BMW X2: Erster ADAC Test des Crossover-SUVs

3.9.2018

Moderne SUV-Coupés wie der BMW X2 sollen Kunden begeistern – vor allem mit ungewöhnlichem Design. Wie es um die handfesten Qualitäten steht, klärt der ADAC Autotest. Daten, Preise, Testergebnisse

  • BMW X2 als sportliche Alternative zu X1 und X3
  • Die Preise sind hoch: Der X2 startet ab 34.050 Euro
  • Testverbrauch des 190-PS-Diesel xDrive20d: 5,8 Liter Diesel/100 km

 

Es ist ein Jammer: Von der atemberaubenden Optik des Showcars ist bei der Serienversion des BMW X2 nicht viel übriggeblieben. Beispiele für das, was uns fehlt? Die filigranen Außenspiegel – vielleicht waren sie nicht zulassungsfähig. Oder die Fensterrahmen aus gebürstetem Metall, die wahrscheinlich zu teuer kommen. Die pfeilförmigen Hauptscheinwerfer – sind jetzt genauso rundgelutscht wie die der Konkurrenten. Und die mächtigen Luftöffnungen und Wölbungen in der Frontschürze sind ebenfalls auf Normalmaß zurückgeführt.

"Die größte Herausforderung für uns", so der verantwortliche Projektleiter Dr. Julius Schluppkotten, "war tatsächlich, die Designvorgaben in die Serie zu übertragen. Da haben wir an einigen Punkten unübliche Wege gehen müssen." Die Performance eines BMW sei für ihn das Grundlegende, er müsse sich vor allem sportlich fahren lassen.

Weil die Kunden jedoch regelmäßig das Design als zweitwichtigsten Kaufgrund angeben, hatte dies bei der Entwicklung des Fahrzeugs ebenfalls hohe Priorität. Und obwohl nicht alles technisch machbar war oder aus Kostengründen gestrichen werden musste: Langweilig sieht der X2 auf keinen Fall aus – im Vergleich zum X1 oder dem neuen VW T-Roc wirkt er sogar deutlich dynamischer.

Tolle Fahrleistungen bei 5,8 Liter Verbrauch

Und so fährt er auch: Kraftvoll, agil und jederzeit gut kontrollierbar. Jedenfalls in der Version Xdrive 20d Steptronic, in der höchsten Ausstattung "M Sport X" (mit strafferer Feder-/Dämpfer-Auslegung und 10-Millimeter-Tieferlegung), die für den ersten ADAC Test zur Verfügung stand. Preis: stolze 50.200 Euro. Los geht die Preisliste bei 34.050 Euro für das Einstiegsmodell mit 140 PS starkem Dreizylinder. Auch das ist für ein Auto der unteren Mittelklasse atemberaubend viel.

Dass sich die 190 Diesel-PS des getesteten xDrive20d gut in Szene setzen, verwundert nicht: Seine volle Kraft von 400 Newtonmetern Drehmoment liegt zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen pro Minute an. In 7,7 Sekunden sprintet der BMW auf 100 km/h, erst bei 221 km/h ist Schluss. Und in nur fünf Sekunden ist der Spurt von 60 auf 100 km/h nach den ADAC Messungen abgeschlossen – besser geht es kaum.

Dem Motor mangelt es an Laufkultur

Anders als in den größeren Modellen kann der Diesel im X2 bei der Laufkultur nicht so recht überzeugen. Gerade beim Kaltstart ist der Motor rappelig und brummt vor allem sehr laut. Mit warmem Motor wird es besser, dann ist der Selbstzünder durchschnittlich präsent. Die Achtstufenautomatik von Aisin harmoniert prima mit dem Antrieb, besonders wenn der "Fahrerlebnisschalter" auf Sport eingestellt wird.

Der Verbrauch hält sich in Grenzen: Der realitätsnahe ADAC Ecotest weist einen Durchschnittsverbrauch von 5,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer aus. Auch die Emissionen hat BMW gut im Griff, was die ADAC Messungen auf der Straße mit einem portablen Mesgerät bestätigen. Die aufwändige Abgasreinigung mittels NOx-Speicherkat und Harnstoff- Einspritzung (AdBlue) scheint zu wirken.

Tipp Icon

BMW X1/X2: 5 Sterne im Euro-NCAP-Crashtest

Der BMW X1 ab 2015 und damit der auf den selben Baugruppen basierende BMW X2 erreicht ein gutes 5-Sterne-Ergebnis. Er zeigt nur kleine Schwächen beim Frontcrash und beim Fußgängerschutz. Front-, Seiten- und Vorhangairbags sowie Gurtstraffer inkl. Kraftbegrenzer vorne und hinten, Gurtwarner, ESP, ein Notbremssystem mit Fußgängerwarnung und ein automatisches Notrufsystem sind serienmäßig an Bord. Weitere Fahrerassistenzsysteme kosten Aufpreis.

Hier geht es zu den detaillierten Crashtest-Ergebnissen.

