
  • Anschriften von deutschsprechenden ADAC Vertrauensanwälten im Unfallland
  • Die ADAC Notrufzentrale erreichen Sie rund um die Uhr aus dem Ausland unter T +49 89 22 22 22. Die Mitarbeiter helfen Ihnen unter anderem bei Fragen zum Unfall, vermitteln Abschleppunternehmen und organisieren Fahrzeugrücktransporte.
  • Liegt ein Totalschaden vor, können Sie mit der ADAC Notrufzentrale klären, ob Ihr Fahrzeug im Ausland verschrottet wird. Im Rahmen der Plus-Mitgliedschaft werden u. a. die Kosten für Abschleppen (bis zu 300 €), Fahrzeugrücktransport bzw. Verschrottung bei wirtschaftlichem Totalschaden übernommen.
  • Gibt es Verletzte, kontaktieren Sie den ADAC unter T +49 89 76 76 76