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Amsterdam | 02.09.2019

Hyundai Ioniq Elektro: Der vollelektrische Öko-Stromer

Hyundai Ioniq stehend
Limousine mit Fließheck: Der Hyundai Ioniq

Der Hyundai Ioniq Elektro ist nach dem Facelift mit größerer Batterie und mehr Reichweite jetzt noch alltagstauglicher. Fahrbericht, alle Daten, Bilder und Preise.

  • Mehr Reichweite: 311 Kilometer
  • Mehr Leistung: 100 kW/136 PS
  • Mehr Übersicht: bis zu 10,25 Zoll großes Display

Benziner oder Diesel? Gibt's nicht! Wer sich für einen Hyunda Ioniq entscheidet, hat die Qual der Wahl zwischen drei alternativen Antriebskonzepten: Hybrid, Plug-in-Hybrid oder vollelektrisch. 

Der lupenreine Stromer ist in der Trend-Ausstattung von den drei Varianten klar der teuerste: 37.250 Euro (abzüglich der Kaufprämie) muss dem Kunden sein gutes Gewissen wert sein, die vergleichbaren Hybrid- und Plug-in-Pendants gibt's für 13.050 bzw. 7350 Euro weniger.

Doch ist die rein batterieelektrische Variante so viel Geld mehr wert? Wir konnten den Ioniq Elektro nach seinem ersten Facelift schon fahren.

Deutlich verbesserter Antrieb

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Hyundai Ioniq Heck
Unverändert: Das Heck des Ioniq Elektro

Im Mittelpunkt des überarbeiteten Modells steht der effektivere Antrieb. Der Ioniq Elektro geht künftig mit einer 38,2 kWh großen Batterie statt dem 28 kWh-Akku an den Start. Dadurch steigt die Reichweite mit einer Batterieladung auf 311 Kilometer nach WLTP-Norm. Im ADAC Autotest des Vorgängermodells notierten die Prüfer lediglich 210 Kilometer.

Das Batterie-Update ist mit einer Leistungssteigerung um mehr als 13 Prozent auf 100 kW/136 PS verbunden. Mit einem maximalen Drehmoment von 265 Nm spurtet die E-Limousine in knapp 10 Sekunden von null auf 100 km/h, bei ausreichenden 165 km/h wird abgeregelt.

Das spart wertvollen Saft. Und hier war das Vorgängermodell mit einem gemessenen Verbrauch samt Ladeverlusten auf dem Prüfstand mit nur 14,7 kWh im ADAC Ecotest vorbildlich. Für den neuen gibt Hyundai 13,8 kWh Stromverbrauch pro 100 Kilometer an. Wir lassen uns überraschen.

Die Zeit für einen vollständigen Ladezyklus an einer Wallbox mit 4,6 kW Ladestrom liegt bei rund acht Stunden. Problemlos allerdings nur für Kunden mit dem Style- und Premium-Paket: Alle anderen müssen das Ladekabel mit dem Typ-2-Stecker für 389 Euro extra kaufen oder das serienmäßige Notladekabel mit Schukostecker für die Haushaltssteckdose nutzen – was dann bei 2,3 kW Ladestrom allerdings wohl doppelt so lange dauert. Eine merkwürdige und kleinliche Aufpreispolitik.

Immerhin ist der Ioniq dank CCS-Technik auch schnellladefähig: An geeigneten Ladestationen, die sich meist an Autobahnen finden, dauert es weniger als eine Stunde, bis der Akku wieder zu 80 Prozent voll ist.

Gut vernetzt mit Bluelink

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Hyundai Ioniq Cockpit
Neu: Der große Touchscreen über der Mittelkonsole

Äußerlich wurde der neue Ioniq Elektro nur dezent überarbeitet: Eine leicht modifizierte Frontpartie und neu gestaltete 16-Zoll-Leichtmetallfelgen – das war's.

Die auffälligste Veränderung im Innenraum ist neben dem Instrumententräger im Leder-Lock und der stimmungsvollen Ambientebeleuchtung das neue Touchscreen-Display, das in der Mittelkonsole herausragt. Der Bildschirm der serienmäßigen Audioanlage misst in der Diagonale acht Zoll, beim Navisystem sogar 10,25 Zoll. Warum aber der praktische Drehknopf für den manuellen Zoom abgeschafft wurde, bleibt wohl Hyundai-Geheimnis.