Sehen Sie hier das Video zum BMW-X1-Crashtest*.

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Trotz hoher Preise nicht die aktuellste Technik

Dass man einen SUV bewegt, merkt man an den längeren Federwegen und dem höheren Schwerpunkt – als nervig empfanden wir beides nicht. Die Sitzposition im X2 ist zwei Zentimeter niedriger als im X1, aber neun Zentimeter höher als im 1er-Pkw. Der Übersicht nach hinten nützt das aber leider gar nichts, das Heckfenster ist so klein dimensioniert wie eine Schießscharte.

Nicht mehr zeitgemäß sind die Schlaufen an den Rücksitzen, mit denen man die Lehnen umlegt, denn an sie kommt man auf keinen Fall vom Kofferraum aus ran. Und warum gibt es für die Fondpassagiere keinen USB-Anschluss, sondern nur eine Buchse für den Zigaretten-Anzünder?

Zudem merkt man, dass BMW trotz des stolzen Preises nicht die aktuellste Technik verbaut. So basieren alle aktiven Assistenzsysteme auf der Frontkamera – die von schlechten Sichtverhältnissen häufig lahmgelegt wird. Besser wäre ein zusätzlicher Radar.

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Der Kofferraum fasst zwischen 300 und 1080 Liter

Die Kniefreiheit im Fond ist ausreichend, am Kopf wird’s für Erwachsene aber eng. Der Kofferraum fasst nominell 470 Liter mit einem großen Unterbodenanteil, der mit einem praktischen Einlegebrett abgetrennt ist. Misst man das Volumen nach dem ADAC Standard-Messverfahren darüber, lassen sich nicht sonderlich üppige 300 Liter verstauen, umgeklappt 1080.

Der Kofferraum selbst ist praktisch, weil nicht zerklüftet gestaltet. Glattflächige Seiten erleichtern das Packen. Nur bei der Ladekante erlaubt sich BMW eine Schwäche: Man muss sein Gepäck über stattliche 77 Zentimeter in das Ladeabteil heben.

Die Bedienung des X2 gibt keine Rätsel auf. Zwar bietet das Bordmenü vielfältige Einstellmöglichkeiten, durch die gute Menüstrukturierung findet man sich aber immerhin gut zurecht. Ansonsten ist der BMW ein simpel zu bedienendes Auto, was auch an den einwandfrei ablesbaren Bildschirmen und Anzeigen liegt. Auch die Einstellbarkeit von Sitz und Lenkrad sowie die Erreichbarkeit Bedienelementen lassen keine Klagen aufkommen.

Der X2 wird als Sports Activity Coupé angepriesen, damit soll die Sportlichkeit schon im Namen beschworen werden. Tatsächlich ist der Testwagen sportlich-straff, er hatte das beim M Sport X serienmäßige Sportfahrwerk verbaut. Folglich rollt der BMW sehr trocken über Gullideckel und Straßenschäden, man wird vor allem in der Stadt über den Straßenzustand nie im Unklaren gelassen. Auf Landstraße und Autobahn schluckt das kleinste X-Modell Bodenwellen manierlicher.

Fazit

Insgesamt macht der X2 keine gravierenden Fehler, ist aber trotzdem viel zu teuer. Auch bei BMW findet man für das gleiche Geld bessere Modelle.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum BMW X2 xDrive20d M Sport X Steptronic

 

Technische Daten
(Herstellerangaben)
BMW X2 xDrive 20d M SPort X Steptronic
Motor

4-Zylinder-Turbodiesel, 1995 cm3, 140 kW/190 PS, 400 Nm bei 1750 U/min 

Fahrleistungen 7,7 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 221 km/h 
Verbrauch 4,8 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß: 126 g/km
Maße L 4,36 / B 1,82 / H 1,53 m
Kofferraum 470 – 1355 l
Preis 50.200 € (inkl. "M Sport X"-Ausstattung)

 

ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
5,0 s 
Bremsweg aus 100 km/h
35,4 m
Wendekreis 11,6 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
5,8 l Diesel/100 km , 182 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
1050 km (mit optionalem 61-l-Tank, Serie sind 51 l)
Innengeräusch bei 130 km/h 67,3 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1685 / 505 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 300 / 660 / 1080 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,3
Karosserie/Kofferraum 2,8 
Innenraum 2,4
Komfort 2,6
Motor/Antrieb 1,7
Fahreigenschaften 
2,4
Sicherheit
2,2
Umwelt/EcoTest
2,5

 

  • Das hat uns gefallen: Kraftvoller Dieselmotor. Spontan schaltende Automatik. Gute Bedienbarkeit. Gute Abgasreinigung.       
  • Das hat uns nicht gefallen: Überzogener Preis. Schlechte Sicht nach hinten. Umständlicher Klappmechanismus der Rücksitze. Fehlende USB-Anschlüsse hinten. Nur kamerabasierte Assistenzsysteme.

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: PR.

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