Neu ist auch der Telematikdienst Bluelink, der das Fahrzeug per App mit dem Smartphone vernetzt. Mit ihm lässt sich z.B. das Aufladen des Ioniq per Handy programmieren oder kann im Winter schon vorgeheizt werden. Und noch wichtiger: Bluelink bietet Verkehrsinformationen in Echtzeit, eine Anzeige der Ladesäulen in der Nähe und Infos über freie Parkplätze.

Die Fahrerassistenzsysteme wurden um einige Funktionen erweitert. Unter anderem erkennt der serienmäßige autonome Notbremsassistent nun neben Autos und Fußgängern auch Radfahrer.

Nichts geändert hat sich an den Platzverhältnissen: Vorne sitzt man großzügig, hinten fühlt man sich durch die hohe Seitenlinie und die schmalen Seitenscheiben etwas beengt. Das Kofferraum-Volumen fällt mit offiziell 350 Litern zwar geringer aus als bei der Hybrid-Variante, lässt sich dank der niedrigen Ladekante und einem bei geklappter Rückbank fast ebenem Boden gut nutzen.

Strom durch Rekuperation

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Hyundai Ioniq Front
Modifiziert: Die Frontpartie des E-Ioniq

Der Elektromotor mit 100 kW bietet ordentliche Fahrleistungen. Da das maximale Drehmoment von 295 Nm vom Stand weg anliegt, ist flottes Anfahren und Einfädeln in den fließenden Verkehr sehr gut möglich.

Am Lenkrad gibt es Paddel, mit denen die Rekuperation in vier Stufen angepasst werden kann: Links wird die Energierückgewinnung erhöht, rechts zurückgenommen. In der dritten Stufe ist die Rekuperation so stark, dass die Verzögerung im fließenden Verkehr vollkommen ausreicht und man die mechanische Bremse nur zum Anhalten oder bei starken Bremsungen betätigen muss. Ohne Rekuperation (Stufe 0) ist Segeln möglich: Dann rollt der Wagen sehr weit ohne stark zu verzögern, was bei vorausschauender Fahrweise Energie spart.

Weitere Einstellungen ermöglichen die vier Fahrmodi Eco, Komfort, Sport und Eco+. In letzterem Fahrmodus wird der Energieverbrauch nochmals reduziert und dadurch die Reichweite erhöht.

Das Fahrwerk der Elektro-Variante ist recht ausgewogen abgestimmt, lediglich bei niedrigen bis mittleren Geschwindigkeiten werden die Fahrbahnunebenheiten leicht spürbar an die Insassen weitergereicht.

Die Lenkung besitzt eine gute Zentrierung und gibt dem Fahrer eine gute Rückmeldung, fühlt sich lediglich um die Mittellage etwas undefiniert an. Die Bremse lässt sich wie bei fast allen E-Autos, die die Verzögerung zur Rekuperation nutzen, nicht besonders feinfühlig dosieren und spricht bei einer stärkeren Bremsung manchmal ruckartig an.

Aber das sind alles Kleinigkeiten, mit denen überzeugte Fahrer von Elektrofahrzeugen gut leben können. Und der überarbeitete Ioniq ist mit seinem verbesserten Antrieb und dem Zugewinn an Reichweite für viele eine alltagstaugliche Alternative. Wenn er dann noch genauso effizient wie sein Vorgängermodell mit dem Strom umgeht, bleibt er auf der Erfolgsspur.

Technische Daten (Herstellerangaben)
Hyundai Ioniq Elektro Trend
Motor
Permanentmagnet-Synchronelektromotor, 100 kW/136 PS, 295 Nm
Fahrleistungen 9,9 s von 0 auf 100 km/h, 165 km/h Spitze
Verbrauch 13,8 kWh/100 km, 0 g/km CO2
Batteriekapazität / Reichweite
38,3 kWh / 311 km
Maße L 4,47 / B 1,82 / H 1,45 m
Leergewicht / Zuladung
1420 / 405 kg
Preis 37.250 €, Baureihe ab 34.900 € (5 Jahre Garantie)

 

  • Das hat uns gefallen: gutes Platzangebot vorn, ordentliche Fahrleistungen, einfache Bedienung, umfangreiche Serien- und Sicherheitsausstattung, ordentliche Garantie      
  • Das hat uns nicht gefallen: Schlechte Rundumsicht, etwas beengtes Raumgefühl hinten, Typ-2-Stecker nicht serienmäßig

Text: Thomas Kroher. Fotos: Hyundai (4)

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